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Strukturdynamiken als zentraler Begriff

Zusammenfassung: Durch Struktureffekte können soziale Strukturen aufgelöst, erhalten oder verändert werden. Sie sind damit dynamisch. Letzlich vermag die Theorie der systembezogenen Akteurkonstellation auch die Prozesse des sozialen Wandels zu erklären.

 

Weder die Akteurmodelle noch die Akteurkonstellationen und erst recht nicht die verschiedenen Strukturen können voneinander losgelöst betrachtet werden.
Außerdem zeichnen sie sich durch eine gewisse Dynamik aus. Durch Struktureffekte, die dadurch entstehen, dass Intentionsinterferenzen abgearbeitet werden, können soziale Strukturen letztlich aufgelöst, erhalten oder verändert werden.50
Darüber schafft es Schimank die Prozesse des sozialen Wandels zu erklären. Wenn die Akteure nicht planvoll und nicht intentional aufeinander abgestimmt handeln, dann werden die Strukturdynamiken als offen bezeichnet. Dagegen besteht bei geschlossenen Dynamiken eine zirkuläre Kausalität, die das Handlungsmuster vorhersehbar macht. Doch auch an dieser Stelle darf das Problem der Transintentionalität nicht außer Acht gelassen werden.51  

 

Beim Versuch diese Aspekte der Theorie der systembezogenen Akteurkonstellation auf das Spielen zu beziehen, lassen sich folgende Zusammenhänge festhalten.

Aufgrund von sozialen Strukturen und den damit verbundenen Strukturdynamiken kann es passieren, dass sich verschiedene Organisationen mit komplett eigenen Dynamiken und Strukturen entwickeln.
Im Allgemeinen werden von unten gebildete Interessenorganisationen und von oben konstituierte Berufsorganisationen unterschieden. Es gibt im Hinblick aufs Spielen durchaus Interessensorganisationen. Ein Beispiel hierfür ist der Deutsche Skatverband oder beim Sammelkartenspiel Magic the Gathering die DCI (Duelists' Convocation International). Berufsorganisationen sind noch nicht so häufig zu finden, weil die Professionalisierung noch nicht so weit fortgeschritten ist. Dennoch gibt es durchaus Spieler, die von den Preisgeldern internationaler Turniere sehr gut leben können.

 

Interessensorganisationen

Konstituierung von unten heißt, dass sich die Ziele dieser Organisation an den Interessen der Mitglieder ausrichten müssen und dass zunächst alle Mitglieder auf der gleichen Stufe in der Hierarchie stehen. Doch sehr bald kommen Interessensorganisationen mit basisdemokratischen Entscheidungen nicht mehr weiter. Sie müssen durch repräsentativ demokratische Verfahren ersetzt werden. Das heißt in der Praxis, eine Hierarchie muss geschaffen werden, in dem z. B. ein Vorstand gewählt wird.52 Jedoch kann es hier passieren, dass sich der korporative Akteur Vorstand gegenüber den anderen Mitglieder verselbständigt und sich so die Führungsspitze der Organisation immer weiter von der Basis entfernt. Wenn sich die Basis nicht mehr in ihren Interessen vertreten fühlt, kann sie Gegenmaßnahmen sogenannte Exit- bzw. Voice-Maßnahmen ergreißen. Optionen wären z. B. das sich Mitglieder ihr Engagement für die Organisation zurückfahren oder dass unzufriedene Mitflieder eine intraorganisatorische Opposition ausüben. Aus diesen Gründen muss die Führung einer Interessensorganisation sich so Verhalten, dass die Basis bei "Laune gehalten wird" und damit die Legitimation für das Handeln gewahrt wird.53 Diese eben beschriebenen Ausführungen erinnern zunächst stark an das Gebahren von Parteien. Sie können allerdings auch für Vorstände in Vereinen nicht ausgeschlossen werden. 

 

Berufsorganisationen

Im Gegensatz zu Interessensorganisationen findet man bei Berufsorganisationen ganz andere Konstellationsstrukturen vor. Als Erläuterungsbeispiel könnte hier ein Unternehmen angeführt werden, dass Spiele entwickelt (= Medienunternehmen). Individuelle Akteure sind demnach alle diejenigen, die bei der Entwicklung eines Spieles mitwirken. Angefangen von den Leuten, die das Konzept entwerfen, über die Grafiker bis hin zu den Programmierern und Marketingstrategen. Sie werden per (Arbeits-)Vertrag an das Unternehmen gebunden und wirken selbst dann an der Leistungsproduktion mit, wenn die von der Organisation anvisierten Ziele eigentlich nicht mit den eigenen Zielen und Vorstellungen übereinstimmen. Die Mitarbeiter wollen in erster Linie ihren Lebensunterhalt sichern und vielleicht auch Karriere machen. Die Ungleichheit zwischen den Trägern und den Mitarbeitern ist per se vorgegeben. Deswegen existieren diverse organisatorische Ränge, die in die Unternehmenshierarchie eingeordnet sind. Jeder Mitarbeiter ist damit wiederum auch Träger von Rollen, an die Erwartungen gestellt werden

Die Prinicpal-Agent-Forschung hat dargelegt, dass Arbeitsorganisationen durch Shirking der Mitarbeiter bedroht sind. Shirking heißt, dass ein Mitarbeiter (= Agent) als Homo Oeconomicus dazu tendiert, dass er die Belohnung des Vorgesetzten (= Principal) mit dem geringst möglichen Aufwand erreichen möchte. Bei der Leistungserbringung macht er es sich deshalb so einfach wie möglich - einfacher als eigentlich vereinbart wurde. Der Mitarbeiter bricht damit insgeheim die im Arbeitsvertrag getroffenen Vereinbarungen, die bindend sind. Möglichkeiten des Shrinkings können sein: Der Mitarbeiter erbringt nicht die abgemachte Stundenzahl, er lässt es an Qualität mangeln oder setzt zur Leistungserbringung verbotene Mittel ein.54 Die Träger von Arbeitsorganisationen müssen daher immer eine soziale Kontrolle ausüben, damit Mitarbeiter nicht ausschließlich ihre eigenen Interessen verfolgen.

Auch das Nutzen von Cheats - also "Abkürzungen" in Computerspielen - gehen in die Richtung von Shirking. Hier versuchen die Spieler und damit die Endverbraucher zu mogeln.

 

 


Quellen:
  • [50] Schimank, U. (2002/a): Handeln und Strukturen. Einführung in die akteurtheoretische Soziologie. Juventa Verlag, Weinheim [u. a.]. S. 179
  • [51] Vgl. Schimank, U. (2002/a): S. 201
  • [52] Vgl. Schimank, U. (NN): S. 5 - 10
  • [53] Vgl. Schimank, U. (NN): S. 10 – 15
  • [54] Vgl. Schimank, U. (NN): S. 10 – 15

 

 

Aktualisiert ( Sonntag, 07. März 2010 um 18:08 Uhr )
 

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