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Homotherium: Die Scimitarkatze

Homotherium: Die Scimitarkatze

(Steinzeit-Lexikon/Tierlexikon). Die Gattung Homotherium gehört mit zu den ausgestorbenen Säbelzahnkatzen. Sie lebte während des Pliozäns bis zum Pleistozän. In der Literatur findet sich neben dem Namen Homotherium oft auch noch die Bezeichnung Scimitarkatze. Die Überreste der Art wurden auf den Kontinenten Afrika, Asien, Europa und Amerika gefunden. Die Tiere erreichten ungefähr die Größe eines Löwen. In Amerika überlebten die letzten Individuen bis zum Ende der letzten Eiszeit. Sie starben somit ungefähr vor 12.000 Jahren aus.

Ein Homotherium erreichte eine beachtliche Größe. Vor allem die Tiere im Altpleistozän wurden sehr groß. In Untermaßfeld (Thüringen/Deutschland) fand man Fossilien, die auf ein Lebendgewicht von 200 bis 400 Kilogramm geschätzt werden. Die Tiere schafften eine Schulterhöhe von ungefähr 110 Zentimetern. Das entspricht in etwa der Größe eines heutigen Löwen bzw. Tigers.

Das Aussehen eines Homotheriums war durchaus katzenartig. Doch verglichen mit anderen Säbelzahnkatzen wies die Scimitarkatze doch einige Besonderheiten auf. Bei der Art handelte es sich um ziemlich große und kräftige Tiere. Dennoch waren sie wahrscheinlich deutlich schlanker und hochbeiniger als die Individuen der Arten Smilodon und Megantereon. Ähnlich wie bei Smilodon waren die Vorderbeine des Homotheriums länger als die Hinterbeine. Die Rückenlinie war daher ebenfalls abfallend. Homotherium hatte jedoch relativ kurze Eckzähne. Sie waren stärker gekrümmt, flach, gezackt und messerscharf. Die Eckzähne waren damit gefährliche Waffen, die dem Opfer sowohl Reiss- als auch tiefe Stoßwunden zufügen konnten. Die Backenzähne waren schwach ausgebildet. Experten gehen davon aus, dass Homotherium sie nicht nutzen konnte, um damit Knochen zu zerbeißen. Im Vergleich zu einem Smilodon besaßen die Tiere einen langgestreckteren Schädel. Typisch für die Säbelzahnkatzen war der ebenso vorhandene, kurze Schwanz.

War Homotherium als Großkatze ein ausdauernder Läufer?

Vermutlich konnte Homotherium seine Krallen nicht vollständig einziehen. Dies stellt die Wissenschaft vor ein Rätsel, denn es ist unklar, wozu dies gut gewesen sein soll. Einige vermuten, dass die Krallen - ähnlich wie bei heutigen Hunden und Hyänen - als eine Art Spykes dienten und damit ausdauernde Verfolgungen der Beute möglich waren.

Die frühesten Funde von Homotherium werden auf ein Alter von 5 Millionen Jahren geschätzt und stammen aus Afrika. Dort kann sich die Art aus der Art Machairodus entwickelt haben. Bis ins Pleistozän kamen verschiedene Homotherium-Unterarten auch in Eurasien und Nordamerika vor.

Homotherium latidens

In Eurasien fand man eine Reihe von Fossilien, die zunächst verschiedenen Arten zugeschrieben wurden, da sie sich vor allem in der Körpergröße und der Form der Eckzähne unterschieden. In jüngster Vergangenheit betrachtete man die Funde neu und beachtete dabei die Schwankungsbreite bei der Körpergröße innerhalb der Art bei heute lebenden Großkatzen. Damit wird es nicht unwahrscheinlich, dass alle Funde letztlich zu der einen Art Homotherium ladidens gehören.

Die Fossilienfunde ergeben folgendes Gesamtbild: Homotherium latidens war ein europäischer Vertreter der Säbelzahnkatzen. Die Tiere waren vermutlich weit in Europa verbreitet. So gibt es zwar viele Funde einzelner Fragmente, dennoch sind nur wenige Skelette vollständig erhalten geblieben. Die letzten Individuen der Art starben vor ca. 500.000 bis 300.000 Jahren aus. Allerdings bringt ein Fund aus dem Jahr 2000 diese Theorie ins Wanken. Denn in der Fahrrinne zum Rotterdamer Hafen ging Fischern ein besonderer Fang ins Netz. Sie holten den Unterkiefer eines Homotherium latidens aus dem Wasser. Dieser wird auf ein Alter von 28.000 Jahren geschätzt. Sollte der Fund tatsächlich von Anfang an am Grund der Nordsee gelegen haben und nicht erst in der Neuzeit vom Menschen an diese Stelle verfrachtet worden sein, so wären die Cro-Magnon-Menschen noch auf diese Säbelzahnkatzen-Art gestoßen und hätten sich vor ihr in Acht nehmen müssen. Für die Theorie, dass Homotherium bis ins Pleistozän in Eurasien überlebt haben könnte, spricht auch ein anderer Fund. In der Höhle von Isturitz in den Pyrenäen (Frankreich) entdeckte man eine 16 cm große Figur, die in der Schnauzenpartie an eine Säbelzahnkatze erinnert. Ob es sich dabei tatsächlich um Übereinstimmungen mit Homotherium handelt, darüber streiten sich die Experten. Denkbar ist durchaus, dass damit ein Höhlenlöwe abgebildet werden soll. Die Figur weist nämlich die für Höhlenlöwen charakteristische Rückenlinie auf. Bei Darstellung einer Säbelzahnkatze müsste sie eine abfallende Rückenlinie haben. Auffallend ist weiterhin, dass viele Höhlenmalereien und jungpaläolithische Plastiken zwar Großkatzen nachbilden. Hierbei allerdings keine weitere Abbildung eine Säbelzahnkatze darstellt. Alle anderen Abbildungen werden als Höhlenlöwen gedeutet. Sollte also Homotherium bis ins Jungpleistozän in Eurasien überlebt haben, so muss es sehr selten gewesen sein.

Homotherium serum

In Nordamerika lebte Homotherium serum. Fossilien der Tiere wurden zwischen Alaska und Texas entdeckt. Früher wurde Homotherium serum auch als Dinobastis bezeichnet. Diese Bezeichnung ist heutzutage überholt.
Die Forschung geht davon aus, dass sich im südlichen Nordamerika Homotherium und Smilodon einen Lebensraum teilten. Im nördlichen Teil des Doppelkontinents allerdings war die Art die einzige Säbelzahnkatze. Homotherium überlebte in Nordamerika bis vor etwa 12.000 Jahren. Dadurch dürften die ersten Bewohner Amerikas und die Clovis-Kultur den Tieren noch begegnet sein.
Ein bekannter Fundort von Homotherium serum ist die Friesenhahn-Höhle in Texas (USA). Hier blieben neben den Überresten von hunderten von jungen Mammuts auch 30 Skelette von Homotherium sowie etliche Exemplare des pleistozänen Wolfes Canis dirus erhalten. Diese Fundstelle lässt darauf schließen, dass zumindest die Jungtiere der Mammuts auf dem Speiseplan von Homotherium standen.

Vor kurzem gelang es auch, Homotherium erstmals in Südamerika nachzuweisen. Die Fossilien wurden gemeinsam mit anderen Arten wie dem Smilodon gefunden. Die Tiere müssen sich einen Lebensraum geteilt haben, der den heutigen Llanos und damit einer Savanne glich.

Jagte Homotherium im Team die Mammut-Jungtiere?

Über die Lebensweise von Homotherium lässt sich eigentlich nur spekulieren. Die Funde aus der Friesenhahn-Höhle lassen den Schluss zu, dass die Raubkatze Jagd auf junge Präriemammuts machte. Die Mammuts hatten alle ein Alter von ungefähr 2 Jahren. Dies entspricht ziemlich genau dem Alter, in dem junge Elefanten anfangen, sich etwas abzunabeln. Sie entfernen sich langsam immer weiter von ihren Müttern und wagen erste Erkundungen abseits der Herde. Aus Afrika weiß man, dass Löwen oft Jagd auf junge Afrikanische Elefanten machen, die sich genau in diesem Alter befinden. Von daher ist ein Vergleich der Ernährungs- und Jagdweise von Homotherium und Löwe nicht unlogisch.

Man vermutet, dass die Säbelzahnkatzen im Hinterhalt lauerten bis sich ein Jungtier von der Herde entfernte. Dann wurde es abseits überrascht und mit den langen Eckzähnen schnell tödlich verwundet. Die toten Jungmammuts schleiften dann vor allem die Mütter zur Versorgung der Jungen in die Höhle. In den Höhlen wurden außer den Mammuts nur wenige andere Beutetiere entdeckt. Dadurch kann eigentlich ausgeschlossen werden, dass sich Homotherium nur von verendeten Tieren ernährte. Aasfresser hätten sich unmöglich derart auf eine bestimmte Beute spezialisieren können. Diese Spezialisierung könnte der Art letztlich aber auch zum Verhängnis geworden sein. Als nämlich die großen Rüsseltiere ausstarben, verschwand auch Homotherium.

Forscher gehen davon aus, dass die Tiere im Rudel jagten. Eine so große Beute lässt sich bei der schlanken Körperstatur nur im Verband jagen – ähnlich wie das heutige Löwen noch immer praktizieren. Die nach hinten abfallende Rückenlinie, der schlanke Bau der Gliedmaßen sowie die schwachen Krallen deuten darauf hin, dass Homotherium ein ausdauernder Läufer war, der offene Steppen als Lebensraum bevorzugte.

 


Homotherium gehört in die Kategorie: Tiere.

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Quellen:

 

Aktualisiert ( Mittwoch, 02. Mai 2012 um 19:50 Uhr )
 

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