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Vulkanismus & Erdbeben im Vogtland : Unterirdischer Vulkan lässt die Erde beben

Vulkanismus & Erdbeben im Vogtland : Unterirdischer Vulkan lässt die Erde beben  (Wordle) Im Vogtland wackeln öfters mal die Wände oder das Geschirr klappert im Schrank. Das liegt nicht daran, dass die Häuser in dieser Region Deutschlands so klapprig sind, sondern weil der Untergrund erzittert. Im Südosten Deutschlands vibriert die Erde so oft wie nirgends sonst in der Bundesrepublik. Bislang nicht sehr stark, dennoch ist Vielen der Urzeit-Vulkan unter ihren Füßen unheimlich. Im Untergrund steigt langsam Magma auf. Jedoch sind die Menschen nach wie vor sicher. Gefahr besteht nicht.

Nur wenige wissen, dass es an der Grenze von Deutschland zu Tschechien einen Vulkan gibt. Doch die Vogtländer bekommen seine Auswirkungen ab und an zu spüren. Dann nämlich zittert die Erde. In Sachsen, Bayern und Böhmen gab es seit Mitte August mehrere kleinere Erdbeben. Das stärkste davon erreichte eine Stärke von 4,0 auf der Richterskala. Im Vogtland und Umgebung wackelten die Häuser. Anwohner berichten außerdem von einem Grollen als würde ein LKW vorbeirauschen, dann von einem Heben und Senken des Bodens. Das stärkste der Beben im August war noch 100 km entfernt zu spüren. Manch einer deutete die Signale jedoch falsch und meldete bei der Polizei eine Explosion.

Wie lange diese kleineren Erdstöße noch andauern ist ungewiss. Die Schwarmbeben sind jedoch keine Vorboten von stärkeren Beben.
Alle paar Jahre wird das Vogtland von Erdbeben-Schwärmen heimgesucht. Die Region an der deutsch-tschechischen Grenze erzittert dann wochenlang. Obwohl keine größeren Gefahren von den Mini-Erdbeben ausgehen, können dennoch Häuser auf weichen Untergründen in Mitleidenschaft gezogen werden und Risse bekommen. Die letzten „Beben-Saison“ war im Herbst 2008. Davor gab es Schwarmbeben im Herbst 2000 und im Winter 1985. Allein in der Beben-Saison 2008 wurden 20.000 kleinere Beben gezählt.
Das stärkste Beben bislang erreichte einen Ausschlag von 4,6 auf der Skala. Experten gehen davon aus, dass es ab Stärke 5 für Menschen so langsam gefährlich wird. Hier können dann Mauern einstürzen und große Schornsteine umkippen. Doch bislang gab es noch kein Erdbeben in der Region, das  in der Vergangenheit die Stärke 5,0 übertroffen hätte. Nichts desto trotz müssen Neubauten im Vogtland Auflagen in punkto Erdbeben-Schutz erfüllen.

Erhöhte seismische Aktivität in Böhmen entlang von Verwerfungen

Das Zentrum der Beben konnte ausgemacht werden. Es liegt ungefähr 10 Kilometer unter dem Ort Nový Kostel in Tschechien. Dieser befindet sich 40 Kilometer östlich von Hof (Baysern/Deutschland).


Seismizität der Region Vogtland/NW-Böhmen sowie Herdmechanismus des Bebens vom 10.10.2008 und Skizze der horizontalen Hauptspannungsachsen. Die weißen Kreise zeigen die Epizentren in der Region seit 1990. Die Lokation des Schwarms von 2008 ist mit einem roten Stern markiert. Der Herdmechanismus für das Beben vom 10.10.2008 um 08:08 ist in stereographischer Projektion wiedergegeben (nähere Erläuterung siehe Text). Die Pfeile skizzieren die horizontalen Hauptspannungsrichtungen in Mitteleuropa. Quelle: BGR

Hier gibt es im Untergrund längere Nähte – beispielsweise die Marienbader Verwerfung. Sollten diese Klüfte einmal in Bewegung geraten, dann könnte es auch deutlich heftiger werden als bei den bisherigen Schwarmbeben.
Jedoch sehen Erdbebenkarten bislang keine Gefahr für das Vogtland. Ob diese Einschätzung richtig oder falsch ist, darüber sind sich die Seismologen gar nicht so einig. Letztlich zeigte das Erdbeben von Virgina (USA) im August auch, dass heftige Schläge selbst abseits von bekannten Starkbebenregionen auftreten können.
Der Seismologe Joachim Wassermann vom Bayerischen Erdbebendienst hält dem entgegen. Er meint, dass diese Schwarzseherei für das Vogtland nicht zuträfe. Die Region scheint über eine eingebaute Sicherung gegen Starkbeben zu verfügen. Letztlich senken nämlich die Schwarmbeben die Gefahr. Die Spannungen im Gestein werden so abgebaut. Das senkt das Risiko von starken Beben enorm.

Wer die idyllische Region rund um das Erzgebirge bereist, sieht weit und breit keine Spuren eines Vulkans. Und dennoch schlummert da etwas im Untergrund. Die Schwarmbeben zeugen von einer Magmablase, die langsam in den Tiefen der Erde vor sich hinblubbert. Mittels Schallwellen sind ihr Seismologen vom Geoforschungszentrum Potsdam (GFZ) auf die Spur gekommen. Unter dem Vogtland wurde ein Reservoir von teilweise geschmolzenem Gestein entdeckt. Dieses Reservoir bricht Schallwellen anders als das umgebende feste Gestein. Berechnungen und Analysen der Daten zeigten, dass sich in ungefähr 30 bis 60 Kilometer Tiefe heißes Gestein sammelt. Dieses hat die Konsistenz von Glas. Sollte es jemals aufsteigen, dann würde sich geschmolzene Lava über das Land ergießen.

Naturkatastrophe zunächst abgesagt. Augenblicklich genießen die Vogtländer erstmal die heißen Thermalquellen

Bislang gibt es keine Anzeichen für solche Naturkatastrophe. Dennoch wölbt die Magma unter dem Vogtland den Erdmantel auf. Im Fachjargon heißt soetwas „magmatische Unterplattung“. Dabei drängt die Magma aus dem Erdmantel gegen die Erdkruste. Es handelt sich hierbei um die Reste eines Vulkans, der vor ca. 300.000 Jahren erlosch. Doch jetzt sendet der Vulkan wieder Lebenszeichen: Magma erhitzt Grundwasser. Dieses heiße Wasser steigt überall auf. Es zwängt sich durch Gesteinsritzen und manchmal hält der Fels nicht stand. Dann bebt es.

In ferner Zukunft könnte sich der Vulkan, den die Menschen durch die vielen Thermalquellen in der Region (Bad Schlema, Bad Elster, Karlovy Vary, Marienbad) zu schätzen gelernt haben, als monströse Naturgewalt entpuppen – sollte er wieder explodieren. Denn offensichtlich steigt nicht nur Wasser auf, sondern auch das Magma drängt langsam Richtung Oberfläche. Dies schließt ein Wissenschaftler-Team des GFZ und UFZ (Umweltzentrum Halle-Leipzig) aus den Gasen, die aus den Mineralquellen der Region stammen.
Die Geochemiker fanden beispielsweise Helium-3. Dieses sogenannte Vulkangas strömt im Vogtland in solchen Größenordnungen aus dem Untergrund wie es sonst nur vom Ätna bekannt ist. Dieser Vulkan in Sizilien gilt als einer der aktivsten Vulkane der Welt. Anders als das gängige Edelgas Helium-4 entsteht Helium-3 ausschließlich in den Tiefen der Erde.

Mehr Helium-4-Vulkan-Gas als am Ätna, einem der aktivsten Vulkane der Welt

Die Forscher beobachten den Vulkan an über 100 Mess-Stellen in Bayern, Sachsen und Böhmen. Sie messen dort beispielsweise die Gase, die aus dem Boden strömen. In den letzten Jahren veränderte sich deren Zusammensetzung. So stieg der Anteil von Helium-3 gegenüber Helium-4 um 20 Prozent an. Dies deutet ebenfalls darauf hin, dass das Magma aufsteigt. Bislang sei nirgenswo sonst in Mitteleuropa so viel vulkanisches Helium nachgewiesen worden.

 


Quellen:

 

Aktualisiert ( Mittwoch, 08. Februar 2012 um 21:55 Uhr )
 

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