Zufallskarte

Großer Mamm...
Image Detail
Valid XHTML 1.0 Strict CSS ist valide!

Riesenhirsch: Megaloceros giganteus hatte ein riesiges Schaufelgeweih

Riesenhirsch: Megaloceros giganteus hatte ein riesiges Schaufelgeweih (Wordle)

(Steinzeit-Lexikon/Tierlexikon). Megaloceros war ein sehr großer Hirsch, der deshalb auch zu recht den Beinamen Riesenhirsch trägt. Er lebte bis in den späten Pleistozän in Eurasien und Nordafrika. Der lateinische Name setzt sich aus den griechischen Wörtern "mega" für riesig und "ceras" für Horn zusammen.

Die Stammeslinie, die sich später zum bekannten Megaloceros giganteus entwickelte, trat erstmals im unteren Pleistozän auf – also vor ca. 1,8 Millionen bis 700.000 Jahren. Sie trug den Namen Megaloceros obscurus. Der bekannteste Vertreter der Riesenhirsche - nämlich Megaloceros giganteus - erschien vor etwa 400.000 Jahren auf der evolutionären Bildfläche. Er starb wie so viele Vertreter der eiszeitlichen Megafauna zum Ende der letzten Eiszeit aus. In Europa war dies der Zeitpunkt vor ca. 11.500 Jahren. Lediglich in Westsibirien überlebte die Art bis in den Holozän. Hier starben die letzten Inidviduen vor ca. 7.600 Jahren.

Megaloceros giganteus überlebte sowohl Kaltzeiten als auch die wärmeren Zwischeneiszeiten. Er fand demnach höchstwahrscheinlich auch in Waldregionen sein Auskommen und war nicht zwangsweise auf die eiszeitlichen Steppen angewiesen. Seine Überreste werden heutzutage in einem großen Gebiet gefunden. Es erstreckt sich von Nordafrika und Westeuropa bis nach Sibirien (Russland) und China. Lediglich bis nach Nordamerika kam der Riesenhirsch nicht. Zahlreiche Funde wurden in irischen Mooren entdeckt, doch auch in Deutschland fanden sich bereits fossile Überreste der Riesenhirsche.

Wie lebte Megaloceros?

Im Gegensatz zu Elchen, die typische Laubfresser sind, bestand die Leibspeise der Riesenhirsche vor allem aus Gräsern. Vermutet wird, dass Megaloceros - wie viele der größeren Huftiere heute - in Gruppen zusammenlebte. Ähnlich wie heutige Hirsche werden auch die männlichen Riesenhirsche in der Brunftzeit ritualisierte Kämpfe ausgetragen haben.

Megaloceros giganteus erreichte eine Schulterhöhe von zwei Metern. Das entspricht in etwa der Größe eines heutigen Elches. Allerdings waren die Riesenhirsche leichter und hochbeiniger gebaut. Nur die männlichen Tiere trugen ein Geweih. Dieses war aber um ein vielfaches imposanter als das Geweih heutiger Hirsche. Es war mehr schaufelförmig, erreichte eine Spannweite von 3,60 Meter und wog bis zu 50 Kilogramm. Es war damit eine der größten Stirnwaffen, die Paarhufer in ihrer Evolution hervorbrachten. Da die Tiere jedes Jahr das Geweih zur Paarungszeit abwarfen und wieder neu aufbauten, unterschieden sie sich in dieser Hinsicht nicht von heute lebenden Hirschen.

Screenshot Google-Bildersuche: Riesenhirsch

Wie der Screenshot der Google-Bildersuche vom 15.11.2012 zeigt,
sticht bei vielen Abbildungen der Riesenhirsche das mächtige schaufelförmige Geweih ins Auge.
Es war das markanteste Merkmal von Megaloeros

Die Riesenhirsche paarten sich im Herbst. Nach einer Tragzeit von 230 bis 260 Tagen brachte die Hirschkuh ein, manchmal auch zwei Kälber zur Welt. Für die Geburt zog sich das Muttertier an eine geschützte Stelle im Wald zurück. Bei der Geburt waren die Jungtiere zwischen 10 und 15 Kilogramm schwer. Das Fell der Kälber war wollig und hatte eine rötliche Farbe. Vermutlich blieben die Kälber ein Jahr lang bei der Mutter. Danach mussten sie ihren Weg alleine gehen. Mit sechs bis acht Jahren war ein Riesenhirsch ausgewachsen. Bei günstigen Bedingungen konnte er bis zu 25 Jahre alt werden.

Trotz des Beinamens Riesenhirsch war Megaloceros nicht der größte Hirsch aller Zeiten

Vielfach wird in der Literatur erwähnt, dass dem Megaloceros giganteus der Titel größter Hirsch aller Zeit zustände. Doch dem ist nicht so. Heutige Elche, besonders die großen Elche aus Alaska (USA), übertreffen die Riesenhirsche beim Gewicht deutlich. Auch der ebenfalls ausgestorbene Breitstirnelch (Alces latifrons) war mit bis zu 1400 kg deutlich schwerer als der Riesenhirsch. Megaloceros selbst brachte es auf ca. 500 bis 600 Kilogramm.

Megaloceros giganteus war dennoch ein beeindruckender Zeitgenosse. So verwundert es auch nicht, dass man entsprechende Darstellungen in zahlreichen Höhlenmalereien wiederfindet. Vermutlich spielte er eine wichtige Rolle im Leben der Menschen während der Steinzeit, denn er war eine wichtige Jagdbeute.
Die Höhlenzeichnungen zeigen die Tiere mit einem dunkelbraunen Rücken und weißlicher Brust. Da Höhlenmalereien in der Regel sehr realistische Abbildungen sind, gibt es keinen Grund an dieser überlieferten Fellfärbung zu zweifeln.

Beliebtes Motiv bei Höhlenmalereien

Das Skelett von Megaloceros besitzt im Schulterbereich eine individuell unterschiedlich starke Verlängerung der Wirbelfortsätze. Mit großer Wahrscheinlichkeit waren das zusätzliche Ansatzstellen für die Muskeln, die das schwere Geweih zu tragen hatten. Auch bei den Breitstirnelchen findet man einen aus Wirbelausläufern gebildeten Schulterbuckel. In einigen Höhlenzeichnungen findet sich im Schulterbereich ebenfalls eine dreieckige, besonders ausgeprägte Struktur. Vermutlich stellen diese Strukturen die zusätzliche Fett- und Muskelmasse im Schulter- und Rückenbereich dar. Während der Fetthöcker von Dromedaren bzw. der Schulterhöcker vom Zebu nur aus Weichteilen besteht, wurde der Schulterbuckel beim Riesenhirsch auch von Knochen gestützt.

Der Kopf der Tiere war relativ groß und leicht lang gestreckt. Die Augen befanden sich seitlich am Kopf, was den Tieren eine 360 Grad Rundumsicht ermöglichte. Allerdings waren sie vermutlich nicht die scharfsichtigsten Tiere. Dafür besaßen Riesenhirsche einen sehr feinen Geruchssinn.

Nicht alle Unterarten der Riesenhirsche waren wirklich riesig. Es haben sich beispielsweise auch auf Inseln besondere Zwergformen entwickelt. Der Megaloceros cazioti, der auf Korsika und Sardinien lebte, erreichte nur eine Schulterhöhe von einem Meter. Sein Geweih war auch entsprechend stark reduziert. Auf Kreta war Megaloceros cretensis sogar noch kleiner und hatte eine Schulterhöhe von gerade einmal 60 Zentimetern. Sein Geweih erinnerte eher an heute lebende Muntjaks.

Nächster heute noch lebender Verwandter: der Damhirsch

Neue genetische Analysen lassen vermuten, dass der Damhirsch der nächste, heute noch lebende Verwandte von Megaloceros ist. Lange vermutete man, dass der Rothirsch enger mit den Riesenhirschen verwandt gewesen sein könnte. Obwohl Elche eine ähnliche Größe wie Megaloceros erreichen können und ihr Schaufelgeweih auch den Geweihen von Riesenhirschen ähnelt, sind sie nicht näher mit ihnen verwandt.

Frühere Thesen zum Aussterben der Riesenhirsche gingen davon aus, dass die Tiere mit der Wiederbewaldung der Steppe am Ende der letzten Eiszeit nicht zurechtkamen und deswegen ausstarben. Dieser Theorie nach wären sie mit ihren großen Geweihen bei der Flucht zwischen den Bäumen hängen geblieben und so eine leichte Beute für Raubtiere wie Wölfe oder menschliche Jäger geworden. Sicherlich bestand eine Jagdstrategie der Jäger und Sammler darin, die Tiere in die Wälder zu treiben, wo sie keinen Spielraum zum Entkommen hatten. Waren die Riesenhirsche eingekesselt, so konnten sie mit Speeren erlegt werden. Doch allein eine starke Bejagung erklärt nicht das Aussterben – auch weil zu dem Zeitpunkt noch gar nicht so viele Menschen lebten.

Warum starben die Riesenhirsche vor mehr als 10.000 Jahren aus?

Die Theorie hat einen entscheidenden Haken. Noch heute gibt es offene Steppengebiete in Eurasien. Hierhin hätten sich die Tiere zurückziehen können. Auch ist es relativ absurd davon auszugehen, dass das Verheddern mit dem großen Geweih ein Grund für das Aussterben gewesen sein könnte. Der Riesenhirsch war über mehrere hunderttausend Jahre eine überaus erfolgreiche Art. Er starb im Zuge des Aussterbens der eiszeitlichen Megafauna aus. Dieses Ereignis betraf auch etliche andere Tierarten wie Wollhaarnashorn, Mammut oder Riesenfaultier. Sie alle verschwanden in einem engen Zeitfenster.

Dass die Riesenhirsche im westlichen Sibirien 3.000 Jahre länger überlebten als anderswo, zeigt dass die Gründe für das Aussterben der Art deutlich komplexer sind, als bislang angenommen. Einige Wissenschaftler vermuten, dass Megaloceros auf nahrhaftes Futter angewiesen war - schon deshalb, weil er sich den Luxus eines solch riesigen Geweihs leistete. Allein der Kopfschmuck enthielt acht Kilogramm Kalzium und vier Kilogramm Phosphat. In der Wachstumsphase wuchs das Geweih drei bis vier Zentimeter pro Tag. Die Tiere brauchten daher zwischen 10 und 30 Kilogramm hochwertige Nahrung am Tag. Änderten sich die Umweltbedingungen und damit das Nahrungsangebot so bekamen die Tiere erhebliche Probleme, ihren Energiebedarf zu decken. Auf Dauer konnten sie diesen Stress nicht überleben und auch die Populationen an den letzten Rückzugsorten brachen zusammen.

 


Der Riesenhirsch Megaloceros giganteus gehört in die Kategorie: Tiere.

Beiträge auf H[AGE], die das Wort "Riesenhirsch/Megaloceros" beinhalten:

 


Quellen:

Aktualisiert ( Donnerstag, 15. November 2012 um 23:35 Uhr )
 

© H[AGE]: Langenwetzendorf (2008 - 2011)