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Abdrücke im Erbgut : Afrikanische Frühmenschen vereinten sich mit altertümlichen Verwandten

Abdrücke im Erbgut : Afrikanische Frühmenschen vereinten sich mit altertümlichen Verwandten (Wordle) Wie lebten die verschiedenen Frühmenschen-Arten auf dem Afrikanischen Kontinent zusammen? Fragmente in der DNA heute lebender, moderner Menschen zeugen, davon, dass die Arten sich miteinander paarten und Nachkommen aus den Verbindungen hervorgingen. Forscher haben nun die Theorie, dass diese Mischlinge möglicherweise eine bedeutende Rolle bei der menschlichen Evolution gespielt haben könnten.

Der heute lebende, moderne Mensch trägt nicht nur Spuren des Neandertalers in seinem Erbgut. Unsere Altvorderen kreuzten sich offensichtlich auch mit anderen, archaischen Menschenarten in Afrika. Dies können Forscher mit Hilfe von Genanalysen belegen. Dafür untersuchten sie das Erbgut afrikanischer Naturvölker. In den gefundenen afrikanischen Populationen weisen rund 2 Prozent des genetischen Materials auf den Ursprung von einfacheren Menschentypen hin. Diese Erblinien wurden vor rund 60.000 bis 20.000 Jahren - sehr wahrscheinlich vor ca. 35.000 Jahren - in das Erbgut des Homo sapiens eingefügt. Dies berichten die Wissenschaftler von der University of Arizone in Tucson (USA) im Fachmagazin PNAS (Proceedings of the National Academy of Science). Vieles deutet darauf hin, dass dieser archaische Menschentyp kein anatomisch moderner Mensch war. Laut Berechnungen entwickelten sich die zwei Arten vor ca. 700.000 Jahren auseinander. Bekannte Nachfolger des Homo erectus sind Homo antecessor, Homo heidelbergensis, Homo rhodesiensis oder Homo sapiens idaltu. Erst sehr viel später trat der Homo sapiens auf den Plan.

Welche Rolle spielte das Erbgut der archaischen Vettern bei der Entwicklung des modernen Menschen?

Der Nachweis dieser steinzeitlichen Mischlinge wirft neue Fragen nach der Menschwerdung auf: Gehen die Gene des Homo sapiens sapiens tatsächlich nur auf eine einzige, isolierte Population zurück? Oder stammen die Erbanlagen aus verschiedenen „Gentöpfen“ – also von verschiedenen Vorfahren? Jeder einzelne hätte verschiedene ökologische Nischen besetzen und in verschiedenen Regionen leben können. Damit wäre der moderne Mensch tendenziell ein „Gemeinschaftswerk“ und kein „Unikat“. Bislang können die Experten diese Frage noch nicht beantworten.
Doch einiges deutet darauf hin, dass der Erbgut-Transfer zwischen verschiedenen Menschenformen ein typisches Merkmal der menschlichen Entwicklung sein kann. Die Experten aus Arizona um Michael Hammer sehen es als nicht unwahrscheinlich an, dass die Hybridisierung sogar eine Schlüsselrolle gespielt hat und die Herausbildung einiger der einzigartigen Eigenschaften des Menschen begünstigte.

Ein direkter Vergleich der Erbgutproben von heute lebenden Menschen mit der DNA von frühmenschlichen Fossilien ist nicht möglich. Die Erbgutmoleküle konnten im warmen, afrikanischen Klima nicht die Jahrtausende überdauern. Die Studie untersuchte stattdessen 61 Gensequenzen aus den Bereichen des menschlichen Genoms, die keine Baupläne für Proteine enthalten.  Diese Bereiche weisen keine bzw. nur wenige „Korrosionsschäden“ auf und sind deshalb ideal, um Veränderungen im Laufe der Menschwerdung nachzuweisen.

Indirekter Nachweis durch abweichende Genmuster

Letztlich verglichen die Wissenschaftler die DNA-Abfolge ebendieser Sequenzen bei lebenden Individuen von drei sehr ursprünglichen, afrikanischen Stämmen:

  1. den San in Namibia, die noch heute als Jäger und Sammler im Busch leben,
  2. den Biaka-Pymäen in Zentralafrika, die als Nomaden umherziehen und
  3. den Mandenka in Westafrika, die als Bauern am Äquator leben.

Die Forscher suchten ganz gezielt nach Genmustern, die Abweichungen von den für den Homo sapiens typischen Strukturen und Abfolgen aufwiesen.
In den drei Regionen fanden die Forscher tatsächlich auffallende Abweichungen. Diese Genvarianten – in Expertenkreisen auch als Haplotypen bezeichnet – fanden sich bei den San und den Biaka sehr oft. Beide Völker sind noch sehr archaisch.
Die Forscher vermuten, dass der ungewöhnliche Haplotyp von der Einkreuzung eines urtümlichen DNA-Segments in die Population des Homo sapiens stammen könnte.

Als nächstes muss der Kandidatenkreis der potentiellen Paarungspartner unserer Vorfahren eingegrenzt werden. Obwohl die fossile Quellenlage allesandere als üppig ist, kommen doch, wie die weiter oben genannte Auflistung beweist, einige Kandidaten aus der Ära zusammen.
Fest steht bislang, dass vor ca. 200.000 Jahren auf dem Schwarzen Kontinent erstmals Individuen auftauchten, die den schlanken Körperbau und das größere Gehirn des Homo sapiens besaßen. Sie entwickelten sich wahrscheinlich aus dem Homo erectus. Doch beide Arten, Homo errectus und Homo sapiens, lebten viele Zehntausend Jahre nebeneinander. Viele gefundene Fossilien sind nur bruchstückhaft erhalten. Sie weisen dennoch die Merkmale beider Arten auf: sie haben sowohl moderne als auch urtümliche Eigenschaften. Daher sind sich Anthropologen noch immer nicht sicher, wie viele Arten von Frühmenschen sich gemeinsam mit dem Homo sapiens die Lebensräume Afrikas teilten.

Sind wir nicht alle ein bißchen retro?

Erst vor ein paar Jahren gelang der Nachweis, dass sich bei heute lebenden Europäern und Asiaten Spuren des Neandertalers und des Denisova-Menschen im Erbgut erhalten haben. Wir alle sind damit vielleicht nicht nur ein bißchen Gaga sondern auch ein bißchen Neandertaler. Unser menschlicher Cousin ist damit nicht vollständig von der Evolution verschluckt worden sondern eine Reminiszenz an ihn hat sich in den Erbanlagen erhalten.

 


Quellen:

Aktualisiert ( Mittwoch, 08. Februar 2012 um 21:47 Uhr )
 

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