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Zunderschwamm: Das brennt ja wie Zunder

Zunderschwamm: Das brennt ja wie Zunder (Wordle)

(Steinzeit-Lexikon). Der Zunderschwamm ist ein Pilz, der vorwiegend an alten, abgestorbenen Bäumen wächst. Er gehört zur Gattung Fomes, die wiederum zur Familie der Polyporaceae gehört. Seinen umgangssprachlichen Namen bekam der Pilz wegen seiner Verwendung als Zunder. Als Zunder bezeichnet man im Allgemeinen jedes sehr leicht brennbare Material, das zum Anzünden bzw. Entzünden von Feuer genutzt werden kann.
Zunderschwämme bilden mehrjährige, konsolenförmige Fruchtkörper. Diese Form führt dazu, dass man den Pilz im Volksmund auch als Elfenbänke oder Baumstühlchen bezeichnet. Weitere verwendete Namen sind Glimmschwamm, Zunderpilz, Zunderhut oder Zunderkugel.

Die Fruchtkörper des Zunderschwammes können bis zu 30 Jahre alt werden und eine Breite von 10 bis 30 Zentimetern erreichen. In Ausnahmefällen wurden auch schon Exemplare mit einer Breite von 60 Zentimetern und einer Dicke von 20 Zentimetern entdeckt. Die Fruchtkörper sind an der Oberseite hell- bis dunkelgrau. Alte Zunderschwämme können fast ganz schwarz werden. Die Unterseite ist oft leicht nach innen gewölbt. Sie besteht aus einer glatten Porenschicht, die grau- bis ockerbraun gefärbt ist.

Im Pilzinneren befindet sich das weiche, eigentliche Pilzgeflecht des Myzelialkerns. Dieser wird von einer verhältnismäßig dünnen, so genannten Tramaschicht umgeben. Sie erstreckt sich über den gesamten Bereich unter der Kruste.

Zunderschwamm findet sich vor an Laubbäumen. Sein Lieblingsbaum sind alte Buchen.

Der Zunderschwamm ist ein sogenannter Schwächeparasit bei Laubhölzern. Man findet ihn deshalb vor allem an alten, am Absterben inbegriffenen Bäumen. Am liebsten besiedelt der Pilz in Mitteleuropa die Robbuche. Er kommt aber auch an Birken und Pappeln häufiger vor.
Er bevorzugt ältere Wälder mit Buchen, Tannen-Buchen oder Hainbuchen-Eichen-Wälder. Aber auch in Mooren und Heiden bzw. in Birkenbeständen ist der Zunderschwamm heimisch. Er mag allerdings deutlich weniger Erlen-Auwälder oder beschattete Hänge. Über Ast- und Stammwunden dringt der Pilz in die Wirtbäume ein. Er verursacht im Kernholz eine intensive Weißfäule, die dazu führt, dass der Baum häufig in mehreren Metern Höhe abbricht. Letztlich kann der Zunderschwamm im abgestorbenen Baum noch längere Zeit als Saprobiont weiterleben.
Der Pilz kommt in Asien, Nordamerika und Europa häufig vor. Außerdem ist er in Nordafrika und den Kanarischen Inseln (Spanien) anzutreffen. In letzter Zeit mehreren sich die Stimmen, die den Zunderschwamm durch die starke forstwirtschaftliche Verjüngung der Wälder in Gefahr sehen, weil ihm immer weniger geeignete Bäume zur Besiedlung zur Verfügung stehen.

Bereits im Neolithikum wurde der Pilz genutzt. Begehrt als Feueranzünder war und ist die Trama, die locker-filzige Mittelschicht. Zunderschwämme wurden bei Pfahlbau-Siedlungen in Schweden und in Deutschland entdeckt. Zusammen mit einem Feuerstein und Pyrit gehörte der Zunderschwamm zur Grundausrüstung der Jäger und Sammler in der Steinzeit.

Einst gab es eine regelrechte Zunderschwammindustrie

Später wurde der Zunderschwamm aufwändiger verarbeitet. Zunächst wurde er eingeweicht und gekocht, danach geklopft und in Salpeterlösung oder Urin eingelegt und anschließend getrocknet. Diese Behandlung hatte zur Folge, dass er noch schneller entflammbar war.
Unbehandelter Zunder wurde im Mittelalter und in der Neuzeit aber auch zu Westen und Kappen verarbeitet. In Apotheken wurde er bis ins 19. Jahrhundert als Fungus chirurgorum – also als Wundschwamm – verkauft und als blutstillende Wundauflage genutzt. Die Nachfrage damals war so groß, dass eine regelrechte Zunderschwamm-Industrie entstand. Der Pilz wurde in einigen Gebieten Deutschlands zur Rarität und musste beispielsweise aus Ungarn importiert werden.

 


Der Zunderschwamm gehört in die Kategorie Werkzeug/Kultur.

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Quellen:

 

Aktualisiert ( Sonntag, 11. März 2012 um 18:03 Uhr )
 

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