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Jubiläum: 125 Jahre Freiwillige Feuerwehr Langenwetzendorf

125 Jahre Freiwillige Feuerwehr Langenwetzendorf (Wordle)

Am Wochenende, 27. und 28. August 2011, beging die Langenwetzendorfer Freiwillige Feuerwehr ihr großes Jubiläum: 125 Jahre Freiwillige Feuerwehr in Langenwetzendorf. Dazu gab es ein zweitägiges Festprogramm auf dem Festplatz im Langenwetzendorfer Park.

Schmuck im Ort Schau-Übung
Sandmann mit Feuerwehrauto Feuerwerk
Technik-Ausstellung Feuerwehr-Parade
Feuerwehr-Technik Festplatz-Trubel

Das Festprogramm zeigt sich zwar in den Bildern oben, aber natürlich gibt es die einzelnen Programmpunkte hier nochmals zum Nachlesen und fürs Archiv.

Samstag, 27. August 2011

  • 15.00 - 16.30 Uhr Empfang der Wehren
  • 17.00 - 18.00 Uhr Schauübung
  • 19.00 Uhr Sandmann
  • 19.30 Uhr Tanz mit den „Drei Lustigen Vier“
  • 23.00 Uhr Feuerwerk

Sonntag, 28. August 2011

  • 10.00 Uhr Technikausstellung und Frühschoppen mit der Schalmeienkapelle
  • 13.00 Uhr Kletterturm des Deutschen Alpenvereins
  • 14.00 Uhr Großer Festumzug
  • 15.30 - 20.00 Uhr Festbetrieb mit Leos Disco
  • 19.00 Uhr Sandmann

Höhepunkt der Feierlichkeiten war der große Festumzug, der von unzähligen Schaulustigen am Straßenrand bestaunt wurde. Ein Video auf Youtube.com vermittelt einen Eindruck "der Schau der Wehren".

Anlässlich des Jubiläums erstellte der Feuerwehr-Verein auch eine Chronik. Aus ihr wurde bereits im Laufe des Jahres im Gemeindeblatt eine Reihe zur Geschichte der Langenwetzendorfer Feuerwehr veröffentlicht, die hier nochmals aufgegriffen werden soll.

 

Amtsblatt der Gemeinde Langenwetzendorf vom 13.01.2011

Für die Freiwillige Feuerwehr Langenwetzendorf ist das Jahr 2011 ein Jahr von besonderer Bedeutung. Vor 125 Jahren wurde diese öffentliche Einrichtung zur Bekämpfung von Bränden, zur Rettung von Menschenleben und zur Minimierung materieller Schäden ins Leben gerufen.

Die Anforderungen, die seitdem an die Angehörigen der Wehr gestellt wurden, sind von Jahr zu Jahr mit der Weiterentwicklung der Löschtechnik gestiegen. Die Kameradinnen und Kameraden der Wehr sind ständig gefordert, bei Einsätzen ihr eigenes Leben aufs Spiel zu setzen und keine Gefahren zu scheuen, wenn es darum geht, Menschenleben zu retten. Sie sind aber auch gefordert, ihre Freizeit zu opfern, um sich ständig weiter zu bilden und stets einsatzfähig zu sein.
Es war jedoch nicht immer so ... R. Knoll hat auch auf diesem Gebiet recherchiert und in seinen Aufzeichnungen die Ergebnisse festgehalten.

„Nach Überlieferungen aus den „Illschen Kalenderblättern“ wurde auch in früheren Jahrhunderten Hab und Gut der Bürger wiederholt ein Raub der Flammen“. Der Bauer Ille, ein Langenwetzendorfer Einwohner (18./ 19. Jahrhundert), schreibt in seinen Kalenderblättern, dass bis zur Gründung der Feuerwehr in Langenwetzendorf mindestens 17 Brände verheerenden Schaden anrichteten und am Schluss seiner Beschreibungen meistens steht „niedergebrannt“.
*„Das wahrscheinlich größte Schadensfeuer in Langenwetzendorf ereignete sich im Jahre 1806. Am 29. Mai brach auf dem Leitenberg, heute Hausnummer 4, ein Brand aus, der auf das Nachbarhaus Nr. 6 übergriff. Von da aus verbreitete sich das Feuer auf den Butterberg Nr. 7, 14 und 16 und auf die beiden Bauerngüter auf der Rosenhöhe (heute Albrecht und das Gemeindehaus). Insgesamt sind an diesem 29. Mai 1806 sieben Häuser im Oberdorf ein Raub der Flammen geworden, 2 Bauernhäuser und 5 Wohnhäuser“.

Zur Brandbekämpfung waren in der damaligen Zeit alle männlichen Einwohner gefordert, Hilfe zu leisten. Durch Läuten der Kirchenglocken und Feuergeschrei wurden die Einwohner in Kenntnis gesetzt und mussten dann zur Brandbekämpfung herbeieilen. Mit Eimern wurde das Wasser vom nahegelegenen Bach oder Teich zum Brandobjekt befördert, indem die gefüllten Eimer von Hand zu Hand gereicht wurden.
Erst als später die Handdruckspritzen erfunden worden waren, wurde das Wasser von Männern zur Brandstelle gepumpt.

K.-H. Tr.

 



Amtsblatt der Gemeinde Langenwetzendorf vom 10.02.2011

Die Geschichte der „Freiwilligen Feuerwehr“ Langenwetzendorf  - Teil I

zusammengestellt nach Aufzeichnungen von K. Welz (Chronik der Wehr) und R. Knoll

Am 21. August 1886 wurde vom Landratsam Gera eine Polizei- und Feuerlöschordnung erlassen, die darauf gerichtet war, in den Gemeinden eine freiwillige Feuerwehr aufzubauen. Daraufhin traten die beiden Turnvereine zusammen und bildeten eine „Freiwillige Feuerwehr“ in Langenwetzendorf mit Hermann Barthold als Wehrleiter. Die Feuerwehrkameraden wurden am 27. November desselben Jahres vom Gemeindevorstand auf drei Jahre durch Handschlag verpflichtet. Mit dem 27. November 1889 war nun die Dienstzeit dieser Mannschaft verflossen, welche die „Freiwillige Feuerwehr“ gegründet hatte. Da der Gemeindevorstand aber versäumt hatte, neue Mitglieder für die Wehr zu gewinnen, erklärte sich die bisherige Mannschaft bereit, bis Jahresende weiterhin ihren Dienst zu verrichten. Infolgedessen wurde nun von der Wehr ein Stiftungsfest veranstaltet und stellte hierzu den Antrag an den Gemeinderat, der Freiwilligen Feuerwehr die 8 Mark; die an die Gemeinde zu zahlen waren, zu erlassen. Dies wurde jedoch vom Rat der Gemeinde mit den Worten abgelehnt: „der Gemeinderat ist nicht ermächtigt, der Feuerwehr die 8 Mark zu erlassen, selbst auf die Gefahr hin, wenn sich die ganze Feuerwehr auflöst“. Daraufhin löste sich die „Freiwillige Feuerwehr“ auf und die Gemeinde sah sich veranlasst, entsprechend der Feuerlöschordnung vom 21. August 1886 eine Pflichtfeuerwehr aufzustellen.

Der Gemeinderat hat gleichzeitig beschlossen, mit den seitherigen Einrichtungen aufzuräumen und auch mit den Vorgesetzten eine Neuwahl vorzunehmen. Die Wahl fiel dabei auf Franz Hermann Düntsch als Ortsbrandmeister und Franz Hermann Zipfel als dessen Stellvertreter. Weiter wurde eine Bestimmung vom Gemeinderat getroffen, dass alle unnötigen Versammlungen in Zukunft wegfallen sollen und die Leute nur zu Übungen gerufen werden. In den folgenden Jahren wurden weitere Maßnahmen vom Gemeinderat in Absprache mit der Wehrleitung getroffen, die für alle Feuerwehrleute der Gemeinde verbindlich waren. So wurden u. a die

„Bedingungen für die Pflichtfeuerwehr im hiesigen Ort bezüglich der Armbinden“ festgelegt. Hier heißt es u.a.:


1. „Für die Armbinden wird jeder Pflichtfeuerwehrmann verantwortlich gemacht, mutwillige Beschädigung oder Abhandenkommen derselben muß der Verlust vom Feuerwehrmann getragen werden.

2. Die Binden sind bei jeder Übung sowie bei jedem eventuellen Brande am linken Oberarm zu tragen.

3. Alle Pflichtfeuerwehrmänner haben sich unter Ausweisung ihrer Armbinden bei ihrem betreffenden Zugführer sowohl bei einer Übung, als auch bei einem Brande an- und bei etwaigen Fortgehen, abzumelden. Wer dies unterläßt, wird als nicht dagewesen angesehen und bestraft.

5. Jeder Feuerwehrmann muß solange bei der Feuerwehr bleiben, bis er hörbar entlassen ist. Solange dies nicht der Fall ist, hat er noch den Übungen beizuwohnen, auch bei einem Brande sofort in Tätigkeit zu treten. Bei der Entlassung hat er die Armbinden in gutem Zustand zurückzugeben.“

„Schlußbestimmungen
Wer diesen Bedingungen nicht nachkommt, wird für jeden einzelnen Fall mit 1 - 10 Mark bestraft. Solche Feuerwehrleute, welche niemals zur Übung kommen und lieber 1 Mark bezahlen, werden das 1. Mal mit 1 Mark, im Wiederholungsfalle mit 2 Mark usw. bestraft.“

K.-H. Tr.

 



Amtsblatt der Gemeinde Langenwetzendorf vom 10.03.2011

Die Geschichte der „Freiwilligen Feuerwehr“ Langenwetzendorf - Teil  II

Im Oktober 1890 formiert sich wieder eine „Freiwillige Feuerwehr“ und am 12. Januar 1891 übernimmt Hermann Düntsch als Ortsbrandmeister die Leitung. Gleichzeitig werden die Zugführer durch die Mannschaften gewählt und vom Gemeindevorstand und dem Ortsbrandmeister bestätigt. Die ins Leben gerufene Pflichtfeuerwehr bleibt vorübergehend noch bestehen und wird von Zugführern geleitet. Aus dieser „Gründerzeit“ existiert als einziges Dokument das „Statut der Freiwilligen Feuerwehr Langenwetzendorf“.

Alle anderen Unterlagen, die Auskunft über die Arbeit der Wehr hätten geben können‚ sind bei dem Hochwasser am 21. Juni 1893 verloren gegangen, als das Wohnhaus des damaligen Ortsbrandmeisters von den Fluten weggerissen wurde. Das Statut wurde am 12. Januar 1891 in Kraft gesetzt und beinhaltet die Rechte und Pflichten des Feuerwehrmannes in 23 §§.
So war z.B.. festgeschrieben:

  • § 2 Jeder Feuerwehrmann hat in seinem Betragen gegen alle die Achtung an den Tag zu legen‚ welche der Dienst und der Anstand erfordert. Nüchternheit‚ Pünktlichkeit, Ruhe, Ausdauer, Gehorsam gegen den Vorgesetzten und wenn es gilt, Mut und Besonnenheit zu zeigen, ist die erste Pflicht jedes Feuerwehrmannes.
  • § 5 Die Mannschaften haben sich im Dienst des militärischen Grußes zu bedienen.
  • § 9 Das Rauchen im Dienst ist nur nach erteilter Erlaubnis des Kommandanten in Pausen gestattet und ist‚ wenn dieselbe zurückgezogen oder Achtung kommandiert wird‚ sofort einzustellen.
  • § 14 Jedes Mitglied ist verpflichtet:

a) zum unbedingten Gehorsam im Dienst,
b) zum pünktlichen Erscheinen in Uniform zu den Übungen und Bränden
c) die ihm übergebenen Uniformstücke und Feuerwehrutensilien stets in gutem Zustande zu erhalten und solche bei Austritt im reinlichen Zustand zurückzugeben.

  • § 16 Über Ordnungsfehler jeder Art entscheidet das Kommando, welches befugt ist

a) Verweise,
b) Geldstrafen von nicht unter 50 Pfg.
b) Ausschluß von der Kompanie
auszusprechen.

Nach verschiedenen Anschuldigungen und Streitigkeiten in der Feuerwehr legte H. Düntsch 1896 das Amt als Ortsbrandmeister nieder. Nachfolger wurde Bernhard Knoll. Er übte diese Funktion von 1896 bis 1897 aus. Am 01. Juni 1897 übernimmt wieder Hermann Düntsch die Stelle des Ortsbrandmeisters .
War es damals Aufgabe der Feuerwehr, „den Feuerlöschdienst innerhalb und außerhalb von Langenwetzendorf zu besorgen ... sich im Feuerlöschwesen in militärischer Form tüchtig auszubilden, um durch ein geordnetes Zusammenwirken bei Feuergefahr, Leben und Eigentum der Bewohner hiesigen Ortes und der nächsten Umgebung zu schützen“, so wurde auf einer Konferenz in Eisenach am 16. Januar 1903 gesetzlich festgelegt, daß die Feuerwehr auch zu den verschiedensten Diensten (Hochwasser, Zigeunerplage) herangezogen werden kann.

Am 7. Januar 1910 richteten Kameraden der Wehr eine Beschwerde an die Gemeindevetretung, die gegen den Ortsbrandmeister gerichtet war.* „So war es z.B. vorgekommen, daß bei einem Brande, wo die Feuerwehr in Tätigkeit treten sollte, die Spritzen sämtlich eingefroren waren: Weiter ist es vorgekommen, daß die Zugführer mit der Mannschaft das ganze Jahr hindurch geübt und gearbeitet haben und zur Hauptübung, wo verschiedene Gemeindevertreter sowie viele andere Bürger zugegen waren, um die Leistungen der Spritzen zu beobachten, die Wehr auf Befehl des Herrn Brandmeisters so geführt wurde, daß nicht einmal Wasser geschafft werden konnte“.

In einer Feuerwehrversammlung wird deshalb die Gemeindevertretung gebeten, den Brandmeister seines Amtes zu entheben. Als Nachfolger für die Leitung der Wehr wird am 25. Februar 1910 Emil Müller als Ortsbrandmeister eingesetzt.

* (Chronik der Wehr)

K.-H. Tr.


 

Amtsblatt der Gemeinde Langenwetzendorf vom 14. 03.2011

Die Geschichte der „Freiwilligen Feuerwehr" Langenwetzendorf - Teil III

Ständige Streitereien und Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Wehr führten schließlich dazu, dass Emil Müller am 18. Mai 1919 sein Amt niederlegte. Nachfolger wurde Hermann Böttcher. Er führte die Freiwillige Feuerwehr des Ortes bis 1945 und trat dann aus Altersgründen aus der aktiven Wehr aus, verblieb aber weiterhin als Ehrenmitglied.

Unter der Leitung des Ortsbrandmeisters H. Böttcher entwickelte sich die Freiwillige Feuerwehr Langenwetzendorfs zu einer immer einsatzbereiten und straff organisierten Mannschaft. Mit viel Idealismus waren die Kameraden jederzeit bereit, in freiwilliger, unbezahlter Arbeit größere Schäden an Leib und Gut zu verhindern.

Während seiner Amtszeit als Ortsbrandmeister kamen die Feuerwehrkameraden zu mehreren Großbränden zum Einsatz und stellten ihre hohe Einsatzbereitschaft unter Beweis. 1926 wurde die Langenwetzendorfer Feuerwehr vom Thüringischen Ministerium mit einem Diplom für ihr schnelles Handeln bei der Brandbekämpfung in Hainsberg ausgezeichnet. Die daran beteiligten Feuerwehrmänner erhielt als sichtbares Zeichen den „Schnelligkeitswinkel“; der am linken Uniformärmel getragen wurde.

Als im Jahre 1922 Hirschbach nach Langenwetzendorf eingemeindet wurde, wurde innerhalb der Langenwetzendorfer „Freiwilligen Feuerwehr“ für Hirschbach eine eigene Löschgruppe gebildet. Angehörige dieser Einheit besaßen keine extra Uniform, und als Löschgeräte waren eine Handdruckspritze (Karrenspritze) und einige Schläuche stationiert. Das Bestreben der neuen Wehrleitung war auch darauf gerichtet, die Ausrüstung der Wehr der allgemeinen Entwicklung anzupassen. In einer Versammlung wurde deshalb an den Gemeinderat der Antrag gestellt, neue Uniformröcke zu beschaffen, „da die z. Zt. Vorhandenen veraltet, zerschlissen, von den Motten angefressen“ und in den Kriegsjahren 1914 - 1918 keine neuen beschafft werden konnten. Man erkannte zwar, dass der Kauf erforderlich war, aber hierzu fehlte der Gemeinde das Geld.

Das gleiche Problem trat auf, als die Wehrleitung sich damit beschäftigte, sich von den veralteten Handdruckspritzen zu trennen und sich eine Motorspritze zuzulegen. Man wurde sich zwar einig, dass es eine mit Benzinmotor und keine elektrisch angetriebene sein soll, aber keiner wusste, wer sie bezahlt. Die Gemeinde war auch hier finanziell nicht in der Lage, dem Kauf zuzustimmen. Also galt auch hier der Spruch: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben! und man musste warten, bis 1934 der Besitzer der Weberei Arnold das Geld für den Kauf einer „Flader-Motorspritze“ zur Verfügung stellte.

Da in den zurückliegenden Jahren des Öfteren Klage geführt wurde über eine geringe Dienstbeteiligung, so beschloss die Versammlung auf Vorschlag der Wehrleitung, Geldstrafen einzuführen, um die Säumigen auf diese Weise zu belangen. Im Protokoll wurde deshalb festgelegt: Bei unentschuldigten Fehlen 50 Pfg., bei Zuspätkommen 20 Pfg. und als Einstand 50 Pfg. zu kassieren.

K.-H. Tr

 


 

Amtsblatt der Gemeinde Langenwetzendorf vom 12.05.2011

Die Geschichte der „Freiwilligen Feuerwehr“ Langenwetzendorf - Teil IV

Am 10. Januar 1926 brach in der Schmiedsmühle Feuer aus. Bald standen Mühle, Wohnhaus, Stallungen und Scheune in hellen Flammen. Die Feuerwehr, die schnell zur Stelle war und aus vier Strahlrohren den Brand bekämpfte, war nicht in der Lage, die Gebäude zu retten und musste sich nur darauf beschränken, ein Übergreifen des Feuers auf das dicht ans Brandgebäude stoßende Roth’sche Gasthaus zu verhindern.

Im September des gleichen Jahres wurden die Kameraden erneut alarmiert. In Hainsberg war beim Bauer Jung ein Großfeuer ausgebrochen und es bestand die Gefahr, dass die Flammen auf andere Gebäude übergreifen. Durch das schnelle Eingreifen der Langenwetzendorfer Feuerwehr konnte ein noch größerer Schaden verhindert werden. Das Vieh musste allerdings z.T. getötet werden. Die an der Brandbekämpfung beteiligten Kameraden wurden mit einem Diplom des thüringischen Innenministeriums und dem Schnelligkeitswinkel ausgezeichnet, der am linken Ärmel der Uniform getragen wurde.

Nach einem brandfreien Jahr 1927 zerstörte am Heiligabend des Jahres 1928 ein Großfeuer das Wohnhaus von E. Zschiegner. Die Brandbekämpfung wurde durch die schlechte Witterung und anhaltende große Kälte erschwert, so dass das Haus in knapp einer Stunde völlig niederbrannte. Mit der Machtergreifung des Nationalsozialismus im Januar 1933 wurde der Einfluss auf das Leitungsprinzip der Feuerwehr durch die Partei immer größer. Die Feuerwehren wurden der Polizei unterstellt und diese legte die Aufgaben, Rechte und Pflichten fest. Daraufhin traten einige Kameraden aus politischen Gründen aus der Wehr aus. Anfang des Jahres 1934 befasste sich die Wehrleitung und der Gemeinderat erneut mit dem Kauf einer Motorspritze. Dabei spielte das finanzielle Problem genau wie vor Jahren eine entscheidende Rolle. Da die Gemeinde nicht in der Lage war, erklärte sich schließlich Herr Arnold bereit, diesen Kauf zu tätigen.

Ende des Jahres konnte die Motorspritze vom Typ „Flader“ geweiht werden und kam bis über den 2. Weltkrieg hinaus zum Einsatz. Die alten Handdruckspritzen hatten damit bei der Brandbekämpfung ausgedient und wurden nur noch zum Auspumpen von Kellern und Brunnen verwendet. Bei den älteren Einwohnern des Ortes kamen schlimme Erinnerungen auf, als 1937 die Fabrikpfeife Feueralarm auslöste und sich die Nachricht schnell verbreitete: Die Kuxmühle brennt! Der Getreidespeicher war durch das Feuer stark verqualmt, so dass die Kameraden zunächst nur mit Rauchmaske arbeiten konnten. Erst als man die Fenster des Speichers öffnen konnte, konnte das Feuer bekämpft werden. Durch das schnelle Handeln wurden 9000 Zentner eingelagertes Getreide erhalten.

K.-H. Tr.


 

Amtsblatt der Gemeinde Langenwetzendorf vom 09.06.2011

Die Geschichte der "Freiwilligen Feuerwehr" Langenwetzendorf - Teil V

Die Wehrleitung unter Hermann Böttcher hat es verstanden, die bisherigen Streitereien innerhalb der Wehr aus dem Weg zu räumen und durch eine straffe Organisation Disziplin und Ordnung zu festigen und eine stets einsatzbereite Mannschaft zu schaffen. Ihre hohe Leistungskraft stellten sie bei Einsätzen zur Brandbekämpfung und bei Hochwassereinsätzen stets unter Beweis.

Im Jahre 1936 konnte die Freiwillige Feuerwehr Langenwetzendorf ihr 50-jähriges Jubiläum feiern. Als Demonstration ihrer Arbeit stand ein Sturmangriff auf dem Programm und am Abend fand ein gemütliches Beisammensein im "Wolfen" statt.
Personelle Schwierigkeiten traten jedoch auf, als am 1. September 1939 der zweite Weltkrieg begann und junge, aktive Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr zum Wehrdienst einberufen wurden und zum Kriegseinsatz kamen. Zehn von ihnen kehrten nach Kriegsende nicht mehr zurück. Sie waren Opfer dieses wahnsinnigen Krieges geworden.

Die Freiwillige Feuerwehr aber musste auch in den Kriegsjahren einsatzbereit sein, das heißt, es musste die erforderliche Mannschaftsstärke gesichert werden. So wurden junge Männer des Ortes, die noch nicht im wehrfähigen Alter waren, aber auch bereits gediente Ausgemusterte und Kriegsuntaugliche zum Dienst in der Feuerwehr herangezogen. In Schulungen und Übungen, die sonntagsvormittag durchgeführt wurden, wurden die neuen Kameraden ständig mit der Löschtechnik vertraut gemacht. Und so gelang es, die Wehr stets einsatzfähig zu halten.

Bei Hochwasser, hervorgerufen durch die Schneeschmelze im Frühjahr oder durch wolkenbruchartige Niederschläge im Sommer, waren die Kameraden stets bereit, ihre Aufgabe zu erfüllen. Hohe Anforderungen wurden an die Kameraden gestellt, als im Oktober 1943 in den Abendstunden die Sirenen ertönten und Feueralarm auslösten. Die Scheune des Bauern W. Albert in Hirschbach stand in hellen Flammen. Als erste Hilfe bei der Brandbekämpfung war die Hirschbacher Löschgruppe mit der alten Karrenspritze in Tätigkeit getreten und hatte ein Übergreifen auf die Nachbargebäude verhindert. Trotz schnellen Handelns der Langenwetzendorfer Feuerwehr konnte nicht verhindert werden, dass die Scheune, das Seitengebäude und der Pferdestall, abbrannten - die Tiere aber, außer die Hühner, konnten in Sicherheit gebracht werden. Die abgebrannten Gebäude wurden in den folgenden Monaten wieder errichtet. Aber Mitte 1944 wurden sie erneut Opfer der Flammen. Bei diesem Brand kam außer der Langenwetzendorfer Wehr auch die im Rüstungsbetrieb (Flugzeugbau) der Weberei Arnold stationierte Feuerwehr mit ihrem Löschfahrzeug zum Einsatz (die Besatzung des Löschfahrzeuges waren größtenteils zwangsverpflichtete holländische Männer).*

Im April 1943 erhielten die Gemeinden die Anweisung, dort, wo es Schwierigkeiten gab, die erforderliche personelle Stärke der Wehr zu erreichen, Frauen und Mädchen zum Feuerlöschdienst heranzuziehen. Bürgermeister und Wehrleitung führten hierzu Gespräche mit jungen Frauen und Mädchen des Ortes, die tagsüber bei Alarm verfügbar und körperlich in der Lage waren, um ihre Bereitschaft in der Feuerwehr mitzuarbeiten, zu gewinnen. Im Januar 1944 meldete der Bürgermeister an das Landratsamt, dass eine Frauenfeuerwehr in Langenwetzendorf aufgestellt wurde und 16 Frauen, meist ledige Personen, die körperlich hierzu geeignet erscheinen, durch Notdienstverpflichtung herangezogen wurden. Die Dienstbezeichnung der herangezogenen Frauen und Mädchen ist „Feuerwehr-Helferin“.

* Archiv Greiz
K.-H. Tr.

 


 

Amtblatt der Gemeinde Langenwetzendorf vom 11.08.2011

Die Geschichte der „Freiwilligen Feuerwehr“ Langenwetzendorf - Teil VI

Im April 1945 wurde Langenwetzendorf von amerikanischen Truppen besetzt. Durch Plakate wurde die Bevölkerung informiert, wie sie sich in der Öffentlichkeit zu verhalten hat. Ausgangssperren wurden verhängt und Versammlungsverbote ausgesprochen. Alle gesellschaftlichen Vereine und politischen Organisationen wurden verboten.

Auch die Freiwillige Feuerwehr konnte nicht mehr ihren Aufgaben gerecht werden. Die monatlichen Übnungen wurden nicht mehr durch geführt und Dienstbesprechungen und Schulungen entfielen. Ältere Kameraden und gesundheitlich angeschlagene traten aus der Wehr aus. Die Frauenfeuerwehr wurde aufgelöst. Als dann im Juli die amerikanische Besatzung Thüringen verließ und die sowjetischen Truppen einrückten, wurden die Bürgermeister angewiesen, Maßnahmen zu ergreifen, um in den Gemeinden eine aktive, zuverlässige und einsatzbereite Freiwillige Feuerwehr zu schaffen.

Dies war für Langenwetzendorf nicht ganz einfach. Erschwerend allein war, dass der erfahrene, lang gediente Wehrleiter Hermann Böttcher, der seit 1919 die Wehr geführt hatte, altershalber sein Amt niederlegte, und damit die Wehr auf dem Punkt Null stand. Es musste also als erstes ein neuer Wehrleiter gewonnen werden, der sich der schwierigen Aufgabe stellte, neue, junge und einsatzbereite Männer des Ortes für die Feuerwehr zu begeistern.

Mit dieser Aufgabe wurde der Schuhmachermeister Otto Pensold vom Rat der Gemeinde beauftragt. Unterstützt wurde er dabei von erfahrenen Feuerwehrkameraden Kurt Schubert und Karl Schmeißer, die ihm auch in den folgenden Jahren zur Seite standen. Innerhalb relativ kurzer Zeit war es ihnen gelungen, die Wehr auf eine Stärke von 32 Mann zu bringen. Diese neuen Mitglieder wurden nun in regelmäßig durchgeführten Schulungen und Übungen mit der Feuerlöschtechnik vertraut gemacht, um jederzeit einsatzbereit zu sein

An Ausrüstung standen ihnen die beiden alten Handdruckspritzen und die Motorspritze zur Verfügung sowie einiges Schlauchmaterial. Eine oliv-graue Uniform, eine Schirmmütze und ein Helm waren die einzigen Bekleidungsstücke, die gestellt wurden, Hose und Stiefel bzw. Schuhe mussten von jedem selbst gestellt werden. Ein Antrag der Wehr an den Rat des Kreises, jedem Kameraden einen Gutschein zum Kauf von Arbeitsschuhen auszuhändigen, wurde abgelehnt .
Als sichtbares Zeichen, der Zugehörigkeit zur Feuerwehr musste am linken Ärmel der Uniform eine Armbinde mit der Aufschrift „Freiwillige Feuerwehr“ in deutscher und russischer Schrift getragen werden. Um sich bei Kontrollen von Behörden und gegenüber der sowjetischen Truppen als Feuerwehrmann ausweisen zu können, erhielt jeder Angehörige der Freiwilligen Feuerwehr einen Ausweis, den er immer bei sich tragen musste.

In kurzer Zeit war es gelungen, die Wehr personell zu stärken und auch dem damaligen Stand der Technik entsprechend auszubilden. Ihre erste „Feuerprobe“ bestanden die Kameraden, als 1946 in Naitschau beim Bauer A. Rabold der Blitz einschlug und die Langenwetzendorfer Wehr zum Einsatz gerufen wurde.

K. H .Tr.

 


 

Amtblatt der Gemeinde Langenwetzendorf vom 08.09.2011

Die Geschichte der „Freiwilligen Feuerwehr“ Langenwetzendorf - Teil VII

Die Aufgabe der „Freiwilligen Feuerwehr“ bestand auch nach dem Zweiten Weltkrieg nur in der Verhütung und Bekämpfung von Bränden sowie in Hilfeleistungen bei Hochwasser im Ort. Dementsprechend war auch die Ausrüstung eines jeden Kameraden.

So bekam jeder Kamerad außer der Uniform einen Helm, einen Steigergurt, an dem ein Karabiner zum Einhaken in die Sprossenleiter befestigt war, eine Rauchmaske, eine Reißleine und ein Beil. Diese Dinge hatte er zu Hause griffbereit aufzubewahren (heute sind all diese Dinge im Gerätehaus untergebracht).
Auch die Alarmierung war der Zeit entsprechend eine andere. Wurden anfangs die Kameraden durch Läuten der Sturmglocke vom Kirchturm und durch die Hornisten zum Einsatz gerufen, so erfolgte dies später durch die Fabrikpfeife, wenn die Kessel unter Dampf standen. Ansonsten waren es nur die Hornisten, einer im unteren und einer im oberen Ort, die mit dem Fahrrad durchs Dorf fuhren und mächtig ins Horn bliesen.

Daraufhin hatte sich jeder Feuerwehrmann zu Hause einzukleiden und unter Mitnahme obengenannter Utensilien sich schnellstens am Stellplatz einzufinden. Nun war das damals gar nicht so einfach. Manch einer wohnte vom Stellplatz weit entfernt und musste im Dauerlauf die Strecke zurücklegen, denn ein Fahrrad war in der Nachkriegszeit ein Reichtum. Ein Fahrrad hatte zwar jeder, aber keine Bereifung. Die gab es damals nur auf Bezugsschein und den bekam man sehr schwer oder gar nicht. In guter Zusammenarbeit zwischen Wehrleitung und Gemeinderat konnte so manches Problem geklärt und die Wehr stets einsatzbereit gehalten werden. Durch eine gute Werbetätigkeit hatte die Freiwillige Feuerwehr Langenwetzendorf bis 1947 bereits eine Stärke von 32 Kameraden erreicht.

Da trat plötzlich eine Änderung ein. Auf Anordnung der SMA (Sowjetische Militär-Administration ) sollten alle Wehren auf eine Mindeststärke reduziert werden. Danach waren für Lgwd. 20 Mann gestattet. Da wir aber auf alle 32 Kameraden angewiesen waren, wurden alle Kam. unter 20 Jahren als Anwärter geführt, besaßen aber die gleichen Rechte und Pflichten wie jeder andere Kamerad. (Von den 32. Kam. arbeiteten viele außerhalb des Ortes und waren tagsüber bei einem Brand nicht zu erreichen.)

In den Jahren nach 1945 wurden die Kameraden weniger zur Bekämpfung von Gebäudebränden gerufen als zur Bekämpfung von Waldbränden. So galt es, einen größeren Waldbrand im Pöllwitzer Wald zu bekämpfen. Feuerwehren aus dem gesamten Kreisgebiet kamen hier zum Einsatz. Das größte Problem dabei war, dass das Löschwasser über weite Strecken befördert werden musste und mehrere Spritzen hintereinander gekuppelt wurden.

K. H .Tr.

 


 

Weitere Beiträge auf H[AGE] zu Langenwetzendorf finden sich hier:

Aktualisiert ( Sonntag, 19. Februar 2012 um 13:26 Uhr )
 

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