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Blasrohr: Regenwald-Indianer gehen mit Blasrohr & vergifteten Pfeilen noch heute auf Affenjagd

Blasrohr: Regenwaldindianer gehen mit Blasrohr & vergifteten Pfeilen noch heute auf Affenjagd (Wordle)

(Steinzeit-Lexikon). Ein Blasrohr gilt als Waffe, die im offenen Kampf oder als Betäubungs- bzw. Tötungsinstrument eingesetzt wird. Vor allem in der Tiermedizin setzt man heute Blasrohre ein, wenn es darum geht, schreckhafte Tiere aus einer mittleren Distanz ohne Stress zu betäuben. Anders als beim Betäubungsgewehr kommt es hier nämlich nicht zu einem lauten Knall.

Ursprünglich gingen vor allem die indigenen Völker Südamerikas mit dem Blasrohr zur Jagd. Auch heute noch bauen die Regenwald-Indianer, die oftmals wie steinzeitliche Jäger und Sammler leben, die Blasrohre aus einem 3 Meter langen, hohlen Rohr. Als Material dient meist Holz, Bambus oder andere geeignete Naturmaterialien. Aus den Röhren werden mit Hilfe des eigenen Lungenvolumens kleine Geschosse geblasen. Das können einerseits Pfeile sein, die teilweise in Gift getaucht wurden, oder Tonkugeln.

Da der Bau von Blasrohren relativ einfach ist und beispielsweise mit den Didgeridoos der Aborigines das Prinzip des Aushöhlens von Baumstämmen auch einfachen Kulturen bekannt gewesen sein dürfte, spricht nichts dagegen, dass Blasrohre bereits in der Steinzeit zum Einsatz kamen – auch wenn es bislang nur sehr wenige konkrete Zeugnisse und Hinweise auf diese Jagdmethode gibt. Nachgewiesen ist der Einsatz von Blasrohren allerdings definitiv bei der steinzeitlichen Höhlenkunst. In der Höhle von Altamira trugen die Künstler bei den berühmten Höhlenmalereien die Farben einerseits direkt mit den Händen auf. Es entstanden so Handabdrücke. Andererseits kam eine zweite Methode zum Einsatz. Dabei wurde die Hand auf den Felsen gedrückt und mit einem Blasrohr aus Knochen oder Schilf die Farbe auf die Wand gesprüht. So entstanden die ersten steinzeitlichen Graffitis, da der Handabdruck als Negativ sichtbar wurde.

Blasrohre wurden in der Steinzeit nicht nur zur Jagd sondern auch für die Höhlenmalereien eingesetzt

Egal ob Airbrush- oder Jagdblasrohr es gibt zwei grundsätzliche Arten der Blasrohr-Fertigung. Entweder wird für das Blasrohr ein bereits bestehendes Rohr verwendet. Für diese Methode eignet sich Bambus besonders gut. Oder aber man fügt zwei Leisten zusammen, die vorher mit einer Rille versehen werden müssen.

Unabhängig davon welche Bauweise zum Einsatz kommt, ist die Bedienung eines Blasrohres als Jagdwaffe immer gleich. Der Schütze positioniert das Geschoss in einem Ende des Rohres, dann setzt er das Ende an den Mund und bläst mit ganzer Kraft in das Blasrohr. Dabei muss er darauf achten, dass er einen hohen Druck aufbaut. Jeder Blasrohr-Jäger beherrscht seine ganz eigene Technik, aber prinzipiell kann man zwei Arten unterscheiden. Zum einen gibt es die Lippenbläser. Sie verschließen das Endstück des Blasrohrs komplett mit ihren Lippen und öffnen diese nur für den Schuss. Zum anderen gibt es die Zungenbläser, die, um genügend Druck aufbauen zu können, das Blasrohr mit der Zunge verschließen.
Der Jäger muss mit beiden geöffneten Augen das Ziel anvisieren. Dabei kommt es zu dem Effekt, dass das Blasrohr doppelt wahrgenommen wird. Um einen Treffer landen zu können, sollte sich das Ziel deshalb genau zwischen den beiden „Schein-Röhren“ befinden. Je nach Entfernung und Erfahrung des Schützens ist es gut, wenn das Blasrohr irgendwo aufgelegt oder abgestützt werden kann.

Blasrohre werden heute noch von ursprünglichen Jäger- und Sammler-Kulturen genutzt

Blasrohre kommen noch heute vielfach bei der Jagd von ursprünglichen Kulturen zum Einsatz. Beispielsweise nutzen die Dayak auf Borneo (Indonesien/Malaysia) Blasrohre für den Kampf oder die Jagd. Für ihre vergifteten Pfeile verwenden sie das Gift des Upasbaumes. Die indigenen Ureinwohner im südamerikanischen Regenwald setzen voll und ganz auf das Hautsekret des Pfeilgiftfrosches. Doch auch aus Lianen lässt sich das Gift Curare gewinnen. Mit diesem werden die Blasrohrpfeile vorsichtig bestrichen. Die Indianer jagen mit den Blasrohren vom Boden aus Affen in den Bäumen.
Einst jagten auch die nordamerikanischen Cherokee mit solchen Waffen. Sie erlegten damit Kaninchen und andere kleine Säugetiere.
In Japan gab es das Fukidake, das mit zur Jagd verwendet wurde. Auch hier handelte es sich vom Prinzip her um ein Blasrohr.

In Deutschland und vielen westlichen Ländern ist heute die Jagd mit Blasrohren untersagt, da ein waidgerechtes Erlegen von Tieren damit nicht gewährleistet werden kann. Wer jetzt allerdings denkt, dass Blasrohre in Deutschland niemals eingesetzt wurden, der irrt sich. In der Südpfalz wurde vom ausgehenden 16. Jahrhundert bis ins frühe 20. Jahrhundert nachts mit Hilfe von Blasrohren und Tonkugeln Jagd auf Bergfinken gemacht.

 


Das Blasrohr gehört in die Kategorie: Werkzeug/Jagd.

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Quellen:

Aktualisiert ( Donnerstag, 08. November 2012 um 23:24 Uhr )
 

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