Zufallskarte

Andenkondor
Image Detail
Valid XHTML 1.0 Strict CSS ist valide!

Saiga-Antilopen: Charaktergesichter mit Rüssel-Nase

Saiga-Antilopen: Charaktergesichter mit Rüsselnase (Wordle)

(Steinzeit-Lexikon/Tierlexikon). Die Saiga-Antilopen bevölkern noch heute in Form von zwei Unterarten (westliche Saiga und Mongolische Saiga) die eurasischen Steppen. Das Charakteristischste an den Huftieren ist ihre rüsselartige Nase. Die Tierart ist akut vom Aussterben bedroht, da Wilderei und Jagd den Populationen zusetzen. Außerdem verschwindet mehr und mehr der Lebensraum der Tiere. In den 1920er Jahren waren die Saigaantilopen bereits fast ausgestorben. Entsprechende Schutzmaßnahmen retteten die Art und ließen die Bestände bis in die 1950er Jahre wieder anwachsen. Doch heute kommen Saigas fast nur noch in Russland, Kasachstan und der Mongolei vor.

Vom Aussehen ähneln die Steppenbewohner einem kleinen, leicht gebauten Schaf oder einer Gämse. Der Kopf ist im Verhältnis zum Körper recht groß. Die rüsselartige Nase fällt auf. Wissenschaftler vermuten, dass das Riechorgan dabei hilft, die trockene und kalte Luft, die in der Steppen eingeatmet wird, zu erwärmen und zu befeuchten. Außerdem ist die Nasenöffnung mit dichten Haaren und Schleimdrüsen besetzt. Damit wird der Staub, den die Herden im Sommer aufwirbeln, herausgefiltert. Im Sommer kann die Nase auch dabei helfen, die Tiere bei drohender Überhitzung abzukühlen. Falls die Rüssel-Nase keinen weiteren Zweck verfolgt, so ist sie zumindest der Grund für den extrem guten Geruchssinn der Saiga-Antilopen.
Bei den Saigas tragen nur die männlichen Tiere Hörner. Diese können 20 bis 55 Zentimeter lang werden. Die Hörner fallen aus der Entfernung betrachtet allerdings nicht sonderlich auf, da sie halbtransparent sind und eine helle wachsfarbene Färbung besitzen. Lediglich die äußersten Spitzen sind schwarz. Ansonsten biegen sich die Hörner leicht leierförmig nach hinten und tragen 12 bis 20 Quergrate. Die Weibchen sind hornlos.

Saigas können nur auf relativ flachem Terrain leben. Sie sind zwar schnelle und ausdauernde Läufer, können aber weder besonders gut klettern noch springen.
Das Fell der Saigaantilopen ist dicht und wollig. Es ist mit ein Grund für die Bejagung der Tierart. Es besteht aus längeren Deckhaaren und einer kurzen, weichen Unterwollen. Das Winterfell ist sehr dick und mit 4 bis 7 cm doppelt so lang wie das Sommerfell. In der kalten Jahreszeit wächst den Tieren auch noch eine Art Halsmähne. Das Fell ist im Sommer gelblich bis rötlich-braun mit helleren Flanken. Die Unterseite ist weißlich. Nach dem Fellwechsel ist es im Winter an der Oberseite weißlich-grau, an der Unterseite weißlich. Während es durchaus Albinos gibt, sind Schwärzlinge bei Saigas extrem selten.

Die Saiga-Nase ist eine wahre Supernase und das markanteste Merkmal der Tiere

Die Saiga erreicht durchschnittlich eine Kopfrumpflänge von 120 cm. Große Männchen bringen es auch einmal auf 140 cm. Die Schulterhöhe beträgt ca. 70 cm und die Tiere schaffen ein Gewicht von 50 kg. Auch bei den Saigaantilopen gibt es einen Geschlechtsdimorphismus, d. h. die Weibchen sind ein wenig kleiner als die Männchen.

Die kleinen Antilopen leben in der offenen Steppe und Halbwüste. Sie meiden steiles, felsiges Gelände und dichte Vegetation. Im Sommer dringen sie aber auch bis in die Waldsteppen vor. Die kritische Schneehöhe beträgt 20 bis 30 cm. Bis dahin können die Tiere problemlos Nahrung finden und sich sicher fortbewegen.
Saigas sind Pflanzenfresser, die Gräser, Kräuter, Flechten und Sträucher fressen. Im Frühjahr können die Tiere ihren Wasserbedarf allein über die feuchte Vegetation decken. Sie suchen dann keine Wasserstellen auf. Im Sommer suchen Saigas gerne nach sukkulenten Pflanzen. Im Hochsommer kommen sie aber nicht umhin, sich an Wasserstellen zu sammeln und auf der Suche nach Wasser weit umherzuziehen. Notfalls kommen sie aber auch mehrere Tage ohne Wasser aus. Saigas können sogar salziges Wasser trinken. Wasserscheu sind die Tiere übrigens nicht – im Gegenteil: Sie sind sehr gute Schwimmer und wurden bereits dabei beobachtet, wie sie große Ströme wie die Wolga durchqueren.

Die Antilopenart ist überwiegend tagaktiv. In den Sommermonaten bevorzugen die Tiere allerdings die kühleren Morgen- und Abendstunden und ruhen über Mittag. Saigas sind nicht ortstreu, d. h. sie wandern viele Kilometer am Tag. Sie können durchaus 80 bis 120 Kilometer pro Tag zurücklegen. Bei Wanderungen bewegen sich die Tiere in einer langen Reihe, beim Weiden dagegen auf breiter Front.
In kalten Wintern kommt es zu ausgedehnten Wanderungen, dennoch sterben manchmal sehr viele Tiere. Die Bestände erholen sich aber meist rasch wieder. Die Wanderungen der Saigas richten sich allein nach den verfügbaren Ressourcen. Es handelt sich dabei nicht um saisonale Wanderungen.

Saiga-Böcke buhlen um die Weibchen bis zur totalen Erschöpfung. Kämpfe auf Leben und Tod nicht ausgeschlossen

Eine Saiga-Herde besteht im Sommer aus dreißig bis vierzig Tieren. Im Frühjahr und Herbst können sich diese Herden zu großen Wanderherden mit Tausenden von Tieren zusammenschließen. Während der Paarungszeit von Dezember bis Januar scharen die Böcke einen Harem von Weibchen um sich. Meist gehören zu einem Bock 5 bis 10 Weibchen. Je nach Kampfkraft und Geschlechterverhältnis kann ein Bock aber auch bis zu 50 Weibchen begatten.
Durch ihre Hörner waren und sind die Böcke noch immer einem starken Jagddruck ausgeliefert. So gibt es immer weniger Böcke, sodass sich das Sozialverhalten teilweise umkehrt. Die Weibchen buhlen um die Böcke und reagieren aggressiv aufeinander. Dies kann zum Zusammenbruch der Population führen.

Normalerweise jedoch verhalten sich die Weibchen untereinander recht friedlich. Die Böcke allerdings sind während der Paarungszeit sehr aggressiv. Sie zeigen ihre Erregung mit Hautdrüsen-Sekreten und schaumigen Speichel. Die Paarungskämpfe können blutig, manchmal sogar tödlich ausgehen. Während der Paarungszeit greifen Saigas durchaus auch Menschen an. Die Böcke kämpfen bis zur totalen Erschöpfung und sind dann auch eine leichte Beute für Raubtiere. Im fortschreitenden Winter sterben viele Saigaböcke an Entkräftung.
Mit Frühlingsanfang sammeln sich männliche Saigas westlich des Kaspischen Meeren und beginnen in Richtung Norden zu ziehen. Die Herden können durchaus 2000 Tiere umfassen. Auch die weiblichen Saigas bilden große Herden. Sie bringen im Schutz der Herde ihre Jungen zur Welt. Dies geschieht zwischen April und Mai. Die Jungtiere wiegen um die 3,5 Kilo. Viele Saigas bringen Zwillinge zur Welt. Bereits nach wenigen Tagen fangen die Kleinen an, Gras zu fressen. Dennoch brauchen die Jungtiere mindestens vier Monate lang Muttermilch. Können die Jungen gut genug laufen, folgen die Weibchen den männlichen Herden.

Die größte je beobachtete Herde wurde auf 200.000 Tiere geschätzt. Im Sommer teilen sich die Herden in kleinere Verbände auf. In der freien Wildbahn können Saigas bis zu zwölf Jahre alt werden. Die meisten Böcke erreichen dieses Alter nicht.

Große Herden gibt es längst nicht mehr. Die Tierart ist massiv vom Aussterben bedroht

Der größte Feind der Saigas ist der Mensch. Doch auch Wölfe können den Tieren gefährlich werden. Da Saigas in ihrem Lebensraum keine Deckung finden, bleibt ihnen nur die Flucht. Sie können dabei bis zu 80 km/h erreichen. Wölfe haben es so sehr schwer, gesunde Saigas zu erwischen. Zur Beute werden daher vor allem hochträchtige Weibchen, unerfahrene Jungtiere oder vom Kampf geschwächte Männchen. Im Winter erleichtert eine hohe Schneedecke den Wölfen die Arbeit.
Jungtiere können aber auch Adlern, Raben und Rotfüchsen zum Opfer fallen. Dezimiert werden die Saiga-Bestände aber auch durch viele Krankheiten und Parasiten. Vor allem die Maul- und Klauenseuche hat bereits regelrechte Massensterben ausgelöst.

Die Saiga war und ist ein Tier wie für die Eiszeit geschaffen. Im Pleistozän wanderte sie in riesigen Herden durch Europa und Asien. Sogar über die Landbrücke, die Asien mit Nordamerika verband, schafften es die Tiere und siedelten sich in Alaska und Kanada an. Am Ende der Eiszeit schrumpfte ihr Lebensraum immer weiter, da sich die Wälder begannen auszubreiten. Aus Mitteleuropa verschwand die Saiga recht schnell. Sie hielt sich jedoch lange in den Ebenen, die sich zwischen Karpaten und Altai erstrecken.

In jüngster Zeit sind die Bestände dramatisch eingebrochen. Die Gründe dafür sind menschengemacht. Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion konnten die Schutzmaßnahmen nicht mehr durchgesetzt werden. Gleichzeitig erhöhte sich die Nachfrage in der Traditionellen Chinesischen Medizin, da den Hörnern der Männchen eine heilsame Wirkung nachgesagt wird. Das führte dazu, dass die Wilderei stark zunahm. In manchen Regionen wurden alle Böcke weggeschossen, sodass sich die Tiere nicht mehr vermehren konnten und ohne Nachkommen blieben.
Die Jagd auf Saigas gehört seit alters her dazu. Sie wurden wegen ihres Felles und Fleisches gejagt. In der chinesischen Heilkunde erzielen die Hörner mittlerweile allerdings einen ähnlichen Preis wie das Horn von Nashörnern.

Saiga-Horn gilt als Allzweckwaffe in der Traditionellen Chinesischen Medizin

Früher wurden die großen Herden in eine trichterförmige Einfriedung aus Schilf und Erde getrieben. Am Ende warteten angespitzte Holzpflöcker auf die Tiere. Die panischen Tiere spießten sich selbst auf. In den Wüstengebieten nutzte man sogenannte Wüstendrachen. Im Winter trieb man die Tieere einfach auf glatte, zugefrorene Seen. Dort waren sie den Jägern hilflos ausgeliefert.
Im Sommer können Saigas die Ernten zerstören. Wobei die Zerstörung darin liegt, dass die Tiere die Felder eher zertrampeln als abfressen. Die Ernteschäden allerdings wurden meist übertrieben, um eine Legitimation für die Jagd zu haben. Die Konkurrenz zu anderen Weidetiere wie Schafen oder Rindern ist nicht sonderlich groß, da Saigas eine Vorliebe für andere Pflanzen haben. In der Regel werden die Saiga-Lieblingspflanzen von Schafen verschmäht.
Junge Saigas können relativ einfach gezähmt werden, wenn sie nach fünf bis sechs Tagen von Menschenhand aufgezogen werden. Sie sind dann recht anhänglich und kehren trotz Auslauf freiwillig zu den Zieheltern zurück.

Saiga-Antilopen waren typische Tiere der Eiszeit. Sie teilten sich einen Lebensraum mit Mammuts, Wollnashörnern und Wildpferden. Dementsprechend häufig findet man sie in der Eiszeit-Kunst wieder. Die ältesten Darstellungen stammen aus dem späten Jungpaläolithikum und haben ein Alter von ca. 14.000 Jahren. Besonders der Kopf und die charakteristische Saiga-Nase hatte es den Künstlern angetan. Sie wurden mehrfach als Gravur auf Knochen und Steinplatten aber auch in den Höhlenmalereien festgehalten. In der Höhle von Altxerri bei San Sebastian stellten die Steinzeit-Künstler die Köpfe von zwei mit Hörnern bewehrten Saiga-Männchen gegenüber. Eine skizzenhafte Darstellung der vorderen Nasenpartie findet sich auf den Schieferplatten von Gönnersdorf. Hierbei handelt es sich um einen Lagerplatz von Jägern und Sammler aus dem Magdalenien. In der Höhle von Enlène fand man eine aus Knochen geschnitzte Skulptur, die eine Saiga zeigt. Die Plastik wurde einst als Widerhakenende für eine Speerschleuder genutzt. Sollte sie vielleicht dem Jäger Glück bei der Jagd auf Saigas bringen?

 


Die Saiga-Antilope gehört in die Kategorie: Tiere.

Derzeit gibt es keine weiteren Beiträge auf H[AGE], in denen der Begriff "Saiga" vorkommt.

 


Quellen:

Aktualisiert ( Mittwoch, 14. November 2012 um 10:18 Uhr )
 

© H[AGE]: Langenwetzendorf (2008 - 2011)