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Früheste Faustkeile sind 1,8 Millionen Jahre alt

Früheste Faustkeile sind 1,8 Millionen Jahre alt (Wordle) Scharf waren sie ohne Zweifel, die ersten Werkzeuge der Menschheit. Mussten sie auch sein, denn mit ihnen durchtrennten die Frühmenschen in Afrika große Beutetiere. Ein Rekordfund aus Kenia zeigt jetzt, dass der Urmensch Homo erectus sehr viel früher als angenommen lernte, die Steinwerkzeuge herzustellen.

Homo erectus nutzte bereits vor knapp 1,8 Millionen Jahren Faustkeile. Diese Steinwerkzeuge entdeckten Forscher am Turkana-See (Kenia) in Ostafrika.  Eine vorgenommene Datierung ergab, dass es sich dabei um die bislang ältesten bekannten Funde handelt. Das berichtet das Wissenschaftlerteam rund um Christopher Lepre von der Columbia University in New York (USA) im Fachmagazin Science.
Bereits aus Äthiopien und Indien kannte man sehr alte Faustkeile. Diese hielten bislang mit 1,4 bis 1,5 Millionen Jahre den Altersrekord.
Die Entdeckungen in Kenia schreiben die Wissenschaftler der sogenannten Acheuléen-Kultur zu. Sie weisen eindeutige Bearbeitungsspuren auf. Deutlich sichtbar ist, dass die Faustkeile durch mehrfaches Abschlagen von Gesteinssplittern bearbeitet wurden. Die Maßnahmen dienten der Schärfung und Glättung des Steinwerkzeuges.

Der Homo erectus galt bereits als einer der wichtigsten Erfinder in der Menschheitsgeschichte. Unser Urahn war aber nicht nur Erfinder sondern auch Entdecker. Sehr wahrscheinlich verließen diese Frühmenschen bereits den Ursprungskontinent Afrika und besiedelten andere Erdteile.
Mit Hilfe von Steinwerkzeugen konnte Homo erectus sowohl große, von Raubtieren zurückgelassene Beutetiere zerlegen als auch selbst auf die Jagd gehen. Die steinzeitlichen Werkzeuge sind immerhin so scharf, dass man damit ein Gelenk durchtrennen oder ein Bein abschneiden kann. Damit stand einer Expansion des Speiseplanes nichts mehr im Weg. Ein ganzes Zebra zu verspeisen, mag nicht möglich sein. Aber fein portioniert, war es ein Festmahl für die ganze Urmenschen-Sippe.

Selbst große Tiere konnten mit den scharfen Werkzeugen zerlegt werden

Allerdings lässt das erstaunliche Alter der Faustkeile Fragen aufkommen: Es wäre demnach nur logisch, dass man, wenn die Afrika-Auswanderer bereits die Acheuléen-Kultur kannten, diese auch in anderen Teilen der Welt wiederfindet. Allerdings sind bislang die ältesten Spuren des Homo erectus nur 1,8 Millionen Jahre alt. Solch alte Knochen fand man in Dmanissi in Georgien. Die dort entdeckten Steinwerkzeuge sind aber sehr viel primitiver.
Nun mutmaßen die Wissenschaftler, dass die ersten eurasischen Frühmenschen von afrikanischen Vorfahren abstammen mussten, die eben diese „Hoch-Technologie“ noch nicht kannten. Erst in einer späteren, zweiten Auswanderungswelle können dann die Acheuléen-Techniken von Afrika nach Eurasien gelangt sein.

Die in Kenia gefundenen Faustkeile stammen aus der Kokiselei-Ausgrabungsstätte. Diese liegt westlich des Turkana-Sees. Hier waren bereits 2007 Steinwerkzeuge von einer primitiveren Machart entdeckt worden. Auch diese konnten letztlich auf ein Alter von ca. 1,8 Millionen Jahren datiert werden. Denkbar wäre, dass in dieser Region Homo erectus zeitgleich mit dem primitiveren Homo habilis lebte und sie sich den Lebensraum teilten.
Die Region rund um den Turkana-See ist bekannt für ihre spektakulären Funde. Sie liegt im Ostafrikanischen Graben und gilt als eine der „Wiegen der Menschheit“. Der bekannteste Fund ist das 1984 entdeckte Skelett des Turkana Boys. Es handelt sich hierbei um die Fossilien eines noch nicht ausgewachsenen Homo erectus, der von Richard Leakey ausgegraben wurde. Der Turkana Boy wurde auf ein Alter von 1,5 Millionen Jahre datiert. Erst vor kurzem fanden Wissenschaftler einen Schädel eines Homo erectus, der vermutlich 200.000 Jahre vor dem Turkana Boy lebte. Er wäre demnach 1,7 Millionen Jahre alt.

Alter der Faustkeile konnte nicht mit der Kohlenstoff-Datierung bestimmt werden sondern nur über die magnetische Polung

Das Alter der gefundenen Faustkeile wurde mit Hilfe der Methode der magnetischen Polung bestimmt. Da sich im Laufe der Erdgeschichte das Erdmagnetfeld und damit die Polung veränderte, hinterließ das auch Spuren in den Gesteinsschichten am Kokiselei-Fundort. Die jeweilige Ausrichtung wurde in magnetischen Mineralbestandteilen konserviert. Es ergibt sich dadurch eine charakteristische Abfolge der verschiedenen Polungen. Diese Pol-Muster ermöglichen eine Datierung der Steinwerkzeuge.
Die Faustkeile lagen in einer Gesteinsschicht, die 1,76 Millionen Jahre alt ist. Bereits vorher wussten die Forscher, das Kokiselei eine sehr alte Fundstelle ist. Das geologisch bestimmte Alter hat die Wissenschaftler dann trotzdem überrascht.

Als älteste Werkzeuge in der menschlichen Entwicklung gelten bislang die bearbeiteten Steine aus der sogenannten Oldowan-Kultur. Unsere Vorfahren nutzten sie bereits vor über 2 Millionen Jahren, indem Steine einfach und auch sehr grob abgeschlagen wurde.

 


Quellen:

 

Aktualisiert ( Mittwoch, 08. Februar 2012 um 21:50 Uhr )
 

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