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Eigenschaften des Spiels

Zusammenfassung: Was Spiel ist und was kein Spiel ist, lässt sich am besten über die Eigenschaften von Spielen abgrenzen: Freiheit, Innere Unendlichkeit, Scheinhaftigkeit, Ambivalenz, Geschlossenheit, Gegenwärtigkeit.


Um den letzten Satz des vorhergehenden Artikelns einordnen zu können, erscheint es notwendig, die Merkmale des Spiels herauszuarbeiten. Zur Erinnerung er lautete: „Arbeit bekommt Spielcharakteristika, wo sie nicht mehr als festgelegte Aufgabe – in einer hierarchischen Organisation – ausgeführt werden soll, sondern wo sie in den lernenden Prozessen die Arbeitenden ihre Kompetenz immer wieder neu entwickeln lässt, und wo sie in den interaktiven Prozessen der Kooperation und Kommunikation ihr Ergebnis erst finden muss […]“

Scheuerl beispielsweise nennt in seinem Buch „Das Spiel“ (1973) 6 Merkmale:

Freiheit (= 1. Merkmal von Spielen)

Spielen hat keinen Zweck – außer in sich selbst –- und ist somit frei. Genau dort, wo es einem Zweck dient (wie etwa im Leistungssport oder beim Glückspiel) wird es zerstört, denn hier gibt es Abhängigkeiten zum realen Daseinskampf.[13] Dennoch wurden von einigen Vordenkern Gründe (also im weitesten Sinne doch Zwecke) für das Spielen gefunden. Somit ist es auf keinen Fall zwecklos. Freud selbst sieht das Spiel als „Wunscherfüllung und Katharsis“. Zum einen ermöglicht es das Ausführen tabuisierter Bedürfnisse (z. B. Gewalt) und wird dabei sogar noch als lustvoll empfunden. Zum anderen kann der Spieler durch die spielerische Problembewältigung die Situation beherrschen und so der oftmals erzwungen Passivität der Realität – zumindest in der Fantasie – etwas Aktives entgegensetzen. Auch Wygotsky sieht im kindlichen Spiel vor allem die „Realisation unrealisierbarer Wünsche“. Piaget dagegen beschreibt das Spiel als Assimilation und Gegenwehr. Indem der Spieler sich die Welt in seiner Phantasie so „zurechtbiegt“, wie es ihm gefällt, verteidigt er diese Welt gegen die Realität.[14]  

 

Innere Unendlichkeit (= 2. Merkmal von Spielen)

Ein Spieler wird höchstens des Spielens müde aber niemals satt, denn das Spiel macht Spaß. Deswegen möchte der Spieler am liebsten ständig spielen. Außerdem merkt er während des Spieles nicht, wie die Zeit vergeht. Also wird er das Spiel immer wieder wiederholen und dabei variieren.[15] Durch das Moment der Wiederholung kann ein Spiel auch schnell Ritualcharakter erreichen.[16]  

 

Scheinhaftigkeit (= 3. Merkmal von Spielen)

Spiele heben sich von der Realität ab. Der Spieler kann hier austesten, wie es ist, wenn Gesetzmäßigkeiten nicht mehr gelten würden. Er hat somit keine Konsequenzen zu befürchten. Dies erscheint aber nur auf den ersten Blick wahr. Selbstverständlich ist das Spiel nicht vollständig von der Realität entkoppelt, sondern wird von ihr zumindest im Hinblick auf Zeit- und Sozialstrukturen determiniert.[17]

 

Ambivalenz (= 4. Merkmal von Spielen)

Das Spiel selbst spannt sich immer in dichotomen Skalen auf: real – imaginär, ernsthaft – naiv, vorhersagbar – überraschend, … Genau dies macht die Spannung aus, denn indem gleich starke Kräfte aufeinander einwirken, ist das Ergebnis offen. Meist pendelt sich das Spannungsmoment in der Mitte ein, was genau die „richtige Mischung“ ist: Nicht zu viel Spannung, aber auf keinen Fall zu wenig.[18] Der Spieler wird so optimal beansprucht.[19]

 

Geschlossenheit (= 5. Merkmal von Spielen)

Spiele brauchen nicht nur einen Freiraum, sondern auch einen Rahmen. Dies sind Regeln. Sonst tritt das Phänomen des „Aus-dem-Ruder-Laufens“ ein.[20]

 

Gegenwärtigkeit (= 6. Merkmal von Spielen)

Im Spiel selbst gibt es keine Vergangenheit oder Zukunft sondern nur das Hier und Jetzt. Selbst wenn man sich im Spielszenario in die Vergangenheit zurückbewegt, so ist diese dann aktuell: also nicht „gestern“ sondern „gerade“. Nur so lässt sich die dem Spiel eigene Spannung aufbauen.[21]


Die von Scheuerl identifizierten Merkmale des Spiels gehen Hand in Hand mit denen von Heckhausen. Und auch Meyer stößt in dasselbe Horn. Er arbeitet allerdings die Vorteile des Spielens für den Unterricht heraus: Spielen ist beispielsweise eine ganzheitliche Tätigkeit, die immer den Einsatz von Kopf, Herz und Hand benötigt – aus Sicht der Lernbiologie also die beste Konstellation für ein erfolgreiches Behalten. Des Weiteren können im Spiel Probehandlungen vorgenommen und Erfahrungen gesammelt werden. Spielen fördert bei Schülern die Sozialkompetenz und Selbsttätigkeit. Es eignet sich zum Üben und zur Vertiefung des Stoffes. Für den Lehrer bieten Spiele darüber hinaus auch noch eine diagnostische Funktion.[22] Aus diesen genannten Gründen fordern Spieldidaktiker mehr Spielräume zu schaffen, denn Spielräume sind auch immer Freiräume, Bewegungsräume, Handlungsräume, Erfahrungsräume, Lern- und Übungsräume sowie Phantasieräume.[23] Diese tragen zur Entwicklung der sozialen, kreativen, intellektuellen und ästhetischen Kompetenz bei.[24] Denn z. B. um einen Spielrahmen vereinbaren zu können, müssen sich Kinder sprachlich oder nonverbal auf die eingebildete Spielsituation und damit auf den Spielrahmen einigen, sonst können sie keine gemeinsame Spielrealität konstruieren.[25]

 

 


Quellen:

 

Aktualisiert ( Samstag, 20. Februar 2010 um 17:05 Uhr )
 

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