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Älteste Malerei Mitteleuropas: Sensationelle Entdeckung auf der Schwäbischen Alb

Älteste Malerei Mitteleuropas: Sensationelle Entdeckung auf der Schwäbischen Alb (Wordle) Es ist wahrscheinlich die Entdeckung des Jahres auf der Schwäbischen Alb. Archäologen stießen auf einen Stein, der vor ca. 15.000 Jahren von Künstlern verziert wurde. Er ist damit die älteste Malerei Mitteleuropas. Doch wozu dient er? Wurde er von einem Schamanen für seine Riten genutzt? Oder diente er als Kalender? Fragen über Fragen also, die die Wissenschaftler erst in den nächsten Wochen und Monaten im Rahmen der Untersuchungen beantworten können.

Die Schwäbische Alb ist ein Mekka für Archäologen. Immer wieder überraschen spektakuläre Funde in dieser Region, die in der Steinzeit so etwas wie eine kulturelle Hochburg gewesen sein muss. Nun sorgen die Forscher mit einem Fund für Aufsehen, der sich als die älteste bekannte Malerei in Mitteleuropa entpuppt. Es handelt sich dabei um vier bemalte Steine, die rund 15.000 Jahre alt sind. Sie wurden in der Höhle „Hohler Fels“ bei Schelklingen gefunden und jetzt von Nicholas Conard in Tübingen (Deutschland) der Öffentlichkeit vorgestellt.
Conard konnte in den letzten Jahren schon viele Funde aus der Höhle Hohler Fels präsentieren – beispielsweise einen Pferdekopf aus Mammut-Elfenbein, den Löwenmensch oder die Venus vom Hohle Fels.

Das jetzt gefundene Kunstwerk ist rätselhaft. Die Maler aus der Altsteinzeit tupften lediglich rot-braune Punkte auf die Steine. Die genutzte Farbe entpuppt sich als Mischung aus Hämatit und Rötel, die mit dem kalkhaltigen Höhlenwasser angerührt worden sein muss. Doch welchen Zweck dienten sie?

Bemalte Steine aus der Höhle Hohle Fels Bemalte Steine aus der Höhle Hohle Fels

Die vier bemalten Steine vom "Hohle Fels"
(Bildmaterial: Universität Tübingen)

 

Funktion derzeit unbekannt: Schamanenutensil und/oder Menstruationskalender durchaus denkbar

Das Punktmuster kann definitiv kein Zufall sein, da ist sich Conard sicher. Die Steine müssen also einen relevanten Inhalt darstellen. Denkbar ist daher, dass sie für den damals vorherrschenden Schamanismus von religiöser Bedeutung waren. Möglicherweise waren sie auch Teil eines steinzeitlichen Menstruationskalenders, wo ein Punkt immer einen Tag repräsentiert.

Die Höhle „Hohle Fels“ ist immer wieder für Schlagzeilen gut und für die Tübinger Archäologen ein wahrer Glücksfall. Von hier stammen die ältesten bekannten Eiszeitfiguren der Welt. Es handelt sich hierbei um die bereits erwähnte Venus vom Hohlen Fels. Sie ist eine sechs Zentimeter hohe, 35.000 bis 40.000 Jahre alte Frauenfigur. Sie gilt als die bislang älteste Menschendarstellung weltweit. Nicht weit entfernt, in der Vogelherd-Höhle gruben die Archäologen das älteste Musikinstrument der Welt aus. Die über 35.000 Jahre alte Flöte wurde aus einem Gänsegeier-Knochen gefertigt.
Weitere Flötenfunde legen die Vermutung nahe, dass Musik bereits in dieser Zeit eine große Bedeutung hatte und Teil des Lebens war – ob bereits im Alltagsleben oder für religiöse Handlungen wird sich vermutlich niemals klären lassen.

Bislang allerdings gab es keine Hinweise auf frühe Höhlenmalereien in Mitteleuropa. In Westeuropa gehören beispielsweise die Höhlenmalereien in Lascaux (Frankreich) oder Altamira (Spanien) zum UNESCO-Weltkulturerbe. Dies hat sich nun geändert. Die vier bemalten Steine werden interessierten Besuchern derzeit in einer Sonderausstellung im Museum der Universität Tübingen präsentiert.

 


Quellen:

 

 

Aktualisiert ( Sonntag, 19. Februar 2012 um 14:56 Uhr )
 

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