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Stammt der Homo erectus gar nicht aus Afrika sondern aus dem Kaukasus?

Stammt der Homo erectus gar nicht aus Afrika sondern aus dem Kaukasus?  (Wordle) Die bisherige Lehrmeinung geht davon aus, dass in Afrika die Wiege der Menschheit stant und sich Homo erectus dort ebenfalls entwickelte. Nun tauchen allerdings neue Fossilien auf, die daran zweifeln lassen. Eventuell entwickelte sich die Urmenschen-Art im Kaukasus.

Homo erectus gehört zu den Vorgängern des modernen Menschen. Bislang steht in den Geschichtsbüchern, dass die ersten Menschen von Afrika aus die Welt eroberten. Jetzt gibt es dagegen Indizien, die zum Umdenken bewegen. Möglicherweise verliefen diese frühen Wanderungen nicht ausschließlich in einer Richtung ab. Afrika war offensichtlich keine Einbahnstraße wie Ausgrabungen von amerikanischen Forschern im Kaukasus ergaben. Sie zeigen, dass die Region bereits sehr viel früher besiedelt wurde, als man bislang wusste. Es dürfte daher auch nicht ganz unwahrscheinlich sein, dass sich der Homo erectus in Eurasien entwickelte und von dort wieder zurück in die alte Heimat Afrika wanderte. Dies berichten die Forscher rund um Reid Ferring von der Universität Nord Texas (USA) zumindest in einem Fachartikel, der PNAS (Proceedings of the National Academy of Science.

Die Belege, die man bislang in Eurasien fand, belegen, dass dort sehr alte primitive Populationen gelebt haben müssen.
Erst kürzlich wurde in der Region um Dmanisi in Georgien entdeckt, dass dort der Homo erectus zur gleichen Zeit siedelte wie er im Osten Afrikas auftauchte. Brisant wird die Entdeckung, dass die Forscher davon ausgehen, dass die Siedlungsspuren in Georgien möglicherweise sogar älter sind als die in Ostafrika.
Ferrings Team entdeckte gemeinsam mit David Lordkipanidze vom Georgia National Museum in Dmanisi über 100 Werkzeuge und andere Gegenstände aus Stein in tiefer liegenden Gesteinschichten. Diese Funde werden auf ein Alter von über 1,85 Millionen Jahren geschätzt.

Die bislang in Dmanisi gefundenen Knochen wurden nur auf rund 1,7 Millionen Jahre datiert. Die jetzt gefundenen Fossilien lassen zwei Schlüsse zu: Die Entdeckungen sind zum einen deutlich älter als die bisherigen Funde. Und zum anderen muss es in der Region eine Population gegeben haben, die dort über eine längere Zeitspanne ansässig war. Ob man in diesem Zusammenhang bereits von sesshaft reden kann, bleibt Definitionssache. Im Fachartikel stellen die Wissenschaftler jedenfalls fest, dass es sich bei den gefundenen Überresten nicht um Kolonialisten gehandelt haben kann, die lediglich auf Durchreise gewesen waren.

Die Funde sind die bislang ältesten Homo erectus-Funde außerhalb Afrikas

Die Bewohner der Fundstelle sind die ältesten bekannten Individuen der Gattung Homo erectus außerhalb Afrikas. Die Forscher schließen es daher nicht aus, dass sich diese Urmenschen vom Kaukasus aus in Richtung Afrika ausbreiteten und nicht umgekehrt – wie bislang angenommen.
Belege für diesen Richtungswechsel bei der Ausbreitung müssen allerdings weitere Untersuchungen und Ausgrabungen finden. Die bisherige Theorie, dass Homo erectus von Afrika aus die weite Welt eroberte, ist jedoch zunächst ins Wanken geraten.

Der Achäologe Will Roebroeks, der an der Universität Leiden in den Niederlanden forscht, bezeichnet die Feststellungen seiner amerikanischen Kollegen als wichtige Beobachtung, die das Wissen über die frühe Besiedlung Eurasiens bereichert. Roebroeks selbst veröffentlichte 2005 einen Artikel, in dem er versuchte nachzuweisen, dass Asien die Region war, in der der Homo erectus wesentliche Schritte seiner Entwicklung vollzog.

Fossile Funde? Bislang leider Fehlanzeige

Deutlich kritischer ist allerdings Kollege Richard Potts, der am Smithsonian’s National Museum of Natural History eine Stelle besetzt. Ihn überzeugt die neue Theorie nicht, da die Dmanisi-Objekte nur Steinwerkzeuge sind und keine Knochen. Er gibt daher zu bedenken, dass man nicht genau wissen kann, wer der Urheber der Gegenstände war. Seiner Ansicht nach kann der Beweis nur dann gelingen, wenn tatsächlich fossiles Material aus der Zeitspanne zwischen 1,85 bis 1,78 Millionen Jahren entdeckt werden würde.

Die wissenschaftliche Diskussion ist jedenfalls entbrannt und viele Stimmen melden sich zu Wort. Vielleicht klingt in den Aussagen von Michael D. Petraglia von der Universität von Oxford (UK) bereits ein Konsens durch. Auch Petraglia hält die gefundenen Steinwerkzeuge für bedeutend, denn sie sind Belege für die älteste und im Moment am besten dokumentierte Besiedlung Asiens durch einen menschlichen Urahn. Möglicherweise breitete sich Homo erectus wirklich vor über 1,85 Millionen Jahren oder noch früher über Afrika hinaus aus. Petraglia allerdings bezweifelt ebenfalls, dass eine größere Wanderung in die Gegenrichtung stattgefunden hat.

 


Quelle:

 

Aktualisiert ( Donnerstag, 02. Februar 2012 um 13:34 Uhr )
 

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