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Aurignacien: Der erste große Kunst- und Kulturschub der Menschheit

Aurignacien: Der erste große Kunst- und Kulturschub der Menschheit (Wordle)

(Steinzeit-Lexikon). Die älteste archäologische Kultur des modernen Menschen während des Jungpaläolithikums wird als Aurignacien bezeichnet. Der Homo sapiens breitete sich in dieser Epoche über weite Teile von West-, Mittel- und Osteuropa aus. Erstmalig wurde diese äußerst interessante Zeitspanne 1867 Aurignacien genannt. Der Begriff diente als Gliederung einer Dauerausstellung des Musée des Antiquités Nationales und wurde von Gabriel de Mortillet geprägt. Er bezog sich damit auf einen Fund von Steinwerkzeugen, die in einer eindeutigen Verbindungen mit pleistozänen Tierknochen standen. Diese Fossilien wurden 1860 von Édouard Lartet bei einem Felsüberhang in der Nähe von Aurignac (Frankreich) entdeckt.

Organische Artefakte, die eindeutig dem Aurignacien zugeordnet werden, wurden per Radiokohlenstoff auf ein Alter von 45.000 bis 31.000 Jahren geschätzt. An diese weit verbreitete Kulturstufe schloss sich dann das Gravettien an.
Vorgänger des Aurignaciens waren die Kulturstufen des Neandertalers. Hier sind beispielsweise das Moustérien und das Szeletien zu nennen. Über mehrere tausend Jahre gab es nicht nur ein Nebeneinander von Neandertaler und Homo sapiens sondern auch das Nebeneinander der Kulturstufen. So wird das Châtelperronien noch dem Neandertaler zugeschrieben. Allerdings legen Schmuckgegenstände aus dieser Kultur den Schluss nahe, dass sich Homo neanderthalensis hier bereits von der Kultur der Cro-Magnon-Menschen beeinflussen und inspirieren ließ. Einige Forscher vermuten, dass die Aurignacien-Kultur mit der Migration von modernen Menschen aus Zentralasien nach Europa eingeführt wurde.

Die Datenlage aufgrund der spärlichen Fossilienfunde erlaubt keine abschließende Bestätigung oder Verwerfung dieser Theorie, da die C14-Datierungen der Funde leider  sehr ungenau sind. So gibt es eine große Streubreite. Die räumliche Mobilität der Menschen der damaligen Zeit lässt sich mit diesen Daten nur sehr schwer abschätzen.

Homo sapiens oder Neandertaler - Wer ist für die kulturelle Epoche des Aurignacien verantwortlich?

Nachdem man einige Begleitfunde von Überresten des Cro-Magnon-Menschen und Fossilien aus der Vogelherdhöhle neu datiert hatte und aufgrund der Ergebnisse anderen Kulturstufen zuordnen musste, zeichnete sich ein neues Bild ab. Einige Forscher diskutieren mittlerweile offen, ob das Aurignacien nicht dem Neandertaler zugeschrieben werden müsste. Weitere, zukünftige Funde werden hoffentlich noch genauer zeigen, ob Homo sapiens und/oder Neandertaler diese Kultur entwickelten. Wichtige Meilensteine für diese Epoche sind:

  • das älteste Feuerzeug der Menschheit
  • die Erfindung der Nadel. Diese hatte allerdings noch kein Öhr
  • die Entdeckung von Kunst und Musik
  • die ältesten nachweisbaren, bewussten Bestattungen

Bislang wird das Aurignacien jedenfalls in drei Stufen unterteilt:

  • Protoaurignacien (ca. 40.000/37.000–34.000 BP) – vor allem in Südeuropa
  • Aurignacien ancien (34.000–31.000 BP) - in Mitteleuropa, Südwestfrankreich, Asturien und Mittelitalien.
  • Aurignacien récent (31.000–28.000 BP) - im gesamten Mitteleuropa
  • Epi-Aurignacien um 22.000 bis 18.000 BP – in Ukraine

Typisch für diese Kulturstufe sind die Projektilspitzen aus den organischen Materialien Knochen und Elfenbein. Sie erhöhten die Durchschlagskraft von Speeren. Daneben gelten eine Reihe von ganz typischen Werkzeugen als sogenannte Leitformen: Kielkratzer, Stichel und lange, schmale Klingen aus Feuerstein. Die bis zu 26 cm langen Klingen wurden mit einer Art Hammer-und-Meißel-Methode gefertigt. Sie sind an den Längsseiten konkav geformt, sodass sie aussehen, als hätten sie eine Taille. Weiterhin typisch für das Aurignacien sind die sogenannten Dufour-Lamellen. Diese Werkzeuge sind ein Beweis für die sehr gezielte Herstellung dieser Arbeitsmittel.

Inmitten der Eiszeit: Kunst, Kultur und Musik erlebten einen ersten Aufschwung

Die ältesten figürlichen Kleinkunstwerke der Welt stammen aus dieser Epoche. Hier sind vor allem die Funde aus der Schwäbischen Alb wie das Mammut aus Elfenbein oder der Löwenmensch zu nennen. Die Steinzeitkünstler schufen diese Figuren vor ca. 35.000 bis 30.000 Jahren. Namen wie die Vogelherdhöhle, und der Hohlenstein-Stadel (beide Lonetal) bzw. die Höhlen Hohle Fels und Geißenklösterle (im Achtal bei Blaubeuren und Schelklingen) lassen die Augen von Archäologen leuchten. Die Venusfigurinen des Aurignacien sind weltberühmte Kunstwerke. So zeichnen die „alten Damen“ wie die Venus vom Galgenberg und die Venus vom Hohlen Fels ein genaues Bild von der großen Handwerkskunst ihrer Erschaffer.

Doch die Jäger und Sammler des Aurignacien erfanden nicht nur die Kunst sondern auch die Musik. So stammen aus dieser Epoche auch die ersten Instrumente der Menschheit. Dazu gehört beispielsweise die Flöte von Geißenklösterle, die 1990 entdeckt wurde. Sie wurde aus dem Speichenknochen eines Singschwans gefertigt. Auch die Flöte aus dem Hohle Fels wurde aus den Knochen eines Vogels gefertigt. Hier war es allerdings ein Gänsegeier, der vor mindestens 35.000 v. Chr. als Rohmaterial für ein Musikinstrument herhalten musste. Der Nachbau dieser Flöten bewies: Es lässt sich damit musizieren.

Künstler des Aurignaciens genauso gut wie heutige Künstler

Die menschliche Kultur machte während des Aurignaciens noch einen weiteren enormen Entwicklungsschritt. Denn die Menschheit erfand in dieser Epoche auch die Höhlenmalerei und konnte somit erstmals Ansichten und Geschichten bildlich fixieren. Die weltweit ältesten Höhlenmalereien wurden in der Chauvet-Höhle in Frankreich gefunden und auf ein Alter von mehr als 32.000 Jahren datiert. Sowohl die Höhlenmalereien von Chauvet als auch die Petroglyphen (= geritzte bzw. gravierte Felsbilder) aus der Höhle Pair-non-Pair werden eindeutig dem Aurignacien zugeordnet.

Sowohl die Figuren als auch die Malereien zeichnen sich von Anfang an durch Naturtreue, Anschaulichkeit und die Einhaltung von Proportionen an. Selbst heutige Menschen malen und zeichnen nicht besser oder schlechter als die Steinzeit-Da-Vincis und –Michelangelos während des Aurignaciens. Diese Epoche beförderte die menschliche Kreativität auf vielen Kanälen. Einige Forscher sehen in den gefundenen Zeugnissen erste Versuche, das kulturelle Gedächtnis der damaligen Menschen zu manifestieren und somit Rituale, jährlichen Feste und  Tänzen zu konservieren.

 


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Beiträge auf H[AGE], in denen der Begriff "Augnacien" vorkommt:

 


Quellen:

 

Aktualisiert ( Dienstag, 09. Oktober 2012 um 20:23 Uhr )
 

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