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Akteure & Handeln als zentrale Begriffe

Zusammenfassung: Schimank typisiert vier Akteurmodelle: den rational-handelnden Homo Oeconomicus, den an sozialen Normen ausgerichteten Homo Sociologicus, den affektuell handelnden Emotional man und letztlich den Identitätsbehaupter, der sein Handeln am eigenen Selbstbild orientiert. Wer sich mit Spielen und Lernen auseinandersetzt, muss zwangsläufig auch noch den Homo Ludens, den spielenden Menschen, mit betrachten. Letzterer ist außerdem ein Paradebeispiel dafür, dass Akteurmodelle in der Realität Mischformen aus den vier zuerst genannten Haupt-Akteurmodellen sind.

Themen: Homo Oeconomucs - Homo Socioligicus - Emotional man - Identitätsbehaupter - Homo Ludens

 

Die von Schimank genannten Akteurmodelle typisieren die von Esser gefundenen und beschriebenen Motivationen für Handlungsentscheidungen. Die Akteurmodelle selbst sind weitestgehend aus der Handlungstheorie von Max Weber abgeleitet worden. Er unterscheidet die klassischen vier Formen: Die ersten beiden – nämlich der „Homo Sociologicus“ und der „Homo Oeconomicus“ – sind permanente Akteurtypen. Sie werden aber episodisch vom Typ des „Emotional man“ und/oder dem Identitätsbehaupter“ in den Hintergrund gedrängt. Es handelt sich hierbei um distinkte analytische Akteurmodelle. Diese Annahme impliziert, das Handeln in der Realität eine Mischform der Modelle sein kann.18

 

Akteurmodell: Homo Oeconomicus

Der soziologisierte „Homo Oeconomicus“ verdeutlicht die Handlungsannahme der Rational Choice Theorie. Er handelt damit zweckrational, so wie es Weber seinerzeit beschrieb. Demnach ist das Handeln der Akteure geprägt durch rationale Kalkulation und Verfolgung der Maximierung des eigenen Nutzens. Allerdings muss festgehalten werden, dass die Rationalität in Form von rationalen Routinen begrenzt wird. Die reflexiven Interessen einzelner Akteure modifizieren die Entscheidungen.19

 

Akteurmodell: Homo Sociologicus

Das zweite Akteurmodell – der Homo Sociologicus – verkörpert traditionelles Handeln in Webers Sinn. Das Modell des Homo Sociologicus ist geprägt in erster Linie durch ein Streben nach Erwartungssicherheit geprägt. Diese Erwartungssicherheit wird dem Akteur durch normative Handlungsorientierungen geliefert. Handlungen im Rahmen dieses Akteurmodells sind hier vor allem Rollenhandlungen, denn in ihnen repräsentiert sich Erwartungshandeln. Letztlich orientieren sich die Erwartungen sowohl an der Bezugsgruppe als auch an der Internalisierung. Unter Internalisierung ist die Selbstwahrnehmung der Rollenerwartung durch den Akteur zu verstehen.20

 

Akteurmodell: Emotional man

Der „Emotional man“ - das dritte mögliche Akteurmodell - tritt nur episodisch auf. Führt man den „Emotional man“ auf Webers handlungstheoretische Überlegungen zurück, so steht das Modell affektuelles Handeln. Charakteristisch hierfür ist das Ausleben der Emotionen durch die Akteure. Emotionen sind dabei unwillkürliche, inkonsistente, schwankende und schwer voraussagbare Handlungsantriebe. Allerdings sind diese oft normativ eingebettet (wofür der Homo Sociologicus steht) oder werden durch rationale Nutzenverfolgung (= Homo Sociologicus) kanalisiert. Dadurch erscheint auch der „Emotional man“ kontrollierbarer.21

 

Akteurmodell: Identitätsbehaupter

Das letzte der vier großen vorzustellenden Akteurmodelle ist der „Identitätsbehaupter“. Er wurde von Schimank ergänzend zu den Weberschen Handlungsmotivationen entwickelt. Schimank selbst gesteht an dieser Stelle ein, dass das Akteurmodell noch nicht vollständig ausgearbeitet ist. Dennoch sollte hier die Identität als Selbstbild begriffen werden, das sich sowohl aus evaluativen Selbstansprüchen, also die Anforderungen, die der Akteur an sich selbst stellt, als auch an normativen Selbstansprüchen, welche das Gewissens des Akteurs widerspiegeln, zusammensetzen. Ein Mensch wird motiviert zu handeln, wenn er mit aktuellen oder antizipierten Identitätsbedrohungen konfrontiert wird. Das kann z. B. die vermutete oder bereits stattfindende Entindividualiserung, die durch  Rollenzwänge eingeläutet wird, aber auch eine unmittelbare Existenzbedrohung der Person sein.22

 

Akteurmodell: Homo Ludens

Die bisherigen Betrachtungen waren sehr theorielastig und gaben eine Einführung in die Theorie der systembezogenen Akteurkonstellationen. Die Überschneidung mit Materie von H[AGE] - nämlich das Spielen & Lernen - waren wahrscheinlich nicht ersichtlich. Wer jedoch über Spielen & Lernen schreibt, der kommt nicht umhin den Homo Ludens zu erwähnen. Bisher kam das Akteurmodell "Homo Ludens" nicht in den Betrachtungen der Vordenker der Akteurkonstellationen vor.

Der Begriff des Homo Ludens tauchte zu erst bei Huizinga auf. Er postuliere in seinem gleichnamigen Buch, dass der Mensch all seine Fähigkeiten erst durch das Spielen entwickelt. (siehe dazu den Artikel: Eigenschaften des Spiels) Huizinga zeigt auf, dass sich kulturprägende Systeme wie Politik, Wissenschaft, Religion oder Recht spielerische Komponenten aufweisen und sich ursprünglich aus spielerischen Verhaltensweisen entwickelt haben müssen. Erst im Laufe der Zeit konnte sich das ganze ritualisieren und institutionell so verfestigen.

Dennoch ist das Spiel eine Aktivität des Menschen, die - bedingt durch die Komponente der Konkurrenz/Wettkampf - Kreativität, Energie und Kraft freisetzt. Im Spiel kann der Mensch verfestigte Strukturen durchbrechen und neue Wege finden. Diese Innovationen bieten oftmals Lösungen für bislang für unlösbar gehaltene Probleme.

Durch den Homo Ludens kann man aber auch sehr deutlich zeigen, dass viele Akteurmodelle (so z. B. auch der Homo Politicus oder der Homo Biologicus) Mischformen aus den vier Hauptakteurmodellen sind. Zum einen möchte ein Spieler zunächst einmal den größtmöglichen Spaß: Spaß beim Spielen, Spaß durch die Herausforderung, Spaß beim Finden von kniffligen Lösungen. Spaß ist eine Emotion, sodass es hier bereits zu Überschneidungen mit dem Emotional Man kommt. Doch auch wenn der Spaß im Vordergrund steht, so halten sich die meisten Spieler an die Regeln des Spiels. Dieses genormte Vorgehen lässt den Homo Sociologicus durchschimmern. Dazu kommt, dass ein Spieler immer auch ein Identitätsbehaupter ist, der Ansprüche an sich selbst stellt.23

 

 


Quellen:

  • [18] Vgl. Schimank, U. (2002): Theorien gesellschaftlicher Differenzierung. Leske + Budrich, Opladen. S. 87
  • [19] Vgl. Schimank, U. (2002/a): Handeln und Strukturen. Einführung in die akteurtheoretische Soziologie. Juventa Verlag, Weinheim [u. a.]. S. 106 und vgl. auch Wikipedia (08.02.2010): Homo Oeconomicus
  • [20] Vgl. Schimank, U. (2002/a): S. 69 und vgl. auch Wikipedia (28.06.2009): Homo Sociologicus
  • [21] Vgl. Schimank, U. (2002/a): S. 107- 120 und vgl. auch Kron. T. (06/2006): Integrale Akteurtheorie – zur Modellierung eines Bezugsrahmens ür komplexe Akteure. In: Zeitschrift für Soziologie, Jg. 35, Heft 3, S. 170–192
  • [22] Vgl. Schimank, U. (2002/a): S. 121- 143 und vgl. auch Wikipedia (08.02.2010): Soziologische Akteurmodelle und Fritsch. T. (2010): Akteurmodelle im elektronischen Wandel. GRIN Verlag.
  • [23]: Vgl. Johan Huizinga: Homo ludens. Vom Ursprung der Kultur im Spiel (1939). Rowohlt Verlag. 1994; Wikipedia (02.01.2010): Homo Ludens und vgl. auch Hippe, T.; Fridman R. (2000/2001): Referat Homo Ludens. Berlin.
Aktualisiert ( Mittwoch, 10. August 2011 um 20:30 Uhr )
 

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