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Wie viele Menschen lebten eigentlich in der Steinzeit?

Wieviele Menschen lebten eigentlich in der Steinzeit? (Wordle)In der Weihnachtszeit lief mal wieder Ice Age. Natürlich sieht man die Geschichten um Mammut Manni, Riesenfaultier Sid und Säbelzahntiger Diego immer wieder gern. Doch im Gegensatz zu früheren Jahre blieb dieses Jahr eine Frage in meinem Hinterkopf hängen: Wie viele Menschen lebten eigentlich in der Steinzeit?
Gute Frage, oder? Also habe ich mich auf die Suche nach Antworten gemacht. Das dies nicht einfach wird, war von vornherein klar. Denn es gibt ja kein Melderegister, das vom allerersten Mensch bis heute reicht. Solche Daten wurden von den Vorläufern der Einwohnermeldeämter erst im 19. Jahrhundert erfasst. Bei meinen Recherchen stieß ich auch auf Meinungen von Zeitgenossen, die behaupten, es gab gar keine Steinzeit. Diese können zwei großen Lagern zugeordnet werden: den Kreationisten oder den Mystery-Alien-Anhängern. Doch mich interessieren die harten und belastbaren Fakten:

 

1.) In der Steinzeit gab es nur sehr wenige Menschen.

So viele Menschen, wie heute auf der Erde leben, gab es nie zuvor. Das Phänomen der Bevölkerungsexplosion existiert ja erst seit der Industriellen Revolution und damit seit ca. 300 bis 200 Jahren. Erst um 1804 herum lebten 1 Milliarde Menschen zur selben Zeit auf unserem Planeten. Und so richtig prekär wurde es mit der Überbevölkerung schließlich im 20. Jahrhundert. Innerhalb dieser 100 Jahre vervierfachte sich die Zahl der Weltbevölkerung.
Schätzt man die Anzahl der Generationen, die in der Zeitspanne von 2,5 Millionen Jahren bis ca. 3300 v. Chr. lebten, so kommt man auf ca. 60.000[1] bis 100.000[2] Generationen. Seit dem Ende der Steinzeit sind ca. 200 Generationen vergangen. Bei solchen Überlegungen geht man davon aus, dass alle 25 - 30 Jahre eine neue Generation geboren wird. Für alle, die Nachrechnen möchten: 40 Generationen beschreiben eine Zeitspanne von ca. 1000 Jahren.

 

2.) Die Toba-Katastrophen-Theorie[3]

Der moderne Mensch entwickelte sich aus einer kleinen Population in Afrika vor ca. 200.000 Jahren. Genetische Analysen des menschlichen Erbgutes ergaben, dass die genetische Vielfalt eher gering ist, weshalb man auch von einem genetischen Flaschenhals spricht. Die Forscher führen dies auf eine Naturkatastrophe vor 75.000 bis 70.000 Jahren zurück. Der Toba, ein Super-Vulkan auf Sumatra, brach mit einer massiven Eruption aus. Dieser größte Vulkanausbruch der letzten 500.000 Jahren hinterließ die größte bekannte Caldera – den Lake-Toba, der 100 km lang, 30 km breit und bis zu 1700 m tief ist. Durch die Eruption gelangte sehr viel Asche in die Atmosphäre. In einem Zeitraum von 14 Tagen wurden 2.800 km³ herausgeschleudert. Um eine Vorstellung von der Menge zu erhalten: Sie würde ausreichen, um Nordrhein-Westfalen 80 m hoch mit Asche zu bedecken.[4] Der Kölner Dom würde nur noch zur Hälfte herausragen. Die Wucht des Ausbruches hatte eine geschätzte Sprengkraft von 270 Millionen[5] Atombomben des Hiroshima-Typs.
Die Eruption führte zu einer Verdunkelung der Sonne und somit zu einem vulkanischen Winter, bei dem sich das durchschnittliche Weltklima innerhalb weniger Jahre um 3 – 5 Grad abkühlte. Für mittlere bis höhere Breiten gehen Forscher sogar davon aus, dass die Temperaturen in den Wachstumsphasen um bis zu 10 Grad sanken.[6] Nicht nur für Tiere und Pflanzen bedeutet dies enormen Stress, der zum Aussterben von Arten führte. Auch die Menschen hatten kaum Zeit, sich auf die akute Verschlechterung der Lebensverhältnisse einzustellen. Das setzte ihnen enorm zu. Wahrscheinlich nie zuvor stand die Menschheit so kurz vor dem Aussterben. Die DNA-Untersuchungen ergaben, dass nur 1000 bis 10.000 Menschen die kältesten 1000 Jahre der Würmeiszeit, die auf den Toba-Ausbruch folgten, überlebten und von diesen nun alle heute auf der Erde lebenden Menschen abstammen.

 

3.) Die Lebenserwartung in der Steinzeit war gering.

Die wenigen Menschen, die in der Steinzeit lebten, wurden aufgrund von Krankheiten und anderen Gefahren (z. B. Jagdunglücken) nicht alt. Die durchschnittliche Lebenserwartung in der Steinzeit wird auf ca. 25 Jahre (± 5 Jahre) geschätzt. Zum Vergleich: Heute liegt die durchschnittliche Lebenserwartung von Frauen bei 80 Jahren, die von Männern bei 76 Jahren.
Damit ist aber auch festzuhalten, dass ein Steinzeitehepaar gar nicht die Möglichkeit hatte, sehr viele Kinder in die Welt zu setzen. Die Vermehrungsrate war entsprechend gering und die Säuglings- bzw. Kindersterblichkeit hoch.

 

4.) Die Lebensform als Jäger und Sammler kann nur wenige Menschen ernähren.

Als Jäger und Sammler braucht eine fünfköpfige Familie als Minimum ein Jagdgebiet von ca. 5 km² [7]. Als Viehzüchter können auf der selben Fläche 35 Menschen ihr Auskommen finden. Und durch primitiven Ackerbau können sich fast 1000 Menschen von 5 km² ernähren.[8]

Ein Quadratkilometer ernährt je nach Lebensweise ... Menschen



Vor diesem Hintergrund gehen Schätzungen davon aus, dass vor ca. 10.500 Jahren gerade einmal 5 Millionen[9] Menschen weltweit auf der Erde lebten.
Durch die Erfindung von Ackerbau und Viehzucht verbesserten sich die Ernährungs- und damit auch die Lebensbedingungen der Menschen enorm. Die Zahl der Menschen stieg stetig an. Übrigens wurden die Erfindungen Ackerbau und Viehzucht mehrfach auf der Welt gemacht. Die ältesten Belege für Landwirtschaft finden sich im Gebiet des fruchtbaren Halbmonds in Vorderasien. Aber unabhängig davon entstand Landwirtschaft auch in Afrika, China oder in Mittelamerika.
Bis zum Beginn der christlichen Zeitrechnung stieg die Weltbevölkerung auf ca. 170 bis 400 Millionen Menschen an. Die UNO geht davon aus, dass vor 2000 Jahren ca. 300 Millionen Menschen lebten.[10]

 


Quellen:

Aktualisiert ( Samstag, 18. Februar 2012 um 22:06 Uhr )
 

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