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Kein Problem der modernen Medizin: Resistenz gegen Antibiotika existiert schon seit 30.000 Jahren

Kein Problem der modernen Medizin: Resistenz gegen Antibiotika existiert schon seit 30.000 Jahren (Wordle) Eine der größten Bedrohungen für die moderne Medizin sind gefährliche Krankheitserreger, die nicht mit Antibiotika besiegt werden können. Nun zeigen alte Bodenproben, dass die Resistenzen nicht erst in der Neuzeit entstanden sondern bereits seit Jahrtausenden existieren.

Ärzte kennen seit rund siebzig Jahren die scheinbare Allzweckwaffe Antibiotika. Sie gehören zu den wenigen Arzneimitteln, die tatsächlich Krankheiten heilen und nicht nur die Symptome durch Linderung behandeln. Im Körper des Patienten werden durch Antibiotika die schädlichen Bakterien daran gehindert, sich zu vermehren. Viele dieser Medikamente töten die Bakterien sogar ganz ab. Krankheiten wie Mandelentzündungen oder Harnwegsinfekte lassen sich so genauso behandeln wie bakterielle Infektionskrankheiten, zu denen auch die Pest und Typhus gehören.

Multiresistente Bakterien (MRSA) eines der drängendsten Probleme der modernen Medizin

Doch ständig findet die Wissenschaft neue Krankheitserreger, denen Antibiotika nichts mehr ausmachen. Medizinern bereiten daher sogenannte multiresistente Bakterien (MRSA) Kopfschmerzen. Allein in Deutschland gibt es jährlich Zehntausende Infektionen mit diesen Erregern, die heimtückisch vor allem im Krankenhaus lauern. Gegen die resistenten Mikroben helfen nur noch spezielle Antibiotika. Doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Bakterien auch gegen diese eiserne Reserve resistent werden. Viele Entzündungen flammen nach mehreren Gaben von Antibiotika erneut auf.
Diese Bakterien sind besonders „gewieft“. Sie können untereinander Erbgutteile austauschen. Dadurch können sie unempfindlich werden gegen die Medikamente. Die weltweite Verbreitung moderner Antibiotika führt letztlich dazu, dass immer mehr Mikroben sich einen Schutzschild gegen die Mittel zulegen. Wissenschaftler treibt daher die Frage um: Wo war der Ursprung all dieser Resistenzen? Auf die Suche nach einer Antwort hat sich Gerard Wright von der McMaster University in Hamilton (Kanada) begeben.

Die Forscher vermuteten bereits vorher, dass die Resistenzen nicht unbedingt ein Phänomen der Neuzeit sein können. Nun gelang es, die Thesen anhand von 30.000 Jahre alten Bodenproben zu belegen. Das kanadisch-französische Forscherteam berichtet im Fachmagazin Nature vom Fund von Resistenz-Genen in jenen alten Bodenproben. Das bedeutet aber auch, längst bevor der Mensch die Wirkung von Antibiotika einzusetzen lernte, hatte die Natur bereits einen Weg gefunden, diese geschickt zu umgehen.

Bodenproben aus der Zeit der Mammuts belegen, dass bereits damals Mechanismen gegen antibiotische Wirkstoffe entwickelt wurden

Die Bodenproben stammen aus dem US-amerikanischen Permafrostboden – genauer aus Alaska (USA). Die Beschaffenheit der Proben liefert Hinweise darauf, dass diese entnommenen Schichten nach ihrer Ablagerung niemals aufgetaut sind. Mittels neuer Methoden können die Forscher charakteristische Erbgutabschnitte von Tieren und Pflanzen aus der Steinzeit nachweisen. So fand sich beispielsweise Mammut-DNA . Daneben entdeckten die Forscher Gene, die Bakterien resistent gegen Tetrazykline, Beta-Lactame und Glykopeptid-Antibiotika machen. Ein solch normalerweise hochwirksames Medikament ist Vancomycin.
Doch die Forscher wollten auf Nummer sicher gehen, dass ihnen die Entdeckung funktionsfähiger Gene gelungen war. Im Labor bauten sie daher eines der Enzyme, von dem sie einen Bauplan in den Erbgutabschnitten aufgespürt hatten, nach. Das Protein hatte eine ähnliche Struktur und Aktivität wie jene Enzyme, mit denen sich Bakterien auch heute gegen einen Angriff mit Vancomycin wehren.

Doch wie konnten Mikroben bereits zigtausend Jahre vor der Entdeckung der Antibiotika solche resistent machenden Enzyme produzieren? Die Antwort ist so einleuchtend wie einfach: Weil die Grundstoffe der Antibiotika auch in der Natur vorkommen. Sie werden entweder von anderen Bakterien oder aber auch von Pilzen gebildet. Das von Robert Koch entdeckte Antibiotikum Penicillin wird von einem Schimmelpilz produziert. Die Resistenzen sicherten also schon vor Jahrtausenden einen Überlebensvorteil. 
Antibiotika sind ein Teil der natürlichen Ökologie auf der Erde. Für Bakterien erhöhte der weltweite Siegeszug der Antibiotika den Nutzen der resistent machenden Genabschnitte deutlich. Damit haben die Resistenzen aber auch die besten Chancen, dass sie immer weiter verbreitet werden können.
Nach dieser Entdeckung ist die Hoffnung, dass es den einen Stoff gibt, gegen den alle Mikroben nichts ausrichten können, weiter gesunken.

 


Quellen:

 

Aktualisiert ( Mittwoch, 01. Februar 2012 um 21:24 Uhr )
 

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