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Megantereon: Die Raubkatze mit dem irreführenden Namen "Europäische Säbelzahnkatze"

Megantereon: Die Raubkatze mit dem irreführenden Namen

(Steinzeit-Lexikon/Tierlexikon). Megantereon gehörte zur dem Säbelzahnkatzen. Die Art lebte während des Pliozäns und Pleistozäns also vor etwa 5 Millionen bis 500.000 Jahren. In der Literatur wird Megantereon auch als „Europäische Säbelzahnkatze“ bezeichnet. Dieser Name ist jedoch irreführend. Zum einen weil die Art auch durch Überreste in Afrika, Asien, Europa und Nordamerika nachgewiesen ist. Damit kann nicht von einer Beschränkung des Lebensraumes auf Europa ausgegangen werden. Zum anderen gab es in Europa verschiedene Arten von Säbelzahnkatzen, sodass nicht von der Europäischen Säbelzahnkatze schlechthin gesprochen werden kann.

Megantereon wird als Vorfahre der amerikanischen Smilodons angesehen. Man geht deswegen davon aus, dass die Tiere in ihrem Erscheinungsbild sehr den Nachfahren ähnelten. Allerdings erreichte Megantereon nicht die Ausmaße eines Smilodons. In Senéze in Frankreich fand man neben dem gut erhaltenen Skelett eines Homotheriums auch das vollständige Skelett eines Megantereons. Demnach kamen die Tiere auf eine Schulterhöhe von ca. 70 Zentimetern. Vom Kopf bis zum Rumpf-Ende maßen die Tiere um die 120 Zentimeter. Ihre Ausmaße entsprechen damit denen eines heute lebenden Jaguars. Im Vergleich zu dieser Katzenart waren die Knochen von Megantereon jedoch massiger. Dies spricht für einen deutlich muskulöseren Körperbau. Die Vordergliedmaßen waren in etwa so groß wie die heutiger Löwen. Die Hintergliedmaßen waren dagegen schwächer. Im seitlichen Profil bekam Megantereon damit eine abfallende Rückenlinie. Wie alle Säbelzahnkatzen besaß auch diese Art einen kurzen Schwanz wie die heutigen Luchse. Am Unterkiefer hatten die Tiere stark ausgeprägte, lappenartige Zahnscheiden. Diese dienten wohl dazu, die langen Eckzähne zu schützen.

Die größten Exemplare der Gattung lebten in Indien. Sie brachten es auf ein Gewicht von 90 bis 150 Kilogramm. Eher mittelgroße Individuen sind aus dem restlichen Eurasien bekannt. Die kleinsten Formen kamen in Nordamerika, Afrika und Europa vor. Sie wurden nur 55 bis 70 Kilogramm schwer. Diese Schätzungen beruhen letztlich aber nur auf einem Vergleich, bei dem man die Größe der Reißzähne heutiger Katzen mit denen der Funde ins Verhältnis setzte. Nimmt man jedoch das Körperskelett als Grundlage für die Vergleiche, so fallen die Schätzwerte deutlich höher aus. Demnach wären selbst kleinere Formen von Megantereon bis zu 100 Kilogramm schwer geworden. Durchschnittliche Tiere kommen so auf ein Gewicht zwischen 100 bis 160 Kilogramm.

Megantereon entwickelte sich vermutlich zuerst in Afrika und wanderte dann bis nach Nordamerika

Lange Zeit nahm man an, dass sich Megantereon vor ca. vier bis fünf Millionen Jahren in Nordamerika entwickelte und von dort aus nach Eurasien und Afrika einwanderte. Die ältesten Funde aus Afrika haben ein Alter von drei bis 3,5 Millionen Jahren. Funde aus jüngerer Zeit jedoch belegen, dass die Art mit 5,7 bis 7 Millionen Jahren deutlich älter ist. Laut diesen Funden war es genau umgekehrt. Megantereon entwickelte sich zunächst im späten Miozän in Afrika und breitete sich von dort aus weiter aus. In Nordamerika entwickelte sich aus der Art später der Säbelzahntiger Smilodon. Während Smilodon erst zum Ende der letzten Eiszeit vor ca. 10.000 Jahren von der evolutionären Bildfläche verschwand, ereilte Megantereon dieses Schicksal schon sehr viel früher – nämlich im mittleren Pleistozän. Die jüngsten Funde in Ostafrika sind etwa 1,5 Millionen Jahre alt. In Südafrika hat die Art länger überdauert. Dort wurden Fossilien in der Fundstelle Elandsfontain nachgewiesen, die auf ein Alter von 700.000 bis 400.000 Jahren datiert wurden. In Europa stammt der jüngste Nachweis eines Megantereon aus Thüringen. Die in Untermaßfeld (Deutschland) gefundenen Überreste haben ein Alter von ca. 900.000 Jahren. In Asien überlebte die Großkatze bis vor ca. 500.000 Jahren. In der Fundstelle Zhoukoudian (China) wurde sie zusammen mit Homo erectus nachgewiesen.

Bis heute ist nicht eindeutig geklärt, ob sich Megantereon in mehrere Unterarten aufspaltete oder eine einzige Art bildete. Die Funde aus Afrika und Eurasien scheinen alle zu einer Art zu gehören. Diese wurde auf den Namen Megantereon cultridens getauft. Bei den amerikanischen Funden lässt sich dies nicht genau sagen. Hier sind viele Fossilien nur unvollständig erhalten geblieben. Experten gehen jedoch auf Grund der immensen Größenunterschiede und der verschiedenen Merkmalen im Zahnbau von drei eigenständigen Arten aus, die in unterschiedlichen Regionen und Epochen lebten:

  • Megantereon cultridens aus Nordamerika, Asien und dem europäischen Pliozän
  • Megantereon whitei aus Afrika und dem europäischen Unterpleistozän
  • Megantereon falconeri aus Indien

Über die Lebensweise der Großkatzen ist nicht viel bekannt. Man geht davon aus, dass sie größere Paarhufer und Wildpferde jagten. Vermutlich standen aber auch die Jungtiere von Nashörnern und Elefanten mit auf dem Speiseplan.

 


Meganteroen gehört in die Kategorie: Tier.

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Quellen:

Aktualisiert ( Montag, 30. April 2012 um 10:01 Uhr )
 

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