Zufallskarte

Saigaantilo...
Image Detail
Valid XHTML 1.0 Strict CSS ist valide!

Was ist Spielen? - Ein Definitionsversuch

Zusammenfassung: Woher kommt der Begriff Spiel und wie entwickelte er sich? Wie grenzt man Spiel vom Nicht-Spiel ab? Auf diese Fragen wird im Artikel näher eingegangen.


Was ist Spielen? (Ein Definitionsversuch)

Im Rahmen dieser Reihe wurde sich bereits dem Begriff des „Lernens“ aus etymologischer Sicht genähert. So soll dies auch beim „Spiel“ bzw. „Spielen“ geschehen. Das heutige Wort „Spiel“ stammt vom althochdeutschen „Spil“ oder möglicherweise auch „Spell“ ab. Erste Hinweise finden sich bei Kluge & Seebold. Sie gehen davon aus, dass die Ausgangsbedeutung „Tanz“ bzw. „tanzen“ war.[1] Laut Stuber bedeutete „Spil“ ursprünglich „lebhafte und belebte, effektvolle, beseelte Körperbewegung“, aber auch „reine Gemütsbewegung“ oder „bewegte Naturerscheinung“. Die Gemeinsamkeit aller Bedeutungen liegt in der Bewegung, die eine ausführende bzw. tätige Komponente in sich trägt.[2]   
Viele Anhaltspunkte und Eigenschaften, die auch noch im heutigen Verständnis des Begriffes „Spiel“ zu finden sind, liefern die Gebrüder Grimm. Sie halten im Wörterbuch der deutschen Sprache fest: Spiel „bezeichnet im allgemeinen eine thätigkeit, die man nicht um eines resultats oder eines praktischen zweckes willen, sondern zum zeitvertreib, zur unterhaltung und zum vergnügen übt […]“[3]. Sie fügen dem Aspekt der Leichtigkeit des Tanzes noch weitere hinzu – nämlich den Ernst und den Wettstreit. „(spiel für tanz s. I, 1, c.) wol aber nennt man spiele besondere veranstaltungen, wo solche künste als schaustellung vor einem publicum und meistens in der form eines wettkampfes geübt werden […]“[4]. Bei ihren Nachforschungen fanden sie auch Hinweise darauf, dass mit Spiel seit alters her ebenfalls der ernsthafte Wettkampf bezeichnet wurde.[5] Doch auch eine Abstammung vom Wort „Spell“ bzw. eine Vermischung ist nicht vollständig auszuschließen. „Spell“ hat im weitesten Sinne etwas mit Erzählen und Märchen zu tun. Überlebt hat diese Bedeutung bis heute in den Worten  „Beispiel“ oder auch „Kirchspiel“.[6]

 

Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt […]

Im Rahmen der Entwicklung des Spielbegriffs tauchen auch die Namen Kant und Schiller auf. Kant erkannte im Spiel eine Abgrenzung zur Arbeitswelt.[7] Und Schiller unterstreicht das Freiheitsmoment und die Notwendigkeit des Spiels mit dem Satz: „Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt […]"[8]. Rubinstein sieht im Spiel auch noch eine konstruktivistische Komponente. Er beschreibt es als „[…] ein Erzeugnis der Tätigkeit, in der der Mensch die Wirklichkeit umgestaltet und die Welt verändert. Das Wesen des menschlichen Spiels besteht in der Fähigkeit, die Wirklichkeit im Abbilden umzubilden […]"[9]. Das Spiel bietet drei Möglichkeiten zur Realitätsbewältigung: 1.) Nachspielen bzw. Nachgestalten der Realität, 2.) Transformation der Realität oder 3.) den Realitätswechsel.[10]  

Die wahrscheinlich am häufigsten bemühte Begriffsbestimmung des Spiels stammt aus Huizinga’s Homo Ludens. Er definiert Spiel als „[…] eine freiwillige Handlung oder Beschäftigung, die innerhalb gewisser festgesetzter Grenzen von Zeit und Raum nach freiwillig angenommenen, aber unbedingt bindenden Regeln verrichtet wird, ihr Ziel in sich selber hat und begleitet wird von einem Gefühl der Spannung und Freude und einem Bewusstsein des ‚Andersseins‘ als das ‚gewöhnliche Leben‘ […]“[11].

 

Abgrenzung Spiel & Nicht-Spiel

Nicht-Spiel sind demnach alle menschlichen und tierischen Tätigkeiten, die erzwungen sind und der Existenzsicherung, Pflichterfüllung, Notdurft, Suchtbefriedigung, Schadensabwendung oder Schmerzvermeidung dienen. Dennoch kann „in der Praxis“ ein und dieselbe Tätigkeit beides in sich vereinen: Spiel und Nicht-Spiel. Das augenscheinliche Pendant zum Spiel – nämlich die Arbeit – ist hierfür das beste Beispiel. Auf der einen Seite dient sie zwar der Existenzsicherung, doch sind in den letzten Jahren auch spielerische Momente hinzugekommen: „Arbeit bekommt Spielcharakteristika, wo sie nicht mehr als festgelegte Aufgabe – in einer hierarchischen Organisation – ausgeführt werden soll, sondern wo sie in den lernenden Prozessen die Arbeitenden ihre Kompetenz immer wieder neu entwickeln lässt, und wo sie in den interaktiven Prozessen der Kooperation und Kommunikation ihr Ergebnis erst finden muss […]“[12].

 

 


Quellen:

Aktualisiert ( Samstag, 20. Februar 2010 um 17:04 Uhr )
 

© H[AGE]: Langenwetzendorf (2008 - 2011)