Zufallskarte

Fluss
Image Detail
Valid XHTML 1.0 Strict CSS ist valide!

Steinzeit: Die längste und eine der wichtigsten Epochen in der Geschichte der Menschheit

Steinzeit: Die längste und eine der wichtigsten Epochen in der Geschichte der Menschheit (Wordle)

(Steinzeit-Lexikon). Die Steinzeit heißt deshalb Steinzeit, weil der wichtigste Werkstoff der damaligen Menschheit vorrangig Stein war und dies ist mit ein Grund dafür, dass die Steinwerkzeuge die Zeiten überdauern konnten. Natürlich nutzten die Menschen auch Geräte aus Holz, Knochen oder Horn. Diese jedoch verwitterten sehr oft, sodass es nur wenige solcher Funde gibt.

Inhaltsverzeichnis:

 

Einführung: Zeitliche Eingrenzung der Steinzeit und Abgrenzung zu anderen Systematiken

Die Steinzeit begann vor 2,6 Millionen Jahren und endete als die Menschheit lernte, Metalle zu verarbeiten. Dies war im 7. Jahrtausend vor Christus. Doch die Metalle lösten in einzelnen Regionen zu ganz unterschiedlichen Zeiten den vorrangingen Werkstoff Stein ab, sodass die Steinzeit in einzelnen Gebieten unterschiedlich lang dauerte.
Einig ist sich die Wissenschaft allerdings in dem Punkt, die Steinzeit als erste Epoche der Menschheit anzusehen. Diese Stufe und damit der Begriff der Steinzeit wurde vom dänischen Altertumsforscher Christian Jürgensen Thomsen um das Jahr 1830 geprägt. Er entwickelte ein Dreiperiodensystem, das die menschliche Ur- und Vorgeschichte in drei Phasen unterteilt: Die Steinzeit, die Bronzezeit und die Eisenzeit. Die Steinzeit selbst wiederum wird nochmals unterteilt in Paläolitikum (Altsteinzeit), Mesolithikum (Mittelsteinzeit) und das Neolithikum (Jungsteinzeit).

Die Unterscheidung nach dem verwendeten Werkstoff ist allerdings nur auf Europa, Westasien und Nordafrika beschränkt. In Afrika unterhalb der Sahara wird eine eigene Terminologie verwendet. Hier spricht man vom Early Stone Age, Middle Stone Age und Late Stone Age. Diese Einteilung entspricht aber nur zum Teil der chronologischen und inhaltlichen Einteilung. Da der amerikanische Kontinent erst sehr spät besiedelt wurde, hat sich hier die Einteilung nach dem Werkstoff gar nicht erst in einem Kriterium für eine Kategorisierung niedergeschlagen.

Die Steinzeit selbst ist ein sehr langer Zeitraum. Die Unterteilung erfolgt anhand von Werkzeugfunden und den wenigen entdeckten fossilen Knochen. Hier gibt es definitiv Lücken, sodass sich die Stufen nicht zwangsläufig mit verschiedenen Entwicklungsstufen des Menschen decken müssen. Meist ging ein Sprung in der menschlichen Evolution von einem einzelnen Gebiet aus. Auch lassen sich häufig Überschneidungen mit vorherigen oder nachfolgenden Entwicklungen entdecken.

Meyers Großes Konversationslexikon

Kultur der Steinzeit I. Eolithikum und älteres Paläolithikum.

Meyers Großes Konversationslexikon

Kultur der Steinzeit II. Das jüngere Paläolithikum.

Meyers Großes Konversationslexikon

Kultur der Steinzeit III. Die Kunst des jüngern Paläolithikums.

Meyers Großes Konversationslexikon

Kultur der Steinzeit IV. Die jüngere Steinzeit.

Abbildungen aus Meyers Großes Konversationslexikon

 

Die einzelnen Phasen der Steinzeit

Altsteinzeit (Paläolithikum)

Das Paläolithikum, das in der Literatur oftmals auch als Altsteinzeit oder Frühsteinzeit bezeichnet wird, begann auf dem afrikanischen Kontinent vor ca. 2,5 Millionen Jahren. Den ersten und damit ältesten Abschnitt bezeichnen die Experten als Early Stone Age. In Südeuropa beginnt die Altsteinzeit erst, als der Mensch hier das erste Mal auftritt. Dies war vor etwa 1,1 Millionen Jahren in der Sierra de Atapuerca in Spanien. In Mitteleuropa beginnt die Altsteinzeit sogar noch später – nämlich vor ca. 600.000 Jahren. So alt ist der sogenannte Unterkiefer von Mauer. Die Altsteinzeit mündete in die Mittelsteinzeit, die um ca. 10.000 v. Christus begann. Somit ist die Altsteinzeit der bislang längste Abschnitt der Menschheitsgeschichte. Sie wird daher nochmals unterschieden in Altpaläolithikum, Mittelpaläolithikum und Jungpaläolithikum.

Altpaläolithikum

Per Definition beginnt die Steinzeit und damit das Altpaläolithikum mit dem Gebrauch der ersten Werkzeuge durch den Menschen. Diese erste Artefakte werden so definiert, dass das Grundmaterial Stein durch den Menschen so veränderte wurde, dass es einem neuen Zweck diente. Als eine der ersten Steinwerkzeuge werden die Geröllgeräte des Oldowan klassifiziert. Hier schlugen die Urmenschen mit wenigen Schlägen vom Stein Stücke ab, um scharfe Kanten zu erhalten. Fraglich ist nach wie vor, ob diese Veränderungen anfangs bewusst herbeigeführt oder die Entdeckungen durch Zufall gemacht wurden. Dies wird sich wohl auch nie restlos klären lassen. Doch sicherlich erkannten die frühen Menschen den Nutzen und verfeinerten die Methoden zur Werkzeugherstellung im Laufe der Zeit.

Die ältesten Funde des Altpaläolithikums stammen aus Afrika, genauer aus Äthiopien, und werden auf ein Alter von 2,6 Millionen Jahren geschätzt. Die ältesten Funde aus Europa haben ein Alter von 1,8 Millionen Jahren. Sie stammen aus Georgien und werden dem sogenannten Dmanissi-Menschen zugeordnet.
Mit Gewissheit nutzten die frühen Vertreter der Gattung Homo die ersten Werkzeuge. Kandidaten für den Titel „Erfinder des Faustkeils“ sind Homo habilis und Homo erectus. Es kann jedoch nicht ganz ausgeschlossen werden, dass bereits Paranthropus robustus oder einige Australopithecinen erste Werkzeuge verwendeten. Über mehrere Jahrhunderttausende änderte sich sehr wenig am Werkzeug-Inventar der Menschheit.

Spielkarte: FeuermachenErst vor ca. 600.000 Jahren gab es einen enormen Sprung in der Werkzeugkultur. In diesem Zietraum begann das sogenannte Acheuléen, das Faustkeile in fast industriellen Größenordnungen hervorbrachte. Experten sprechen hier tatsächlich von einer Faustkeilindustrie, deren Techniken sich von Afrika aus über andere Kontinente ausbreiteten. Werkzeuge aus der Acheuléen-Kultur wurden bis vor etwa 100.000 Jahren genutzt.
Eine weitere, bahnbrechende Entdeckung der Menschheit wurde ebenfalls im Altpaläolithikum gemacht: die Nutzung des Feuers. Sie war eine wichtige Voraussetzung für die Besiedlung von kälteren Regionen der Erde und erschloss neue, bekömmlichere Nahrungsquellen.

Mittelpaläolithikum

Bei den typischen Faustkeilen des Acheuléen kam es vor ca. 130.000 bis 120.000 Jahren zu Modifizierungen. Sie wurden asymmetrisch. Man spricht in solchen Fällen von Faustkeilmessern. Ab diesem Punkt beginnt das Mittelpaläolithikum mit seinen einzelnen Stufen. Die erste Stufe wird als Micoquien bezeichnet. Die große Leistung bestand darin, dass sich eine völlig neue Form der Werkzeugbearbeitung durchsetzte. Vom Kernstein wurden Abschläge erzeugt. Diese waren kleiner und leichter. Sie konnten daher flexibler gehandhabt und bearbeitet werden. Diese neue Technik bildete die Grundlage für das sogenannte Moustérien mit seiner Levalloistechnik.

Ansonsten ist der bekannteste Vertreter des Mittelpaläolithikums der Neandertaler. Allerdings lebte er dann vor etwa 90.000 Jahren mit anatomisch modernen Menschen zusammen – zunächst im Nahen Osten, später auch in anderen Regionen der Welt.
Sowohl der Neandertaler als auch die frühen Vertreter des Homo sapiens blieben zunächst Jäger und Sammler. Sie gingen auf die Jagd nach Großwild, das mit Hilfe von zusammengesetzten Waffen bejagt wurde. Zur Herstellung dieser Waffen verbanden diese Menschen unterschiedliche Werkstoffe wie Holz und Stein mit Hilfe des ersten Klebstoffs: Birkenpech. Sehr wahrscheinlich wurden Holz-, Knochen- und Geweihgeräte sehr stark genutzt. Allerdings erhielten sich diese Werkzeuge nicht über die Zeit.

In dieser Epoche entstanden auch die ersten Kunstwerke wie beispielsweise die Venus von Berekhat Ram. Auch eine weitere Kulturstufe wurde erreicht, indem die Menschen erstmalig ihre Toten begruben. Die bislang ältesten, gefundenen Gräber stammen aus den Fundstellen Shanidar (Irak) und Teschik-Tasch (Usbekistan). Vermutlich gehörten bei den ersten Gräbern auch schon Grabbeigaben mit zum Ritus. Diese Geste impliziert bereits eine Vorstellung von einem Leben nach dem Tod.

Jungpaläolithikum

Das Jungpaläolithikum begann vor ca. 40.000 Jahren vor Christus. Erstmals in der Geschichte der Menschheit können hier regionale Entwicklungsunterschiede nachgewiesen werden. Diese gab es sicherlich auch schon vorher. Aber mangels entsprechender Funde ist ein Nachweis bislang nicht möglich.

Im sogenannten Aurignacien tauchen erstmals lange, schmale Klingen und Messer auf. Der moderne Mensch in Mittel-, West- und Südeuropa stellte diese Werkzeuge her. Doch er ist auch ein begeisterter Maler. Die frühesten Höhlenmalereien stammen aus Frankreich. In Sungir (Russland) wurden vor ca. 30.000 Jahren die Körper eines Mannes und zweier Kinder aufwändig bestattet. Die Epoche des Aurignaciens endete vor ca. 28.000 Jahren.

Parallel zum Aurignacien findet man bis vor etwa 34.000 Jahren in Frankreich und Nordspanien auch das sogenannte Châtelperronien. Dieses ist bereits durch jungpaläolithische Elemente gekennzeichnet. Es steht aber auch noch in der Tradition der Levalloistechniken aus dem Mittelpaläolithikum. Die Unterschiede in diesen beiden Kulturen führen manche Forscher auf den Unterschied zwischen Neandertaler und dem Cro-Magnon-Mensch zurück. Letztere war bereits ein früher Vertreter des Homo sapiens. In Ost- und Mitteleuropa sind ebenfalls zwei Kulturen zur gleichen Zeit zu beobachten: die Bohunicien- und die Szeletien-Kultur.

Ab etwa 28.000 bis 21.000 vor Christus erstreckt sich das Gravettien. Hier tauchen erstmals Fruchtbarkeitssymbole auf. Auch die ersten Darstellungen von Göttinnen, die sich beispielsweise in der Venus von Willendorf manifestiert haben könnten, deuten auf erste religiöse Vorstellungen hin.
An das Gravettien schließt sich in Frankreich, Spanien und Portugal das sogenannte Solutreen an. Es erstreckt sich im Zeitraum von 22.000 bis 16.500 vor Christus. Hier wurden bereits aufwändige Blatt- und Kerbspitzen hergestellt. Es finden sich ebenso Felszeichnungen, Knochen mit Gravuren sowie einzelne figürliche Darstellungen.

Spielkarte: Ende der EiszeitAuch das sich anschließende Magdalénien gehört noch zur Mittelpaläolithikum. Es handelt sich hierbei um den letzten Abschnitt der jüngeren Altsteinzeit. Es kommt zu klimatischen Veränderungen, da die letzte Eiszeit zu Ende geht. Es gibt verschiedene Klingenvarianten und steinzeitliche Kleingeräte, die dann bei Harpunen, Bohrern oder Pfeilspitzen zum Einsatz kommen. Die bekannten Höhlenmalereien aus Lascaux entstanden im Magdalénien. Für diese Epoche der Menschheitsgeschichte sind Überreste von Zeltbauten sowie verbesserte Jagdwaffen und Schmuck belegt. Interessant ist beispielsweise auch, dass hier die ersten Lampen entwickelt wurden. Zumindest kennt man seit dem Magdalénien die Funktion eines Dochtes.

Mittelsteinzeit (Mesolithikum)

Für den Zeitraum der Mittelsteinzeit gibt es leider keine feste Definition. Viele sehen sie als Zwischenphase zwischen dem Ende der Altsteinzeit und dem Beginn der Jungsteinzeit, die allerdings in verschiedenen Regionen zu unterschiedlich Zeitpunkten beginnt. Die Mittelsteinzeit erstreckt sich damit von etwa 8.000 v. Chr. bis 6.000 v. Chr. im Gebiet des Fruchtbaren Halbmonds bzw. bis etwa 4.500 v. Chr. im Mitteleuropa nach der Eiszeit.

Hier ist die Mittelsteinzeit durch eine Veränderung des Klimas und der damit einhergehenden sich verändernden Flora und Fauna geprägt. Kennzeichnend für die Epoche der Mittelsteinzeit sind Kleingeräte aus Feuerstein, die dann zu komplexeren Werkzeugen verarbeitet werden. So lernt der Mensch z. B. Sägen herzustellen. Anhand der sogenannten Mikrolithen können Experten unterschiedliche Typen differenzieren und somit einzelne Kulturen und Gruppen unterscheiden.
In dieser Epoche werden die Menschen immer sesshafter. In der Übergangsphase zum Neolithikum finden sich bereits die ersten Versuche beim Anbau von Pflanzen, der Haltung von Tieren. Auch entstehen die ersten Keramiken.

Jungsteinzeit (Neolithikum)

Der Beginn des Neolithikums ist durch vor allem durch den Wandel der Lebensweise der Menschen gekennzeichnet. Die Jäger und Sammler wurden sesshaft und begannen mit Ackerbau und Viehzucht. Die Domestizierung von Tieren und Pflanzen und die damit einhergehenden Veränderungen werden als Neolithische Revolution bezeichnet. Dieser Prozess begann zu unterschiedlichen Zeitpunkten in verschiedenen Regionen der Welt. Als erstes entdeckten die Bewohner in Mesopotamien vor ca. 11.000 v. Chr. die Vorzüge dieser neuen Lebensweise. In Mitteleuropa kam die neolithische Revolution erst um 5.500 v. Chr. an. Es wird mit dem Auftauchen der Bandkeramiker zwischen 5.600 und 4.900 v. Chr. in Verbindung gebracht.

Manche Bewohner entlegener Regionen befinden sich heute noch technologisch auf dem Niveau der Jungsteinzeit.

In dieser Epoche gibt es bereits erste Versuche in der Bearbeitung von Metallen. Diese sind bereits für das 8. Jahrtausend v. Chr. belegt. Anfangs beschränkten sich die Menschen auf Edelmetalle wie Gold, Silber und Kupfer. Zunächst wurde nur Schmuck aus Metall gefertigt, da die weichen Metalle ohne Legierungen für Waffen oder Werkzeuge ungeeignet waren. Bekannte Vertreter für die Jungsteinzeit sind Ötzi und der Kennewick-Mann.

Übergang zur Bronzezeit

Am Ende der Steinzeit begann der Übergang zu einem völlig neuen Werkstoff. Stein wurde durch Metall abgelöst. Die Werkzeuge und Waffen hatten bessere Eigenschaften und damit eröffneten sich neue Nutzungsmöglichkeiten. Allerdings erforderte die Verarbeitung von Metall komplexere Technologien und einen funktionierenden Fernhandel, denn das begehrte Material war nicht überall unbegrenzt vorahnden. Die Übergangsphase wird auch als Kupferzeit oder Äneolithikum bezeichnet. Sie geht letztlich in die Bronzezeit über.

Viele Werkzeuge und Waffen wurden zunächst noch aus den altbewährten Materialien hergestellt. Doch schnell entwickelte sich mit dem neuen Material auch eine neue Formensprache. Die Menschen experimentierten mehr und entwickelten so zum Beispiel den Metallguss. Dadurch war es erstmalig möglich, gleichartige Werkzeuge in Serie zu fertigen. Die ältesten Bergwerke stammen aus dieser Zeit, denn die Menschen entwickelten auch Methoden und Möglichkeiten der Prospektion und Gewinnung von Kupfererzen. Sehr zügig wurde auch die Verhüttung von Kupfer entdeckt, um dem Engpass an gediegenem Kupfer entgegenzuwirken. Diese Technik nutzte man später auch bei der Gewinnung von Zinn, Zink und Blei. Somit wurde bereits zum Ende des Neolithikums die Basis für die Bronzezeit durch technologischen Fortschritt geschaffen.

Spielkarte: AnhöheZu Beginn der Bronzezeit findet auch eine soziale Differenzierung in der Menschheitsgeschichte statt. Zum ersten Mal begann sich eine Oberschicht zu bilden, die den Abbau und die Verhüttung des Metalls kontrollierten. Diese Menschen wurden nach ihrem Tod mit vielen, sehr wertvollen Grabbeigaben bestattet.

Aber auch die Siedlungen der Menschen in Mitteleuropa veränderten sich. Sie wurden tendenziell kleiner. Dafür befestigten sie die Bewohner stärker. Sie wurden meist auf Anhöhen angelegt.

Welche Menschen-(Arten) lebten in der Steinzeit?

Da die Steinzeit die längste Epoche in der Menschheitsgeschichte ist, gibt es viele hominide Vertreter, die in dieser Zeitspanne lebten. Als erste Werkzeugnutzer gelten – wie bereits angedeutet – Homo habilis und Homo rudolfensis. Allerdings wird auch Paranthopus robustus, der mit zu den Australopithecinen gehört, der Werkzeuggebrauch zugetraut.

Homo erectus nutzte nicht nur Werkzeuge sondern bereits das Feuer. Zu den Arten der Gattung Homo des Altpaläolithikums gehört noch der kleinwüchsige Homo floresiensis, der noch vor rund 17.000 Jahren in Indonesien lebte. Es wird vermutet, dass er ein direkter Nachfahre von Homo erectus ist. All die genannten Arten werden als Geröll- und Faustkeilkulturen bezeichnet. Von ihren Arten existierten auf Basis von Hochrechnungen nur wenige zehntausende Individuen. Mehrmals stand die Menschheit in dieser Zeit fast vor der vollständigen Auslöschung.

Aus dem Homo erectus entwickelte sich der Homo heidelbergensis. Er wiederum wird als Vorfahre für den Neandertaler vermutet. Der Neandertaler trat zum ersten Mal vor rund 200.000 Jahren auf den Plan der Evolution. Er gilt als der Menschentypus des Mittelpaläolithikums. Zeitgleich entwickelten sich in Afrika aus dem Homo erectus aber auch die ersten Vertreter des Homo sapiens.

Mit den Cro-Magnon-Menschen kommen vor rund 35.000 Jahren zum ersten Mal moderne Menschen in Europa an. Sie lebten zu Beginn des Jungpaläolithikums für einige wenige Jahrtausende noch mit dem Neandertaler zusammen. Einige Wissenschaftler sehen in der Unterscheidung zwischen Aurignacien und Châtelperronien die unterschiedlichen Kulturleistungen von Homo sapiens (Auignacien)und Neandertaler (Châtelperronien). Allerdings ist diese Differenzierung noch äußerst umstritten.

Vor etwa 30.000 Jahren starb der Neandertaler schließlich aus bislang ungeklärten Umständen aus. Seitdem ist der moderne Mensch der Träger und Entwickler aller weiteren Kulturen. 


Was stand im Stone Age auf dem Speiseplan?

Spielkarte: MammutDie Jäger und Sammler ernährten sich lange Zeit von alldem, was sich in ihrem natürlichen Lebensraum finden ließ: Pflanzen, Früchte, Samen aber auch Wurzeln und Pilze. Es standen aber auch Honig, Eier, Fleisch, Fisch und Weichtiere auf dem Speiseplan. Milch und Milchprodukte standen erst mit der Domestizierung von Weidetieren zur Verfügung. Um diese Nahrungsquelle nutzen zu können, brachte eine Genmutation bei den ersten Viehzüchtern einen evolutionären Vorteil. Zuvor konnten Menschen nämlich gar keine Milchprodukte verdauen. Auch die Zuchtformen von Obst, Gemüse und Getreide, die später zu einer der wichtigsten Nahrungsquellen für die frühen Bauern wurden, standen in der Steinzeit noch nicht zur Verfügung.

Viele Jahrtausende lebten die Menschen in kleinen Sippen. Die Familien zogen im jahreszeitlichen Wechsel den Herden hinterher. Analysen haben mittlerweile ergeben, dass die Menschen der Steinzeit ihren Energiebedarf zu 2/3 aus tierischer und zu 1/3 aus pflanzlichen Nahrung deckten.
Mit dem Ende der letzten Eiszeit setzten tiefgreifende Veränderungen ein. Die bisherige Jagdbeute von großen und kälteliebenden Tieren wie Mammut, Riesenhirsche oder Wollnashorn starb aus. Dafür wanderten kleinere und flinkere Säugetiere aus wärmeren Regionen ein. Bereits im Mesolithikum begann man, einige dieser Tierarten bei sich in der Nähe zu halten. Die Behausungen wurden dadurch ortsfester. Auch der Anteil der pflanzlichen Nahrung nahm zu. Durch das verbesserte Klima ließ sich mehr dieser Nahrung finden.

Genau in jener Epoche war es nun nicht mehr schwer, einen nächsten wichtigen Entwicklungsschritt in der Menschheitsgeschichte zu vollziehen: die Neolithische Revolution, d. h. man lernte bewusst den Anbau von Nahrungsmitteln und die Viehzucht zu steuern. Erst so konnte die Menschheit wirklich sesshaft werden. Der Anbau von zusätzlichen Nahrungsmitteln, das erzielen von Überschüssen, die Aufbewahrung dieser und der Handel damit führte zu einer Bevölkerungsexplosion. Auf gleichem Gebiet konnten nun deutlich mehr Menschen satt werden. Der Mensch konnte und musste sich dann auch bislang unbesiedelte Gebiete erobern.

 

Wie wohnten damals die Menschen? Welche Unterkünfte nutzten sie?

Seit frühester Zeit wurden Höhlen und Felsüberhänge (sogenannte Abri) als Unterschlupf genutzt. Waren die geologischen Bedingungen dafür nicht gegeben, wussten sich auch die Menschen im Altpaläolithikum zu helfen. Gefundene, künstliche Steinkreise werden als Behausungen gedeutet. Vermutlich wurden schon vor rund zwei Millionen Jahren aus Ästen und kleinen Stämmen bewohnbare Hütten gebaut.

Die älteste Hütte Europas wurde bei Prag (Tschechien) gefunden und auf ein Alter von ca. 600.000 Jahren geschätzt. Die Hütten in Terra Amata (Frankreich) sind ca. 200.000 Jahre jünger. Die gefundenen Überreste in Bizingsleben (Deutschland) sind auf ein Alter von 370.000 Jahren datiert.
Im Mittelpaläolithikum war Holz als Baumaterial durch die Eiszeit und die sich ausbreitenden Steppen Mangelware. Die Mammutjäger bauten sich daher ihre Hütte aus Mammutknochen, Stoßzähnen und Fellen.

In der Grotte du Lazaret in Frankreich erhielt sich der Grundriss einer Hütte. Sie war ca. 35 m² groß und besaß zwei Feuerstellen. Experten schätzen, dass diese Hütte ungefähr 10 Personen eine Heimstatt bot.

Spielkarte: HütteIm Jungpaläolithikum tauchen erstmals sogenannte Hüttengruben bzw. Wohngruben auf. Diese reichen von tief in den Erdboden gegrabenen Gruben bis hin zu ebenerdigen Kütten. Diese Hütten besaßen bereits so etwas wie Herdstellen und einen festen Oberbau. Man geht davon aus, dass diese Hütten zeltartige Formen hatten.

Mit den ersten Bauernkulturen um 10.500 v. Chr. tauchen dann auch feste und dauerhaft besiedelte Wohnhäuser zum ersten Mal auf. Je nachdem, was die Umgebung hergab, bestanden sie aus Holz, Lehm oder Stein. Lehmbauten waren vom Orient bis nach Ungarn verbreitet. Steinbauten existieren seit über 10.000 Jahren im Orient. Holzbauten mit Wänden aus Brettern und lehmverschmiertem Flechtwerk gab es vor allem in bewaldeten Gebieten. In Mitteleuropa war die Pfostenbau üblich.

Bei den vor allem in Westeuropa zu findenden Megalithbauten und Dolmen handelt es sich nicht um Behausungen sondern um Gräber oder Kultstätten.

 

Welche kulturellen Leistungen brachte die Steinzeit hervor?

Zeichnungen

Als Petroglyphen bezeichnet man all jene bildliche oder grafische Darstellungen, die in Stein geritzt wurden. Sie hatten für die Gesellschaften der Steinzeit höchstwahrscheinlich eine kulturelle wenn nicht gar religiöse Bedeutung. Petroglyphen findet man auf fast allen Kontinenten. Allerdings können nur wenige der Symbole gedeutet werden. Bekannte Fundstellen sind zum Beispiel der Death-Valley-Nationalpark in Kalifornien (USA) oder der Uluru (Ayers Rock) in Australien. Die Datierung der Petroglyphen ist alles andere als einfach. Sie scheinen allerdings in der Jungsteinzeit und den Metallzeiten aufgekommen zu sein.

Spielkarte: Junger JägerWurden die Kunstwerke nicht in Stein geritzt sondern mit Farbe aufgemalt, so spricht man von Felsmalereien bzw. Höhlenmalereien. Sicherlich malten die Menschen diese Kunstwerke auch an anderen Stellen. Sie konnten sich allerdings nur in Höhlen erhalten und geben heute Auskunft über die religiösen Vorstellungen ihrer Erschaffer. Die Menschen der Steinzeit malten vor allem mit Ocker, Holzkohle und diversen Gesteinen oder Erze. Als Bindemittel dienten Wasser sowie Pflanzenharz und -säfte. Viele Malereien erstaunen den heutigen Betrachter mit ihrer detailgetreuen Abbildung. Außerdem versuchten die Steinzeit-Picassos Perspektive mit in die Malereien einzubeziehen. Dazu nutzen sie z. B. die Wölbungen der Gesteinsunterlagen. Auch wurden verschiedene Techniken wie beispielsweise Wisch- und Sprühtechniken angewandt.

Höhlenmalereien finden sich weltweit. Bekannte Fundorte sind beispielsweise Tassili n’Ajjer in Algerien. Auf dem Hochplateau finden sich fast 15.000 Felsbilder aus der Steinzeit. Auch Uluru in Australien ist hier wieder zu nennen. Selbstverständlich dürfen die Höhlen von Lascaux in Frankreich bzw. von Altamira in Spanien bei dieser Aufzählung nicht fehlen. Durch die Analyse der Kunstwerke z. B. mittels C-14-Methoden der Farben und Bindemittel lassen sich die ältesten Höhlenmalereien auf das Aurignacien zurückdatieren.

Skulpturen

Spielkarte: Mammut aus ElfenbeinDie ersten dreidimensionalen Skulpturen bildeten meist weibliche Figuren nach. Diese zeichneten sich durch deutlich hervorgehobene Geschlechtsmerkmale wie große Brüste oder ein breites Becken aus. In der Wissenschaft werden solche Skulpturen als Venusfigurinen bezeichnet. Große Bekanntheit hat hier die in Österreich gefundene Venus von Willendorf erlangt.

Andere Plastiken zeigen aber auch Jagdtiere. Hergestellt wurden die Kunstwerke aus Stein oder Ton. Aber auch leichter vergängliche Materialien wie Holz oder Knochen kamen zum Einsatz.

Die bislang älteste Darstellung eines Menschen ist die Venus vom Hohlen Fels, die in der Schwäbischen Alb gefunden wurde. Manche Details wie Gesichter, Arme und Beine wurden nur rudimentär ausgeführt. Daher werden die Darstellungen als Fruchtbarkeits-Göttinnen von der Wissenschaft interpretiert. Möglicherweise gab es damals einen sogenannten Erdmutter-Kult. Sie können auch einen Hinweis auf das vorherrschende Matriarchat liefern. Ganz gewiss sind die dargestellten Venusfigurinen aber keine Portraits von damals realen Frauen. Die normale Steinzeitfrau hatte definitiv keine Möglichkeit, derartige Fettreserven an den strategisch wichtigen Stellen aufzubauen.

Die bislang geborgenen Tierfiguren zeichnen sich durch einen ausgeprägten Naturalismus aus. Sie wirken noch heute auf den Betrachter sehr real, da die Tiere in ihren Bewegungen bei der Flucht oder im Augenblick des tödlichen Treffers eingefangen wurden. Diese Objekte können durchaus bei der Beschwörung des Jagderfolges zum Einsatz gekommen sein.

Musik

Spielkarte: Flöte aus GeißenklösterleBereits in der Steinzeit wurde Musik gemacht. Als ältestes erhaltenes Musikinstrument gilt bislang eine 35.000 Jahre alte Knochenflöte, die ebenfalls in der Schwäbischen Alb entdeckt wurde. In der Höhle Hohler Fels bei Schelklingen wurde 2008 eine Flöte entdeckt, die aus dem Knochen eines Gänsegeiers gefertigt ist. Zwei weitere Flöten, die in der Höhle von Geißenklösterle gefunden wurden, sind aus Schwanenknochen gefertigt und haben bereits Grifflöcher. Wer diese Musikinstrumente baute, ist ungewiss. Das sehr hohe Alter der Flöten spricht gegen den modernen Menschen. Also käme der Neandertaler in Betracht. Ihm trauen allerdings die Experten die Verleimung und Abdichtung der beiden Hälfte mit dem steinzeitlichen Universalkleber Birkenpech nicht zu.

Religion

Eine der wichtigsten Kulturleistungen des Menschen ist die Entwicklung einer Religion. Keine andere Tierart auf Erden hat eine Vorstellung von einem Leben nach dem Tod oder begräbt ihre Toten. Auch die Ursprünge der Religion liegen in der Steinzeit. Bereits die Menschen des Mittelpaläolithikums wurden zu Grabe getragen. Forscher deuten die Ansammlung von Pollen als Beigaben von Blumen und Pflanzen. Der bei vielen Überresten gefundene Ocker konnte als wertvoller Rohstoff dem Verstorbenen mit auf seine letzte Reise gegeben worden sein. Auch finden sich in vielen Gräbern als Beigaben benutzte oder neue Werkzeuge.

Trotzdem weiß man über die Jenseitsvorstellungen oder die religiösen Gefühle der Steinzeit-menschen sehr wenig. Dies drückt sich bei den heutigen Naturvölkern vor allem in Zeremonien und Bräuchen aus. Doch diese haben sich nicht überliefert. Dennoch kann man von Ritualen und religiösen Zeremonien ausgehen. Fruchtbarkeitskulte, Regen- und Jagdzauber sowie Heilungen sind sehr wahrscheinlich. Fundspuren deuten außerdem auf Tänze und Gesänge hin.

 

Welchen Handel betrieben die Menschen in der Steinzeit?

Auch wenn es in der Steinzeit noch keine klassische Dreiteilung wie bei modernen Gesellschaften in Politik, Wirtschaft und Kultur gab, so sind erste Ansätze in diese Richtung durchaus erkennbar. So war der Tausch von Nahrungsmitteln, Materialien und Werkzeugen an der Tagesordnung. Für wichtige Güter wie z. B. Feuerstein wurde bereits sehr früh ein Handelsnetz aufgebaut. Funde bestätigen, dass es Muschelschalen von den Küsten bis weit ins Landesinnere schafften. Sie können schwerlich von allein dorthin gelangt sein. Forscher sehen sie im Zusammenhang mit Schmuckstücken und nehmen daher an, dass sie aktiv gehandelt wurden.

 


Die Steinzeit gehört in die Kategorie: Zeit.

Beiträge auf H[AGE], in denen der Begriff "Steinzeit" vorkommt:

 


Quellen:

Aktualisiert ( Mittwoch, 24. Oktober 2012 um 20:53 Uhr )
 

© H[AGE]: Langenwetzendorf (2008 - 2011)