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Die Lernbiologie: Aufmerksamkeit & Motivation

Zusammenfassung: Durch die Steuerung der Aufmerksamkeit lässt sich Wahrnehmung und damit die Verarbeitungstiefe der Informationen verstärken. Motivation hilft dabei, denn sich aktiviert, richtet und reguliert das individuelle Verhalten. In der Wissenschaft werden 16 Basismotivationen unterschieden.


Was ist Aufmerksamkeit?

Durch die Steuerung der Aufmerksamkeit und durch geschickte Präsentation lässt sich die Wahrnehmung und somit die Verarbeitungstiefe der Informationen verstärken. Doch zunächst stellt sich die Frage, was ist Aufmerksamkeit?
James Williams formulierte bereits 1890 die klassische Definition von Aufmerksamkeit. „Every one knows what attention is. It is the taking possession by the mind, in clear and vivid form, of one out of what seem several simultaneously possible objects or trains of thought. Focalization, concentration, of consciousness are of its essence. It implies withdrawal from some things in order to deal effectively with others, and is a condition which has a real opposite in the confused, dazed, scatterbrained state which in French is called distraction, and Zerstreutheit in German.“[35] In der Regel gilt Konzentration als Maß für Aufmerksamkeit. Als aufmerksamkeitsverstärkende Faktoren wurden Verfremdung, Humor, Übertreibung, Überraschung und das Auslösen von persönlicher Betroffenheit identifiziert.[36] Diese Faktoren wirken wie ein Lichtkegel und sorgen dafür, dass sich das Gehirn bewusst diesen Reizen zuwendet. „Stimuli, die an einem attentional illuminierten Ort erscheinen, werden rascher und gründlicher verarbeitet als Stimuli an anderen Orten […]“[37]. Die sogenannte Spotlightmetapher ist jedoch nicht unumstritten. Die Kritiken führten zu einem neuen Vergleich, bei dem man sich Aufmerksamkeit eher wie eine Gummilinse vorzustellen hat.[38]

 

Was ist Motivation?

In engem Zusammenhang mit Wahrnehmung und Aufmerksamkeit steht auch der Begriff der Motivation. Je nach Blickwinkel wird Motivation etwas anders definiert. Die Psychologie sieht darin „die Gesamtheit der in einer Handlung wirksamen Motive, die das individuelle Verhalten aktivieren, richten und regulieren […]“[39]. Die Verhaltensforschung beschreibt Motivation als „interne Bereitschaft für ein Verhalten. Sie wurde früher auch als Instinkt, Trieb oder Drang bezeichnet […]“[40]. Jede Quelle legt den Fokus auf einen anderen Aspekt. Strasser & Nagl definieren Motivation zusammenfassend wie folgt. „Motivation – (lateinisch movere = bewegen) die Beweggründe des Willens; in der Ethologie einen Zustand des Organismus die Richtung und die Energetisierung des aktuellen Verhaltens beeinflusst; im pädagogischen Verständnis die persönlich bestimmte Haltung aufgrund derer sich der Schüler auf Anlässe des Lernens einlässt […]“[41].

Wirth hat eine Motivtaxonomie mit 16 Basismotivationen (siehe Tabelle unten) aufgestellt, um zu beschreiben a.) welche Motivationen es gibt, b.) welche Funktion diese haben, c.) mit welchen Verhaltenszielen sie verknüpft sind bzw. d.) wodurch sie ausgelöst werden.[42] In seiner Einführung weißt er auf den Ursprung von Motivationen hin: „Das Spektrum der menschlichen Motivationen ist vor 100.000 Jahren mit festen biologischen Zielen (Partnersuche, Sicherung des Überlebens etc.) entstanden und hat sich seitdem wohl nicht wesentlich verändert. Seine Wurzeln liegen also irgendwo weit in der Vergangenheit, und sie sind auf das Leben von Jägern und Sammlern abgestimmt, die in einer Trockensavanne gemeinschaftlich überleben müssen. Kultur und Sprache machen die Sache zwar komplexer und z. T. weniger durchschaubar, an der biologischen und sozialen Prägung unserer Motivationen ändert das jedoch nichts.“[43]

 

Motivation
Ziele & Bedeutungen
01.) Neugier
Abwechslung / Neuheit / Wißbegierde / Horizonterweiterung
02.) Leistung
Ehrgeiz / Erfolg / Perfektionismus / Effizienz / Wettbewerb
03.) Kontakt
Ausleben bestehender o. Aufbau neuer Beziehungen 
04.) Macht
Dominanz / Führung / Kontrolle über andere
05.) Sicherheit
Risikovorsorge / Vermeiden von Mißerfolgen, Schmerz, Krankheit
06.) Hilfe (anderen)
Hilfe o. Unterstützung leisten / Schützen / Fürsorge
07.) Hilfe (selbst)
unterstützt / angeleitet / beschützt werden
08.) Bequemlichkeit
Vermeiden von Anstrengung, Zeitersparnis
09.) Ordnung
Einfachheit, Verständlichkeit, Vorhersagbarkeit der Umwelt
10.) Spiel
Zerstreuung / Unterhaltung / Ablenkung
11.) Gewinn
Geld verdienen o. gewinnbringend anlegen / Sparen / günstige Geschäfte o. Käufe / Besitz mehren
12.) Prestige
Bewunderung und Anerkennung durch sich selbst, reale oder nur vorgestellte Dritte
13.) Sex
reale oder phantasierte sexuelle Aktivität
14.) EmotionGefühlsbetonung / Aufregung, Risiko ("sensation seeking") / Vermeiden bzw. Herbeiführen negativer bzw. positiver Emotionen
15.) Rückzug
Ruhe / Regeneration / Schlaf
16.) Autonomie
Selbstbestimmung / Freiheit / Widerstand gegen Beeinflussung / Verteidigung der eigenen Werte und Meinungen

Tabelle: Die 16 Basismotivationen nach Wirth

 

 


Quellen:
  • [35]: Williams, J. (1890): Principles of Psychology. New York. Vol 1. Chapter 11
  • [36]: Vgl. Heineken, E.; Habermann, Th. (1994): Lernpsychologie für den beruflichen Alltag. Heidelberg. S. 74
  • [37]: Müller, H. J.; Krummenacher, J. (2003): Aufmerksamkeit. Heidelberg. S. 8
  • [38]: Vgl. Müller, H. J.; Krummenacher, J. (2003): S. 8
  • [39]: Holoch, K. (27.02.2007c): Motivation : Meyers Lexikon Online 2.0. Mannheim.
  • [40]: Holoch, K. (27.02.2007c)
  • [41]: Strasser, M.; Nagl, Chr. (2006): Motivation : Aus der Lehre … Psychologische Begriffsbestimmungen. Linz-Auhof.
  • [42]: Vgl. Wirth, Th. (25.10.2005b): Über Motivationen. Mosbach.
  • [43]: Wirth, Th. (25.10.2005b)
Aktualisiert ( Samstag, 20. Februar 2010 um 16:53 Uhr )
 

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