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Die Lerntheorie des Kognitivismus

Zusammenfassung: Der Kognitivismus sieht das Gehirn als eine Art von Computer, bei dem Eingaben verarbeitet werden, um daraus Ausgaben zu generieren. Bildung ist an den Aufbau mentaler Modelle & Schemata gekoppelt.


Der Kognitivismus beschäftigt sich mit der menschlichen Informationsverarbeitung auf Basis eines klassischen Kommunikationsmodells mit Sender, Übertragungsmedium und Empfänger

Die Erkenntnisse des Kognitivismus’ wurden von der Kognitionspsychologie zusammengetragen. Dies „[…] ist die Wissenschaft, die sich mit der menschlichen Informationsverarbeitung befaßt. Ihr Gegenstand, oft als Kognition bezeichnet, betrifft die Arten von Informationen, die wir in unserem Gedächtnis haben, und die Vorgänge, die sich auf die Aufnahme, das Behalten und Verwenden solcher Informationen beziehen […]“[11].
Der Kognitivismus arbeitet gern und häufig mit der Metapher, dass das Gehirn ein technisches System sei und einem Computer (= informationsverarbeitendes Gerät) gleicht, in dem Eingaben verarbeitet werden, um daraus Ausgaben zu generieren. Damit trifft das sogenannte EVA-Prinzip auch auf den Menschen zu. Kognitionspsychologen arbeiten mit einem klassischen Kommunikationsmodell, dass aus Sender, Übertragungsmedium und Empfänger besteht und von Blumstengel wie folgt beschrieben wird: „Ein Lehrender teilt Informationen mit. Diese sind in einem Medium auf eine oder verschiedene Arten codiert. Der Empfänger, also der Lernende, decodiert diese Information aufgrund der ihm zur Verfügung stehenden Informationen und seiner internen Schemata. Ein Lernproblem kann dann immer auf einen oder mehrere dieser Punkte zurückgeführt werden: entweder die Information war fehlerhaft, oder das gewählte Medium nicht adäquat oder mit Störungen behaftet, oder die Informationsaufnahme des Lernenden war in irgendeiner Weise gestört - z. B. durch Mangel an Motivation oder Vorwissen […]“[12]

Abbildung: Beispiel für ein Kommunikationsmodell
hier: Modell elektronisch mediatisierter Gemeinschaftskommunikation nach Burkart/Hömberg (1997)
(als Weiterentwicklung von Maletzkes Feldschema der Massenkommunikation)[13]

 

Kognitivismus: Wissensverarbeitung & Wissensaufbau nur durch mentale Modelle & Schemata möglich

Bildung ist damit eng an den Aufbau mentaler Modelle bzw. Schemata gekoppelt und immer mit individueller Internalisierung - also der Wissensaufnahme und -verarbeitung - verbunden.[14] Im Gegensatz zum Behaviorismus möchte der Kognitivismus die Prozesse innerhalb der „Black Box“ offenlegen und verstehen. Damit rücken auch Begriffe wie Ideen, Wünsche, Motive, Glaubensvorstellungen, Denken, Fühlen und Wollen in den Fokus der wissenschaftlichen Aufmerksamkeit[15].

Einen großen Einfluss auf die Erkenntnisse des Kognitivismus hat die Arbeit von Piaget, der u. a. Schemata und individuelle Entwicklungsstufen aufgreift. Sein sogenanntes Entwicklungsstufenmodell wird auch als Theorie des genetischen Lernens bzw. struktur-genetische Theorie bezeichnet. Es handelt sich hierbei um eine Lerntheorie im weiteren Sinne, denn in erster Linie ist es eine kognitive Entwicklungstheorie. Das Entwicklungsstufenmodell beschäftigt sich nämlich mit der kognitiven Entwicklung von Kindern. Es möchte diese erklären, indem die Interaktionen der Kinder mit ihrer Umwelt in den Aufmerksamkeitsfokus gerückt werden. Zusammenfassend lässt sich diese Theorie wie folgt beschreibend: „Nach Jean Piaget strebt ein Individuum nach einem Gleichgewicht (Äquilibrium) zwischen Assimilation und Akkommodation. Durch das Assimilieren und Akkommodieren nutzt ein Individuum seine Schemata oder erweitert diese […]“[16].

 

Zentrale kognitivitische Begriffe: Schema, Assimilation, Akkomodation

Um diese Definition besser verstehen zu können, müssen die Begriffe „Schema“, „Assimilation“ und „Akkomodation“ näher erläutert werden. Schemata sind nichts anderes als die auf der „Festplatte Gehirn“ abgespeicherten Vorlagen, die in Kategorien netzwerkartig organisiert sind. Mit diesen lassen sich dann Objekte oder Ereignisse nach bestimmten Regeln einordnen. Somit bilden Schemata die Grundbausteine des menschlichen Wissens.[17] „Unter Schema versteht man ein organisiertes Wissens- oder Verhaltensmuster. Begriffe werden so verzweigt und miteinander vernetzt, dass sie in einen (individuell) logischen Zusammenhang gebracht werden […]“[18].
Eine Erfahrung oder ein Erlebnis zu assimilieren, bedeutet nichts anderes, als diese in ein bereits existierendes Schema einzuordnen. Dabei wird das bereits vorhandene Wissen genutzt, um Ähnlichkeiten zu entdecken und eine Situation in einer passenden Kategorie abzulegen. Sofern es erforderlich ist, wird das Wahrgenommene so umgedeutet , dass man mit Hilfe der existierenden Schemata die Situation bewältigen kann. Hier schließt sich der Begriff der Akkomodation nahtlos an. Sie kommt nur dann zustande, wenn es nicht gelingt, eine Situation mit Hilfe der Assimilation zu bewältigen. Das bedeutet, dass kein passendes Schema vorhanden ist. Deshalb müssen vorhandene kognitive Strukturen erweitert und angepasst werden, damit sie wieder der Realität entsprechen und in der Zukunft Probleme besser gelöst werden können.[19] Assimilation und Akkomodation dürfen nicht getrennt betrachtet werden. Sie sind lediglich die zwei Seiten der Adaption, die als „Anpassung“ aufzufassen ist.[20]
Insgesamt unterscheidet Piaget vier kognitive Entwicklungsstufen:

  1. Sensomotorische Phase (0 – 2 Jahre)
  2. Präoperationale Phase (2 – 7 Jahre)
  3. Konkret-operationale Phase (7 – 12 Jahre)
  4. Formal-operationale Phase (12 – 15 Jahre)

Lefrancois stell dabei fest, dass jedes "[…] Stadium […] durch charakteristische Fähigkeiten und Fehler beim Problemlösen gekennzeichnet“ ist, denn es „resultiert aus Aktivitäten und Fähigkeiten des vorangegangenen“[21] und bereitet so auf das nächste Stadium vor.

 

Methoden der kognitivistischen Lerntheorie

Sinnvoll-rezeptives Lernen

Die kognitivistische Lerntheorie wird beispielsweise beim sinnvoll-rezeptiven Lernen berücksichtigt. Hier liegt der Schwerpunkt nicht auf dem wortwörtlichen Auswendiglernen des Lernstoffs sondern ganz eindeutig beim Inhalt und wie dieser in Beziehung zu anderen Inhalten steht. Die Lerninhalte sollen in die bereits verankerten Wissensstrukturen aufgenommen und neue Bezüge hergestellt werden. Damit erfolgt eine Zusammensetzung von einzelnen Wissenselementen zu einer kognitiven Struktur, die ein Beziehungsgeflecht bildet. In der Regel kann eine hierarchische Struktur identifiziert werden: konkrete Informationen finden sich an der Basis während die abstrakten Informationen die Spitze bilden.[22]  

 

Lernen am Modell

Ebenfalls kognitivistisch geprägt ist die von Bandura vertretene Auffassung vom Lernen am Modell. Hierbei lernen Menschen aufgrund von Beobachtung und Nachahmung. Konkreter: Der Lernende beobachtet eine Person und versucht, das wahrgenommene Verhalten zu imitieren.[23] Ein häufig gebrauchtes Beispiel ist das Schreibenlernen in der Grundschule. Indem die Schüler die Lehrkraft beobachten, wie diese einen Buchstaben an die Tafel schreibt und die Schreibanfänger dann versuchen, die dabei auszuführenden Bewegungen nachzuahmen, lernen sie, einen Buchstaben zu schreiben. Der Lernprozess selbst läuft hier in zwei Phasen ab: In der Aneignungsphase finden Aufmerksamkeits- und Behaltensprozesse statt. In Phase 2 – der sogenannten Ausführungsphase – kommt es zu Reproduktions- und (je nach Erfolg) zu Verstärkungs- und Motivationsprozessen.[24]

 

Handlungslernen

Beim Handlungslernen betrachtet man das Lernen als einen vom Lernenden selbstgesteuerten Prozess. Der Lernende überdenkt die Vorgehensweise bei der Lösung einer Aufgabe. Auf der Basis des jeweiligen Wissensstandes und der eigenen Wertehierarchie analysiert er die Ausgangssituation. Zum Beispiel fragt er sich: Was soll am Ende als Ergebnis herauskommen (Ziel)? Oder: Welche Mittel stehen mir zu Verfügung? Im nächsten Schritt legt sich der Lernende ein Handlungskonzept zurecht, das er im Hinblick auf die Realisierungs- und Erfolgschancen überprüft. Stimmt alles, so wird die Handlung abgespeichert und steht später für ähnliche Aufgaben erneut zur Verfügung. Sieht er keine oder wenig Erfolgschancen, so wird das Handlungskonzept modifiziert und erneut bewertet. Handlungslernen bedeutet aber auch immer, dass man durch Versuch und Irrtum – also auch durch Fehler – etwas lernen kann.[25]

 

Lernen durch Einsicht

Das vermeintlich „stärkste und effektivste Lernprinzip“[26], das der Kognitivismus bieten kann, heißt „Lernen durch Einsicht“. In der Literatur wird es oftmals auch als sinnvoll-entdeckendes oder problemlösendes Lernen bezeichnet. Umgangssprachlich wird ein Lernerfolg, der auf dem Vorgehen nach diesem Prinzip beruht, als „Mir ist ein Licht aufgegangen!“ oder „Jetzt habe ich es begriffen!“ beschrieben. Hobmair beispielsweise führt aus: „Lernen durch Einsicht meint den Prozess, bei dem eine Person ein Problem denkend umstrukturiert und neu organisiert und so Handlungsstrategien zu dessen Lösung herausfindet. Als Ergebnis dieses Prozesses zeigt sich häufig ein geändertes oder neuartiges Verhalten […]“[27]. Auch hier besteht anfangs ein Problem. Der Lernende möchte dieses erklären und greift dabei auf bereits bewährte Techniken zurück (z. B. Kreativitätstechniken, Versuch und Irrtum, …). Im Laufe des Erklärungsversuchs stößt er auf Regeln, die auch auf andere Fälle übertragen und so verallgemeinert werden können.
Hierbei sind die Grenzen sowohl zum Handlungslernen als auch zum Konstruktivismus fließen, denn salopp formuliert ist ein Problem „immer das, was der Lernende draus macht.“

 

Elemente kongitivistischer Lernangebote

Möchte man in ein Lernangebot kognitivistische Elemente integrieren, sollten die Inhalte z. B. realitätsnah präsentiert und Anknüpfungspunkte zu bestehenden Wissens- und Denkstrukturen gegeben werden. Dem Lernenden sollten außerdem Handlungsalternativen angeboten werden. Eine Möglichkeit wäre es, ihm Kontrolle über die einzelnen Bearbeitungsschritte und deren Reihenfolge zu geben, um die Inhalte nach den eigenen Bedürfnissen und Interessen bearbeiten zu können. In diesem Zusammenhang wird oftmals vom individuellen Lernpfad gesprochen. Beispielsweise muss das Angebot einer Hilfefunktion auf die Vorkenntnisse bzw. bereits besuchte Seiten angepasst werden.[28] Sogenannte intelligente tutorielle Programme versuchen, diese Empfehlungen umzusetzen.

 

 


Quellen:

Aktualisiert ( Samstag, 20. Februar 2010 um 16:57 Uhr )
 

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