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Wollhaarnashorn: Imposante Riesen der Eiszeit

Wollhaarnashorn: Imposante Riesen der Eiszeit (Wordle)

(Steinzeit-Lexikon/Tierlexikon). Das Wollnashorn, das vielfach auch als Wollhaarnashorn oder Fellnashorn bezeichnet wird, trägt den wissenschaftlichen Namen Coelodonta antiquitatis. Es ist heute ausgestorben. Einst bevölkerte es die Steppen zwischen Westeuropa und Ostasien während der Eiszeiten. Die Art lebte von vor ca. 2,5 Millionen Jahren bis vor ca. 11.000 Jahren.

In der zoologischen Taxonomie gehört es zur Gruppe der Dicerorhinina. Dabei handelt es sich um die eurasische Form der Rhinozerose mit zwei Hörnern. Von dieser Gruppe lebt heutzutage nur noch das Sumatra-Nashorn (Dicerorhinus sumatrensis). Wie fast alle Nashornarten ist dieses mittlerweile ebenfalls sehr stark vom Aussterben bedroht.

Das Wollnashorn gehörte zu den an die Kälte angepassten Tieren, die ein boreales Klima bevorzugten und die Steppen im nördlichen Europa bewohnten. Vermutlich kam das Wollhaarnashorn vor allem vom südlichen Sibirien (Russland) bis zur Mongolei vor. Mangels ausreichender Funde lässt sich das ursprüngliche Verbreitungsgebiet allerdings schwer eingrenzen. Während der Kaltzeiten dehnte sich der Lebensraum der Tiere weiter aus.
Im Verlauf der Elster-Kaltzeit vor ca. 400.000 bis 320.000 Jahren gab es Wollnashörner auch in Mitteleuropa und damit in Deutschland. Im Gebiet rund um den Harz sind entsprechende Funde gemacht worden. Als jedoch die nächste Warmzeit einsetzte, zog sich die Art wieder in die ursprüngliche Heimat zurück. Während der nächsten Eiszeit, der sogenannten Saale-Kaltzeit vor 300.000 bis 126.000 Jahren stießen die Tiere bis nach Frankreich und Großbritannien vor. Sie erreichten den nördlichen Teil der Iberischen Halbinsel (Spanien) und kamen bis nach Rumänien. Nachweise für die Fellnashörner gibt es auch in den Flussauen von Don und Wolga. Als sich die Saale-Kaltzeit zurückzog, verließen die Populationen die neueroberten Lebensräume wieder und kehrten in die angestammte Heimat zurück.

Fellnashörner waren perfekt an das eiszeitliche Klima angepasst

Spielkarte: WollnashornDen Beginn der Weichsel-Kaltzeit vor 115.000 bis 11.700 Jahren nutzte die Art erneut, das Refugium zu erweitern. Es besiedelte in dieser Zeitspanne das größte Verbreitungsgebiet, das je eine Nashornart erschloss. In Europa drangen die Tiere bis auf die Iberische Halbinsel sowie die Apennin (Italien) und die Balkanhalbinsel vor. Selbst vor dem Peloponnes (Griechenland) machten sie nicht halt. Das Wollnashorn bewohnte aber ebenso den Kaukasus sowie die zentralasiatischen Steppen in Kasachstan und Kirgisistan. In Asien breiteten sich Exemplare bis nach Nordost-China aus. Die östlichsten Funde sind aus Kamtschatka (Russland) bekannt. Durch Funde konnte allerdings auch nachgewiesen werden, dass das Wollnashorn bis auf die koreanische Halbinsel vordrang. Nicht einmal die nördlichsten Breitengrade konnten die Tiere stoppen. So lebte das Fellnashorn beispielsweise auch in Jakutien und der Wrangel-Insel.

In seiner Maximalausdehnung umfasste das Verbreitungsgebiet der Art eine Fläche von ca. 23,7 Millionen Quadratkilometern. Einzig und allein ausgenommen blieben die unwirtlichen und mit Eis vollständig bedeckten Gebiete in Nordosteuropa, Skandinavien und Nordwestasien. Die Tiere schafften es allerdings auch nicht bis zur Beringbrücke vorzudringen und Amerika zu besiedeln.
Bis jetzt ist allerdings nicht klar, warum ausgerechnet das Wollnashorn diesen Sprung nicht schaffte, während andere Tiere wie Wollhaarmammut oder Bison aber auch der Homo sapiens diese Barriere überwanden.
Mancher Forscher spekuliert allerdings, dass es die Tiere vielleicht doch vereinzelt bis nach Nordamerika geschafft hätten. Heute aber bislang die entsprechenden Funde in Alaska (USA) fehlen.

Andere Forscher gehen davon aus, dass die Tiere an ein trockenes Klima angepasst waren. Die Beringbrücke bot ihnen ein schlechteres Nahrungsangebot. Deswegen hätten sie die Überquerung der Verbindung mit dem amerikanischen Kontinent gemieden.
Die Tiere bevorzugten überwiegend Flachlandgebiete. Sie kamen aber auch mit den speziellen Bedingungen zurecht, die auf Hochflächen und Plateaus herrschen. Höchstwahrscheinlich waren höhere Gebirgsregionen für die Tiere nicht zugänglich. Wollnashörner fand man deswegen in den Weiten der Tiefländer sowie den Flussniederungen. Höhere Lagen wurden von den Tieren nur in ungünstigen Klimaphasen aufgesucht.
Die Wollhaarnashörner waren an offene Landschaften mit trockenem Klima bestens angepasst. So bot die Mammutsteppe in Eurasien nahezu perfekte Lebensbedingungen. Die baumlosen Gras- und Buschlandschaften besaßen eine arten- und nährstoffreiche Vegetation, die nur durch die hohe Sonneneinstrahlung entstehen konnte. Neben dem namengebenden Mammut bewohnten beispielsweise noch Riesenhirsch, Ren, Saiga-Antilopen und Bisons die Mammutsteppe. Die Tiere gehörten mit zur pleistozänen Megafauna.

Weit verbreiteter Bewohner der Mammutsteppe

Durch das riesige Verbreitungsgebiet während der letzten Eiszeit teilte sich das Wollnashorn den Lebensraum vielfach auch mit anderen Nashornarten – beispielsweise mit dem Steppennashorn (Stephanorhinus hemitoechus) oder in Osteuropa und Westasien mit dem Elasmotherium. In Ostasien gibt es Belege, dass Wollnashörner und Waldnashörner nebeneinander lebten und sich ihre Wege kreuzten.
Die Tiere müssen recht häufig vorgekommen sein, denn Überreste von Wollnashörnern gehören  mit zu den häufigsten gefundenen Fossilien von Tieren aus dem Pleistozän. Heute entdeckt man die Knochen in Kies-, Sand- und Tongruben, die einst Flussläufe oder Seeufer waren. Entsprechende Funde wurden allerdings auch schon in Höhlen gemacht. Immer wieder kommt es vor, dass Überreste auch aus der Nord- und Ostsee geborgen werden. Diese Gebiete lagen während der Kaltphasen oftmals trocken.

Trotz der relativ häufigen Funde sind vollständig erhaltene Skelette sehr selten. Anders sieht es aus, wenn ein Wollnashorn im Permafrostboden konserviert wurde. Ähnlich wie bei Mammuts geben solche Funde, dann sogar Auskunft darüber, wie die Tiere wirklich aussahen, da sich sogar Weichteile und Fell erhalten haben. Durch solche Funde ist es möglich, die Tiere in ihrem Aussehen und zum Teil auch in ihrer Lebensweise sehr gut zu beschreiben. Als hilfreich erweisen sich hier auch Höhlenmalereien und Felsgravuren, die die Tiere zeigen:
Das Wollhaarnashorn erreichte eine Kopf-Rumpf-Länge von 3,40 bis 3,60 Metern. Zur Gesamtlänge hinzugezählt werden muss noch ein ca. 50 cm langer Schwanz. Die Tiere kamen auf eine Schulterhöhe von 1,50 bis 1,70 Meter. Die mächtigsten Exemplare brachten es auf ein Gewicht von fast drei Tonnen.

Wollhaarnashörner hatten einen markanten Köperbau

Der Körperbau kann als robust bezeichnet werden. Als Anpassung an die Lebensweise in offenen Landschaften besaßen die Tiere breite Gliedmaßen und ausgeprägte Muskelansätze. So hatte das Wollnashorn einen hohen und ausgeprägten Nackenbuckel wie wir ihn vom heutigen Breitmaulnashorn kennen. Der Buckel gab den Tieren ihre charakteristischen Umrisse. Er entstand nicht nur durch die kräftigen Muskeln, die den massiven Schädel stabilisierten sondern er diente auch als Fettspeicher. Die gefrorenen Kadaver belegen außerdem, dass die Tiere ein dichtes Fell besaßen. Dieses bestand aus einer dicht isolierenden Unterwolle und langen, stoppeligen Deckhaaren. Das Fell an den Gliedmaßen war jedoch kürzer.
Ebenfalls besonders markant an den Tieren war der massige Schädel. Er war sehr langgestreckt, besaß ein verlängertes Hinterhaupt und eine Länge zwischen 70 und 90 Zentimetern. Es ist davon auszugehen, dass das Wollnashorn in dieser Hinsicht dem heutigen Breitmaulnashorn ähnelte und ähnlich wie auch das Steppennashorn oder Elasmotherium den Kopf deutlich schräg nach unten trug.

An dem Hinterhauptbein setzten sehr kräftige Muskeln an, die unteranderem  mit den kräftigen Nackenbuckel formten. Da das Wollhaarnashorn zu den Dicerorhinina gehört, besaß es auch zwei Hörner. Diese saßen einmal auf der Nase und zum anderen auf dem mittleren Schädelbereich. Das vordere Horn war dabei wesentlich größer als das hintere.  Durch die mumifizierten Kadavaer sind auch die Hörner erhalten geblieben. Diese hatten eine deutlich geschwungene Form und erreichten eine Länge von bis zu 90 cm. Die stattlichsten Hörner brachten es auf Gewicht von 11 Kilogramm. Das hintere und damit das Frontalhorn war nur leicht gebogen und erreichte eine Länge von bis zu 40 cm, was immer noch ein Gewicht von bis zu 4,5 Kilogramm bedeutete.
Am vorderen Horn gibt es auffallend häufig Schleifspuren. Forscher gehen davon aus, dass die Tiere das Horn dazu nutzten, die Schneedecke wegzuschieben, um die darunter liegenden Pflanzen zu fressen. Denkbar ist aber auch, dass sich das Horn einfach abwetzte, wenn die Tiere bei der Nahrungsaufnahme am Boden fraßen.
In beiden Hörnern sind Bänder erkennbar, die in ihrer Breite variieren. Ähnlich wie bei den konzentrischen Ringen der Elefantenstoßzähne oder bei den Jahresringen der Bäume handelt es sich um jährliche Zuwachsraten. Die Ringe bestehen aus einem dunkleren Abschnitt, der die Sommermonate nachvollziehbar macht und einem helleren Bereich, der die Wintermonate repräsentiert.

Screenshot Google-Bildersuche: Wollhaarnashorn

Wie der Screenshot der Google-Bildersuche vom 01.05.2012 zeigt, werden Wollhaarnashörner auf Abbildungen und Rekonstruktionen mit einem Buckel sowie den zwei Hörnern dargestellt. Der msukulöse Körperbau war sehr markant.

 

Die Pflanzenfreser bevorzugten im Sommer Gräser und im Winter Zweige

Auch das Gebiss war des Wollhaarnashorns sehr speziell. Die Schneidezähne waren nur rudimentär ausgebildet. Dafür besaßen die Tiere ausgeprägte und hochkronige Vorbacken- sowie Backenzähne. All dies spricht dafür, dass sie grasend über die Steppen zogen. Die 1929 in Starunia geborgene Mumie besaß eine gut erhaltene Schnauzenpartie. Diese belegt, dass das Wollnashorn ein breites Maul hatte. Die Maulöffnung war bis zu 35 cm breit. Die strangartigen Lippen ersetzten die Schneidezähne. Mit ihnen konnte man Gras abrupfen. 
Auf Grund der Analyse von Pflanzenresten aus dem Mageninhalt sowie Spuren an Zähnen ist die grasfressende Ernährungsweise mittlerweile belegt. Die Tiere verschmähten aber auch keine Büsche und junge Zweige. Zu ihrem Nahrungsspektrum gehörten neben Süßgräsern und Korbblüter daher auch Nadelgehölze, Weiden und Erlen. Der besondere Aufbau der Hörner legt außerdem den Schluss nahe, dass sich die Ernährungsweise saisonabhängig unterschied. Während das Wollnashorn im Sommer hauptsächlich Gräser bevorzugte, wich es im Winter teilweise auf Büsche und Zweige aus.

Trotz der harten Lebensbedingungen während der Eiszeiten konnten die Tiere ein Alter von 40 bis 45 Jahren erreichen. Damit unterscheiden sich Wollnashörner in ihrer Entwicklung nicht von den heute noch lebenden Arten wie Breit- und Spitzmaulnashörnern. Geschlechtsreif wurden die Tiere vermutlich mit 5 Jahren. Ausgewachsene Tiere hatten so gut wie keine natürlichen Feinde zu fürchten. Angriffe von Höhlenlöwen kamen nur äußerst selten vor. Wahrscheinich wurden nur ältere bzw. kranke Tiere Opfer der großen Raubtiere. Anders sah es bei den Kälbern und Jungtieren aus. Auf sie hatten es bestimmt große Raubkatzen abgesehen. Einige Jungtier-Skelette weisen im Hals- und Nackenbereich Bisspuren auf, die sicherlich von Großkatzen stammen und tödlich waren. Andere Gefahren als Raubtiere konnten jedoch schnell zum Ende der majestätischen Tiere führen: dazu gehörte schlecht begehbares Gelände. An steilen und rutschigen Hängen konnten die Tiere ausrutschen und sich bei schweren Stürzen lebensgefährliche Verletzungen einfangen. Auch wurde so manchem Tier sicherlich tauender und nachgebender Boden zum Verhängnis. Es sank ein und konnte sich nicht mehr selbst befreien. So gefangene Tiere starben dann an Erschöpfung.

Wie bei heutigen Nahörnern ging man den Tieren lieber aus dem Weg. Sie waren kurzsichtig, schreckhaft und aggressiv

Da die meisten heute lebenden Nashörner Einzelgänger sind, ist davon auszugehen, dass auch Wollnashörner Einzelgänger waren. Bullen waren definitiv Einzelgänger, die ihr Territorium gegenüber Nahrungskonkurrenten der eigenen Art als auch anderen Tierarten verteidigten. Die Weibchen könnten mit den Jungtieren unter Umständen in kleinen Gruppenverbänden zusammengelebt haben. Ein solches Verhalten ist heute noch beim Breitmaulnashorn zu beobachten.
Verletzungen an den Schädel deuten darauf hin, dass es zwischen den Tieren schwere Kämpfe gegeben haben muss. Darauf deuten zumindest gebrochene Unterkiefer und Rippen hin. Die Verletzungen durch Ritual- und Territorialkämpfe verliefen jedoch in der Regel nicht tödlich und die meisten Nashörner erholten sich von ihren Verletzungen wieder. Experten führen die Häufigkeit von Kampfverletzungen auf ein erhöhtes Stresslevel der Tiere zurück. Dieser begründete sich auf externe Faktoren: Während der Kalt- bzw. Warmzeiten erforderte die Klimaveränderungen eine rasche Anpassung. Außerdem standen die Tiere permanent mit den anderen großen und mittelgroßen Pflanzenfressern in der Mammutsteppe in Konkurrenz. Die Tiere verfügten zwar über einen ausgeprägten und guten Geruchssinn. Sie waren aber wahrscheinlich extrem kurzsichtig. Hierin kann ebenfalls ein Teil ihrer Schreckhaftigkeit und Aggressivität begründet liegen.

Ob die frühen Menschen tatsächlich Jagd auf die riesigen Nashörner gemacht haben, ist bislang nicht direkt belegt, denn es fehlen entsprechende Spuren. Beispielsweise beim Wildpferd belegen die Schöninger Speere die Bejagung - genauso wie die Lanze von Lehringen die Erlegung von Europäischen Waldelefanten. Allerdings wurden Überreste von Wollnashörnern bereits zusammen mit menschlichen Hinterlassenschaften gefunden. Dennoch muss in einem solchen Fall nicht zwangsweise eine kausale Verbindung dahinterstehen. Die Anzahl solcher Fundstellen ist zwar recht hoch, doch meist fand man nur einzelne Zähne oder Knochenfragmente, die man kaum mehr als einem Nashorn-Individuum zurechnen konnte. Außerdem befinden sich relativ viele Jungtiere darunter. Für eine systematische Bejagung sprechen diese Funde nicht.
Darüber hinaus fand man bislang viele Fossilien in Höhlen. Diese gehörten nicht zum natürlichen Lebensraum der Fellnashörner. Allerdings nutzten sowohl frühe Menschengruppen diese oftmals als Lagerplatz. Doch sie waren nicht die einzigen, die solche Unterkünfte zu schätzen wussten. Auch Hyänen nutzten Höhlen als Horste. Hier lässt sich allerdings leicht am typischen Bissmuster erkennen, wer das Tier in die Höhle brachte und dort zerlegte.

Ob frühe Menschen tatsächlich aktiv Jagd auf die Kolosse machten, ist noch nicht eindeutig belegt

Bei vielen gemeinsamen Funden von Nashornüberresten und menschlichen Spuren gehen Wissenschaftler von einer sogenannten natürlichen Akkumulation aus. Das heißt die Funde haben einen gewissen zeitlichen Abstand zueinander. Im Mittelpaläolithikum und damit zur Hochzeit des Neandertalers sind die Wollnashörner in Europa recht häufig. An solchen Fundstellen fand man auch häufiger nachweisbar künstlich zerschlagene Knochen, die markante Hiebspuren aufwiesen. Hier kann man davon ausgehen, dass dies menschliche Vorfahren waren, die versuchten, sich Nahrung zum Überleben zu verschaffen. Röhrenknochen wurden gerne aufgeschlagen, um an das energiereiche Knochenmark zu kommen. Sein Fettgehalt war mit eine Grundlage für die steinzeitliche Instant-Nahrung Pemmikan. Die Knochen wurden damals aber auch schon aufgeschlagen, um daraus Geräte, Werkzeuge und Waffen herzustellen. Genau in jener Zeit kann eine stärkere Nutzung von organischen Rohstoffen wie Knochen, Geweih oder Elfenbein beobachtet werden.

Im Jungpaläolithikum ändert sich an der Fundlage nicht viel. Die ersten anatomisch modernen Menschen kamen zwar nach Europa und prägten diese Zeit durch zahlreiche neue Innovationen, aber im Aurignacien sind noch viele Reste der Wollnashörner in der Nähe von menschlichen Siedlungsplätzen vertreten. Dennoch diskutiert die Wissenschaft, ob die Tiere wirklich aktiv bejagt wurden, um ihr Fleisch zu verzehren oder ob man verendete Tiere nutzte, um daraus Knochenmaterial oder andere Rohstoffe zu gewinnen.
Als sich vor 20.000 bis 16.000 die Inlandgletscher begannen zurückzuziehen, begann auch das langsame Sterben der massigen Tiere. In der Folge findet man für das Magdalenien deutlich weniger Fossilien, was darauf zurückzuführen ist, dass Wollnashörner nur noch selten in Europa zu finden waren und kurz darauf auch komplett verschwanden.

Die imposanten Tiere müssen einen mächtigen Eindruck auf die frühen Menschen gemacht haben, denn Wollnashörner werden mehrfach in Höhlenmalereien oder durch Ritzungen in Geweih- und Knochenfragmente dargestellt. Die Wiedergabe der Tiere ist sehr detailgetreu. Viele Abbildungen zeigen die charakteristische Rückenlinie mit dem Nackenbuckel, die Tiefe Haltung des Kopfes, die Darstellung der Ohren und vor allem der langen Hörner. Auf einigen Zeichnungen ist sogar das Fell angedeutet.
Einige der bekanntesten Abbildungen eines Wollhaarnashorns befindet sich in der Höhle von Chauvet in Frankreich. Die Malereien dort sind auf ein Alter von 31.000 Jahren datiert und gehören damit zur Epoche des Aurignaciens.

Noch lange nach seinem Aussterben regte das Wollnashorn bzw. die fossilen Überreste die Phantasie der Menschen an

Doch auch nach ihrem Aussterben regten die Tiere der eiszeitlichen Megafauna noch die Phantasie der Menschen an. Man zermahl beispielsweise die fossilen Knochen der Wollnashörner zu Pulver und sagte, es stamme von einem Drachen. Noch heute ist beispielsweise das Pulver aus Nashorn-Horn in Asien als Potenzmittel beliebt.

Die Völker in Jakutien kannten bereits lange vor den europäischen Wissenschaftlern die Eismumien im Permafrostboden. Mit dem fossilen Horn der Wollnashörner verbesserten sie die Elastizität ihrer Jagdbögen. Sie glaubten aber, dass die Hörner durch ihren flachen Querschnitt und der gebogenen Form die Krallen eines riesigen Vogels wären. Hier kann es durchaus Überschneidungen zwischen den sibirischen Legenden und den antiken Geschichten geben. In denen wird von Herodot der Greif genannt. Dies war ein Mischwesen (halb Adler, halb Löwe), das im Norden zwischen den Skythen und den Hyperboräern lebte.

Aber auch in Europa fand man bereits sehr früh die fossilen Überreste von Nashörnern. Belegt ist für das Jahr 1335 der Fund eines Nashorn-Schädels bei Klagenfurt (Österreich). Dieser soll später den Bildhauer Ulrich Vogelsang als Vorbild für einen Drachenkopf gedient haben. Dieser Drachen zierte dann den Lindwurmbrunnen in Klagenfurt.

 


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Aktualisiert ( Dienstag, 01. Mai 2012 um 10:36 Uhr )
 

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