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Strukturen und teilsystemischer Orientierungshorizont als zentrale Begriffe

Zusammenfassung: Letztlich sind soziale Strukturen nichts anderes als die transintenionalen Resultate des handelnden Zusammenwirkens der Akteure, die auf diese dauerhaften Bewältigungsmuster zurückgreifen. Man unterscheidet drei Arten von sozialen Strukturen: Erwartungsstrukturen, Deutungsstrukturen und Konstellationsstrukturen.

 

Soziale Strukturen sind letztlich nichts anderes als relativ dauerhafte Bewältigungsmuster zur Verarbeitung von Effekten, die durch Akteurkonstellationen verursacht wurden. Soziale Strukturen sind damit auch die transintentionalen Resultate handelnden Zusammenwirkens.45

Auch hier unterscheidet Schimank wieder verschiedene Ausprägungen.
Erwartungsstrukturen vereinigen institutionalisierte, normative Erwartungen (z. B. rechtliche Regelungen), formalisierte Regelungen in Organisationen oder informelle Regeln.46  Die Fixierung von kognitiven und evaluativen Orientierungen manifestiert sich hingegen in Deutungsstrukturen. Sie findet man in Form von Werten und binären Codes der unterschiedlichen gesellschaftlichen Teilsysteme. Die Werte und Codes setzen die Maßstäbe des jeweils Erstrebenswerten. Sie bilden damit die Basis dessen, was im jeweiligen Teilsystem zu erwarten ist.47  
Als verfestigte Muster des handelnden Zusammenwirkens können Konstellationsstrukturen aufgefasst werden, denn hier haben sich bereits Gleichgewichte in Akteurkonstellationen herauskristallisiert.48 Organisationen sind in der Praxis ein Beispiel für eine Verhandlungskonstellation. Esser beschreibt diese als „[…] soziale Gebilde, in denen eine Mehrzahl von Menschen zu einem spezifischen Zweck bewusst zusammenwirkt […] unter dem Dach einer expliziten institutionellen Regel und ‚Verfassung’.“49

 

Versucht man diese sozialen Strukturen beim Nachdenken über das Spielen allgemein bzw. das Computerspiel-Spielen im Besonderen zu berücksichtigen, so kann folgendes festgehalten werden:

Bei der Bewertung einer Situation helfen die evaluativen Deutungsstrukturen. Damit werden alle Typen von Werten zusammengefasst, die doch sehr generell sein können. Dazu gehören beispielsweise die "Selbstverwirklung der Persönlichkeit" oder "der Spaß an strategischem Denken". Diese aufgeführten Werte sind eng mit dem Selbstverständnis des Akteurs verknüpft. Deshalb müssen sie bei der Bewertung einer Spielerpersönlichkeit mit Beachtung finden, weil sie möglicherweise z. B. Entscheidungen im Hinblick auf das Spielen eines bestimmten Computerspiel-Genres oder die Aktionen/Reaktionen im Spiel beeinflussen. Ein überzeugter Pazifist wird wahrscheinlich nie einen Egoshooter spielen, dafür aber vielleicht Sportspiele oder Simulationen bevorzugen. 

In sogenannten LAN-Parties aber mittlerweile auch im World Wide Web treffen sich Spielbegeisterte, um sich in der Gemeinschaft aber auch gegeneinander im Wettstreit zu messen. Das Bilden von Mannschaften, Teams oder Gilden geht einher mit der Bildung einer Konstellationsstruktur. Eine Konstellationsstruktur ist aber auch immer eine soziale Struktur. Jedes Mitglied im Team hat durchaus eine Rolle zu erfüllen, an die die anderen Teammitglieder ebenso Erwartungen knüpfen. Um das Spiel zu gewinnen, muss innerhalb des Teams Kommunikation stattfinden, um z. B. eine bestimmte Strategie und Problemlösungen abzusprechen. Dazu müssen alle Spieler eine entsprechende Situationsdefinition vornehmen. Je nach Verlauf des Spieles kann es passieren, dass die verschiedenen Modi anspringen.

 



Quelle:
  • [45] Vgl. Schimank, U. (2002/a): Handeln und Strukturen. Einführung in die akteurtheoretische Soziologie. Juventa Verlag, Weinheim [u. a.]. S. 176
  • [46] Vgl. Schimank, U. (2002/a): S. 177
  • [47] Vgl. Schimank, U. (2002/a): S. 177
  • [48] Vgl. Schimank, U. (2002): Theorien gesellschaftlicher Differenzierung. Leske + Budrich, Opladen. S. 177- 178
  • [49] Esser, H. (2000): Soziologie. Spezielle Grundlagen. Band 2: Die Konstruktion der Gesellschaft. Frankfurt am Main [u. a.]. S. 238
Aktualisiert ( Samstag, 06. März 2010 um 17:30 Uhr )
 

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