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Stone Age-CSI : DNA-Spuren belegen Paarung von Neandertaler und Homo sapiens

Stone Age-CSI : DNA-Spuren belegen Paarung von Neandertaler und Homo sapiens (wordle)Wie sahen Begegnungen zwischen der ersten modernen Menschen und den Neandertalern aus? War man sich sympathisch? Ging man sich aus dem Weg? Oder bekämpfte man sich gar? All diese Fragen stellt sich die Wissenschaft schon seit Jahrzehnten. Nun spricht eine weitere Studie zum menschlichen Erbgut für die Theorie, dass es zwischen den beiden Arten vor Jahrtausenden zum sexuellen Austausch kam. Letztlich findet sich nur im Genom von Afrikanern kein Hinweis auf den verschwundenen, menschlichen Cousin.

Ein internationales Wissenschaftsteam konnte auf dem X-Chromosom Gensequenzen nachweisen, die davon zeugen, dass unsere Vorfahren vor mehreren zehntausend Jahren mit Neandertalern - umgangssprachlich formuliert - „in die Kiste stiegen“ oder - etwas wissenschaftlicher - „miteinander kopulierten“.
Diese Erbfragmente des Homo neanderthalensis konnten allerdings nicht bei Afrikanern nachgewiesen werden. Damit erfolgt durch die Forschungsarbeit von Damian Labuda und seinem Team von der University of Montreal (Kanada) eine weitere Bestätigung der Annahme, dass sich beide Populationen zum Stell-Dich-Ein trafen und die frühen modernen Menschen Sex mit Neandertalern hatten. Bereits im Jahr 2010 konnten deutsche Forscher den Anteil des Neandertaler-Genoms in der DNA von heutigen Europäern und Asiaten nachweisen. Das Verhältnis wurde auf ein bis vier Prozent beziffert. Diese Zahlen basieren auf einem Vergleich der DNA, der möglich wurde, da große Teile des Neandertaler-Erbguts entschlüsselt werden konnten.

Menschliches X-Chromosom bewahrt Andenken an Homo neanderthalensis

In der jetzigen Studie wurde die Ausprägung bestimmter Genversionen auf dem X-Chromosom untersucht. Die Datenbasis für die Wissenschaftler lieferten 6000 Proben von heute lebenden Menschen, die überall auf dem Erdball wohnten.
Die gewonnenen Daten lassen die Schlussfolgerung zu, dass die Paarungen und damit die Einkreuzungen des Neandertaler-Genoms in das Erbgut des modernen Menschen sehr früh erfolgt sein müssen. Die Forscher schreiben im Fachmagzin „Molecular Biology and Evolution“, dass der sexuelle Austausch bereits während der Ausbreitung des Homo sapiens über den gesamten Globus erfolgt sein müsse. Die Forscher gehen sogar noch einen Schritt weiter und überlegen laut, ob gerade diese Einkreuzungen mit zur erfolgreichen Eroberung der Welt beitrugen. Von anderen Spezies ist längst bekannt, dass gerade die Durchmischung eine besonders große genetische Vielfalt fördert, die dann Individuen mit neuen Eigenschaften hervorbringt. Für das langfristige Überleben einer Art ist die Variabilität enorm wichtig, da sie die Anpassungsfähigkeit erhöht.

Wie viel Neandertaler steckt in uns?

Noch wird erforscht, wie viel vom Neandertaler in uns steckt. Seit seiner Entdeckung 1856 in einem Steinbruch des Neandertals (in der Nähe von Düsseldorf/Deutschland) fasziniert der ausgestorbene Vetter uns Menschen. Seitdem wurde viel diskutiert und geforscht. Und dennoch gibt es bis jetzt keine ganz schlüssige Erklärung dafür, warum der Homo neanderthalensis vor knapp 30.000 plötzlich verschwand, nachdem er mehr als 150.000 Jahre in Europa und Asien lebte und liebte. Trotzdem er Spuren im Erbgut der heute lebenden Menschen hinterließ, gilt der Neandertaler nicht als direkter menschlicher Vorfahr, sondern als Seitenzweig im Evolutionsstammbaum der Menschheit.

In Europa lebten der moderne Mensch und der Neandertaler wahrscheinlich nur sehr kurz nebeneinander. Ganz anders gestaltet sich die Situation im Nahen Osten. Dort lebten beide Arten mehrere zehntausend Jahre in der gleichen Region miteinander. Das belegen diverse Fossilienfunde, die auf ein Alter von 60.000 bis 80.000 Jahren geschätzt werden. Man musste sich fast zwangsläufig über den Weg laufen. Es ist daher auch nicht verwunderlich,  dass so mancher Homo sapiens-Mann auch eine Neandertaler-Frau interessant bzw. anziehend fand. Die Zuneigung wird wahrscheinlich auch auf der anderen Seite erwidert worden sein.

 

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Quellen:

 

Aktualisiert ( Donnerstag, 02. Februar 2012 um 12:43 Uhr )
 

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