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Deinotherien: Urtümliche Rüsseltiere mit Hauern als Stoßzähne

Deinotherien: Urtümliche Rüsseltiere mit Hauern als Stoßzähne (Wordle)

(Steinzeit-Lexikon/Tierlexikon). Deinotherien bzw. Dinotherien waren mächtige Rüsseltiere, die vom Oligozän bis zum Pleistozän lebten. Ihr besonderes Merkmal brachte ihnen auch den Zweitnamen „Hauerelefanten“ ein. Der Name selbst stammt aus dem Griechischen. Er setzt sich aus den Wörtern deinos für Schrecken und therion für Tier zusammen. Die Deinotherien werden in drei Gattungen unterteilt:

  • Chilgatherium
  • Prodeinotherium
  • Deinotherium

Deinotherien entwickelten sich mit zu den größten Landsäugetieren ihrer Zeit. Anfangs erreichte die frühe Elefantenart nur eine Schulterhöhe zwischen 2 bis 2,5 Metern. Spätere Vertreter schafften dann locker eine Höhe von 3,6 bis weit über 4 Meter. Vermutlich gab es einen ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus, so dass Bullen deutlich größer wurden als Kühe. Die Tiere konnten ein Gewicht von bis zu 17 Tonnen erreichen.

Nicht nur von der Größe sondern auch vom Aufbau des Skeletts ähnelten Deinotherien heutigen Elefanten. Auch sie besaßen säulenförmige aber schlanke Gliedmaßen. Die Vorderbeine waren dabei länger als die Hinterbeine. Die Hand- und Fußknochen waren außerdem kurz und breit. Allerdings wiesen Deinotherien einen längeren Hals als heutige Elefanten auf, da bei ihnen die Länge der Halswirbel noch nicht so stark reduziert war.
Doch auch ihr Hals musste einen sehr langgestreckten Schädel tragen. Er konnte eine Länge von 80 bis 90 cm bei einem Prodeinotherium erreichen. Beim  Deinotherium kam er sogar auf eine Länge von 12 bis 130 cm.

An den fossilen Funden konnte ein weiteres, sehr ursprüngliches Merkmal der Rüsseltiere nachgewiesen werden: Die flache Stirn. Bei späteren Arten bildete sie sich deutlich höher aus. Bei Deinotherien kann allerdings eine weitere Evolutionsstufe bereits nachgewiesen werden. Die Anatomie des riesigen Schädels zwang zum Einsparen von Gewicht. Deshalb besaßen die Tiere bereits die für Rüsseltiere typischen luftgefüllten Räume im Schädelknochen.

Als Rüsseltiere waren die Deinotherien mit die größten Landsäugetiere aller Zeiten

Sehr ausgeprägt war langgestreckte Unterkiefer. Hier befanden sich auch die Ansätze der Stoßzähne. Deinotherien besaßen einen sehr charakteristischen Gebissaufbau mit wenigen Zähnen. Die Backenzähne bestanden aus mehreren scharfkantigen Leisten und Jochen. Durch die Joche, die genau in das Quertal des gegenüberliegenden Zahnes passten, zerquetschten die Pflanzenfresser die Nahrung mehr als das sie sie kauten.

Ein Deinotherium war von anderen Rüsseltieren leicht durch sein markantestes Merkmal unterscheidbar: die sich im Unterkiefer befindenden abwärts gebogenen Stoßzähne. Von ihrer Form leitet sich die deutsche Bezeichnung Hauerelefant ab. Während der Evolution entwickelte sich hier der erste Schneidezahn zum Stoßzahn, der eine Länge von 1,4 m erreichen konnte. Im Durchmesser konnten die Stoßzähne eine Größe von 13 bis 17 cm erreichen.
Die Stoßzähne des Oberkiefers, die man sowohl bei den heutigen Elefanten als auch bei anderen fossilen Rüsseltieren wie Mastodon oder Gomphotherien findet bzw. fand, fehlen bei Deinotherien komplett.

Alle anderen Aussagen in Bezug auf Aussehen und Körperbau sind spekulativer Natur, da sich - anders als beispielsweise bei Mammuts - kein organisches Material erhalten hat. So können Wissenschaftler das Aussehen und die Länge des Rüssels nur schwer rekonstruieren. Einige Schädelmerkmale wie beispielsweise die Größe der Nasenöffnung sprechen dafür, dass die Tiere einen Rüssel gehabt haben müssen. Vermutlich aber hat er nicht die Länge eines Rüssels heutiger Elefanten erreicht. Manche Forscher beschränken sich daher auf einen tapierähnlichen Rüssel. Dagegen wiederum spricht, dass einige spätere Deinotherien-Vertreter sehr groß waren und sie mit dem Rüssel zumindest das Trinkwasser erreichen mussten.

Screenshot Google-Bildersuche: Deinotherium

Der Screenshot der Google-Bildersuche vom 10.04.2012 beweist,
dass man sich bei der Darstellung eines Deinotheriums bei der Länge des Rüssels nicht ganz einig ist.
Einige Künstler sehen eher zeigen eher einen Rüssel, der einem Tapir ähnelt,
andere wiederum zeichnen die Tiere mit einem langen Rüssel, der an Elefanten erinnert.

Besaßen sie einen langen Rüssel wie ein Elefant oder einen kurzen Rüssel wie ein Tapir?

Die Tiere waren wohl Waldbewohner, die sich auch in Auenwälder wohlfühlten. Das belegen die langen, schlanken Beine aber auch die Gebissstruktur. Diese weist darauf hin, dass die Rüsseltiere weiche Pflanzennahrung benötigten. Blätter, Zweige und Rinde ließen sich mit dem Gebiss leicht zerquetschen. Vermutlich mussten sich die späteren Deinotherien an das sich abkühlende Klima anpassen und auch in offenen Gebieten und parkähnlichen Landschaften klarkommen. Diese Veränderung des Lebensraumes und die Anpassung daran erklärt letztlich auch die beobachtbare Größenzunahme.

Lange Zeit war es für die Wissenschaftler ein Rätsel, den Stoßzähnen eine Funktion zuzuschreiben. Ursprünglich vermuteten einige Forscher eine semi-aquatische Lebensweise. Die Stoßzähne hätten in dem Fall als Grabwerkzeuge in sumpfigen Wäldern dienen können. Allerdings hätten sich die Tiere dabei hinknien müssen, was so gut wie ausgeschlossen werden kann, da sie so eine leichte Beute für Raubtiere gewesen wären.
Dennoch standen die Stoßzähne höchstwahrscheinlich mit der Nahrungsaufnahme in Verbindung. Vermutlich nutzten die Tiere die hauerartigen Stoßzähne zum Heranziehen und Festhalten von Zweigen und Ästen. Die konnten dann mit dem Rüssel abgebrochen und verzehrt werden.

Wozu dienten die nach unten gebogenen hauerähnlichen Stoßzähne?

Einige fossile Funde weisen außerdem Abnutzungsspuren bzw. sogar Beschädigungen auf. Mancher Forscher sieht in den Abnutzungsspure einen Beweis, dass mit den Stoßzähnen Baumrinde abgeschält wurde. Die Beschädigungen werden mit dem Entwurzeln und Spalten ganzer Bäume in Verbindung gebracht. Ein solches Verhalten ist auch von heutigen Elefanten bekannt. Ein Einsetzen der Stoßzähne im Paarungs- und Dominanzkampf wird von den Experten ausgeschlossen.
Vermutlich lebten Deinotherien in kleinen Herden zusammen. Die großen Bullen waren ähnlich wie bei heutigen Elefanten Einzelgänger und stießen nur zur Paarungszeit zu den Herden mit den Kühen und Jungtieren hinzu.

Die bislang ältesten Deinotherien-Fossilien wurden in Ostafrika gefunden und auf ein Alter von rund 27 bis 29 Millionen Jahre datiert. Es handelt sich dabei um ein Chilgatherium, das im Oligozän lebte. Seinen Namen verdankt das Chilgatherium dem Fundort. Dieser frühe Vertreter der Deinotherien wurden in Chilga in Äthiopien gefunden. Von ihm blieb aber nicht viel mehr als einige Zähne erhalten.
Im frühen Miozän lebte Prodeinotherium. Im Vergleich zu seinem Vorgänger war es bereits deutlich Größer. Es lebte vor mehr als 18 Millionen Jahren in Kenia. Allerdings emigrierte dieser Vertreter der Deinotherien durch die Bildung von Landbrücken von Afrika nach Eurasien. Er war also das erste Rüsseltier, das Afrika verließ. Einige Individuen erreichten sogar den Indischen Subkontinent.
Noch ist unbekannt, ob Deinotherium sich unabhängig erneut in Afrika entwickelte und dann über die Alte Welt ausbreitete. Erste Funde werden auf ein Alter von 15 Millionen Jahre geschätzt. Sie stammen aus Frankreich. Die bislang ältesten Funde in Afrika sind rund 12 Millionen Jahre alt und wurden in Kenia entdeckt. Deinotherium lebte allerdings wie sein Vorgänger Prodeinotherium auf allen drei Kontinenten der alten Welt: Afrika, Europa und Asien. Anders als andere Vertreter der Rüsseltiere schafften Deinotherien niemals die Ausbreitung auf den amerikanischen Kontinent.

Deinotherien waren die ersten Rüsseltiere, die den Afrikanischen Kontinent verließen und sich auch in Europa und Asien ausbreiteten

Proedeinotheirum starb bereits vor 10 Millionen Jahren aus. Die späteren Vertreter der Gattung Deinotherium konnten sich in Asien bis ins späte Miozän halten. Sie verschwanden auf diesem Kontinent vor rund 7 Millionen Jahren. In Europa überlebte die Population am längsten und starb erst im späten Pliozän vor ca. 1 Million Jahre aus. Damit wandelten die Deinotherien beinahe 30 Millionen Jahren auf Erden. Letztlich wurde der Gattung wahrscheinlich die Verschlechterung des Klimas am Übergang vom Pliozän zum Pleistozän zum Verhängnis. Das Klima wurde saisonaler und die Steppen breiteten sich aus. Den ehemaligen Waldbewohnern fehlte schließlich die Nahrungsgrundlage.

Dinotherien können also durchaus noch auf menschliche Vorfahren getroffen sein. Möglicherweise musste sich der eine oder andere Australopithecinen vor einem wütenden Deinotherium in Acht nehmen. Einige Forscher vermuten auch, dass gefundene Überreste der Tiere zur Legendenbildung im antiken Griechenland beitrugen. So könnten sie die Vorstellung der Griechen von Riesen und Titanen beeinflusst haben.

Wer einmal ein Deinotherium live in Action sehen möchte, der sollte sich die BBC-Serie "Walking with Beast" anschauen. Im nachfolgenden Video treten die mächtigen Rüsseltiere bei Zeitstempel 0:35 ins Bild.

 


Deinotherien/Dinotherium gehört in die Kategorie: Tiere.

Artikel auf H[AGE], in denen der Begriff "Deinotherien/Dinotherium" vorkommt:

 


Quellen:

Aktualisiert ( Dienstag, 10. April 2012 um 16:40 Uhr )
 

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