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Korrekte Darstellung in Höhlenmalereien : Steinzeitliche Wildpferde waren tatsächlich getüpfelt.

Korrekte Darstellung in Höhlenmalereien : Steinzeitliche Wildpferde waren tatsächlich getüpfelt. (Wordle) Sind Höhlenmalereien aus der Steinzeit naturgetreue Abbilder der Umgebung? Bislang bezweifelten dies manche Wissenschaftler. Beispielsweise zeigen viele der Kunstwerke getüpfelte Wildpferde. Doch die aktuell noch lebenden Wildpferdearten sind alles andere als Tüpfelpferde. Haben die Steinzeitkünstler da etwa ihrer Fantasie freien Lauf gelassen?
Doch nun können Forscher belegen, dass in der Steinzeit tatsächlich Pferde mit geflecktem Fell über die Steppen liefen. Bereits vor zehntausenden von Jahren gab es eine Genvariante bei den Pferden, die für diese Fellfärbung verantwortlich ist.

Gescheckte Pferde, die steinzeitliche Höhlenmalereien zeigen, sind keine Fantasiegebilde. Dies belegt nun eine Studie des Berliner Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Deutschland). Die Wissenschaftler konnten damit nachweisen, dass bereits vor mehreren zehntausend Jahren Pferde existierten, deren Fellzeichnung stark an ein Leopardenmuster erinnerte. Die gewonnenen Erkenntnisse veröffentlichte das Forscherteam jetzt in der Fachzeitschrift PNAS.

Biologen waren bislang davon ausgegangen, dass es bei Wildpferden entweder nur schwarzes oder nur braunes Fell gibt. Alle anderen Muster oder Flecken würden sich demnach erst auf die Züchtung der heutigen Hauspferderassen zurückführen lassen. Soweit zunächst die Theorie. Für ihre Studie untersuchte das internationale Forscherteam das Genmaterial aus 31 fossilen Überresten von Wildpferden. Die Proben stammten aus Westeuropa, Osteuropa, der Iberischen Halbinsel und aus Sibirien. Die Knochen waren unterschiedlich alt. Einige waren älter als 12.000 Jahren. Die Pferde lebten demnach während der letzten Eiszeit. Andere stammten aus der Jungsteinzeit.

Die Variante des gefleckten Pferdes bzw. des Tüpfelpferdes war in Europa weit verbreitet

Bei insgesamt sechs Tieren entdeckten die Forscher eine Mutation im Erbgut, die bei unseren modernen Hauspferden für ein leopardenähnliches Punktmuster verantwortlich ist. Diese Genmutation kommt bei den Rassen Knabstrupper, Appalooosa und Noriker vor. Die Variation in der DNA konnte allerdings nur bei Funden aus West- und Osteuropa nachgewiesen werden. Die Fossilien aus Sibirien bzw. von der Iberischen Halbinsel trugen diese Genvariante nicht in sich. Die Forscher gehen davon aus, dass die gepunkteten Pferde in Europa sehr häufig vorkamen, denn letzten Endes analysierten sie nur insgesamt 10 Proben aus der Region. Hierbei bereits so viele Treffer zu landen, deutet darauf hin, dass es eine große Verbreitung dieser gefleckten Fellfärbung gegeben haben muss.

Urtümliches Przewalski-Pferd
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Noriker-Pferd mit gefleckter Fellfärbung
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Appaloosa mit Fellzeichnung
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Knappstruper mit geflecktem Fell
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Pferderassen wie Noriker, Appaloosa und Knabstrupper mit dieser auffallenden gefleckten bis gepunkteten Fellfärbung im Vergleich zum Przewalski-Pferd

Damit stimmen die jetzigen Forschungsergebnisse mit den auf Fels gebannten Beobachtungen vor Tausenden von Jahren überein. Die zahlreichen prähistorischen Höhlenmalereien in Frankreich zeigen viele Pferdedarstellungen mit getüpfeltem Fell. So finden sich beispielsweise in der Tropfsteinhöhle von Pech Merle im Südwesten Frankreichs Fresken an den Höhlenwänden, die 25.000 Jahre alt sind und getüpfelte Pferde zeigen.
In ihrer Studie schreiben die Wissenschaftler, dass die DNA-Ergebnisse nun der erste Nachweis für die Existenz von gepunkteten Tieren sei. Diese lebten einträchtig neben anderen schwarzen und braunen Wildpferden. Die Höhlenmalereien zeigen demnach ein Abbild der realen Umgebung der Menschen und reflektieren nicht die Phantasie ihrer Erschaffer.

Malereien realistisch – zumindest was die Fellfarbe angeht

Forscher hegten bislang die Vermutung, dass es sich bei den Felsmalereien möglicherweise um imaginäre Figuren handelt, die die Schamanen auf die Wände malten. Die Tiere wären dann eher Symbole für eine Kraft oder einen Zauber gewesen. Diese These ist nun Dank der Ergebnisse der Berliner Wissenschaftler widerlegt und damit vom Tisch. Die Forscher des Leibniz-Instituts vermuten, dass die Mutation den Pferden wahrscheinlich einen Überlebensvorteil bot. Die Vermutung liegt nahe, dass die Tiere dadurch eventuell in schneereichen Gebieten besser getarnt und somit nicht mehr als leichte Beute zu erkennen waren.

Damit bekommen die Archäologen, die sich die Interpretation der Höhlenmalereien zur Forschungsaufgabe gemacht haben, neue Denkimpulse und Einblicke in das steinzeitleben Leben während der Eiszeit in Europa. Denn gefleckte Pferde waren nun definitiv keine Halluzination in der Eis-Öde sondern reale Tiere. Zumindest in punkto Fellfarben sind die Darstellungen der Höhlen-Picassos durchaus realistisch.

Erst vor kurzem konnten Wissenschaftler interessante Untersuchungen zu den Wildpferden vorlegen. So waren die Vorfahren unserer Hauspferde zum einen Kulturfolger und profitierten nach dem Ende der Eiszeit vom Menschen. Zum anderen gab es den Nachweis, dass die modernen Hauspferderassen nicht vom Przewalski-Pferd abstammen.

 


Quellen:

 

Credits:

1 Grasende Prezewalski-Pferde
von GerardM [CC 3.0 unported], via Wikimedia-Commons

2 Noriker-Stute mit Fohlen, fotografiert in Bretten (Baden-Württemberg, Deutschland)
von 4028mdk09 (Own work) [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

3 Appaloosa-Fohlen
von Tina M. [CC-BY-2.0], via Wikimedia Commons

4 Knabstrupper in Poesele, Belgien
von Paul Hermans (Eigenes Werk) [GFDL oder CC-BY-SA-3.0-2.5-2.0-1.0], via Wikimedia Commons

 

Aktualisiert ( Montag, 18. Juni 2012 um 21:15 Uhr )
 

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