Zufallskarte

Feuermachen
Image Detail
Valid XHTML 1.0 Strict CSS ist valide!

Riesenfaultiere wie das Megatherium

Riesenfaultiere wie das Megatherium (Wordle)

(Steinzeit-Lexikon/Tierlexikon). Eine Reihe von ausgestorbenen, sehr großen Faultierarten werden als Riesenfaultiere bezeichnet. Sie kamen nur auf dem amerikanischen Kontinent vor und konnten durchaus mehrere Tonnen Gewicht auf die Waage bringen. Allein durch ihr Gewicht mussten Riesenfaultiere anders leben als ihre jetzigen Verwandten. Sie kletterten nicht auf Bäume sondern lebten auf dem Boden.

Einige Riesenfaultier-Arten sind erst zum Ende der letzten Eiszeit ausgestorben.  Mit der Frage, warum sie ausstarben, beschäftigen sich die Wissenschaftler schon seit langem. Die Riesenfaultiere verschwanden als zwei Ereignisse gleichzeitig eintraten: Zum einen veränderte sich das Klima maßgeblich, indem sich die Eiszeit ihrem Ende näherte und eine neue Warmzeit begann. Zum anderen erschien erstmalig der Homo sapiens in Nordamerika.

Bis heute ist unklar, ob die Vorfahren der Indianer etwas mit dem Verschwinden der Riesenfaultiere zu tun habe. Durchaus realistisch ist nach Einschätzung vieler Experten das folgende Szenario. Der rasante Klimawandel machte den Giganten zu schaffen. So verschoben sich Niederschlagszonen, Gletscher schmolzen ab und es kam zum Anstieg des Meeresspiegels. All das setzte die Tiere unter Stress, denn sie mussten sich schnell an die Umweltbedingungen anpassen. Nun kam ein weiterer Störfaktor mit dem Auftauchen des Menschen hinzu. Für die Paläo-Indianer waren Riesenfaultiere sicherlich eine attraktive Beute, da die Tiere doch recht behäbig waren. Der Stress und die Bejagung hätten dann durchaus zum Zusammenbruch der Population führen können.

Riesenfaultiere lebten 2 Millionen Jahre auf der Erde, dann starben sie plötzlich aus. War der Klimawandel schuld oder der jagende Mensch?

Kritiker dieser These führen an, dass die Riesenfaultiere mehr als zwei Millionen Jahre auf dem Planeten lebten, bevor sie ausstarben. In dieser Zeitspanne überstanden sie viele Klimaveränderungen in Folge der Warmzeiten und Kaltzeiten. Für ihre Anpassungsfähigkeit spricht auch, dass die Art ursprünglich aus Südamerika stammt. Als sich die Landbrücke zwischen Nord- und Südamerika bildete, gehörten sie zu den wenigen südamerikanischen Arten, die auch im Norden Fuß fassen konnten. Ihre weite Ausbreitung spricht eigentlich für das Anpassungsvermögen der Art.
Jüngere Untersuchungen zeigen außerdem, dass kleinere Arten auf den Karibik-Inseln Hispaniola und Kuba erst um 1550 ausstarben. Sie verschwanden damit erst kurz nach der Ankunft der Europäer und nicht schon als der Mensch zwischen 10.000 bis 30.000 Jahren den amerikanischen Kontinent besiedelte. Auf dem Festland allerdings war das Ende der Riesenfaultiere wie Megatherium vor rund 10.000 Jahren besiegelt. Es liegt somit nahe, dass die Art stark bejagt wurde.

Möglicherweise hatten die Tiere dem Raubtier Mensch nicht viel entgegenzusetzen. Sie konnten sich nur langsam bewegen. Ihre mächtigen Krallen wären nur im Nahkampf einsetzbar gewesen. Allerdings besaßen die Paläo-Indianer bereits Distanzwaffen wie den Speer, möglicherweise auch schon Pfeil und Bogen.

Screenshot Google-Bildersuche: Megatherium

Wie der Screenshot der Google-Bildersuche vom 22.04.2012 zeigt,
wird Megatherium als großes behäbiges Tier dargestellt.
Die Riesen ernährten sich von pflanzlicher Kost wie Blättern und Zweigen.
Sie waren Beutetiere der Säbelzahnkatzen, sehr wahrscheinlich aber auch der Paläo-Indianer.

In indianischen Legenden wird übrigens vom Mapinguari berichtet. Dieses Fabelwesen ähnelt frappierend dem Riesenfaultier.
Riesenfaultiere sind kein einheitliche taxonomische Gruppe an sich. Drei Familien der Faultiere brachten jedoch sehr große Vertreter hervor, die letztlich als Riesefaultiere bezeichnet werden. Dazu gehören:

Megatheriidae

Unterarten der Megatheriidae wurden so groß wie heutige Elefanten. Im späten Pleistozän lebte in Südamerika das Megatherium. Die größten Exemplare wurden bis zu 6 Meter lang und 3 Meter hoch. Es erreichte ein Gewicht von ca. 3 bis 4 Tonnen. Damit wogen die Tiere mehr als fünf heutige Smarts. Insgesamt wirkte das Megatherium sehr klobig. Vermutet wird, dass es sich nur langsam fortbewegen konnte. Die Tiere fraßen allerdings aufrecht Blätter von den Bäumen. Um hierbei die Balance zu halten, mussten sie sich auf ihren massiven Schwanz stützen.

Man fand Fossilien von diesem Riesenfaultier in Patagonien (Argentinien) sowie einigen Andentälern in Bolivien und Peru. Megatherium besiedelte vermutlich die kühleren, südlicheren Gebiete und Gebirgsgegenden auf dem südamerikanischen Kontinent. Durch das kalte und trockene Klima in Patagonien haben sich die Hinterlassenschaften der Tiere besonders gut erhalten. In dem Dung der Tiere konnte man sogar noch die Darmbakterien bestimmen. Daran ließ sich auch der Lebensraum der Tiere ablesen. Sie benötigten baumreiche Gegenden, denn sie waren Laubfresser. Offene Steppengebiete boten ihnen nicht genügend Nahrung. Um an diese zu kommen, richteten sie sich auf den Hinterbeinen auf und zogen die Zweige mit den Vorderpfoten zu sich herab. Dazu waren ihre Krallen sehr hilfreich. Dank der kräftigen Kiefermuskulatur und durch die Größe konnten die Tiere sogar kleinere Äste zermahlen.
Einige Forscher vermuten, dass Megatherium seinen Energiebedarf sogar über dass Fressen von Aas mit gedeckt haben könnte. Seine scharfen Klauen hätten zumindest beim Herausreißen des Fleisches aus dem Kadaver geholfen.
Vermutlich war Megatherium ein Einzelgänger wie andere Faultiere auch. Die Tiere kamen nur zu Paarungszwecken und für die Aufzucht der Jungen zusammen.

Ähnlich groß wie Megatherium war Eremotherium. Es überlebte ebenso bis ins späte Pleistozän. Man fand die Überreste diese Art nicht nur in Südamerika sondern auch in Florida (USA).

Andere Unterarten der Megatheriiden waren kleiner als die beiden größten Vertreter. So gab es beispielsweise noch Nothrotherium und Nothrotheriops, die sich sehr ähnlich waren. Der einzige Unterschied bestand im Lebensraum: Nothrotheriops besiedelte Nordamerika während Nothrotherium in Südamerika beheimatet war.
Verhältnismäßig primitive Vertreter der Megatheriiden waren die Gattungen Planops und Hapalops. Hapalops beispielsweise wurde nur 1,20 Meter lang.

Megalonychidae

Die zweite Familie, die Riesenfaultiere hervorbrachte, war die Familie der Megalonychidae. Zur ihr gehören auch die heute noch lebenden Zweifinger-Faultiere.  Zu den ausgestorbenen Unterarten zählt beispielsweise Megalonyx. Megalonix wurde immerhin in etwa so groß wie ein ausgewachsener Ochse. Die Überreste eines Megalonyx jeffersonii wurden 1796 in Kentucky gefunden. Sie zählen damit zu den ältesten, bekannten und bewusst gemachten Fossilienfunden überhaupt.

Mylodontidae

Die Mylodontidae ist die letzte Familie, aus der kleinere Riesenfaultiere stammen. Die größte Unterart war die Gattung Mylodon. Dieses erreichte mit einer Länge von drei Metern ebenfalls die Größe eines Stiers. Man fand die Überreste der Tiere beispielsweise in Chile.
Die gut erhaltene Haut eines Mylodons ist übrigens im Museum für Naturkunde in Berlin zu sehen. Die Haut zeichnet sich durch zahlreiche kugelförmige Knocheneinlagerung aus, auf denen doch Haare wuchsen. Damit hätten die Tiere soetwas wie eine Panzerung mit sich herumgetragen, die möglicherweise vor schnellen und schweren Verletzungen durch Raubtiere beispielsweise durch Terrorvögel oder die Säbelzahnkatzen Smilodon oder Homotherium ein wenig Schutz bot.

Weiterhin gehörten zu den Mylodontidae das Glossotherium, das in den La-Brea-Teergruben in Los Angeles (USA) gefunden wurde, und das Scelidotherium. Letzteres unterschied sich vor allem im Schädelbau von seiner Verwandtschaft. Es überlebte bis vor ca. 10.000 bis 12.000 Jahren in Südamerika.

Im nachfolgenden Zusammenschnitt der BBC-Serie "Walking with Beasts" kommen ab dem Zeitstempel 4 Minuten und 5 Sekunden Riesenfaultiere ins Bild:

 


Das Riesenfaultier gehört in die Kategorie: Tier.

Beiträge auf H[AGE], die das Wort "Riesenfaultier/Megatherium" beinhalten:

 


Quellen:

Aktualisiert ( Sonntag, 22. April 2012 um 10:26 Uhr )
 

© H[AGE]: Langenwetzendorf (2008 - 2011)