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DNA-Analysen bestätigen : Przewalski-Wildpferde nicht Stammväter der Hauspferde

DNA-Analysen bestätigen : Przewalski-Wildpferde nicht Stammväter der Hauspferde (Wordle) Lange galt die Hypothese, dass unsere Hauspferde aus dem Przewalski-Wildpferd gezüchtet wurden. Doch nun haben Erbgutanalysen überraschendes offenbart: Die Wildpferde sind keine direkten Vorfahren der heute bekannten Hauspferderassen. Damit geraten die bisherigen Denkmodelle über die Evolution der Pferde ins Wanken.

Przewalski-Pferde gelten als die letzten Vertreter der ehemals in ganz Europa und Zentralasien verbreiteten Wildpferde. Entdeckt wurden sie 1879 von dem russischen Forscher und Abenteurer Nikolai Mikailowitsch Przewalski. Er spürte die Tiere in der Mongolei auf. Bislang war die Rolle dieser Wildpferde in der Stammesgeschichte der Equiden (= Pferde) nicht genau geklärt.

Doch nun können US-amerikanische Forscher belegen, dass die Przewalski-Pferde – mongolisch auch Thakis genannt -  keine direkten Vorfahren der Hauspferderassen sind. Ihre Erkenntnisse berichtet die Forschergruppe um Kateryna Makova von der Pennsylvania State University (USA) im Fachmagazin „Genome Biology and Evolution“. Bislang waren es Hypothesen, dass unsere Vorfahren in der Zeitspanne von vor 10.000 bis 6.000 Jahren die Przewalskis zähmten und später daraus die Hauspferde gezüchtet wurden. Diese Annahme war weder widerlegt noch bestätigt.
Die Untersuchungen von vier mütterlichen Erblinien der Thakis kommen zu einem anderen Ergebnis: Die Stammlinien der Hauspferde und der Przewalski-Pferde haben sich bereits vor mehr als 117.000 Jahren getrennt. Damit sind die Verwandtschaftsverhältnisse beider Arten weitläufiger als bislang vermutet. Die Evolution der Pferde erscheint daher in einem völlig neuem Licht.

Im vorigen Jahrhundert war das Przewalski-Pferd massiv vom Aussterben bedroht

Die genetischen Daten werden aber dazu beitragen, dass vom Aussterben bedrohte Przewalski-Pferd vor diesem Schicksal zu bewahren. Nachdem die Art fast nur noch in Zoos überlebte, streifen heute dank verschiedener Auswilderungsprogramme wieder rund 2000 Exemplare in der Mongolei und China umher. Der Genpool der Art kann nun dank des Wissens um die mütterlichen Stammeslinien gezielt erweitert werden. Eine gezielte Zucht kann ferner Erbkrankheiten verhindern und die Przewalski-Pferde an sich robuster machen.
Für ihre Untersuchungen nutzten die Forscher die mitochondriale DNA von vier Zuchtlinien. Das Mitochondrien-Erbgut liegt nicht im Zellkern sondern in den Krafwerken einer Zelle. Diese DNA wird nur von der Mutter weitervererbt. So lässt sich eine weitzurückreichende Rekonstruktion der Stammbäume der mütterlichen Erblinien vornehmen.

Die Analyse hielt auch einige positive Überraschungen für die Wissenschaft bereit. So ist die genetische Vielfalt der heute lebenden Przewalski-Pferde doch größer als bisher gedacht. Dies ist besonders erfreulich, wenn man bedenkt, dass die Wildpferde im letzten Jahrhundert so gut wie ausgestorben waren. Lediglich 12 Exemplare lebten noch in den Zoos. Die gezielten Zucht- und Auswilderungsprogramme können als durchaus erfolgreich bezeichnet werden, nicht zuletzt weil die Zahl der Tiere wieder auf ca. 2000 angestiegen ist.

Theorien über die Evolution der Pferde wanken

Bis vor kurzem gab es noch zwei Theorien, woher die Verwandtschaft der Przewalski-Pferde mit den Hauspferden herrührt. Eine These ging davon aus, dass die Hauspferde vor 10.000 bis 6.000 Jahren aus den Przewalski-Pferden entstanden. Die zweite These verfolgte den entgegengesetzten Ansatz: Ihr Zufolge züchtete der Mensch zunächst das Hauspferd aus den damaligen Wildpferden. Aus der Hauspferdlinie zweigte sich dann das Przewalski ab.  Beide Szenarien erweisen sich jetzt als höchst unwahrscheinlich. Der letzte gemeinsame Vorfahre lebte viele Jahrtausende vor der Domestizierung der Hauspferde – nämlich vor mehr als 160.000 Jahren. Ein zusätzlicher Vergleich von Teilen der Kern-DNA  bestätigte diese Daten.

Der nächste Schritt, um weiteres Licht ins Dunkel der Evolution der Pferde zu bringen, besteht darin, dass Erbgut von weiteren Pferderassen zu analysieren und langfristig auch die DNA der Przewalskis vollständig zu entschlüsseln. Davon erhofft man sich nicht nur weitere Aufschlüsse für die Entwicklung der Tiere sondern auch über die körperlichen Unterschiede zwischen Thakis und Hauspferden. Die Przewalskis sind viel stämmiger und kleiner als das Hauspferd. Sie haben auch eine dichtere Mähne. Die Analysen könnten enthüllen, welche Teile des Erbgutes für diese Unterschiede verantwortlich sind.

 


Quellen:

 

Aktualisiert ( Mittwoch, 01. Februar 2012 um 16:44 Uhr )
 

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