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Fundstätte Geiseltal: Wertvolle Fosilien im Kohleflöz eingeschlossen

Fundstätte Geiseltal: Wertvolle Fosilien im Kohleflöz eingeschlossen (Wordle)

(Steinzeit-Lexikon). Das Geiseltal liegt in Sachsen-Anhalt – genauer westlich von Merseburg und damit im Saalekreis. Die in Mücheln entspringende Geisel ist Namenspatronin. Sie fließt nach ca. 17 km in die Saale. Im Geiseltal liegen Braunsbedra und Mücheln.

Vor ca. 56 bis 34 Millionen Jahren lag das Geiseltal nahe einer Küste eines Meeres. Das Klima damals war subtropisch. Es gab viele, mächtige Wälder, aus denen sich im Laufe der Zeit Braunkohle bildete. Dieser Vorgang dauerte ungefähr fünf bis acht Millionen Jahre und wurde durch die Aufschiebung der Bruchschollengebirge Erzgebirge, Vogtland und Harz begünstigt. Mehrere Kohleflöze entstanden, in denen aber auch die Geiseltalfauna konserviert wurde.

Im Pleistozän, also vor rund 2,6 Millionen Jahren bis 120.000 Jahren lagerten sich mächtige Sedimentschichten ab. Mehrmals wurde das Geiseltal unter dem Eis der Eiszeiten begraben. Als sich das Eis zurückzog blieb Geschiebematerial liegen. Dieses Sediment türmte sich bis zu 50 m auf und bildet heute das Deckgebirge des Geiseltals. Die Weichselkaltzeit als letzte Kaltzeit drang nicht mehr bis in das Gebiet vor. Dennoch brachte dieses Ereignis eine vier bis sechs Meter hohe, sehr fruchtbare Lößschicht in das Gebiet ein.

Der Braunkohletagebau brachte es ans Licht: Im Geiseltal haben sich Fossilien besonders gut erhalten

Im Geiseltal selber wurde über mehrere Jahrhunderte hinweg Braunkohle gefördert. Im 20. Jahrhundert galt die Region rund um das Geiseltal als eines der größten zusammenhängende Bergbauareale in Deutschland. Die immensen Kohlevorkommen und die günstigen Transportbedingungen sorgten dafür, dass sich mehrere Chemiebetriebe ansiedelten. Noch heute produzieren die Leuna-Werke. Der letzte Tagebau wurde erst 1993 geschlossen. Seitdem wird Kohle nicht mehr im Geiseltal gefördert. Vermutlich wurden mehr als 1,4 Milliarden Tonnen Braunkohle gefördert. Genausoviel Abraum musste im gleichen Zeitraum bewegt werden. Die Sanierung der Tagebaue erfolgte in den 1990er Jahren. 2003 erfolgte beispielsweise die Flutung eines Restloches zum Geiseltalsee. Er ist der zwölftgrößte See in Deutschland. Im Laufe der Zeit hat sich die Natur das Refugium zurückerobert. Es sind fast so vielfältige Landschaften wie einst entstanden. Und diese faszinieren noch immer die Wissenschaft.

Die bis zu 120 Meter mächtigen Kohleflöze enthielten viele gut erhaltene Fossilien des mittleren Eozäns. Sie wurden 1914 erstmals beschrieben und seit 1925 auch in Ausgrabungen geborgen. Die geretteten Fossilien stammen aus 59 Einzelfundstellen. Es handelt sich dabei um ein riesiges Puzzle mit 30.000 Teilen. Mittlerweile ergibt sich ein recht klares Bild. So fand man ca. 125 verschiedene Tierarten, unter denen sich wiederum viele Wirbeltiere befinden. Neben der Grube Messel in der Nähe von Darmstadt gehört daher das Geiseltal zu den wichtigsten Fundorten für Fossilien aus der Zeit vor 45 Millionen Jahren.

Prähistorischer Artenreichtum: Flora und Fauna vor 50 Millionen Jahren

Wichtige Funde sind beispielsweise das vollständig erhaltene, 60 Zentimeter große Urpferd Propalaeotherium, Godinotia  (fossile Lemuren), Lophiodon ( ein Tapir-ähnliches Wesen), Amphirhagatherium (ein früher Paarhufer), Oxyaenoides (Urraubtier), Asiatosuchus  (Krokodil), Geoemyda  (Erdschildkröte), … Für die Wissenschaft ein Glücksfall ist, dass teilweise nicht nur die reinen Knochen erhalten geblieben sind, sondern auch Weichteile wie Haut, Muskulatur, Haare und Federn teilweise sogar Blutkörperchen konserviert wurden. Neben den versteinerten Überresten der Fauna blieben auch die Teile der Flora erhalten. Um die fragilen Funde überhaupt bergen zu können, wurde in den 1930er Jahre die sogenannte Lackfilmmethode entwickelt.

Neben dem Schaufenster in den Eozän und Tertiär gibt das Geiseltal aber auch einen Einblick in das Leben im Pleistozän frei. So versteinerten auch die Kadaver von pleistozänen Säugetieren. So fand man 20 Skelette von Europäischen Waldelefanten genauso wie die Überreste von 100 Damhirschen. Auch ein vollständig erhaltener Auerochse wurde entdeckt. Die Ablagerungen des Fundplatzes Neumark-Nord-I sind für die Forschung sehr bedeutend, denn hier können alle drei Nashornarten in Mitteleuropa vorkommenden Nashornarten (Wollnashorn, Steppennashorn, Waldnashorn) nachgewiesen werden. Damit ist belegt, dass sich die Tiere durchaus einen Lebensraum teilten.

Auch menschliche Spuren im Geiseltal nachgewiesen

An einigen Fossilien lassen sich Schnittspuren nachweisen. Sie stammen von Steinwerkzeugen aus Feuerstein und sind ein Beleg dafür, dass das Geiseltal bereits im Pleistozän von menschlichen Vorfahren besiedelt war. Mit Hilfe der Werkzeuge wurden wohl die erlegten oder verendeten Tiere tranchiert. Die als Levalloistechnik bezeichnete Abschlagtechnik ist besonders für Neandertaler typisch.

Tausende Feuersteinartefakte und zerschlagene Tierknochen fanden sich in der Fundstelle Neumark-Nord-II im untersten Fundhorizont. Die Knochen konnten folgenden Arten zugeordnet werden: Wisent, Auerochse, Wildpferd, Hirsch, Waldelefant, Bär und Höhlenlöwe. Im obersten Fundhorizont barg man vor allem Keilmesser, die auf ein Alter von 90.000 Jahren geschätzt werden.

Auch das Mammut von Pfännerhall wurde im Geiseltal entdeckt. Es handelt sich dabei um das vollständig erhaltene Skelett eines Wollhaarmammuts von ca. 60 Jahren. Daneben fand man noch die Überreste eines deutlich jüngeren Tieres. Die beiden Skelette werden auf ein Alter von 200.000 bis 250.000 Jahren geschätzt.

 


Das Geiseltal gehört in die Kategorie: Fundstätten.

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Quellen:

Aktualisiert ( Montag, 30. April 2012 um 09:59 Uhr )
 

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