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Emmer: Fast vergessenes Urgetreide aus der Steinzeit

Emmer: Fast vergessenes Urgetreide aus der Steinzeit (Wordle)

(Steinzeit-Lexikon). Das Urgetreide Emmer trägt den wissenschaftlichen Namen Triticum dicoccum. Umgangssprachlich wird Emmer auch als Zweikorn bezeichnet. Es gehört zur Gattung Weizen. Zusammen mit dem Einkorn gilt Emmer als die älteste kultivierte Getreideart.

Optisch ähnelt Emmer bereits der heutigen Gerste bzw. dem Roggen allerdings nicht dem heutigen Weizen, mit dem er eng verwandt ist. Das Urgetreide hat nämlich verhältnismäßig lange Grannen. Die Ähren sind zweiblütig. Es gibt verschiedenen Formen wie den Schwarzen Emmer, den Weißen Emmer und den Roten Emmer. Sie alle gehen auf die Stammform Wilder Emmer (Triticum dicoccoides) zurück.

Der Hartweizen (Triticum durum) und der Kamut (ebenfalls eine sehr alte Weizensorte) lassen sich auf den Wilden Emmer zurückführen. Diese Pflanze kommt in Vorderasien vor: Beispielsweise im Südosten der Türkei, in Syrien, im Libanon, in Jordanien, in Palästina, in Israel sowie im östlichen Irak und Iran. Das Gebiet entspricht damit ziemlich exakt dem Gebiet des fruchtbaren Halbmonds zwischen Euphrat, Tigris und Jordan. Genetische Untersuchungen haben ergeben, dass der domestizierte Emmer am nächsten verwandt mit den Wildarten in der südöstlichen Türkei ist.

Fruchtbarer Halbmond ist die Heimat des Wilden Emmers

In der frühen Jungsteinzeit kommt es zur Domestizierung des Emmers. Funde in Tell Aswad (Syrien), in Abu Hureyra (Syrien) und Cayönü (Türkei) belegen diese Entwicklung. Die Pflanze wird seit mindestens 10.000 Jahren angebaut. Zunächst erfolgte der Anbau im Nahen Osten. Als sich allerdings Ackerbau und Viehzucht im Zuge der Neolithischen Revolution verbreiteten, kam der Emmer mit den ersten Bauern von Westpersien nach Ägypten. Von Nordafrika aus ging es über den Balkan (Griechenland, Bulgarien und Ungarn) bis nach Mitteleuropa. Emmer galt während des Römischen Reiches als „Weizen von Rom“. Doch er verlor bereits während der Bronzezeit immer mehr an Bedeutung. Die Anbauflächen gingen rapide zurück. Bis zum ersten Weltkrieg wurde diese Getreidesorte nur noch vereinzelt in Deutschland angebaut. Danach verschwand sie für mehrere Jahrzehnte so gut wie von der Bildfläche. Heute wird Emmer wieder vereinzelt im Rahmen von speziellen Projekten angebaut.

Emmer gehört aus botanischer Sicht zu den Gräsern. Seine Körner zählen wie die Nüsse zu den einsamigen Schließfrüchten. Die Pflanzen können bis zu 1,50 Meter hoch werden. Das gibt zwar viel Stroh, führt aber zu Problemen bei der Standfestigkeit. Abgeknickte Halme wiederum führen zu einem verringerten Ertrag. Pro Ärchen besitzt Emmer zwei Körner. Sie werden von Spelzen fest umschlossen und so vor Umwelteinflüssen geschützt.

Gesundes Urgeteide mit herzhaft, nussigem Geschmack

Als Getreide besitzt Emmer viel Eiweiß und Mineralstoffe. Das Korn ist für die Brotherstellung geeignet. Der Fachmann spricht hier von einem glasigen Korn, an dem er den hohen Proteinanteil und damit die Klebeeigenschaften erkennen kann. Emmer hat einen herzhaften, leicht nussigen Geschmack. Auch zur Bierherstellung kann das Getreide eingesetzt werden. Es gibt ein dunkles, trübes aber würziges Bier. Gekocht sind die Körner eine leckere Einlage für Suppen oder Eintöpfe. Sie können aber auch in Salate gestreut und in Aufläufen Verwendung finden.

Das aus Emmer gewonnene Mehl hat eine eher griesige Konsistenz. Damit eignet sich Emmer auch hervorragend zur Herstellung von Nudeln.
Mittlerweile erfolgt in der Landwirtschaft ein Umdenken. Es gibt mehrere Initiativen, die sich dafür einsetzen, dass die frühen Getreidesorten wieder verstärkt angebaut werden. Die Vorteile neben den guten Nährwerten liegen auf der Hand: Emmer hat in punkto Bodenart und pH-Wert keine besonderen Ansprüche. Er kommt mit steinigen Böden genauso gut klar wie mit Dürreperioden.  Idealerweise wird Emmer zwischen Mitte September und Mitte Oktober ausgesät. Die jungen Pflanzen vertragen Temperaturen von bis zu -20° C. In der Fruchtfolge bietet sich Emmer nach dem Anbau von Mais oder Kartoffeln an.

 


Der Emmer gehört in die Kategorie: Pflanze.

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Quellen:

 

Aktualisiert ( Mittwoch, 29. Februar 2012 um 08:14 Uhr )
 

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