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Paranthropus boisei: Die Verwandlung vom Nussknacker-Menschen zum Grasfresser-Menschen

Paranthropus boisei: Die Verwandlung vom Nussknacker-Menschen zum Grasfresser-Menschen (Wordle) Der Urmensch Paranthropus boisei trägt nicht umsonst den Beinamen „Nussknacker-Mensch“. Er besaß einen mächtigen Kiefer, der für viele Wissenschaftler dafür sprach, dass dieser menschliche Vorfahr in schlechten Zeiten auch Nüsse knacken konnte. Doch neueste Untersuchungen deuten darauf hin, dass seine Eßgewohnheiten allerdings ganz anders gelagert waren. Er stand offensichtlich eher auf Gras und eiferte damit eher Kühen als Eichhörnchen nach.

Die Schädelmerkmale von Paranthropus boisei ließen auf harte pflanzliche Kost wie Nüsse, Früchte oder Samen schließen, die seinen Speiseplan hätten bereichern können. Dafür sprachen ein kräftiger Kiefer, die übergroßen Backenzähne sowie eine extrem ausgebildete Kaumuskulatur. Der Spitzname „Nussknacker-Mensch“ schien deshalb durch und durch berechtigt. Doch die Art ernährte sich wahrscheinlich überwiegend von tropischen Gräsern. Das ergab die Untersuchung von fossilen Zähnen des Nussknacker-Menschen. Diese führte ein amerikanisches Forscherteam rund um Matt Sponheimer von der University of Colorado in Boulder (USA) durch und veröffentlichte ihre Erkenntnisse im Fachmagazin PNAS.

Kohlenstoffisotope, die bei der Photosynthese von Pflanzen in unterschiedlichem Verhältnis entstehen, geben Auskunft über Ernährungsgewohnheiten von Paranthropus boisei

Paranthropus boisei lebte vor mehr als 1 Million Jahren in Ostafrika. Die Ernährungsweise könnte auch Rückschlüsse auf das Aussterben der Art geben. Aus diesem Grund wurden 24 fossile Backenzähne untersucht. Diese konnten 22 Vormenschen zugeordnet werden. Die einzelnen Individuen lebten vor 1,9 bis 1,4 Millionen Jahren im Raum Nord- und Zentralkenia. Bei der Untersuchung der Urmenschen-Zähne wurde vor allem der Zahnschmelz chemisch analysiert. In ihm konnten die Kohlenstoffatome der pflanzlichen Kost nachgewiesen werden. Dabei interessierte die Paläoanthropologen vor allem das Verhältnis der stabilen Kohlenstoff-Isotope C-12 und C-13. Das Verhältnis dieser Isotope liefert trotz der langen, vergangenen Zeitspanne einen zuverlässigen Hinweis auf die Art der gegessenen Pflanzen.

Die Wissenschaftler können so belegen, dass die Nussknacker-Menschen in Kenia keine Bäume, Sträucher oder andere krautige Pflanzen verzehrten, sondern eher auf Süß- und Riedgräser standen.
Die gemessenen Werte in den Zahnschmelzproben zeigen, dass überwiegend grasartige Pflanzen ganz oben auf dem Speiseplan gestanden haben müssen. Bei der Nahrungssuche konkurrierten die Nussknacker-Menschen eher mit den Vorfahren von Zebras, Schweinen oder Nilpferden und weniger mit anderen Primaten, die eher Früchte und Baumblätter bevorzugten. Die mächtigen Kiefer brauchten diese Vorfahren, um große Mengen an Gras zu zermalmen. Die Wissenschaftler hatten nicht unbedingt erwartet, im menschlichen Stammbaum auf einen Vorfahren zu treffen, der die Essensgewohnheiten einer Kuh hatte. Auch in der „näheren Verwandschaft“ – zum Beispiel bei Menschenaffen – kommt diese Ernährungsweise nicht vor.

Die Ernährungsgewohnheiten weiterer Primaten sollen unter die Lupe genommen werden

Nun sollen entsprechende Untersuchungen des Zahnschmelzes auch bei anderen frühen Primatenarten gemacht werden. Auf der Wunschliste der Forscher steht die Gattung Australopithecus ganz oben. Aus ihr spalteten sich letztlich im evolutionären Verlauf zwei Linien auf: Die eine Linie entwickelte sich zur Gattung Paranthropus. Aus der anderen entstand die Gattung Homo. Kenntnisse der Ernährungsgewohnheiten unserer Vorfahren lassen auch Rückschlüsse auf die vorhandene Vegetation und damit auf das Verbreitungsgebiet der Vormenschen zu. Generell sind Arten, die ein breites Nahrungsspektrum bevorzugen, im Vorteil, wenn sich die Umweltbedingungen verändern. In der Regel können sich solche Arten leichter anpassen.

Paranthropus bosei lebte vor 2,3 bis 1,4 Millionen Jahren. Nach dem Fund des ersten Skeletts im Jahre 1959 stellte sich heraus, dass diese Art sehr weit verbreitet war. So wurden Funde in Tansania, Äthiopien und Kenia gemacht. Vor ungefähr 1,4 Millionen Jahren starb die Art allerdings aus bislang ungeklärten Gründen aus.

 


Quellen:

 

Aktualisiert ( Donnerstag, 02. Februar 2012 um 14:04 Uhr )
 

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