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Schwirrer/Schwirrholz: Buschtelefon und Musikinstrument der Steinzeit

Schwirrer/Schwirrholz: Steinzeitliches Buschtelefon und Musikinstrument (Wordle)

(Steinzeit-Lexikon). Das Schwirrholz bzw. Schwirrgerät wird in der Kurzform auch Schwirrer genannt. Es gehört zu den sogenannten Wirbelaerophonen und ist eines der ältesten Musikinstrumente bzw. Kommunikationsmittel. Wegen der erzeugten Lautstärke und Tönen wird es im Englischen auch Bullroarer genannt.

Beim Schwirrer handelt es sich in der Regel um ein flaches, ovales Stück aus Holz oder Knochen. Die Länge variiert von 15 bis 50 Zentimetern. Einige Instrumentenbauer versehen das Musikinstrument noch mit Kerben und versuchen so, Einfluss auf die Tonerzeugung zu nehmen.
Das Schwirrgerät mit den abgerundeten Kanten wird an einer 1 bis 2,5 Meter langen Schnur im Kreis gewirbelt oder geschwungen. Das Holz fängt dabei an, sich selbst in Drehung zu versetzen und die Schnur zu verdrillen. Bei diesem Prozess entstehen Wirbel. Die Druckvariationen dieser Wirbel wiederum erzeugen einen Tiefen Ton, der auf- und abschwillt. Steigert man nun die Geschwindigkeit so geht dieser Ton in ein Brummen und Surren über. Der Klang dieses Musikinstrument lässt sich schwer beschreiben, da er keinem anderen Instrument ähnelt und jeder Schwirrer aufgrund der Form und der Drehgeschwindigkeit anders klingt.

Die erzeugten Töne können auch bei Wind weithin wahrgenommen werden. Deshalb ist das Schwirrholz nicht nur ein Instrument, mit dem Musik gemacht wird, sondern auch ein Kommunikationsmittel, mit dem sich Botschaften über große Distanzen übertragen lassen. Schwirrhölzer haben eine relativ typische Frequenz. Sie liegt um die 80 Hertz.

Schwirrholz-Töne können weithin wahrgenommen werden. Es eignet sich daher auch zur Nachrichtenübermittlung.

Funde belegen, dass Schwirrer bereits im Jungpaläolithikum zum Einsatz kamen. In Deutschland gibt es beispielsweise Funde aus Jerichow in Sachsen-Anhalt und aus Ahrensburg in Schleswig-Holstein. Doch Geräte wurden auch in Frankreich und anderswo gefunden.
Die unterschiedlichsten Kulturen kannten und nutzten Schwirrgeräte. Von Afrika über Asien bis hin nach Papua-Neuguinea kamen sie zum Einsatz. Noch heute nutzen einige Indianervölker in Nordamerika und auch die Aborigines in Australien die Schwirrer. Beispielsweise dürfte vielen Kino- und Fernsehzuschauern eine Szene aus Crocodile Dundee noch prominent in Erinnerung sein. In Teil 1 ruft Mick Dundee mittels eines Schwirrholzes im Outback um Hilfe. Der Film zeigt damit die Einsatzmöglichkeit als „Buschtelefon“.

Die Aborigines nutzen die Schwirrhölzer zur rituellen Kommunikation mit den Ahnen. Mittels reich bemalter und mit Schnitzereien versehenen Bora-Bora genannten Schwirrern werden Zeremonien initiiert. Kritik von den Aborigines musste die australische Rockband Midnight Oil einstecken, da sie für den Song „Diesel und Dust“ Töne von Schwirrgeräten einspielten. Die Aborigines äußerten deswegen Kritik, da für sie die Töne zu heiligen Ritualen gehören und deshalb nicht in profanen Liedern abgespielt werden dürfen. So kommt zum Beispiel das Schwirrgerät in den Aborigines-Traumzeit-Geschichte Byamee and Bullroarer vor.
Es ist daher nicht unwahrscheinlich, dass das Schwirrholz auch in anderen Jäger und Sammler-Kulturen der Steinzeit vielfach den Schamanen und Medizinmännern für rituelle Handlungen und Botschaften vorbehalten war. Denkbar ist durchaus, dass damit um Regen gebeten wurde.

Es gibt auf Youtube ein etwas lustiges bis sarkastisches Video,
bei dem der Einsatz eines Schwirrholzes durch einen Aborigines demonstriert wird.
Politisch vielleicht nicht ganz korrekt, aber man bekommt dennoch eine Ahnung,
von der Art und Weise wie ein Schwirrer verwendet wird/wurde.

Das Schwirrholz gehört wie Rasseln, Klappern, Schrapper, Flöten und Trommeln zu den ältesten Musikinstrumenten der Menschheit.

 


Das Schwirrholz gehört in die Kategorie: Musik/Kultur.

Artikel auf H[AGE], in denen der Begriff "Schwirrer/Schwirrholz" vorkommt:

 


Quellen:

 

Aktualisiert ( Samstag, 10. März 2012 um 10:08 Uhr )
 

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