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Das Riesennashorn Elasmotherium: Prototyp des Einhorns?

Das Riesennashorn Elasmotherium: Prototyp des Einhorns? (Wordle)

(Steinzeit-Lexikon/Tierlexikon). Das Elasmotherium gehörte zur Gattung der Nashörner und wird ebenfalls zur eiszeitlichen Megafauna gezählt. Die Tierart kam während des Pliozäns und Pleistozäns in Eurasien vor. Es bewohnte vor allem die Steppen Nordrusslands und Sibiriens. Die Tiere lebten in einer Zeitspanne von mehreren Millionen Jahren. Sie reichte von vor ca. 3,6 Millionen Jahren bis ca. 126.000 bis 50.000 Jahren, wo es in der ersten Hälfte der letzten Eiszeit aus bislang unbekannten Gründen ausstarb. Die Individuen der Gattung sahen etwas anders aus als wir heute von den Nashörnern gewohnt sind, denn sie hatten nur ein Horn und das befand sich auf der Stirn.
Der Artenname kommt aus dem Griechischen. Er setzt sich zusammen aus der Bezeichnung für Platte (elasmos) und Tier (therion). Der Name bezieht sich dabei nicht auf das riesige Horn sondern auf die besondere Struktur der Zähne.

Die Wissenschaft unterscheidet derzeit drei Arten aus der Gattung Elasmotherium:

  • Elasmotherium chaprovicum
  • Elasmotherium caucasicum
  • Elasmotherium sibiricum

Das Elasmotherium war ein großes und robustes Nashorn. Es konnte eine Schulterhöhe von zweieinhalb Metern erreichen. Die Tiere wurden bis zu sechs Meter lang und erreichten ein Gewicht von fast 8 Tonnen. Damit wurden sie fast so groß wie heutige Elefanten.
Im Verhältnis zum Körper waren die Gliedmaßen relativ lang. Wissenschaftler schließen daraus, dass die Tiere gute Läufer gewesen sein mussten. Vermutlich konnten sie auf kurzen Distanzen ordentliche Geschwindigkeiten erreichen. Die Hufe endeten in je drei Zehen. Der Körperbau war sehr kräftig. Fossile Funde zeigen, dass die Dornfortsätze an den Brustwirbeln Längen von 50 cm erreichten. An diesen Dornfortsätzen setze die Muskulatur zur Stabilisierung des Kopfes an. Dies zeigt auch, dass der Schädel sehr groß und sehr massiv war. Die Tiere hielten den Kopf schräg nach unten, wie wir das heute noch vom Breitmaulnashorn kennen. Der Kopf an sich glich einem Keil.

Prähistorische Riesennashörner von der Größe eines Elefanten

Ein besonders markantes Merkmal der fossilien Schädel ist die kuppelartige Erhöhung auf dem Stirnbein. Sie überragte den Schädel um ca. 15 Zentimeter und hatte einen Durchmesser von 25 bis 35 Zentimetern. Diese Erhöhung bildete einerseits die Basis für das Horn. Man spricht in diesem Fall auch von einem Frontalhorn. Die kuppelartige Erhöhung diente anderseits aber auch als Erweiterungsraum für die Geruchsorgane. Die Tiere hatten also einen feinen Geruchssinn, der ihnen half, leichter Nahrung zu finden. Das riesige Horn konnte sich leider bei den Fossilien nicht erhalten, da es aus Keratin bestand. Und Haare versteinern nun mal sehr schlecht. Man schätzt allerdings, dass das Horn eine Länge von bis zu 2 Metern erreichen konnte.

Wahrscheinlich waren Männchen und Weibchen unterschiedlich groß. Es gelang mittlerweile nachzuweisen, dass die Kühe einen schlankeren Schädelbau hatten. Vermutlich war ihr Horn kleiner als das der Bullen, denn die Schädelerhöhung war weniger prominent.

Screenshot Google-Bildersuche

Wie der Screenshot der Google-Bildersuche vom 03.03.2012 zeigt,
wird das Elasmotherium sehr oft mit einem dichten Fell dargestellt.
Es ähnelte in dieser Hinsicht wohl dem Wollhaarnashorn eher als den heutigen Rhinozerosen.

Das Gebiss von Elasmotherium würde heutzutage jeden Zahnarzt arm machen, denn es bestand nur aus zwei Vorbackenzähnen und drei Backenzähnen je Kieferbogen. Schneidezähne gab es im Gebiss von ausgewachsenen Tieren nicht mehr. Sie wurden durch flache plattenartige Knochenbildungen am Ober- und Unterkiefer ersetzt. Es kann sich dabei um so etwas wie Lippen handeln, die zum Zupfen von Gras gedeutet werden. Auffällig sind die Backenzähne. Sie haben eine deutlich rechteckige Form. Der Zahnschmelz war markant gefaltet. Diese Faltung führte dazu, dass die Gattung den Namen Elasmotherium erhielt. Dieser Zahnaufbau ähnelt eher dem der Pferde als dem der heute noch lebenden Nashörner.

Die Tiere waren Steppenbewohner, die sich hauptsächlich auf Gras spezialisiert hatten. Vermutlich verschmähten sie aber auch Kräuter und die Blätter von Büschen nicht. Gras an sich enthält wenig Nährstoffe. Deswegen waren die Tiere wahrscheinlich einen Großteil des Tages mit Fressen beschäftigt. Die Tierart kam allerdings auch in Südsibirien vor. Dort bewohnten sie die Auenwälder an den Flüssen und Seen. An diesen Lebensraum passte sich das Elasmotherium an und fraß Sumpfpflanzen.

Wurden Erzählungen von einem Elasmotherium von Generation zu Generation weitergegeben und bilden heute noch die Grundlage für die zentralasiatischen Legenden über Einhörner?

Vermutlich trugen die Tiere ein dickes Fell, um sich gegen die Kälte zu schützen. Davon gehen zumindest die Experten für die nördlichen Verbreitungsgebiete aus. In dieser Hinsicht ähnelte Elasmotherium dem Wollhaarnashorn. Mit diesem könnten sich die Tiere auch den Lebensraum geteilt haben.
Über die weitere Lebensweise der Tiere ist wenig bekannt. Experten gehen allerdings davon aus, dass die Hörner sich nicht für Dominanz- und Territorialkämpfe eigneten. Das wäre ein Gegensatz zu heutigen Nashörnern. Sicherlich gab es auch hier Dominanzverhalten, um eine Rangordnung unter den Tieren festzulegen. Allerdings müssen diese Drohgebärden sehr stark ritualisiert gewesen sein. Heutige Nashörner setzen ihr Horn teilweise zur Nahrungssuche ein. Elasmotherien konnten dies nicht, weshalb nach wie vor unklar ist, wozu das riesige Horn nützlich war.

Fakt ist, dass ein wütendes Elasmotherium ein beeindruckendes Geschöpf gewesen sein muss, dem man lieber nicht begegnete. Allerdings müssen die eurasischen Jäger und Sammler den Tieren begegnet sein bzw. deren Überreste gefunden haben. Es gibt daher einige Wissenschaftler, die es nicht für unwahrscheinlich halten, dass es einen wahren Kern in den Mythen und Legenden in Zentralasien gibt. In den Erzählungen gibt es riesige Einhörner und die Chancen, dass dies ursprünglich Elasmotherien waren, stehen nicht schlecht.

Wer ein Elasmotherium mal "live in action" sehen möchte, dem sei nachfolgendes Video der BBC-Serie "Prehistoric Park" ans Herz gelegt:

In der Folge "A Mammoth Undertaking" taucht eines der Riesennashörner bei Zeit 36 Minuten 50 Sekunden auf.

 


Das Elasmotherium gehört zur Kategorie: Tier.

Derzeit existieren leider keine Artikel auf H[AGE], in denen der Begriff "Elasmotherium" Erwähnung findet.

 


Quellen:

 

Aktualisiert ( Sonntag, 11. März 2012 um 08:27 Uhr )
 

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