Zufallskarte

Geist der S...
Image Detail
Valid XHTML 1.0 Strict CSS ist valide!

Löwenmensch: Die älteste Darstellung eines Fabelwesens - halb Mensch, halb Löwe

Löwenmensch: Die älteste Darstellung eines Fabelwesens - halb Mensch, halb Löwe (Wordle)

(Steinzeit-Lexikon). Bei dem sogenannten Löwenmenschen handelt es sich um eine Skulptur aus der Steinzeit, die im Hohlenstein-Stadel im Lonetal (Schwäbische Alb) gefunden wurde. Die 30 Zentimeter hohe Plastik zeigt einen menschlichen Körper. Allerdings wird der Kopf als der eines Höhlenlöwen - einschließlich der Mähne - dargestellt. Auch die Gliedmaßen sind denen des Löwen nachempfunden. Als Entstehungsepoche wurde das Aurignacien während der Jungpaläolithikum bestimmt. Damit hat der Löwenmensch ein Alter von ca. 35.000 Jahren und gilt als eines der ältesten Kleinkunstwerke der Menschheit.

Löwenmensch von Hohlenstein-Stadel
Wikipedia1

Die ersten Bruchstücke der Figur wurden bereits 1939 bei einer Grabung entdeckt und geborgr das Mischwesen aus Mensch und Löwe zum Vorschein. Es konnte allerdings bis heute nicht geklärt werden, ob als Vorlage für die Figur ein Mann oder eine Frau Modell stand. Deswegen einigte man sich auf eine neutrale Bezeichnung und nannte die Plastik einfach Löwenmensch.

Gegen die neutrale Einordnung äußern sich in den letzten Jahren vermehrt Kritiker. Denn Fachleute erkennen durchaus Merkmale, die eher für einen weiblichen Körper sprechen. So ist an der Figur der Nabel, der für Geburt und Gebären steht, überdeutlich zu erkennen. Über den Unterleib verläuft eine Bauchfalte quer. Auch sie gilt als typisch weiblich. Der Übergang von Oberschenkel zum Po lasse auch einen weiblichen Körper erkennen. Die Vorgeschichtlerin Schmid geht sogar noch weiter und attestiert der Figur, dass sie einst Brüste hatte. Die üppige Oberweite wäre im Laufe der Zeit abgeplatzt.
Viele Forscher tun diese Argumente zwar als Unsinn ab, aber ein Fund aus der spanischen Grotte von Las Caldas brachte einen 14.000 Jahre alten, weiteren Tiermenschen ans Tageslicht. Diese Figur ist eindeutig weiblich. Sie hat einen Oberkörper, der einen Steinbock zeigt. "Untenrum" allerdings ist bei der spanischen Plastik eine weibliche Vulva sehr deutlich zu erkennen.

Der Fund von der Schwäbischen Alb ist die bislang älteste bekannte Darstellung eines Misch- und Fabelwesens – halb Mensch, halb Tier.
Möglicherweise zeigt die Skulptur einen Schamanen, der sich mit dem Fell eines Löwen schmückte. Sicherlich wurde die Kraft und Stärke der Tiere von den damaligen Menschen bewundert. Vielleicht verehrten sie die Tiere bereits in einer einfachen Naturreligion. Leider können wir heutigen Menschen niemanden von damals mehr fragen, sodass vieles letztlich doch Spekulation bleiben muss.

Zeigt die Figur ein männliches oder ein weibliches Wesen - darüber streiten noch die Experten

Viele der gefundenen und aus dem Aurignacien stammenden Plastiken zeigen Tierfiguren. Nur bei zwei weiteren Funden werden Mischwesen hinter den Kunstwerken vermutet. Im Jahre 2004 entdeckte man in der Höhle Hohle Fels einen „kleinen Bruder“ des Löwenmenschen. Die Figur ist nur 2,5 cm hoch. In der Höhle von Geißenklösterle fand man den sogenannten Adorant. Diese Figur kann ebenfalls ein Zwitter aus Mensch und Großkatze darstellen.
Der Löwenmensch ist neben dem Mammut aus Elfenbein und der Venus von der Schwäbischen Alb eine der bekanntesten Statuetten aus Mammut-Elfenbein, die in den Höhlen der Schwäbischen Alb gefunden wurden. Sie werden alle auf ein Alter zwischen 33.000 und 36.000 BP geschätzt (was ca. 35.000 bis 40.000 v. Chr. entspricht). Die beeindruckende Kunstform der Eiszeitjäger war demnach räumlich auf die Schwäbische Alb begrenzt und umfasste lediglich ein kurzes Zeitfenster von ein paar tausend Jahren.

Wer heute den Löwenmenschen im Original betrachten möchte, muss in die Dauerausstellung des Museums Ulm fahren. Nur wenige hundert Meter von der Fundstelle entfernt wurde allerdings 2007 ein Informationszentrum eröffnet. Dort in der „Höhle des Löwenmenschen“ informiert ein Film sowie mehrere Schautafeln über die Geschichte der Steinzeit-Figur.

Die steinzeitlichen Kunsthandwerker von der Schwäbischen Alb besaßen bereits ausgefeilte Techniken, um eine solch grazile Figur zu erschaffen

Der Archäotechniker Wulf Hein schnitzte ab Herbst 2009 bis zum Frühjahr 2010 den Löwenmenschen unter den damaligen Bedingungen nach und ließ sich von Kameras über die Schulter schauen. Er brauchte für seine Kopie mehr als 320 Arbeitsstunden. Der originale Löwenmensch ist auch dem Stoßzahn eines jungen Mammuts herausgearbeitet worden. Da der Stoßzahn an einem Ende hohl war, nutzte der Steinzeit-Künstler die natürliche Höhlung für die Darstellung der beiden getrennten Beine. Für das Schnitzen wurden scharfkantige Steinwerkzeuge angefertigt. Dazu gehören definitiv Klingen, Kratzer und Stichel. Nach der Fertigstellung polierte der Künstler die Oberfläche. Zum Polieren genutzt wurden Kalk- oder Sandstein, Leder sowie Wasser oder Speichel.

Übrigens ... Das wohl berühmteste und wahrscheinlich auch am meisten fotografierte Löwe-Mensch-Fabelwesen ist die Sphinx, die seit mehr als 4000 Jahren die Pyramiden von Gizeh bewacht. Hier allerdings thront ein menschlicher Kopf auf dem Körper eines Löwens. Beim Löwenmenschen von der Schwäbischen Alb ist dies genau anders herum.

 


Der Löwenmensch gehört in die Kategorie: Kunst/Kultur.

Beiträge auf H[AGE], in denen der Begriff "Löwenmensch" vorkommt:

 


Quellen:

 

Credits:

1 Die Löwenmensch-Figur aus der Höhle Hohlenstein-Stadel in Deutschland.
von JDuckeck (Eigenes Werk) [Public domain], via Wikimedia Commons

 

Aktualisiert ( Dienstag, 03. Juli 2012 um 13:51 Uhr )
 

© H[AGE]: Langenwetzendorf (2008 - 2011)