Zufallskarte

Lichtung
Image Detail
Valid XHTML 1.0 Strict CSS ist valide!

Dinkel & Grünkern: Die alte und doch moderne Alternative zu Weizen

Dinkel & Grünkern: Die alte und doch moderne Alternative zu Weizen (Wordle)

(Steinzeit-Lexikon). Beim Dinkel handelt es sich um eine alte Getreidesorte, die eng mit dem heutigen Weizen verwandt ist. Der lateinische Name lautet Triticum aestivum subsp. Spelta. Umgangssprachlich wird Dinkel auch als Spelt, Fesen oder Schwabenkorn bezeichnet. In jüngster Zeit hat man die Getreidesorte wiederentdeckt und baut sie seitdem verstärkt an, denn er verträgt raueres Klima und ist generell resistenter gegen Krankheiten als Weizen. Nachweislich besitzt Dinkel eine bessere Resistenz gegenüber Frost, Dürre und Pilzen. Diese Vorteile gleichen den Nachteil des im Vergleich zum Weizen geringeren Ertrages aus.

Da Wildformen von Dinkel und Weichweizen nicht bekannt sind, gehen viele Experten davon aus, dass das Getreide aus älteren Weizenarten durch Mutationen entstanden ist. Als Urgetreide kommen Hartweizen, Emmer und Einkorn in Frage.

Anders als der Weizen ist das Korn des Dinkels fest mit den Spelzen verwachsen. In dieser Hinsicht ähnelt es dem der Gerste. Dadurch hat das Korn einen besseren Schutz, allerdings wird die Verarbeitung aufwändiger, denn ein weiterer Arbeitsschritt – das sogenannte Entspelzen – wird notwendig.

Geschmacklich hat Dinkel ein nussiges Aroma. Er enthält viele Vitamine und Spurenelemente wie Kalium, Magnesium, Phosphor und Eisen.

Geringerer Ertrag, mehr Arbeit bei der Verarbeitung. Dennoch finden sich viele Dinkelprodukten in den Regalen der Supermärkte und längst nicht mehr nur im Reformhaus

Der heutige Siegeszug des Dinkels steht auch im Zusammenhang mit seinem guten Ruf. In Zeiten von biologischem Landbau und Lebensmittelunverträglichkeiten wird ihm eine bessere gesundheitliche Verträglichkeit zugeschrieben. Er ist längst nicht nur in Reformhausregalen zu finden. Allergiegeplagte Menschen, die empfindlich auf Weizen reagieren, können versuchen, den Weizen durch Dinkel zu ersetzen. Allerdings ist aufgrund der nahen Verwandtschaftsverhältnisse dennoch Vorsicht geboten. Die Betroffenen sollten ihr Krankheitsbild genau kennen und eine Weizenallergie nicht mit Zöliakie verwechseln. Da Dinkel nicht glutenfrei ist, darf er nicht bei einer Ernährung nach den strengen Diätplänen für Zöliakie-Patienten zum Einsatz kommen.

Dinkelmehl lässt sich schlechter als reines Weizenmehl beim Backen einsetzen. Es besitzt zwar einen höheren Kleberanteil, fristet aber in den Backstuben nur ein Dasein am Rande. Sehr schnell kann neigt der empfindliche Kleber zur Überknetung. Außerdem lässt sich der weiche Dinkelteig schwerer verarbeiten.
Dinkelnudeln und Dinkelbrot sind jedoch typische Dinkelprodukte. Auch einige wenige Brauereien brauen aus dem Getreide noch ein Dinkelbier.  Gebäck, das aus Dinkelmehl gebacken wurde, hält sich nicht lange frisch. Bereits nach kürzester Zeit wird es trocken und hart. Erfahrene Bäcker versuchen die Nachteile mit Vorteigen und Dinkelsauerteig zu umgehen.

Seit 15.000 Jahren zum Wohle der Menschheit im Einsatz

Erstaunlicherweise wurde Dinkel bereits sehr früh als Kulturpflanze genutzt. Die frühesten Nachweise, die aus dem südwestlichen Teil Asiens bekannt sind, haben ein Alter von 15.000 Jahren. Schon in der Jungsteinzeit bauten die ersten Bauern diese Getreidesorte in Mittel- und Nordeuropa an. Besonders beliebt war Dinkel im Alpenraum. Für viele Jahrhunderte war er eine wichtige Getreidesorte, die die Grundversorgung der Bevölkerung sicherstellte. Auch Hildegard von Bingen schätzte das Getreide. So verwundert es kaum jemanden, dass Dinkel ein fester Bestandteil ihrer Medizin und Ernährungsempfehlungen war.

Im Mittelalter avancierte das Getreide zum beliebten Zahlungsmittel, mit dem die Steuern (Zehnt) für Klöster und Vögte beglichen wurden.
Im 18. Jahrhundert florierte der Handel mit dem Getreide. Es verhalt sogar ganzen Ortschaften zu ihrem Namen. Beispiele sind Dinkelsbühl oder Dinkelscherben. Die Getreideähren ziehren so manches Wappen. Für die weltweite Verbreitung sorgten christliche Pilger. Sie schätzten das Getreide wegen seiner Haltbarkeit und nahmen es auf ihren Reisen mit.

Als Grünkern wird der unreif gerntete und heiß gedörrte Dinkel bezeichnet

Auf mehrere aufeinanderfolgende Missernten geht eine weitere Tradition zurück: Man erntet einen Teil des Dinkels, wenn er noch grün und damit noch nicht ganz reif ist. So wurde früher sichergestellt, dass man trotz aller Widrigkeiten über den Winter kam. Das eigentlich zu früh geerntete Getreide hält sich im Normalfall nicht lange. Deswegen wurde es haltbar gemacht, in man es darrte, d. h. sehr heiß trocknete. Heraus kam der sogenannte Grünkern. Dieses Getreide ist zum Backen ungeeignet. Es wird daher zu Suppen und Grünkernküchlen verarbeitet.

Auch bei Baby- und Kindernahrung ist Dinkel heute wieder eine beliebte Alternative zu Weizen.
Selbst die Spelzen werden noch weiterverarbeitet. Viele Menschen schwören bei Verspannungen auf die wohltuende Wirkung eines erwärmten Dinkelkissens.

 


Der Dinkel gehört in die Kategorie: Pflanze.

Derzeit gibt es leider keine aktuellen Artikel auf H[AGE], in denen der Begriff "Dinkel" erwähnt wird.

 


Quellen:

 

Aktualisiert ( Montag, 25. Juni 2012 um 20:08 Uhr )
 

© H[AGE]: Langenwetzendorf (2008 - 2011)