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Obsidian: Das Vulkanglas war in der Steinzeit ein begehrter Rohstoff

Obsidian: Das Vulkanglas war in der Steinzeit ein begehrter Rohstoff (Wordle)

(Steinzeit-Lexikon). Bei Obsidian handelt es sich um natürlich vorkommendes Gesteinsglas, das vulkanischem Ursprungs ist. Es handelt sich um dabei um ein sogenanntes natürliches Glas.
Der Name geht auf den Römer Obsius zurück. Dieser soll in der Antiken die ersten Obsidian-Steine aus Äthiopien nach Rom gebracht haben.

Das vulkanische Gestein entsteht, wenn Lava, die maximal 3 bis 4 Prozent Wasser enthält, rasch abkühlt. Enthält die Lava mehr flüchtige Stoffe wie Wasser oder CO2, so würde sich trotz schneller Abkühlung zu Bimsstein aufblähen. Kühlt die Lava zu langsam ab, entsteht sogenannter Pechstein. Letztlich ist die Bildung des vulkanischen Glases von der Zähflüssigkeit der Lava abhängig. Hierfür hauptverantwortlich ist der Kieselsäuregehalt. Es gilt hier die Grundregel: Je höher der Kieselsäuregehalt, desto zähflüssiger ist die Lava.
Bei der raschen Abkühlung zu Obsidian kann das erstarrende Gestein keine regelmäßigen Kristallstrukturen ausbilden. Das entstehende Glas hat ein chaotisches, amorphes Gefüge.

Generell ist beim Obsidian leicht eine Verwechslung mit sogenannten Impaktschmelzgesteinen möglich. Letztere entstehen, wenn ein Meteorit einschlägt und so Gestein schnell aufgeschmolzen wird aber auch schnell wieder abkühlt. Zu diesem gehört beispielsweise das Libysche Wüstenglas. Auch dieses wurde bereits in der Jungsteinzeit für Pfeilspitzen genutzt. Das bekannteste Artefakt aus Libyschem Wüstenglas ist der Skarabäus im Pektoral des Pharaos Tutanchamun.

Obsidian entsteht, wenn zähflüssige Lava schnell abkühlt

Wie jedes Glas ist auch Obsidian nicht so stabil wie beispielsweise zu Diamant gepresster Kohlenstoff. Im Laufe von geologischen Zeiträumen kann eine Tendenz zur Entglasung und Kristallisation eintreten. Auf diesem Wege entstehen sogenannte Sphärolithen. Dies sind mineralische Aggregate, die sich strahlenförmig angeordneten Kristallen zeigen. So entsteht der sogenannte Augenobisidian.

Die Farbe des Gesteins variiert sehr stark. Es gibt verschiedene Verunreinigungen mit ihren Oxidationszuständen. Obwohl Obsidian einen hohen Gehalt an Kieselsäure hat und es damit doch eine gewisse Verwandtschaft zum doch normalerweise recht hellen Gestein Granit gibt, ist Obsidian meist dunkelgrün bis schwarz gefärbt. Es gibt allerdings auch braune und rötliche Vorkommen. Es kommt immer ganz auf das jeweilige Vorkommen an, ob in die glasige Struktur noch andere Kristalle eingebettet wurden. Dabei bildet sich vielfach eine sogenannte Fließtextur aus, die durch Schlieren erkennbar ist. Eine Rarität sind sogenannte Schneeflockenobsidian. Sie enthalten Einschlüsse von Sphärolithen, die radial gewachsen sind und ca. ein Zentimeter große Strukturen ausbildeten. Meist handelt es sich bei den eingeschlossenen Mineralien um Feldspate oder Cristobalit.

Obsidian kommt weltweit an 70 Fundstätten vor

Vielfach hat die Erosion Obsidian zu kleinen runden Klumpen geformt. Sie werden auch als Apachentränen bezeichnet. In Nordamerika hält sich das Aberglauben, dass an der Fundstelle einer Apachenträne ein Indianer gestorben ist.

Weltweit sind ungefähr 70 Fundorte des seltenen Gesteins bekannt. Auch in Europa gibt es Vorkommen. Eines davon liegt sogar in Deutschland – genauer in der Garsebacher Schweiz bei Meißen.

Obsidian war in der Steinzeit ein begehrter Rohstoff. Die Handwerker schätzten ihn wegen seines scharfkantigen Bruches. Er wurde neben Feuerstein zu Werkzeugen verarbeitet. Durch leichte Schläge ließen sich messerscharfe Absplitterungen gewinnen. Die Bruchstellen erinnern an die Oberfläche von Seemuscheln, weshalb man auch von einem muscheligen Bruch spricht.

Wichtiger Rohstoff in der Steinzeit, da aus dem Gestein rassiermesserscharfe Klingen gefertigt werden konnten

Da die Lagerstätten bekannt sind, kann die Verbreitung des Gesteins nachgewiesen werden. In der Vergangenheit wurde der Rohstoff über weite Strecken gehandelt und transportiert. Während der Zeit des hethitischen Großreiches wurden beispielsweise Gefäße aus Obsidian hergestellt. Im antiken Rom diente das geschliffene und polierte Vulkanglas als Spiegel. Bei den Assyrern ist belegt, dass die Nairi-Länder in der nordöstlichen Türkei mit Obsidian ihre Steuern und Tribute bezahlten.

Doch auch in Amerika wussten die frühen Völker das Gestein zu schätzen. In Mexiko wurde es zu Götterfiguren und andere Skulpturen verarbeitet. Hier gibt es neben den schwarzen Obsidian auch den Silberobsidian und den Goldobsidian. Diese beiden Arten liefern ein besonderes Farbspiel ab. Im Schatten wirken diese Obsidiane schwarz. Im Licht allerdings glänzen sie silbern bzw. golden. Bei der Bearbeitung selbst ist der Stein allerdings matt und hellgrau. Er entfaltet erst durch die Politur seinen ganz besonderen Glanz.

Obsidian wurde von vielen Kulturen als Ausgangsmaterial für Werkzeuge und Statuen genutzt

Die Azteken und andere Völker Mittelamerikas nutzten das Gestein zur Herstellung von Speer- und Pfeilspitzen. Auch ganze Schwerter, die sogenannten Maquahuitl, wurden daraus gefertigt. Heute werden aus Obsidian Kunstgegenstände gefertigt. Außerdem wird er als Schmuckstein genutzt. Ein neues Anwendungsgebiet findet er in Form von Obsidianklingen in der Augenheilkunde und Schönheitschirurgie. Diese kommen als Alternative zum Laserskalpell zum Einsatz, da der Heilungsprozess bei solchen Operationen schneller vonstattengeht.

Archäologen schätzen Obsidian als Hilfsmittel zur Altersbestimmung. Da man die Herkunft des Obsidians durch Beimischungen der Spurenelemente und der Isotopenzusammensetzung bestimmen aber auch durch Spaltspurenanalyse das Alter gut abschätzen kann, geben Artefakte aus Obsidian wichtige Hinweise. So kann der prähistorische Tausch und Handel analysiert werden.


Obsidian gehört in die Kategorie: Werkzeug.

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Quellen:

Aktualisiert ( Sonntag, 30. September 2012 um 19:10 Uhr )
 

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