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NRW: Bergung eines Brunnens aus der Steinzeit sorgt für Furore

NRW: Bergung eines Brunnen aus der Steinzeit sorgt für Furore (Wordle) Das gute Stück, dass nun das Tageslicht in Nordrhein-Westfalen (Deutschland) wieder erblickte, ist kein Leichtgewicht. Es ist über 20 Tonnen schwer. Allein diese Angabe ist noch kein Argument dafür, warum Archäologen bei dieser Meldung in Verzückung geraten ...
Okay, lassen wir die Katze komplett aus dem Sack: In der Nähe von Niederzier im Rheinland wurde ein rund 7100 Jahre alter Steinzeit-Brunnen entdeckt. Die Brunnenüberreste sind nun von den zuständigen Stellen geborgen worden. Dabei stellte sich heraus, dass allein der besonders gut erhaltene Brunnen-Boden aus Eichenholz stolze 20 Tonnen auf die Waage bringt. Ursprünglich war der Brunnen bis zu 15 Meter tief. Damit ist das Wasserreservoir der bislang tiefste gefundene Brunnen aus der Steinzeit in Europa. Er ist noch dazu einer der ältesten.

Dank der Konservierung im vom Grundwasser gespeisten feuchten und sauerstoffarmen Millieu sind 1,20 m des Brunnenkastens noch vorzüglich erhalten. Der Fund am Rande des Braunkohletagebaus Hambach wird deswegen auch als sensationell eingestuft. Für die Baumeister der damaligen Zeit war der Bau des trichterförmigen Kastens eine Meisterleistung. Die Baumeister mussten in etwa 1000 Kubikmeter Sand aus dem 15 Meter tiefen Schacht schaffen.

Steinzeitliches Meisterwerk der Wasserversorgung

Die Wissenschaftler hoffen auf weitere Erkenntnisse. So soll das Alter der Eichenbretter anhand der Jahresringe bestimmt werden. Denn bislang gehen die Experten davon aus, dass der Brunnen von den Bandkeramikern genutzt wurde. Dieses Volk lebte vor 5500 bis 4900 Jahren vor Christus. Da sie ihre Tongefäße mit eingeritzten bänderartigen Verzierungen schmückten, bekamen sie den Namen Bandkeramiker. Es ist nicht auszuschließen, dass im Brunnensediment, das nun mit ans Tageslicht geholt wurde, weitere Funde schlummern, die mehr über die Lebensweise der Menschen der damaligen Zeit verraten. Die Archäologen hoffen auf Werkzeuge, Feuersteinklingen. Vielleicht finden sich auch fossile Steinzeit-Insekten, Scherben, Flechtwerk oder Lederutensilien.
Dank weiterer Funde wie steinzeitliche Gräber, Überresten von Häusern und dergleichen mehr wissen die Experten mittlerweile, dass in den besten Zeiten ca. 100 bis 150 Menschen in der nahegelegenen steinzeitlichen Siedlung gelebt haben und sich aus dem Brunnen mit Wasser versorgten.

Genauere Untersuchung soll weitere Erkenntnisse ans Tageslicht bringen

Bevor der Fund im LVR-Landesmuseum in Bonn ausgestellt wird, ist daher eine eingehende Untersuchung notwendig. Zunächst wird der Brunnenboden mehrere Monate auf dem Gelände von RWE Power Schicht für Schicht untersucht.

Auf die ersten Spuren des Brunnen stieß 2006 Jan Janssens, seines Zeichens damaliger technischer Grabungsleiter des LVR. Er war es, der die Bandkeramiker-Siedlung entdeckte und hinter eine Mulde im Erdboden den Brunnen vermutete. 2008 gruben sich die Spezialisten direkt neben dem Brunnen in die Tiefe und konnten den Fund bestätigen. Dieses Jahr schloss sich der Kreis, als ein schwerer Raupenbagger die Überreste des steinzeitliche Bauwerks am Haken hatte.

 


Quellen:

 

Aktualisiert ( Donnerstag, 02. Februar 2012 um 12:52 Uhr )
 

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