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Ein Schulgebäude wird 100 Jahre alt

Jeder im Ort kennt den Anblick dieses Gebäudes, das am 15. Mai 1994 den 100. Jahrestag seiner Einweihung als Schulgebäude entgegen sehen kann.

In der in der OTZ veröffentlichten Artikel-Reihe wurde versucht, einiges zur Schulgeschichte des Ortes zu veröffentlichen. Der Autor erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Er ist für Verbesserungen und Hinweise, vor allem älterer Bürger dankbar.

Einleitung

Im Jahr 1987 erhielt die Schulleitung der Langenwetzendorfer Schule ein Schreiben von einem Amtmann Fritsch aus Triptis. Dieses enthielt einen kurzen Brief und eine kleine, alte, total vergilbte Broschüre mit wenigen sehr dünnen Seiten. Der Brief hatte etwa folgenden Inhalt: „Sehr geehrte Damen und Herren! Beim Sichten alter Akten habe ich das beiliegende Schriftstück gefunden. Ich hoffe, es kann für Sie von Bedeutung sein.“ Die Broschüre trug den Titel „Die Erbauung und Einweihung der Ernst-Arnold-Schule zu Langenwetzendorf“ – Beschrieben und zum Besten armer Schulkinder in Druck gegeben von e. Gerhold, Pastor – Druck von H. Aderhold-Weida. Das Schriftstück muß ehemals einem Herrn Friedrich Rußmann gehört haben, dessen Namen auf der inneren Titelseite zu lesen war.

Durch diese Broschüre wurde man auf den 100. Jahrestag der Einweihung des Schulgebäudes aufmerksam.

In den darauffolgenden Jahren versuchten Schüler und Lehrer, sich einen Einblick in die Vergangenheit des Langenwetzendorfer Schulwesens zu verschaffen. Eine AG Schulgeschichte wurde gegründet. Mit den Schülern dieser AG wurden unzählige mehr oder weniger alte Akten und Dokumente gesichtet und sortiert. Man fand auch einige besonders alte Kostbarkeiten, z. B. die Hauptbücher A und B für Knaben und Mädchen, in die jeder Schüler der Schule eingetragen wurde und das in akribisch genauer altdeutscher Schrift. Diese Hauptbücher reichen in den Geburtsdaten der Schüler bis in die 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts zurück. Ältestes gefundenes Dokument war aber das „Censurbuch der Oberklasse“, das Eintragungen ab dem Schuljahr 1867/68 enthält, also Geburtsdaten aus den Jahren 1853/54. Nicht zu verachten auch die „Statuten des Volksbibliotheksvereins zu Langenwetzendorf“ vom 7. März 1897 mit den Unterschriften der Gründungsmitglieder.

Leider wurde diese Arbeit nach der Wende nicht weitergeführt, weil es zunächst andere wichtige Probleme der Umgestaltung und des Erhalts der Schule überhaupt zu lösen galt.

Trotzdem verlor man den Termin der 100jährigen Einweihung des Schulgebäudes, den 15. Mai 1994 nicht mehr aus den Gedanken.

Mit Beginn des Schuljahres 1993/94 begann dann die Vorbereitung des Jubiläums, denn man will diesen Tag als Höhepunkt des gesamten Ortes würdig gestalten und gleichzeitig einen Meilenstein setzen, um auch in Zukunft eine Schule im Ort zu haben, in der es möglich ist, den Zehnklassenabschluß zu erwerben; denn gegenwärtig existiert der Schulverbund mit Hohenleuben nur mit einer Ausnahmegenehmigung bis 1995.

Wie wichtig die Vorarbeiten der Schüler-AG waren, zeigt sich jetzt bei der Ausstellung zur Schulgeschichte.

Neben der praktischen Tätigkeit hatten sich die Schüler der AG auch intensiv mit der eingangs erwähnten Broschüre beschäftigt. Darüber hinaus fand sich mit dem Büchlein „Beiträge zur Geschichte der Parochie Langenwetzendorf“ – bearbeitet von Pfarrer Eduard Gerhold ein weiterer Quell für Informationen zur Schulgeschichte Langenwetzendorfs.

Im Folgenden soll versucht werden, einige wichtige Geschehnisse zu beschreiben. Alle Zitate stammen aus beiden Schriften.

Die Entstehung und Entwicklung des Schulwesens

Pfarrer Gerhold schreib in seinen „Beiträgen zur Geschichte der Parochie Langenwetzendorf“, dass der Anstoß zur Errichtung einer Schule in Langenwetzendorf ohne Zweifel von den sächsischen Visitatoren 1533 und 1534 gegeben wurde. Allerdings fehlen die Nachrichten darüber, wie und wann die Gemeinden der Aufforderung, Volksschulen zu errichten, nachgekommen sind. „Die Hauptschwierigkeiten, welche zu überwinden oft lange Zeit erforderte, waren 1. der Mangel an Persönlichkeiten, welche nur den geringen Ansprüchen, die an Lehrer zu stellen sind, genügen konnten, 2. die leider nur zu oft vorhandene Widerwilligkeit der Gemeinden, aus eigenen Mitteln etwas zur Aufbesserung der ganz ungenügend dotierten Messner- und Kirchnerstellen, welche meistens zu Lehrerstellen wurden, zu tun.“

Sichere Nachrichten vom Vorhandensein einer Schule in Langenwetzendorf gibt es erst aus dem 17. Jahrhundert.

„Das Sterberegister vom Jahre 1633 enthielt den Eintrag: Michel Illes, Schulmeisters Anna begraben am 2. Oktober 1633; dann Eva Michel Illens, alten Schulmeister in LW u. begr. d. 1. April 1657, und Michael Ille der Eltern, Schulmeister begraben den 25 Martii 1670 aetatis 88 Jahre. Dieser Michael Ille wird auch auf dem Gedenkstein, welcher 1650 in die Mauer des neuen Feldgottesackers eingefügt worden ist, als Lehrer zu LW. genennt. Er muß aber im Spätherbst 1656 sein Amt aufgegeben haben, denn am 1. Januar 1657 wird Nicalaus Baldauf als Lehrer LW. ein geführt.“ Von seiner Ernennung ist noch eine Abschrift vorhanden gewesen, die zeigt welche umfangreichen Aufgaben ein Lehrer zur damaligen Zeit zu bewältigen hatte und wie er dafür entlohnt wurde.

„Schuleregister benebst der Instruction über den Langewetzendorfer Schuldienst angefangen den 1. Januarii 1657.

Register des ein Kommens des Schuldienstes zu Langenwetzendorf auch was der Schulmeister dabey verrichten soll und mus, angefangen den 1. Jan. anno Christi 1657.

Aufgesetzt und den SchulMeister Nicolao Baldavio übergeben von mir, Georgio Wernero, der Zeit PfarrHerr in Naitschau und Langenwetzendorf.

Instruktion

Waß der Schul-Meister zu Langenwetzendorf bey seinem Amte zu thun und zu verrichten hat.

1.

Muß er auf die Kirche und beyde Kirchhöfe gute Achtung haben, dieselben auf zu schließen,

2.

Muß er das Leuden fleißig verrichten, als

1.

alle Morgen durchs ganze Jahr, ausgenommen Sonntags und hohen Festtags, zu Sommers Zeit, um 4 Uhr und Winters Zeit um 5 Uhr Ave Maria mit der großen Glocken Leuden und darauf 3 Pulsen anschlagen.

2.

muß er alle Tage durchs ganze Jahr zu Mittag, Mittag Leuden.

3.

muß er Abents wen die Sonne untergehet Feuer Abent Leuden und 3-mahl anschlagen,

4.

muß er alle Sonntage Fest und Apostel Tage zur Predig 2 mahl Leuden und zum 3ten mahl zusammen Schlagen.

5.

muß er auf selbige Tage zur Vesper 2 mahl Leuden und 3tens zusammen Schlagen auch in Abwesenheit des Pfarrers die Behtstunden verrichten

3.

Muß er das Singen bei Sonntags, Fest, Hochzeit und Leuchen Predigten verrichten.

4.

muß er neben den Pfarrer die Kranken besuchen helffen, und zu deren Berichtung Klengeln.

5.

muß er bey Kinder Tauffen die Gäste Bitten Kirche aufschließen, darzu Leuden und den Taffstein bereiden.

6.

muß er das Uhrwerk an der Kirche fleißig abwarten, Abents und Morgens aufziehen und dasselbe gangbar erhalten,

7.

muß er durchs ganze Jahr ausgenommen die Ernde oder Hundes Tage Schule halten, und bei der Information mit den Kindern folgende Modum brauchen oder halten,

1

soll er von Ostern bis Michaelis zur Sommerszeit um 6 Uhr von Michaelis bis Ostern um 7 Uhr, die Schule anfahen, und 3 Stunden lang zum wenigsten Informieren. Da er den Vornehmlich Frühe die Kinder mit einander den Morgen Seegen, das Vaterunser dem Glauben, und ein Stück aus dem Catechismum wechsels weise Beden lassen soll, darauf sie ihre Bücher nehmen darinnen Lernen, und sie 3 mahl Vormittag nach einander aufsagen lassen, wenn sie Früh aus der Schule gehen wollen, soll er sie mit einander beden lassen entweder einen Psalm, oder sonst ein feines Gebed, neben den Versen Beutsy, und einen Gesang, singen, nach Mittag um 12 Uhr soll er wiederum Schul anzuhalten anfangen solche bis 3 Uhr Continuiren, da sie den wiederum 3 mahl nach der reihe aufsagen sollen, welche aber Schreiben lernen, sollen nur ein mahl aufsagen, und darauf Schreiben, welche alle 8 Tage eine Neue Vorschrift auf ihr Pappier soll gemacht werden, wenn sie aus der Schule gehen wollen, sollen sie wiederum mit einander den Abent Seegen Vater uns den Glauben wie auch ein Hauptstück aus dem Catechismum beden, und zum Beschluß Singen, entweder, Erhalt uns bey deinem Wort oder Eine feste Burg ist unser Gott oder Wär Gott nicht mit uns diese Zeit. Sonnabent sollen die das lesen können, beydes die Epistel und Evangelium, so auf den folgenden Sonntag gefällig aufsagen, und darauf insgesamt den ganzen Catechismum Beden.

Dargegen soll er haben zum Endgeld

1.

Freye Wohnung in dem Schul Hause so ihme in baulichen Wesen gehalten wird

2.

einen Gartten, eine Wiese samt dem Alten und neuen Kirch Hoff

3.

Korn zm Decem 5 Schffl 2 Vrtl 2 M.

4.

Weynacht Brode, 43.

5.

Ablad Eyer am Grünen Donnerstag von Jedem Haus zum wenigstens eins

6.

Bitt Käse auf Joh. Baptiste stehen in eines Jeden Discretion

7.

Bitt Flachs auf Burckharti ist keine gewisse Zahl gesetzt

8.

bekommt im Walte 2 dürre Bäume, dafür die Anweisung das Mooß Rechnen, wie auch den Walt Haber und Walt Zinß verkündigen muß

9.

ist auf Hochzeiten, und Kindtauffen Er mit seinem Weibe frey, oder bekommt wo Er solche nicht besuchen will von einer Hochzeit 6 Gr. von einer Kindtauff 1 Gr. 1 Kuchen 3 Kanne Bier.

10.

Von einen Alten zu begraben bekommt er 12 Gr. von einem Jungen aber dabey keine Bredig geschieht, sonder nur ein Sermon gehalten wird 4 Gr.

11.

einen Kranken zu berichten 1 Gr.

12.

von einen Jeden Schüler, der auswendig lernt Schreiben tut und über der langen Tafel sitzet soll er Wöchentlich haben 6 Pf. von anderen solche schlecht lesen und Buchstabiren Wöchentlich 4 Pf.

13.

von Pfannen Register zu halten Jährl. 12 Gr."

Man sieht wie umfangreich die Tätigkeiten eines Lehrers zur damaligen Zeit waren und welch geringen Lohn sie dafür erhielten. Allerdings wurde der von seinen Schülern mit Naturalien versorgt.

Übrigens hatte dieser Nicolaus Baldavius die Tochter des ersten Lehrers Michael Ille geheiratet. Er war von 1657 – 1693 Lehrer. Am 6. März 1693 wurde er im Alter von 57 Jahren begraben und hatte dabei 36 Amtsjahre hinter sich, er muß also schon mit 21 Jahren Lehrer geworden sein.

Sein Nachfolger wurde sein Sohn, der ihm in den letzten Jahren seiner Tätigkeit schon zur Seite gestanden hatte. Er wirkte von 1693-1719 und starb am 6. November 1720.

Zu seiner Zeit wurde das Schulhaus gebaut, das bis zum Jahr 1894 die Wohnung des 1. (Oberen) Lehrers in Langenwetzendorf war. Dieser Bau wurde im Jahr 1697 begonnen und 1699 beendet. Er kostete die Gemeinde 335 Taler 19 Groschen 10 Pfennige. Es enthielt zu ebener Erde die kleine Schulstube, die anfangs ausreichte, die aber später viel zu klein wurde als die Einwohnerzahl der Gemeinde stieg. Daneben war eine Waschküche und ein Gewölbe. Im oberen Stockwerk waren die Wohnstube und mehrere Kammern. Auf der Nordseite waren die Stallungen angebaut, auf denen sich die sogenannte Pfarrstube befand. Das Haus ist im Jahr 1894 abgerissen worden, nachdem die neue Schule eingeweiht worden war. Es stand dort, wo heute die Bushaltestelle der Greika ist und sich auch das ehemalige Kaiser-Wilhelm-Denkmal befand.

In den darauffolgenden Jahren wechselten die Lehrer aus verschiedenen Gründen sehr oft.

Schon zu Weihnachten 1710 übernahm der junge Theologe Johann Keil das Amt des Kirchschullehrers in Langenwetzendorf, obwohl seine Berufung erst am 11. Feb. 1711 erfolgte. Allerdings verließ er den Ort sehr bald wieder und wurde am 15. Okt. 1711 zum Konrektor des Gymnasiums in Kaisers Markt in Ungarn, seiner Vaterstadt, ernannt. Er muß aber in Langenwetzendorf sehr beliebt gewesen sein, denn die Gemeinde sprach öfters den Wunsch nach seiner Rückkehr aus.

Seinem Nachfolger, Johann Matthias Eubelius (Eubel) erging es nicht so gut. Mit ihm gab es große Probleme in der Ausübung seines Dienstes. Eine Einschätzung von seinem Vorgesetzten im Jahre 1713 über ihn lautete: „Mit Herrn Eubeln aber zu LW. will es nicht recht fort, und gehen viel nach Hohenleuben, die in seine Schule gehörten. Die Leute seines Ortes wünschen nichts mehr, als dass sie ihren Herren Keil wieder hätten. Sed frustra. Er ist sonst guten Gemüths und Wandels. Vielleicht finders sich mit der Zeit.“ Selbst der Pfarrer beschwerte sich über ihn und die Unwissenheit der Konfirmanden. Im Jahr 1716 nahm Eubel von selbst seinen Hut.

Seine Stelle übernahm Abraham Wehner, wieder ein Theologe. Diesen lehnte die Gemeinde zunächst ab, da er schon älter war und zwar mit der Begründung „er könne nicht sehen, müsste der Brille brauchen, auch nicht hören und schreiben.“ Trotzdem wurde er ins Amt gesetzt. Von den Gemeindemitgliedern wurden immer wieder Beschwerden über ihn an die Obrigkeit gerichtet und er wurde schließlich 1723 vom Dienst suspendiert.

Während des Suspensionsverfahren hatte bereits Johann David Schmerler den Schuldienst versehen. Ihm wurde dieser dann definitiv übertragen. Mit ihm zog wieder Längerfristigkeit im Schuldienst von Langenwetzendorf ein. Leider starb er schon im Alter von 38 Jahren im Jahre 1739.

Im folgte von 1739´-1783 Johann Andreas Kehl, der mit 29 Jahren den Schuldienst übernahm und „sein Amt mit großer Treue und gutem Erfolg bis an sein Lebensende verwaltet. Er starb am 28. August 1783 mit 74 Jahren und 44 Amtsjahren in Langenwetzendorf.

Zu seiner Zeit ging auch das Patronat der Kirchstelle zu Langenwetzendorf vom Landesherren, Heinrich XII., auf den Grafen von Köstritz über. Dies wurde Kehl am 9. Okt. 1760 übermittelt. Nach Kehls Tod machte Graf Heinrich XLIII. von Köstritz zum erstenmal von seinem Präsentationsrecht des neuen Lehrers Gebrauch. Er wünschte „Nach den seligen Ableben des um die Gemeinde sehr verdienten treuen Schulmeisters Kehl dieser zahlreichen Gemeinde wiederum einen frommen, geschickten und womöglich studierten Schulmeister zu geben.“ Er hatte dabei zunächst sein Augenmerk auf einen Kandidaten Zwinkau aus dem Eisenachischen gerichtet. Niemand kann sagen, warum es mit diesem zu keiner Einstellung gekommen ist, und stattdessen Heinrich Benjamin Klug präsentiert wurde. Seine Auswahl war ein totaler Missgriff unter dem die Gemeinde 17 Jahre litt. Es gab von Anfang an zahlreiche Beschwerden. „Schon im Jahre 1784 überzeugte sich die Gemeinde davon, dass Klug ein arger Säufer Lästerer, Zänker und Zotenreißer sein, und bat um seine Entfernung. Auch das Inspektionsamt zu Schleiz beantragte Kunzes Absetzung, konnte aber mit diesem Antrag nicht durchdringen.“

Selbst mit dem Pfarrer legte er sich oft an und versuchte die Gemeinde gegen diesen aufzuhetzen. Auf Grund seines Lebenswandels war er immer weniger in der Lage, ordentlich zu unterrichten, führte aber seine Vorgesetzten oftmals an der Nase herum. Das liest sich dann so: „Durch sein wüstes Leben sind seine Geistes- und Seelenkräfte nach einigen Jahren dermaßen zerrüttet, dass er nur noch 1-2 Stunden unterrichten kann, dann schläft er ein und seine Frau muß die Kinder unterrichten. So ist es kein Wunder, dass besonders die großen Knaben allerlei Mutwillen mit ihm treiben, was ihn dann in großen Zorn bringt, sodaß er sie in der rohesten und barbarischen Weise züchtigt. So geht es von Jahr zu Jahr fort, die Klagen bei der Behörde laufen immer zahlreicher ein, aber er weiß sie zu entkräften. Entweder er leugnet alles und behauptet, er werde nur aus Haß und unverdienter Feindschaft verklagt, oder er spielt den reuigen Sünder, weint, klagt sich selbst an und gelobt Besserung, um sich dann in Wirtshäusern darüber lustig zu machen, wie er die Herren in Schleiz angeführt habe.“

Am 24. Jan 1801 ist er dann auf dem Heimweg von Greiz zwischen der Pommeranz und der Wachholderschänke auf der Straße zusammengesunken und schließlich erfroren, offenbar auch infolge seines wiedereinmal erhöhten Alkoholgenusses. Seine Witwe musste von der Gemeinde bis zu ihrem Tod unterstützt werden.

Mit seinem Nachfolger, Johann Paul Thoß (1801-1830), hatte die Gemeinde wieder mehr Glück, zumal dieser in Langenwetzendorf geboren war und seine Ausbildung in Greiz erfahren hatte. Zwischenzeitlich war er in Friesau tätig gewesen. „Er hat hier 29 Jahre in Segen und Treue an der Schule und Gemeinde gearbeitet, bis er am 25. April 1839 im Alter von 56 Jahren und 4 Monaten weniger 3 Tage starb.“

Sein Sohn, Ferdinand Gottlob Thoß, setzte seine Arbeit fort. Er war ebenfalls in Langenwetzendorf geboren. „Thoß war ein kenntnisreicher, gewissenhafter und sehr solider Mann, bei dem fleißige und begabte Schüler viel gelernt haben; doch fehlte ihm die Gabe, in seiner Schule straffe Disziplin zu halten, und die Freudigkeit, sich der schwachen und zurückbleibenden Zöglinge mit Ernst und Liebe anzunehmen.“ Man muß bei dieser Einschätzung aber beachten, dass die Schülerzahl mit ca. 350 Kindern außerordentlich hoch war und dass er bis 1843 als alleiniger Lehrer tätig war. Nach 1842 wurde dann ein 2. Lehrer eingestellt. 1863 wurde Thoß emeritiert und er verließ Langenwetzendorf.

Es folgte ihm Karl Ernst Scheffel. Dieser wurde mit dem Titel Oberlehrer in die Gemeinde versetzt. „Nach 20jähriger sehr gesegneter Amtstätigkeit trat er am 1. November 1883 in den Ruhestand; starb aber schon 1 ½ Jahre später am 26. März 1885 im Alter von 56 Jahren 2 Monaten 14 Tagen.“

1884 übernahm Heinrich Hermann Knoch das Amt des 1. Lehrers und muß dieses über die Errichtung der neuen Schule hinaus ausgeübt haben.

Die 2. Lehrstelle wurde 1842 eingerichtet. „..., welche mit einem Einkommen von 75 Rthlr., 4 Klaftern Holz und freier Wohnung dotiert wurde, dem 1. Lehrer blieben die Naturalien und Accidentien vom Kirchendienst, sowie 170 Rthlr. Durchschnittsbetrag des jährlichen Schulgeldes.“

„Als zweites Schulhaus wurde das Haus Nr. 140 (heute Hauptstraße 77, Familie Kämpf – neben der Sparkasse) angekauft, welches jetzt der Kontorist Franz Rohleder besitzt, von der Kirchgemeinde gekauft. Die Einweihung desselben fand am 11. Oktober 1842 in Gegenwart des Landesherrn mit großen Feierlichkeiten statt ...“ Die Schüler wurden nunmehr in 3 Klassen unterrichtet, die Oberklasse hatte 105, die Mittelklasse 145 und die Elementarklasse 104 Zöglinge, doch mussten später noch einige Schüler der Oberklasse überwiesen werden, da die Mittelklasse zu stark besetzt war. Diese Einrichtung war zwar gegen früher ein Fortschritt, aber die Klassen waren noch viel zu groß, um einigermaßen genügend unterrichtet werden zu können.“

Aus diesem Grund wurde 1865 eine 3. Lehrerstelle gegründet. Gleichzeitig wurden Göttendorf und Neuärgernis ausgeschult und in Göttendorf wurde 1865 ein neues Schulhaus gebaut. Für diesen 3. Lehrer wurde im Hause des Zimmermanns Heinrich Haun (heute Hauptstraße 63 - Familie Theo Kühnel) eine Schulstube und im Haus gegenüber (steht heute nicht mehr) eine Wohnstube gemietet, bis die Gemeinde 1869 das Michelsche Gut kaufte und in das alte von Römersche Wohnhaus (heutiges Gemeindeamt) 2 Schulklassen und 2 Lehrerwohnungen verlegte.
Das 1842 eingeweihte 2.Schulhaus wurde verkauft.
Durch die Errichtung der Arnoldschen Fabrik 1886 nahm die Einwohnerzahl des Ortes so stark zu, daß Ostern 1889 eine 4, Lehrerstelle errichtet werden mußte. Die Schulbedingungen entsprachen aber schon lange nicht mehr den Anforderungen der Zeit. Die Notwendigkeit eine neue Schule zu bauen, trat immer kategorischer an die Gemeinde heran. In dieser Not erwies sich Herr Ernst Arnold, der Gründer und Besitzer der hiesigen Fabrik als hochherziger Wohltäter und freigiebiger Förderer der Gemeinde."

Die Erbauung und Einweihung der Ernst Arnold Schule

In seiner Broschüre "Die Erbauung und Einweihung der Ernst-Arnold-Schule zu Langenwetzendorf" beschreibt Pastor Gerhold, der sich während seiner über 20-jährigen Amtszeit von 1886 - 1907 sehr um den Ort und seine Geschichtsaufarbeitung bemüht hat, ausführlich die Entstehung der Schule von der Idee bis zur Einweihung. "Herr Ernst Arnold hatte nach Eröffnung seiner Fabrik in Langenwetzendorf wiederholt die Absicht ausgesprochen, der Gemeinde zu einer neuen Schule zu verhelfen.“

Am 14. Okt. 1890 kam ein Schreiben der Oberbehörde über die Beschaffenheit und Größe der Lehrerwohnungen. Daraus ergab sich, daß von den Lehrerwohnungen 3 vollständig ungenügend waren und daß sich die sogenannte alte Schule in einem sehr schlechten Zustand befand, der nur mit hohen Kosten hätte repariert werden können. Davon überzeugten sich auch die Gemeindebehörden bei einer Besichtigung. Vor allem von der neuerbauten Fabrik aus muß die Schule einen schlechten Eindruck gemacht haben, zumal auch die schlechten sanitären Anlagen in Richtung Fabrik zeigten. (Aussagen älterer Bürger aus mündlicher Überlieferung)

"Sowie Herr Ernst Arnold von diesem Stand der Dinge Kunde erhielt, beauftragte er den Zimmermeister Herrn Franz Zipfel allhier, einen Bauplan für eine neue Schule mit acht Lehrzimmern und den entsprechenden Lehrerwohnungen auszuarbeiten. Die Zeichnungen fanden Herren Arnolds, des Schulvorstandes und des Gemeinderates Beifall sodaß dieselben behufs baupolizeilicher Prüfung an das Fürstliche Landratsamt in Gera eingesandt wurden. Zugleich suchte der Gemeindevorstand bei dem Fürstlichen Ministerium zu Gera um Gewährung eines Staatszuschusses zu dem geplanten Schulneubau nach. Nach wiederholten Verhandlungen mit den Fürstlichen Behörden wurde derselbe laut Mitteilung vom 28. Dezember 1892 in der Höhe von 8000 M. durch Verwilligung des Landtags des Fürstentums und Bestätigung Sr. Durchlaucht des Erbprinzen gewährt.

Der erste Bauplan wurde durch einen Bauinspektor Köhler im Fürstlichen Ministerium in Schleiz verworfen. Die Gemeindevertreter widersetzten sich aber einem völlig neuen Plan, sodaß für den 4. Juli 1892 in Schleiz eine mündliche Verhandlung anberaumt wurde. "Zu dem Termine reisten als Vertreter der Gemeinde Langenwetzendorf am genannten Tage nach Schleiz: 1. Herr Zimmermeister Franz Zipfel, 2. Herr Glasermeister Karl Oettel, zur Zeit Gemeindevorsitzender und 3. Pastor Gerhold als Vorsitzender des Schulvorstandes."

Auf ihrem Weg zum Bauinspektor Köhler traf die Langenwetzendorfer Abordnung Seine Exzellenz Herrn Staatsminister Dr. Vollert vom Fürstlichen Gesamt-Ministerium, das gerade an diesem Tag in Schleiz anwesend war. Dieser nahm schließlich an den Verhandlungen persönlich teil. Da ihm der vorliegende Plan gefiel, kam es schnell zu einer Einigung "Es sollte der eingereichte Riß im ganzen festgehalten werden, nur die Fenster in den Schulzimmern seien durch Verkoppelung von je zwei und zwei anders zu gruppieren, der kleine Erker im Mittelbau sei zu einem Turm auszubilden und einige Thüren seien etwas zu verrücken. Diese Vorschläge des Herrn Bauinspektor Köhler wurden als Verbesserungen dankbar aufgenommen und Herr Zipfel versprach, die neue Zeichnung der Facade baldigst fertig zu stellen. Das geschah denn auch, und der verbesserte Plan fand allseitige Annahme."

Die Verhandlungen zwischen Herrn Arnold und der Gemeinde konnten am 22. Aug. 1892 abgeschlossen werden. Herr Arnold bot an, die neue Schule nach dem vorliegenden Plan auf seine Kosten unter Verwendung des Staatszuschusses bauen zu lassen. Er verlangte, dass dafür die alte Kirchschule abgerissen und der Platz zu allen Zeiten freigelassen werden sollte. Das andere Schulhaus neben dem Pfarrhaus behielt er sich zur Errichtung einer "Kinderbewahranstalt" vor.

Der Bauvertrag wurde mit dem ortsansässigen Zimmermeister Franz Zipfel, der ja schon den Bauplan entworfen hatte, abgeschlossen. Am 27. Sept. 1892 begannen die Erdarbeiten zum Aushub der Baugrube.

Da das Wetter günstig blieb, konnte bereits am 2. Nov. 1992 der Grundstein gelegt werden.

Dazu zogen am 2. Nov. nachmittags 4 Uhr alle Schulkinder mit ihren Lehrern auf den Bauplatz, wo sich auch die Mitglieder des Gemeinderates, der Schulvorstand und der Kirchenvorstand eingefunden hatten. In ihrer Mitte befand sich auch Herr Ernst Arnold. Zu Beginn der Feier sangen die Schüler der beiden Oberklassen ein Lied, " ...dann hielt der Vorsitzende des Schulvorstandes, Pastor Gerhold in Langenwetzendorf, folgende Ansprache:

"Geehrte Festversammlung! Zu einer seltenen Feier sind wir zusammengekommen; wir wollen den Grundstein zu einer neuen Schule legen. Selten nenne ich diese Feier, weil seit 195 Jahren in unserem Orte kein Grundstein zu einem Schulneubau gelegt worden ist, und wohl niemand von uns hier eine Wiederholung dieser Feier erleben wird.

Selten ist diese Feier auch noch aus einem anderen Grunde. Wird sonst in einer Stadt oder auf einem Dorfe der Neubau einer Schule geplant, so haben die Vertreter der Gemeinde jedesmal viel Sorge und Mühe, um das Geld zu dem Baue aufzubringen. Nur sehr wenige Gemeinden haben einen Mann unter sich, von dem sie sagen können, wie die Leute zu Kapernaum von ihrem Hauptmann rühmten: "Er hat unser Volk lieb, und die Schule hat er uns erbauet". Wir haben das seltene G1ück, daß ein von Gott mit irdischen Gütern reich gesegneter Ehrenbürger unserer Gemeinde, der diesen Ort sehr lieb hat und sein Bestes sucht, mit freigiebiger Hand fast die ganzen Baukosten aus eigenen Mitteln zum Geschenk darreicht. Die Gesinnung, welche sich in dieser hochherzigen, edlen That ausspricht, ist in unserer Zeit so selten geworden, daß viele sie gar nicht begreifen denn die Selbstsucht versteht nichts von der Selbstlosigkeit und Liebe, welche nicht einmal Ruhm und Ehre vor der Welt sucht. Wir aber wollen des edlen, freigebigen Erbauers dieser Schule, welche eine Zierde unseres Dorfes zu werden verspricht, stets mit der herzlichen Dankbarkeit gedenken und uns bemühen, nach dem Maß unserer Gaben und Kräfte mit gleicher Treue und in seinem Sinne an den Wohl dieser Gemeinde zu bauen. Möge das neue Schulhaus und das stille Arbeiten, welches hoffentlich bald in seinen Räumen beginnt, mit dazu beitragen, das zerstörende Mißtrauen, welches heutzutage die verschiedenen Stände unseres Volkes getrennt hält, zu beiseitigen, und wie es aus der Liebe und dem Wohlwollen eines Reichen zum Volke erbaut ist, so auch die Liebe und Dankbarkeit der Arbeiter gegen ihre Arbeitgeber erwecken helfen! Der Gemeinde sei das stattliche Schulhaus allezeit eine Erinnerung an die hohe Bedeutung welche die Schule für das Gemeindeleben hat. Möchten alle Väter und Mütter zum zeitlichen und ewigen Wohl ihrer lieben Kinder stets die Arbeit der Schule unterstützen und ihr nie entgegenarbeiten!

Den Lehrern dieses Ortes bezeuge das neue Schulhaus daß ihr schwerer, nach außen wenig glänzender Beruf von den wahren Freunden unseres Volkes recht gewürdigt und in seiner hohen Bedeutung voll anerkannt wird. Mögen sie in den schönen neuen Schulräumen mit rechter Freudigkeit und, in reichem Segen wirken, und in den freundlichen Wohnungen, welche sie beziehen sollen, im Genusse eines glücklichen und gesegneten Familienlebens immer neue Kraft zu ihrer Berufsarbeit gewinnen. Und ihr Kinder, die ihr, so Gott will, in dieses Haus als Schüler und Schülerinnen einziehen werdet, seht und bedenkt, daß für euch das schönste Haus in Langenwetzendorf gebaut wird. Wie eure Eltern, so haben auch alle, welche an diesem Bau beteiligt sind, auch wenn sie selbst keine Kinder unter euch haben, euch herzlich lieb, dafür seid ja recht dankbar und gebt euch rechte Mühe gut, fromm, folgsam und fleißig zu sein. Lernet mit großem Eifer, was für dieses Leben und die ewige Seeligkeit nötig habt, vor allem aber sorgt dafür, daß, je älter und größer ihr werdet, desto größer Gottes und aller frommen

Menschen Wohlgefallen an euch sei; auch von euch muß das Wort gelten, welches von dem 12jährigen Jesuskinde geschrieben steht: „Er nahm zu an Weisheit; Alter und Gnade bei Gott und den Menschen" Amen ."

Anschließend wurde der Grundstein an seine Stelle gerückt und in herkömmlicher Weise gelegt. "Die drei ersten Hammerschläge that folgten Pastor Gerhold, Herr Bürgermeister Wilhelm Dietzel, Herr Gemeinderats-Vorsitzender Karl Oettel und Herr Zimmermeister Franz Zipfel. Ein Gebet und der Gesang des Liedes "Nun danket alle Gott" schlossen die einfache, aber erhebende Feier, welche von dem schönsten Herbstwetter und mildem Sonnenschein begünstigt war."

Das günstige Wetter ermöglichte die Fortsetzung der Maurerarbeiten bis in den Spätherbst. 1893 konnten sie schon Ende Februar wieder aufgenommen werden. Am 3. Juni 1893 wurde die Aufstellung des Dachstuhles beendet und Richtfest gefeiert.

Der Innenausbau dauerte bis Ende 1893 und die Malerarbeiten wurden im Frühjahr 1894 durchgeführt.

Die Einweihung der neuen Schule wurde auf den 15. Mai 1894 festgesetzt, den 3. Pfingsttag (Pfingstmontag).

Sie ..."gestaltete sich dadurch besonders feierlich, daß Se. Durchlaucht Herr Heinrich XXVII., Erbprinz Reuß j. L., und seine Frau Gemahlin, I. Durchlaucht die Frau Erbprinzessin, S. Exzellenz Herr Staatsminister Dr. Vollert, sowie die Mitglieder der Fürstlichen Kirchen- und Schulkommission zu Gera, Herr Landrat Gräsel und Oberkirchenrat Lotze, zu derselben nach Langenwetzendorf kamen;..."

Im Kreis der Festgäste fehlte allerdings der Erbauer der Schule, Herr Ernst Arnold, der am 28. Jan. 1893 plötzlich verstorben war. Seine Witwe, Frau Lina Arnold, fühlte sich nicht in der Lage, an dieser Veranstaltung teilzunehmen. Als Vertreter der Familie Arnold nahm Paul Arnold, der Bruder von Ernst Arnold, an der Einweihungszeremonie teil. Die gedrückte Stimmung, die der Tod Ernst Arnolds erzeugte trat im gesamten Verlauf des Einweihungszeremoniells zu Tage.

"Zu der Einweihung hatte Langenwetzendorf Festschmuck angelegt. Fast alle Häuser waren beflaggt mit Kränzen, Laubgewinden und Fichtenbäumen geschmückt, zahlreiche Ehrenpforten waren erbaut, besonders freundlich waren der Fabrikhof und der Zugang zur neuen Schule geschmückt. Die Durchlauchtigsten Herrschaften kamen mit ihrem Gefolge von Triebes her und wurden bei ihrer Einfahrt im unteren Dorf von den Bürgermeistern von Langenwetzendorf und

Hirschbach und einer Anzahl Vertreter der Gemeinde, sowie von dem Militärverein, der sich vollständig aufgestellt hatte, mit herzlichen Worten begrüßt, welche von Seiten des Erbprinzen freundliche Erwiderung fanden."

Zunächst besichtigten die hohen Herrschaften die Arnoldsche Fabrik, die sich an diesem Tag ausnahmsweise zu Ehren der Gäste in Betrieb präsentierte.

Die Festveranstaltung selbst, begann um 1 Uhr. Die Schulkinder hatten sich in ihren alten Klassenzimmern eingefunden. Von den Lehrern wurden sie auf das Fest eingestimmt, Anschließend stellten sie sich auf dem Pfarrhof auf. Nach dem gemeinsamen Gesang des Verses: "Unsern Ausgang segne Gott" setzte sich der Zug um 3/4 2 Uhr in Bewegung; demselben schlossen sich die Vertreter der Gemeinden Langenwetzendorf, Hirschbach und Göttendorf, der

Ephorus der Diozöse Gera und der Ortspfarrer an. Unter Gesang von Lobliedern zog man nach dem neuen Schulhause, wo unmittelbar nach der Ankunft des Zuges auch die Herrschaften, die Mitglieder der hohen Staatsbehörden aus Gera und die anwesenden Glieder der Familie Arnold eintrafen."

Der Militärverein und die Feuerwehr hatten vorsorglich den Festplatz abgesperrt, um Unordnung unter den vielen Festgästen, die aus der gesamten Umgebung von Langenwetzendorf gekommen waren zu vermeiden.

Neben der Haupttür hatte man eine Rednerbühne aufgebaut. Mit dem 1. Vers des Pfingstliedes "O heil'ger Geist kehr bei uns ein" begann die Einweihungsfeier. Dabei wurde eine ganze Reihe von Festreden gehalten, die hier ungekürzt wiedergegeben werden sollen.

Als erster ..."bestieg Herr Oberkirchenrat Lotze aus Untermhaus die neben der Hauptthür des neuen Schulhauses aufgestellte Rednerbühne und forderte mit folgenden Worten zur Herausgabe des Schlüssels auf:

Unser Anfang geschehe im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Amen.

Vollendet ist der Bau, wohlgelungen das Werk. Der Tag der Weihe ist erschienen. Solch einen Freudentag hat die Gemeinde seit Jahrzehnten, vielleicht seit Jahrhunderten nicht erlebt. Da kann man mit Recht sagen: das ist auch ein Tag, den der Herr gemacht hat. Lasset uns freuen und fröhlich darinnen sein. O Herr hilf! Herr laß wohl gelingen!

Bevor wir nun diese neue schöne und große Ernst-Arnold-Schule weihen, segnen und ihrem Gebrauch übergeben, sollen sich ihre Pforten aufthun. Ich ersuche deshalb Sie meine Herren den Schlüssel zu übergeben damit das Haus geöffnet werde.

Auf diese Aufforderung hin trat der Baumeister, Herr Zimmermeister Franz Zipfel von Langenwetzendorf, welcher den Plan zum Schulhaus gezeichnet und den Bau ausgeführt hatte, vor und überreichte den Schlüssel an Herrn Paul Arnold mit folgenden Worten:

"Durchlautigster Erbprinz! Durchlauchtigste Erbprinzessin! Hohe Behröden! Geehrte Festgenossen! Es sind 18 Monate verflossen, seitdem ich den Grundstein zu diesem Gebäude gelegt habe mit den Worten: "Ich baue zu Gottes Ehre, des Vaterlandes Wohl und der Gemeinde Heil und Segen". 8 Monate später, als ich die Balken und das Holzgerüst aufgestellt, habe ich Gott gedankt und gelobt und durch meinen Zimmerspruch verkündigt:

Dank, Ehre, Preis und Ruhm
Sei Dir, O Gott, gebracht,
Gelobet seist Du, Herr,
Du hast es wohl gemacht! usw.

Und heute stehe ich vor der Thür des fertigen Baues, habe nur Gott zu danken und zu loben, daß er mir Gesundheit geschenkt hat, das Werk zu vollenden und daß ich heute die Schlüssel mit Freuden übergeben kann. Ich übergebe hiermit Herrn Paul Arnold die Schlüssel zu dieser neuen Schule, welche ich im Auftrage des seligen Herrn Ernst Arnold erbaut habe und wünsche, daß Glück, Heil und Segen alle Zeit darin wohne. Das walte Gott!"

Herr Paul Arnold übernahm den Schlüssel im Namen seiner Schwägerin, Frau Lina Arnold, geb. Büttner und verlas die von derselben vollzogene Stiftungsurkunde, welche folgenden Wortlaut hat:

Q. D. B. V.
(= quod Deus bene vertat (lat.) = Was Gott zum Besen lenke)

Nachdem mein in Gott ruhender Mann,

Herr Ernst Arnold,

weiland Fabrikbesitzer in Greiz und Langenwetzendorf, durch Grundsteinlegung am 2. November 1892 begonnen hatte, aus eigenen Mitteln für die Gemeinde Langenwetzendorf ein neues Schulhaus zu erbauen, an dessen Vollendung er aber leider durch seinen nach Gottes unerforschlichem Ratschluß am 28. Januar 1893 eingetretenen Tod verhindert worden ist, habe ich, seine endesunterzeichnete Gattin, in pietätvollen und dankbarem Gehorsam gegen den Willen des teuren Entschlafenen und zu seinem bleibenden Ehrengedächtnis den angefangenen Rau mit Gottes Hilfe zu Ende geführt.

Ich bestimme, daß das fertiggestellte Schulhaus den Namen

Ernst - Arnold - Schule

tragen soll und überweise es hiermit der Gemeinde Langenwetzendorf zum Eigentum, damit es nach feierlicher Weihe seiner Bestimmung übergeben werde, Es ist mein herzlichster Wunsch und ernstlicher Wille, dass in dieser Anstalt die Jugend der Gemeinde Langenwetzendorf allezeit zu wahrer Gottesfurcht und lebendigem christlichen Glauben nach den Bekenntnissen der evangelisch-lutherischen Kirche, zu treuer Vaterlandsliebe zu guten Sitten und allen edlen Künsten und Wissenschaften erzogen werde, dazu Gott seinen Segen geben wolle.

Greiz, am 15. Mai 1894.

Lina verw. Arnold geb. Büttner

Dann übergab er die Schlüssel und die Urkunde an Herren Bürgermeister Dieztel in Langenwetzendorf, welcher beides mit folgenden Worten in Empfang nahm:

"Im Namen der Gemeinde Langenwetzendorf, deren Vorsteher ich zur Zeit bin, übernehme ich den Schlüssel zu diesem Schulhause und die Urkunde über die Schenkung desselben an die Gemeinde Langenwetzendorf. Ich thue dies mit tiefgefühltem Danke gegen den leiter so früh verewigten Erbauer dieser Schule, den unvergesslichen Wohltäter unserer Gemeinde, Herrn Ernst Arnold, sowie mit innigem Danke gegen Frau Arnold, die tieftrauernde Witwe des Entschlafenen, und die Herren Brüder deselben, welche das angefangene Werk genau nach den aufgestellten Plänen zu Ende geführt haben. Den Schlüssel aber gebe ich weiter an den Schulvorstand, damit derselbe das Schulhaus öffne und übernehme"

Der Vorsitzende des Schulvorstandes Pastor Gerhold, nahm den Schlüssel mit diesen Worten in Empfang:

"Als Vorsitzender des Schulvorstandes des Schulbezirkes Langenwetzendorf-Hirschbach übernehme ich dieses neue Schulhaus, indem ich mich den Dankesworten, welche soeben von Herren Bürgermeister Dietzel ausgesprochen worden sind, von ganzem Herzen anschließe.

Und weil St. Paulus sagt: "Alles, was ihr thut mit Worten und Werken, daß thut im Namen des Herren Jesu und danket Gott und dem Vater durch ihn", so öffne ich diese Thür in Jesu Namen und wünsche, daß sein Geist und seine Gnade alle regieren möge, welche hier ein- und ausgehen, lehren und lernen au Gottes Ehre und dieser Gemeinde Erbauung. Amen."

Während des Aufschließens und Oeffnens des Schulhauses sangen die Kinder den Vers:

Herr, segne dieses Haus;
Dir sei es übergeben,
Laß, Vater, über uns
Stets Deine Gnade schweben

Wenn Du; nicht Hüter bist
fehlt Segen und Gedeihen;
Nur da, wo Du regierst
Zieht Glück und Frieden ein.

Nach diesem Gesang sprach Herr Oberkirchenrat Lotze weiter:

Die Gemeinde Langenwetzendorf hat nun das Glück, eines der geräumigsten und schönsten Schulhäuser zu besitzen weit und breit im Lande. Stolz könnte sie darauf sein. Doch vielmehr ziemt es sich für sie, für uns alle, demütig und inbrünstig zu denken, zunächst Gott dem Herrn, dem Geber aller guten und vollkommenen Gabe, und dem selig Entschlafenen, der Gottes Werkzeug gewesen ist. Ein edler Menschenfreund von seltener Freigebigkeit und fast unerschöpflicher Güte hat sich hier ein Denkmal gegründet. Unauslöschlich hat er seinen Namen der gesamten neueren Entwicklung dieses Ortes aufgeprägt. Aber er wußte wohl, daß Kirche und Schule die Hauptburgen menschlichen Wohlergehens sind, die Brunnenstuben alles zeitlichen und ewigen Heils. Mit freudigem Staunen erfüllte es uns, als wir vernahmen, wie großmütig er seine gütige Hand für diesen edelsten und reinsten der Zwecke aufgethan hatte.

Vielleicht möchte zwar jemand sagen: Wohl ihm, daß er konnte, was er gethan hat. Wir aber wollen sagen: Wohl uns, daß er gethan hat, was er konnte. Das wird ihm auch nimmer mehr vergessen werden, hier auf Erden nicht und droben im Himmel nicht.

Wir Evangelischen wissen, daß man sich auch durch die größten und herrlichsten Liebeswerke den Himmel nicht verdienen kann, daß uns die Seeligkeit allein um Christi willen aus purlauterer Gnade geschenkt wird. Aber wenn einer aus freier Liebe soviel thut für die Kirche und für ihre Tochter, die Schule, so beweist er damit, wie hoch ihm das steht, was in Kirche und Schule getrieben wird. Er zeigt, daß in ihm der Glaube lebt, der durch die Liebe thätig ist. Er bekennt sich zu dem, der gesagt hat: Wer mich bekennt vor den Menschen den will ich auch bekennen vor meinem himmlischen Vater.

Schnell, nach Menschen Gedanken zu früh, ist er von hinnen abgerufen, heiße Tränen sind um ihn geweint worden, den großen Freudentag hat er nicht mehr erlebt. Aber es ist, als riefe uns dies Gebäude hier zu: Weinet nicht! Weit über sein Grab hinaus, Tausenden zum Segen, wird seine große Liebe und Menschenfreundlichkeit ihre wohlthätigen Wirkungen üben, nicht so leicht werden die Stürme des Lebens seine Fußstapfen verwehen, sein Gedächtnis bleibet!Da wir unsere Gedanken auf die unsichtbare Welt der Ewigkeit gerichtet haben, so wollen wir doch noch an andere Menschenfreunde denken, an Kinderfreunde von sehr hohem Range. Und sie sind hier zugegen. Es sind die heiligen Engel Gottes. Unser Herr sagt: "Sehet zu, daß ihr nicht jemand von diesen Kleinen verachtet. Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen allezeit das Angesicht meines Vaters im Himmel". Wen meint er wohl mit diesen Kleinen? Ohne Zweifel die Menschen, die in Demut und Glauben wieder rechte Kinder geworden sind. Aber er meint auch die wirklichen Kinder, wie sie zu Hunderten jeden Tag über in diesem Hause sich sammeln werden. An diesen Kindern ist ihren Vätern viel gelegen, und gar mancher wird unter der Last und Mühe seines Tagewerkes oft seine stillen Gedanken hierher wandern lassen zu seinen Lieblingen.

Den Müttern ist an ihnen gelegen. Fürsorgend und segnend werden sie oft ihnen nachsehen, wenn sie mit Tafeln und Büchern zur Schule eilen. Ja, der ganzen Gemeinde, die in ihnen ihre besten Schätze nur Erden, die Sicherheit Ihres eigenen Bestandes erkennt. Aber am allermeisten doch dem Himmel und seinen Heerscharen. Denn vor Gott und seinen Engeln ist die Seele eines jeden Menschen, auch des geringsten und unscheinbarsten von unendlichem Wert, und gerade die höchsten Engel Gottes, die starken, reinen Geister, sind um die kleinsten her, ihnen zu dienen. Das sollen und wollen wir doch niemals aus den Augen Lassen. Wir nicht, denen die fürsorgende Aufsicht auch über die hiesige Schule befohlen ist. Der Seelsorger nicht, dem diese Lämmer auf sein Hirtenherz und Gewissen gelegt sind. Die Lehrer nicht, die durch Wort, Wandel und Vorbild tagtäglich auf sie einwirken sollen. O möge ihnen doch stets das Prophetenwort im Sinne liegen: "So spricht der Herr der Heilige in Israel: Weiset meine Kinder und das Werk meiner Hände zu mir".

Und dies führt uns zu dem allerhöchsten Menschen- und Kinderfreunde. Es ist unser Herr Jesus Christus, gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit. Selber ist er ein Kind geworden um unsertwillen. Als Zwölfjähriger hat er uns das tröstliche Wort geschenkt: Muß ich nicht sein in dem, das meines Vaters ist?" Freundlich geliebkost und geherzt hat er die Kleinen und hat ihnen die Leinen segnenden Hände auf die kindlichen Häupter gelegt. Lasset die Kindlein zu ihm kommen! Wohl sollen die Kinder dieser Gemeinde auch für den irdischen Beruf hier unterrichtet und erzogen werden. Alle Kenntnisse alle Übung und Schulung des Geistes, wie sie ihnen im Leben einmal nötig und hilfreich sein werden: In diesem Hause sollen sie für diese Kleinen zu finden sein. Und alles, was man im Laufe der Zeiten im Schulwesen gelernt und erfahren und was als ein wirklicher Fortschritt sich bewährt hat: In diesem Hause soll es ihnen zu gute kommen. Weiter, liebe Brüder, was wahrhaftig ist, was ehrbar, was gerecht, was keusch, was lieblich, was wohllautet, ist etwa eine Tugend, ist etwa ein Lob, dem sollen sie nachdenken lernen in diesem Hause. Zu treuen, bewußten Söhnen ihrer Heimat, zur wohlbegründeten Vaterlandsliebe sollen sie hier erzogen werden, und nach des Apostels schönem Worte soll nicht der Geist der Furcht sondern der Geist der Kraft und der Liebe und der Zucht walten an dieser Schule. Aber vor allem und in allem sollen sie dem zugeführt werden, dem sollen sie dienen, leben, leiden und sterben lernen, der für sie gestorben und auferstanden ist. Er ist der wahre, ewige Menschenfreund, darum, daß Er des Menschen Sohn ist. Friede, Licht und Heil hat Er gebracht für Haus, Schule und Beruf, für Leben und Sterben. Menschenfreund Jesu, dich lieb ich, dich will ich erheben, laß mich doch einzig nach deinem Gefallen nur streben; Herr, nimm mich hin, hilf mir in kindlichem Sinn ewiglich dir nur zu leben! - Tüchtige Menschen, gute deutsche Patrioten und vor allem gläubige, lebendige Christen sollen hier erzogen werden. In diesem Sinne wollen wir unser Werk beginnen und die Schule feierlich weihen.

Die drei Weihelektionen:
Psalm 90, 1. 14. 16. 17.
Marci 10, 13. - 16.
Matth. 28, 18. - 20.

Das Weihegebet

O allmächtiger, ewiger Gott, der du uns die Gnade verliehen hast, zu deiner Ehre dies Haus zu bauen: dir übergeben wir, was dein ist, und bitten dich, nimm es gnädiglich an von unserer Hand. Ach Herr, suche heim diese Wohnung und segne alle, die darin lehren und lernen werden, mit dem Schutz und Frieden deiner heiligen Nähe. Mache aus diesem Hause eine Pflanzschule der Wahrheit und Erkenntnis, eine Werkstatt Deines guten Geistes. Laß deine heiligen Engel herniedersteigen und diese Schule und die Schulkinder darin schützen und verteidigen gegen alle sichtbaren und unsichtbaren Feinde. Laß von deinem oberen Heiligtum eine Quelle ausgehen und leite sie hierher, daß dein teuer erlöstes Volk getränkt werde mit dem Wasser des ewigen Lebens. Dies Haus müsse gesegnet sein und bleiben durch deine gute, starke Hand, auf daß alle, die hierher kommen, sicher wohnen und all' ihr Thun und Lassen, Lehren und Lernen, Beten und Arbeiten geschehe im Namen Jesu Christi, deines Sohnes, welchem mit dir und dem heiligen Geiste sei Preis und Ehre in Ewigkeit Amen.

Hierauf wurden wiederum 2 Verse von den Schulkindern gesungen und dann von dem Ortspfarrer folgende Ansprache gehalten:

Durchlauchtigste Herrschaften! Hochgeehrte Festgäste! Liebe Gemeinde!

Das neue Schulhaus ist geweiht, seine weit geöffnete Pforte ladet zum Eintritt und zur Besichtigung seiner inneren Einrichtung ein; doch bitte ich, mir noch kurze Zeit Gehör zu schenken, da billigerweise in dieser feierlichen Stunde auch zum Ausdruck kommt, was diese Gemeinde heute bewegt. Schon der äußere Schmuck des Ortes mit Kränzen, Laubgewinden, Bäumen und Fahnen deutet darauf hin, daß heute ein Freudenfest in Langenwetzendorf gefeiert wird. Und wir haben auch allen Grund uns zu freuen. Die teuersten Kleinodien einer Gemeinde sind doch ihre Kinder, und wenn für diese eine schöne neue Schule erbaut ist, in welcher ein großer Teil ihrer Erziehung erfolgt, so haben Junge und Alte Ursache zu inniger Freude. Ist diese Freude aber rechter Art, so muß sie mit herzlicher Dankbarkeit gegen die Männer, welche uns zu dieser Schule verholfen haben, verbunden sein. Ich glaube im Sinne aller Glieder dieser Schulgemeinde zu handeln, wenn ich auch in dieser Stunde und an diesem Orte unseren herzlichsten Dank ausspreche Sr. Durchlaucht dem Erbprinzen, den hohen Staatsbehörden und dem Landtage des Fürstentums durch deren Zusammenwirken uns ein Zuschuß von 8000 Mark zu dem Schulhausbau ist gewährt worden, ferner dem Baumeister und allen seinen Gehülfen, welche an dem Hause gearbeitet haben, vor allem aber dem leider so früh von dieser Erde abgerufenen Herren Ernst Arnold, welcher mit freigebiger Hand mehr als 70 000 Mark zu diesem Bau geschenkt hat, sowie der Witwe und den Brüdern des Entschlafenen, welche pietätvoll dafür gesorgt haben, daß das angefangene Werk zur Vollendung gelangte.

Gott vergelte in Zeit und Ewigkeit der ganzen Familie Arnold, was sie an unserer Gemeinde gethan hat. In unsre Freude mischt sich heute Wehmut und Schmerz über den Tod des Mannes dessen Namen dese Schule billigerweise trägt, weil er eigentlich ihr Erbauer ist. Zwei Tage aus den beiden letzten Jahren stehen mir in diesem Augenblick lebhaft vor der Seele; zuerst der Tag der Grundsteinlegung, an welchem Herr Ernst Arnold noch gesund, rüstig und voll Schaffenslust unter uns weilte; ich sehe ihn noch vor mir, wie er tiefer Bewegung mit Thränen im Auge die ersten drei Hammerschläge that, und dann der 31.Januar 1893. Da gingen viele von uns tiefergriffen in Greiz in der Villa Arnold durch ein schwarz ausgeschlagenes Totengemach, in dessen Mitte unter zahllosen Palmen und Kränzen, welche die Liebe und Dankbarkeit gespendet hatten, im Tode erblaßt derselbe Mann lag, den wir ein Vierteljahr zuvor noch so lebensfroh unter uns gesehen hatten. Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras, er blühet wie eine Blume auf dem Felde; wenn der Wind darüber geht, so ist sie nimmer da, und ihre Stätte kennet sie nicht mehr.

Warum erinnere ich an diesen schmerzlichen Tag der Vergangenheit? Unser Heiland hat einmal das Wort gesagt: Ich muß wirken, so lange es Tag ist, es kommt die Nacht, da niemand wirken kann". Das gilt auch uns Menschen. Wir segnen den Entschlafenen, daß er gewirkt hat, so lange es für ihn Tag war laßt uns ebenso thun, es kommt auch für uns die Nacht, da wir nicht mehr wirken können. Ein jeder Mensch, eine jede Familie eine jede Gemeinde, ein jedes Volk, jede Generation des Menschengeschlechts hat ihre bestimmten, von Gott ihr gestellten Aufgaben, die sie zu erfüllen hat. Dabei kommt es nicht an auf die Größe der Aufgaben und die Art des Berufes, den wir empfangen haben, sondern auf die Treue an, mit der wir die uns verliehenen Gaben zu Gottes Ehre und unsres Nächsten Dienst verwenden. Das höchste Vorbild für diese allein christliche Lebensauffassung giebt unser Herr und Heiland selbst mit den Worten: "Des Menschen Sohn ist nicht gekommen, daß er sich dienen lasse, sondern daß er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele". Gott und den Menschen dienen mit seinem Beruf, in seinem Amte, mit allen seinen Gaben und Kräften, das ist eines jeden Christen Aufgabe, mag er nun Fürst oder Minister oder Geistlicher oder Lehrer oder Schuler sein. In diesem Worte Christi liegt aber auch das Fundament für die Selbständigkeit und das gesegnete Zusammenwirken der verschiedenen christlichen Berufsarten. Auf den Blättern der Geschichte ist mancherlei eingezeichnet, aus dem klar ersichtlich ist, daß es zur Selbstvernichtung und zum Verderben ganzer Völker dient, wenn die Menschen kommen, nicht um zu dienen, sondern um sich dienen zu lassen. Auf diesem Wege gehen wir die obrigkeitliche Gewalt zur Tyrannei ausarten, das geistliche Amt, das die Versöhnung predigen soll, wird zur widerchristlichen Hierarchie und die Weltweisheit wird zur Verführerin in Unglauben und Hochmut. Wo aber jedes Amt bestrebt ist, Gott und den Menschen der Nachfolge Christi zu dienen, da wird dem Verderben gewehrt und Gottes Reich gebaut. Auch unsre Zeit hat große Aufgaben zu erfüllen. Die Mächte der Finsternis regen sich gewaltig, um unsre ganze christliche Kultur zu vernichten.

Wird es gelingen, ihnen einen Damm entgegenzustellen, an welchem sich ihre schmutzigen Wellen brechen? 'Das können wir nur hoffen, wenn alle Stände unsres Volkes dazu umkehren, nicht sich dienen zu lassen, sondern zu dienen. Wenn Staat, Kirche, Schule und Familie diese Aufgabe erfassen und einträchtiglich dem König aller Könige und Herren aller Herren an seinen Menschenkindern zu dienen bereit und willig sind dann wird auch Gottes Gnade zum wollen das Vollbringen und zum Mühen das Gelingen geben. Möge in diesem Sinne allezeit in diesem Schulhause an den Kindern unserer Gemeinde gearbeitet werden, dann wird unsre Schule ein immer frisch sprudelnder Segensquell für die Gemeinde werden; möchten doch in diesem Sinne allezeit Elternhaus, Schule, Kirche und Staat zusammenwirken, dann würden bald die jetzt leider nur zu berechtigten Klagen über Zuchtlosigkeit der Jugend verstummen.
Ihr aber, liebe Kinder, die ihr zunächst in dieser Schule unterrichtet werden sollt, laßt euch den Eingang in das neue Schulhaus eine recht ernste Mahnung sein, nun auch ein neues Leben in der Weise zu beginnen, daß ihr eure Fehler und Unarten ablegt, und mit neuem Fleiß, neuer Aufmerksamkeit und neuer Frömmigkeit Gott und allen guten Menschen wohlgefällig zu werden bemüht seid. Dazu helfe uns Gott durch seinen heiligen Geist um Jesu Christi willen. Amen.

Hierauf hielt Herr Oberkirchenrat Lotze das Schlussgebet und sprach den Segen über die Versammlung.

Schlußgebet

Nun laßt uns zum Schluß unsere Hände und Herzen zu Gott erheben und ihn anrufen für dies Haus, daß es vor allem Fahr und Schaden bewahrt bleibe. Für die Kinder, daß sie aufwachsen in der Furcht und Vermahnung zum Herrn. Für die Lehrer, daß sie in wahrer Treue ihrem köstlichen Berufe leben. Für den Kirchen- und Schulvorstand, daß alle seine Mitglieder den heiligen Ernst ihrer Aufgabe erkennen. Für den Hirten und Seelsorger, daß es ihm gelingen möge, viele Frucht zu schaffen für das ewige Leben. Für die ganze Gemeinde, daß in ihr immer ein gesundes, lebendiges Christentum herrschen und die Fahne des evangelisch-lutherischen Bekenntnisses fest und hochgehalten werden möge. Die Hinterbliebenen des entschlafenen Wohlthäters, die ganze Familie Arnold, befehlen wir in die ewig treuen Gnadenhände unseres himmlischen Vaters. Gott segne Kaiser und Reich, er behüte unser liebes Reußenland und nehme unsern gnädigsten Fürsten und Herrn in seinen allmächtigen Schutz. Auch für unsere geliebten Erbherrschaften laßt uns beten. O, sie haben es selbst gar wohl erfahren, was es um ein fürsorgendes, um ein trauerndes und um ein hochbeglücktes Vater- und Mutterherz ist, und werden in doppelt und dreifacher Innigkeit und Teilnahme dies Fest mitfeiern. Gott schütze und segne die Kinder, die er ihnen gegeben hat, und das Band der Liebe und Treue, das sie mit den Landeskindern verbindet, lasse er immer fester und schöner werden. Zuletzt denken wir an uns selber noch und bitten alle, ein Jeder für sich, Gott wolle verleihen, wenn die Schule dieses Lebens zu Ende ist, daß sich uns dann weit aufthun mögen die Pforten der ewigen Heimat. Dies alles fassen wir zusammen in des Gebet unseres Herrn.

Vater Unser u.

Der Gesang des Liedes "Nun danket alle Gott" beschloß die erhebende Feier.

Bevor sich die Festversammlung zerstreute, redete sie Herr Bürgermeister Dietzel mit folgenden Worten an:

Hochgeehrte Gäste! Liebe Mitbürger!

Die erhebende Feier der Schuleinweihung ist zu Ende. Unsere Festfreude ist wesentlich erhöht worden durch den Umstand, daß Seine Durchlaucht, unser gnädigster Herr Erbprinz mit seiner hohen Gemahlin, der durchlauchtigsten Frau Erbprinzessin, in unsrer Mitte zu weilen geruht hat. Es ist heute das zweite Mal, daß Hochderselbe Langenwetzendorf besucht. Am 30. Mai vorigen Jahres kam Seine Durchlaucht hierher um sich persönlich davon zu überzeugen, wie es nach den Wolkenbrüchen vom 24. Mai bei uns aussähe, heute hat er ein Freudenfest mit uns gefeiert. Wie nun unser Durchlauchtigster Erbprinz an unsrem Leid und an unsrer Freude freundlichst

Anteil genommen hat, so wollen auch wir in guten und bösen Tagen treu zu unserem Fürstenhause stehen. Jetzt wollen wir unsrem herzlichsten Danke dadurch Ausdruck geben, daß wir einstimmig rufen: Unser Durchlauchtigster Erbprinz und seine Hohe Frau Gemahlin

leben hoch! hoch! hoch!

Nachdem dieser Gruß, in welchen die Menge begeistert einstimmte, verklungen war, besichtigten die Herrschaften und die erschienenen Ehrengäste zuerst die Lehrzimmer und dann die Wohnungen des neuen Schulhauses; die praktische Anlage, sowie die solide Ausführung des Baues wurden von allen Seiten mit hoher Anerkennung hervorgehoben. Besonderes Interesse erregte ein großes in Aquarellfarben ausgeführtes Bild des verstorbenen Ernst Arnold, welches durch seine sprechende Aehnlichkeit überraschte. Es hat einen

würdigen Platz in dem Zimmer gefunden, in welchem der Gemeinderat, der Kirchenvorstand und der Schulvorstand ihre Sitzungen zu halten gedenken."

Damit ging ein Schulgebäue Betrieb, das weit und breit zu den schönsten und geräumigsten der damaligen Zelt gehörte und das über 80 Jahre mit nur geringen Veränderungen im Inneren immer den modernen Bildungsanforderungen der jeweiligen Zeit genügte und das viele schwierige Zeiten überdauert hat.

Mag das Wirken der Familie Arnold in Langenwetzendorf auch in unterschiedlichen Zeiten völlig gegensätzlich bewertet worden sein; allein die Tatsache, daß ein Privatmann ca. 90 % der Kosten des Baues einer öffentlichen Einrichtung finanziert, kann in der Bedeutung für den Ort nicht hoch genug eingeschätzt werden, denn von diesem Bau profitierte die Gemeinde und ihr Umfeld in vielen Jahren der weiteren Entwicklung,

Und auch in Zukunft wird von der Existenz einer Schule am Ort die weitere Entwicklung desselben in starkem Maße abhängen.

Diese Betrachtung soll in nächster Zeit weitergeführt werden. Allerdings gibt es für den Zeitraum 1900-1945 außer den Schülerunterlagen keine weiteren Dokumente mehr an der Schule. Sie wurden offenbar nach 1945 entfernt. Sicherlich haben noch viele ältere Bürger des Ortes Erinnerungen an diese Zeit. Wir würden uns freuen, wenn uns als Schule damit helfen könnten, die Schulgeschichte als Bestandteil der Ortsgeschichte weiter aufzuarbeiten. Wir sind für jeden Hinweis dankbar.

Manfred Scholz

Langenwetzendorf, Feb. 1994

Aktualisiert ( Montag, 15. August 2011 um 07:22 Uhr )
 

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