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Olduvai-Schlucht: Die Wiege der Menschheit zwischen Serengeti und Ngorongoro-Krater

Olduvai-Schlucht: Die Wiege der Menschheit zwischen Serengeti und Ngorongoro-Krater (Wordle)

(Steinzeit-Lexikon). Die Olduvai-Schlucht liegt im nördlichen Tansania. In der Landessprache heißt sie eigentlich Oldupai-Schlucht. Sie gehört gemeinsam mit dem Afar-Dreieck in Äthiopien und den Fundplätzen in der Provinz Gauteng in Südafrika zum UNESCO-Weltkulturerbe. Die Welterbestätte ist in die UNESCO-Liste mit dem Namen „Wiege der Menschheit“ (engl. Cradle of Humankind) eingetragen worden, da hier bedeutende Fossilien-Funde gemacht wurden, die einen Einblick in die Evolution des Menschen erlauben. Die Schlucht ist nicht nur bekannt wegen ihrer zahlreichen Hominiden-Fossilien aus dem Pleistozän. Sie gab auch einer ganzen Epoche der Menschheitsgeschichte ihren Namen: Der Oldowan-Kultur, die sich durch die älteste Nutzung von Steinwerkzeugen auszeichnet.

Die Olduvai-Schlucht ist Teil des Great Rift Valleys, also dem Ostafrikanischen Grabenbruch und befindet sich in knapp einer Stunde Entfernung zum Schutzgebiet des Ngorongoro-Kraters. Die Schlucht ähnelt einem Canyon, der die Umgebung entwässert. Dazu gehören die östlichen Ebenen der Serengeti sowie die umliegenden Hänge des Grabenbruchs. Die Olduvai-Schlucht erstreckt sich über eine Länge von rund 50 Kilometern und ist an mancher Stelle bis zu 100 Meter tief.
Die archäologische Zone umfasst ca. 100 Quadratkilometer. Sie wird von Touristen abgeschirmt und darf nur mit Guides betreten werden.

Das ablaufende Regenwasser hat nicht nur die Schlucht mit ihrer jetzigen Oberfläche geformt, sondern es wusch auch die gesamte Erdoberfläche im Umkreis ab und trug so dazu bei, dass sie erodierte. Deswegen liegen die versteinerten Überreste der unterschiedlichsten Tierarten an vielen Stellen offen. Viele der Arten sind seit Millionen von Jahren ausgestorben. So fand man hier beispielsweise riesige Verwandte der heutigen Schafe und Schweine.

Millionen Jahre alte Fossilien liegen direkt an der Erdoberfläche und müssen eigentlich "nur" aufgesammelt werden

Die Fundstätte sprach sich schnell bei Forschern und Abenteurer aus Europa herum. Anfang des 20. Jahrhunderts suchten immer wieder europäische Forschungsreisende in der Olduvai-Schlucht nach Tierfossilien und bald auch nach Spuren von Vormenden. Im Jahr 1911 fand der deutsche Neurologe Wilhelm Kattwinkel in diesem Gebiet ein dreizehiges Urpferd (Hipparion). Dies wäre höchstens eine Fußnote in der Geschichte der Archäologie wert, hätte dieser Fund nicht Hans Reck angestachelt, die Schlucht 1913 zu besuchen. Reck entdeckte bei seiner Expedition das Skelett eines vor 20.000 Jahren verstorbenen Homo sapiens. Dieses Fossil ging als OH 1 (Olduvai hominid 1) in die Annalen der Geschichte ein.

Der ganz große Wurf in der Olduvai-Schlucht gelang allerdings erst Louis Leakey gemeinsam mit seiner Frau Mary und dem Sohn Jonathan. Ab 1931 spürten sie in dem Fundgebiet sensationelle Funde auf: Zunächst zahlreiche, primitive Steinwerkzeuge, die der Oldowan-Kultur ihren Namen gaben und später diverse Funde, die unter anderem Paranthropus boisei, Homo habilis und Homo erectus zugeordnet wurden.

Die Olduvai-Schlucht: Interessant nicht nur für Anthropologen sondern auch für Zahnärzte

Die Fossilien haben sich in sogenannten biostratigraphischen Bänken erhalten. In verschiedenen Fundschichten wurden Fossilien unterschiedlichen Vormenschen-Arten gefunden:

  • Bank 1: Paranthropus boisei und Homo habilis
  • Bank 2: Paranthropus boisei, Homo habilis und Homo erectus
  • Bank 3: Homo erectus

Ganz in der Nähe der Olduvai-Schlucht befinden sich weitere bekannte Fundstellen. So wurden z. B. im Grabungsgebiet Laetoli die berühmten Fußspuren von Laetoli entdeckt. Auch bis zu den jüngeren Fundstellen von Makuyuni ist es eigentlich nur ein Katzensprung.

In der Olduvai-Schlucht wurden selbstverständlich diverse prähistorische Menschenzähne entdeckt. Ein relativ unscheinbarer 1,8 Millionen Jahre alter Backenzahn dürfte zumindest Zahnärzte schwer begeistern. Wie Peter Ungar von der University of Arkansas (USA) nachweisen konnte, zeigt dieser Backenzahn die ersten Spuren von menschlicher Mundhygiene. Einer unserer Vorfahren muss den Zahn mit Hilfe eines Zahnstochers gereinigt haben. Die Zahnbürste selbst wurde übrigens erst 1.799.500 Jahre später in China erfunden.

 


Die Olduvia-Schlucht gehört in die Kategorie: Fundort/Fossil.

Beiträge auf H[AGE], in denen der Begriff "Olduvai-Schlucht" vorkommt:

 


Quellen:

Aktualisiert ( Freitag, 13. April 2012 um 21:38 Uhr )
 

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