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Jäger und Sammler: Naturvölker wie die San

Jäger und Sammler: Naturvölker wie die San

(Steinzeit-Lexikon). Als Jäger und Sammler bezeichnet man all jene archaischen Kulturen, die für ihre Ernährung keinen Ackerbau oder Viehzucht betreiben sondern die ihren Nahrungsbedarf über das Sammeln von Früchten und das Jagen von Wildtieren decken.
Auch heute noch gibt es Völker, die als Jäger und Sammler leben. Die moderne Gesellschaft bezeichnet sie gerne als Naturvölker. Doch in den Anfangstagen der Menschheit war diese Gesellschaftsform die Norm. Erst mit der Neolithischen Revolution wurden die Menschen sesshaft und zogen nicht länger den großen Tierherden hinterher. Aber bis dahin war es ein weiter Weg.

Die klassischen Jäger- und Sammlergesellschaften bestanden aus kleinen Gruppen bzw. Stämmen, die ungefähr 30 bis 40 Leute umfassten. In der Regel beanspruchten die Gruppen ein festes Territorium, in dem sie umherzogen und dem Nahrungsangebot folgten. Dazu mussten sie mobil sein. D. h. entweder sie lebten in transportablen Zelten oder aber die Sippen errichteten verschiedene Camps mit Hütten. Von dort aus ging es auf die Beutezüge.

Die frühen Menschen gingen meist in Gruppen auf die Jagd. Zunächst gab es die klassische Rollenverteilung „Frau sammeln – Mann jagen“ gar nicht. Jeder musste alles machen, um das Überleben der Sippe sicherzustellen. Es wurde übrigens alles Essbare gejagt und gesammelt
Die Menschen stellten vom Rebhuhn bis zum Mammut alles nach. Doch auch das Jagen musste erst gelernt und geeignete Jagdwaffen entwickelt werden. Unsere frühen Vorfahren verschmähten wahrscheinlich auch die bereits tote Beute von anderen Raubtieren nicht. Aas lieferte die für die Gehirnentwicklung wichtigen Proteine und Energie.

Nur wer die richtigen Waffen hatte, konnte erfolgreich jagen und so das Überleben des Clans sichern

Spielkarte: Erfahrener JägerDie früheste Jagdform war die Ausdauerjagd. Dabei wird ein Beutetier solange verfolgt, bis es zusammenbricht und getötet werden kann. Noch heute erlegen die Jäger der Khoisan, die im südlichen Afrika leben, auf diese Art und Weise schnelle Huftiere wie Zebras oder Steinböcke. Sie nutzen dafür eine besondere Eigenschaft des Menschen: Der Mensch kann dank seiner Schweißdrüsen und der schwachen Behaarung seinen Körper aktiv kühlen. Damit hält der Homo sapiens sogar einen Marathonlauf durch. Viele andere Tiere brechen aber vorher entkräftet zusammen.
Mit der Erfindung von Jagdwaffen konnten die Urmenschen auch auf die Pirsch gehen. Zu den ältesten Jagdwaffen der Menschheit gehört das Wurfholz und der Speer. Beispielsweise gelten die Schöninger Speere als die bislang ältesten erhalten gebliebenen Distanzwaffen. Der Speer wurde später zur Lanze und Harpune weitergewickelt. Die Erfindung der Speerschleuder und von Pfeil und Bogen sicherte die Überwindung von noch größeren Distanzen. Aber auch Blasrohr, Netze, Schlingen und Fallen kamen bereits in der Steinzeit zum Einsatz.

Spielkarte: SammlerNeben der Jagd wurde viel gesammelt. Früchte, Nüsse, Samen, Wurzeln, Wildgemüse aber auch Maden, Insekten, Eier und Muscheln ergänzten den Speiseplan. Je nach Jahreszeit und Standort verschmähten die frühen Menschen auch Samen, Algen, Beeren und Pilze nicht. Ein energiereicher und süßer Snack war garantiert auch wilder Honig, der allerdings oftmals mit vielen, schmerzhaften Bienenstichen bezahlt werden musste.

Der Speiseplan des Allesfressers Mensch ist abwechslungsreich, dennoch waren die Zeiten hart und die Menschen wurden nicht besonders alt

Trotz der scheinbaren Vielfalt an Nahrungsmitteln in der Steinzeit war das Leben oft hart und die Menschen mussten sich Vorräte für die langen Winter anlegen. Dazu wurde vieles getrocknet bzw. gedörrt, denn man kannte weder das Pökeln noch das Einkochen. Es ist anzunehmen, dass auch die Urmenschen im Laufe der Zeit lernten, dass geräuchertes Fleisch sich länger hält.  Aus getrocknetem Fleisch, Fett und getrockneten Früchten wurde beispielsweise Pemmikan hergestellt. Diese energiereiche „Instant-Nahrung“ kennen heute noch die Indianer Nordamerikas.

Das gesammelte und erjagte Essen musste dann aufbewahrt bzw. auch erst mal zum Lager gebracht werden. Als erste Transportbehältnisse wurden beispielsweise ausgehöhlte Kürbisse oder die Felle und Häute von erjagten Tieren genutzt. Sehr frühzeitig begannen die Menschen aber auch aus Gras, Binsen oder Weidenruten Körbe, Matten und Behälter zu fertigen. Wahrscheinlich wurde das Flechten vor dem Weben erfunden. Die Webtechnik erwies sich außerhalb von Afrika als sehr nützlich. Damit ließen sich eine künstliche Behaarung schaffen, die vor der Kälte der Landstriche schützte. Der Mensch konnte so die Erde erobern und weitere Lebensräume erschließen.

Die Erfindung der Arbeitsteilung (Frauen sammeln - Männer jagen) könnte einen evolutionären Vorteil gebracht haben

Bei den heutigen Jäger- und Sammlerkulturen gibt es eine klare Arbeitsteilung nach Alter und Geschlecht. Diese hat sich jedoch erst während des Jungpaläolithikums herausgebildet. Noch während des Mittelpaläolithikums verrichteten Männer und Frauen ähnliche Aufgaben. Die Differenzierungen innerhalb der Gesellschaft entwickelten sich zunächst in der Region rund um das östliche Mittelmeer und breiteten sich von hier aus über ganz Eurasien aus. Experten vermuten, dass genau jene Veränderung und damit die Entwicklung der Arbeitsteilung dem Homo sapiens einen Vorteil gegenüber anderen Hominiden wie z. B. dem Neandertaler verschaffte.

In vielen archaischen Kulturen sind die Männer in der Regel für die Jagd auf große Land- und Wassertiere verantwortlich. Frauen, Kinder und Jugendliche kümmern sich eher um das Sammeln von pflanzlicher Nahrung bzw. um die Jagd auf Kleinwild. Sie bleiben damit in der Nähe der Wohnstätten. Sie passen auf die Feuerstelle auf und helfen bei der Verarbeitung des Großwilds.  Aus evolutionärer Sicht macht diese Arbeitsteilung durchaus Sinn, denn dadurch wird der reproduktive Kern einer Population geschützt. Für Frauen und Kinder werden die Gefahren minimiert.

In der Regel kennen Naturvölker kein großartiges materielles Besitzdenken. Sie haben nur Waffen, um auf die Jagd gehen zu können, Werkzeuge, um zu Waffen oder Fallen herzustellen sowie Kochutensilien. Damit gibt es relativ wenig soziale Ungleichheit. Arm und Reich kennen Jäger und Sammler nicht, da sie vieles miteinander Teilen. Denn nur so wird das Überleben der Gruppe sichergestellt. Unterschiede in der Gruppe und damit in der Sozialstruktur ergeben sich nur durch die Faktoren Alter und Geschlecht. Meist wird den ältesten und erfahrensten Männern der meiste Respekt entgegengebracht. Logischerweise treffen sie dann auch die wichtigen Entscheidungen: z. B. wann der günstigste Zeitpunkt für die nächste Jagd oder für den Aufbruch ins Wintercamp ist.

Neolithische Revolution ließ Menschheit sesshaft werden

Erst vor 15.000 bis 10.000 v. Chr. begannen einige Jäger- und Sammlergesellschaften in Kleinasien sesshaft zu werden. Sie zogen nicht mehr den Tieren hinterher sondern domestizierten z. B. Wildrinder und bauten Samen und Früchte selber an. Irgendeinem findigen Vorfahren fiel nämlich einmal auf, dass dort, wo ein paar Körner bei der Verarbeitung liegengeblieben waren, im nächsten Jahr an der gleichen Stelle neue Pflanzen wuchsen. Sicherlich war diese Entdeckung für den einzelnen keine große Sache. Doch für die gesamte Menschheit hatte sie eine große Bedeutung, denn damit war der Ackerbau erfunden. Experten sprechen bei diesem Kulturwandel von der sogenannten Neolithischen Revolution. Vom Gebiet des Fruchtbaren Halbmonds aus breitete sich die neue Lebensweise als Bauern und Viehzüchter weiter aus. In Süd- und Mitteleuropa wird dieser Übergang von den Jägern und Sammlern hin zu den sesshaften Bauern und Viehzüchtern für den Zeitraum 7.500 bis 4.000 v. Chr. angenommen. In Mittelamerika fanden diese fundamentalen Umwälzungen vor ca. 5.100 bis 4.200 v. Chr. statt.

Doch noch heute leben auf fast allen Kontinenten Völker als Jäger und Sammler. In Afrika beispielsweise die San (Südafrika) und die Hadza (Tansania), in Asien die Fayu (Papua Neuguinea), in Australien die Aborigines oder in Südamerika die Yanomami.


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Quellen:

Aktualisiert ( Mittwoch, 24. Oktober 2012 um 20:48 Uhr )
 

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