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Hund: Wie der Wolf zum besten Freund des Menschen wurde

Hund: Wie der Wolf zum besten Freund des Menschen wurde (Wordle)

(Steinzeit-Lexikon/Tierlexikon). Der Haushund trägt den wissenschaftlichen Namen Canis lupus familiaris. Die Hunde der mittlerweile geschätzten mehr als 800 Hunderassen (weltweit) werden aber nicht nur als reines Haustier sondern vielfach auch als Nutztier gehalten. Der Hund wird dem Wolf als Unterart zugeordnet, da diese Wildtiere als Stammväter der Hunde angesehen werden. Wissenschaftliche Untersuchungen haben mittlerweile belegt, dass der Hund von Wolf und nicht vom Schakal, Wildhund oder Kojote abstammt. Wann genau die Domestikation stattfand, ist noch nicht eindeutig geklärt. Wissenschaftliche Schätzungen gehen von einem Zeithorizont von 100.000 bis 15.000 Jahren aus.

Als Haushund im engeren Sinne bezeichnet man die Hunde, die überwiegend im Haus gehalten werden. Die Bezeichnung leitet sich somit von der Haltungsform ab. In früheren Jahrhunderten wurden all jene Hunde als Haushunde bezeichnet, die das Haus bewachten.
Der Begriff Haushund wird weiterhin eingeschränkt auf jene Tiere, die an das Zusammenleben mit Menschen gewohnt sind. Somit sind explizit wild lebende, verwilderte oder streunende Hunde ausgenommen. Beispielsweise wird der australische Dingo vom Haushund als Wildhund unterschieden.

Das Hunde und Wölfe sehr eng miteinander verwandt sind, lässt sich durch die Kreuzungsfähigkeit der beiden Arten belegen. Hunde und Wölfe können also gemeinsame Nachkommen zeugen. In welchem Grad ein solcher Mischling vom Hund oder Wolf abstammt, ist allerdings nicht einfach am Äußeren festzumachen.
In der Hundezucht gab es immer wieder Versuche, Hunderassen durch das Einkreuzen von Wölfen zu „optimieren“. Die Ergebnisse blieben jedoch in allen Fällen wie dem Saarloos-Wolfshund, dem Tschechoslowakischen Wolfhund und dem Lupo Italiano hinter den züchterischen Erwartungen zurück.

Mischpaarungen in der freien Natur kommen nicht allzu häufig vor, da sich die Fruchtbarkeitszyklen von Hund und Wolf unterscheiden. Sowohl Wolfsrüde als auch Wölfin sind nur einmal im Jahr fruchtbar. Hier findet sich ein enormer Unterschied zwischen Wolf- und Haushundrüden.  Ein weiteres Hemmnis sind die unterschiedlichen Verhaltensweisen. Dennoch wurden auch schon in freier Wildbahn Verpaarungen beobachtet. Man nimmt an, dass es immer dann zu Vermischungen aus Mangel an Alternativen kommt, wenn es wenige Wölfe aber viele Haushunde gibt.
Noch ist es fraglich, ob für die Wolfspopulationen eine Vermischung positive oder negative Auswirkungen hat. Entsprechende Untersuchungen erfolgten bislang nicht.

Nicht erst seit Wolfsblut: Wolf und Hund können sich verpaaren

Mit der Frage, wann genau der Wolf zum Hund wurde, beschäftigt sich die Wissenschaft schon seit langem. In den 1990er Jahren legten Untersuchungen der mitochondrialen DNA nahe, dass sich die Wege von Hund und Wolf bereits vor mehr als 100.000 Jahren trennten. Dabei muss der Wolf  mehrfach und unabhängig voneinander gezähmt worden sein. Die so gewonnen Daten sind selbst unter Experten umstritten, denn die Zeitspanne resultiert lediglich aus der Hochrechnung der molekularen Uhr. Kritiker führen an, dass sich Unterschiede, die auf eine Domestikation zurückzuführen sind, in fossilen Knochen nur bis zu 40.000 Jahre zurückverfolgen lassen. Bei diesen Argumenten wird wiederum als Kritik angeführt, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass der Haushund nach seiner ersten Domestikation noch sehr lange dem Wolf sehr ähnlich gesehen haben dürfte. Deswegen ist die Zuordnung von fossilen Funden zu Wolf oder Hund nicht immer eindeutig und daher alles andere als leicht.

Alle heutigen Hunderassen können auf Basis einer DNA-Studie von 2004 genetisch vier verschiedenen Domestikationsereignissen zugeordnet werden. Demnach wurde der Haushund in Ostasien vor 15.000 Jahren gezähmt.
Weltweit haben alle Hunderassen einen gemeinsamen Genpool. Dieser lässt sich in 10 Haplotypen unterteilen. Jedoch findet sich nur bei Hunden in China, die südlich des Jangtse-Flusses leben, die komplette genetische Bandbreite. Das lässt darauf schließen, dass in dieser Region der Ausgangspunkt für die Domestizierung der Hunde gelegen haben könnte. Die molekulare Uhr lässt für den Vorgang ein Zeitfenster offen, dass höchsten 16.300 und mindestens 5.400 Jahre zurückliegt.

Der ursprüngliche Genpool muss aus mindestens 51 Wölfen bestanden haben. Untersuchungen am Y-Chromosom von 151 Rüden aus aller Welt bestätigte den südostasiatischen Ursprung und legte nahe, dass alle heutigen Hunde von ca. 13 bis 24 Wolfsvätern abstammen.
Allerdings sind kleinere Hunderassen vor bereits 12.000 Jahren durch fossile Funde im Vorderen Orient, das dem Gebiet des Fruchtbaren Halbmonds entspricht, belegt. Die heutigen kleinen Hunderassen stammen aus genetischer Sicht aus der Region. Es muss hier also auch der orientalische Wolf domestiziert worden sein.

In der Literatur zu findende Zahlen, wann genau der Wolf zum Hund wurde, sind widersprüchlich

Die bislang vorgestellten und teilweise widersprüchlichen Zahlen stützen sich vor allem auf genetische Untersuchungen. Doch es gibt auch noch archäologische Funde, die weitere Daten liefern. (Zugegeben ... auch dieses Material vereinfacht nicht die Klärung der Abstammung und die Bestimmung des Zeitpunkts der Domestikation.)
Die ältesten fossilen Überreste, die als Anpassung des Wolfes an den Homo sapiens gedeutet werden, stammen aus der Zeit des Jungpaläolithikums. Hier kam es zu Veränderungen am Gebiss, die letztlich dazu führten, dass sich der Fazialschädel beim Hund im Vergleich zum Wolf verkürzte.
Ein derart veränderter Wolfsschädel wurde beispielsweise in der Razboinichya-Höhle im Altai-Gebirge gefunden und auf ein Alter von 33.000 Jahren geschätzt. Ein weiterer Schädel stammt aus der Goyet-Höhle in einem Nebental der Maas (Belgien) und könnte knapp 32.000 Jahre alt sein. Beide Funde werden mit den frühen Cro-Magnon-Menschen in Verbindung gebracht. Damit lässt sich die Zähmung des Wolfes auf das Aurignacien und Gravettien eingrenzen. Die Domestizierung schlug sich in einer kürzeren und breiteren Schnauze nieder, die auf einem veränderten Fressverhalten beruht. Eine solche Deutung der Funde ist nicht unumstritten, da das veränderte Fressverhalten nicht zwangsläufig auf den Menschen und den Einsatz des Wolfes als Jagdbegleiter herrühren muss.

Im Oblast Brjansk (Russland) entdeckte man Hundeknochen, die auf ein Alter von 17.000 bis 13.000 Jahren v. Chr. datiert sind. Die Fundstelle ist gut untersucht. Die Fauna wurde durch das Wollhaarmammut beherrscht, das zum Ende der letzten Waldaj-Eiszeit (= Weichseleiszeit), noch häufig anzutreffen war. Kulturell werden die Beifunde dem Epi-Gravettien zugerechnet. In der von 1930 bis 1940 ausgegrabenen Siedlung wurden zwei komplette Hundeschädel gefunden. Den ersten Hundeschädel fand man auf einer Herdstelle. Den zweiten entdeckte man in einer Behausung aus Mammutknochen. Beide Hunde von Eliseevichi hatten eine kurze Schnauze und waren ca. 70 cm hoch. Es handelt sich dabei zusammen mit den etwa gleich alten Funden aus Mezhirich (Ukraine) um die bislang ältesten Funde, bei denen sich die Wissenschaft einig ist, dass es domestizierte Tiere sind.

Zähmung des Hundes in Mitteleuropa vor 14.000 Jahren gilt als gesichert.

Wie bereits angedeutet, steht allerdings bereits fest, dass die Domestikation mehrfach und regional zu ganz unterschiedlichen Zeit stattfand. Ein weiterer Beleg dafür ist der Fund aus Saint-Germain-de-la-Rivière in Frankreich. Hier konnte man anhand von Isotopen-Untersuchungen bei Knochen von Mensch und Wolf nachweisen, dass beide eine ähnliche Diät zu sich nahmen. Einer der Hunde ernährte sich überwiegend von mariner Kost – nämlich Lachsen. Nun ist allgemein bekannt, dass Wölfe nicht von sich aus, Jagd auf Lachse machen. Deswegen spricht dieser Fund für eine Domestikation der Tiere. Das Ereignis muss vor ca. 14.000 Jahren stattgefunden haben. Damit kann ab diesem Zeitpunkt die Zähmung des Hundes in Mitteleuropa als gesichert angenommen werden.

Aus dieser Zeit stammt auch das Doppelgrab von Oberkassel (Deutschland). Hier wurden die Verstorbenen zusammen mit Hunden begraben. Auch im Norden Israels - genauer auf der Hayonim-Terrasse - wurde ein Mensch mit einem Hund bestattet. Jüngere Belege für diesen Totenkult stammen aus Kamtschatka und Sibirien. Die Gräber sind etwa 10.000 Jahre alt.

Auf dem amerikanischen Kontinent stammt der bislang älteste Hund aus Texas (USA). Seine Überreste wurden mit der C14-Methode auf ein Alter von knapp 9.500 Jahren datiert. Noch sind allerdings nicht alle Experten restlos überzeugt, dass es sich bei dem gefundenen Knochen tatsächlich um einen Hund und nicht um einen Kojoten oder Wolf handelt. Der damalige Untersuchungsleiter kam in seiner entsprechenden Veröffentlichung zu dem Schluss, dass das Tier gegessen worden sein müsste, da es angeblich in menschlichen Exkrementen gefunden wurde.
Ungeachtet solcher Details gehen viele Forscher davon aus, dass die Hunde zusammen mit den ersten Menschen bei der Besiedlung Nordamerikas vor etwa 14.000 Jahren von Ostsibirien aus eingewandert sein müssen.

Hunde waren bereits früh der beste Freund des Menschen und wurden sogar schon in der Jungsteinzeit bestattet

In der Jungsteinzeit war der Haushund bereits in vielen Kulturen weit verbreitet. Er wurde damals sogar schon separat bestattet. Aus den ersten bäuerlichen, mitteleuropäischen Kulturen (seit ca. 5.500 v. Chr.) sind solche Funde bekannt. Offensichtlich war der Hund den Bandkeramikern bereits ein treuer und geschätzter Begleiter. Die Hunde ähnelten bereits nicht mehr den Wölfen. Es waren eher mittelgroße Rassen. In der bandkeramischen Siedlung von Zschernitz (Sachsen/Deutschland) wurde 2003 ein separat bestatteter Torfhund aus jener Zeit gefunden. Die Rasse, die auch als Pfahlbautenspitz bezeichnet wird, lebte wahrscheinlich mindestens bis ins 17. Jahrhundert. Diesen Schluss lassen zumindest die Überreste des Torfhundes von Burlage zu.

Die alten Ägypter mumifizierten nicht nur Menschen sondern auch Katzen und Hunde. Übrigens der älteste, nachweisliche Hundenapf stammt aus der Zeit um Christi Geburt. In Mayen wurde damals ein Hund mit seinem Fressnapf bestattet.

Die Annäherung von Mensch und Wolf, die letztlich zur Entwicklung des Hundes führte, war definitiv ein schleichender Prozess. Wahrscheinlich hielten sich einige Wölfe in der Nähe von menschlichen Lagern auf und ernährten sich von den Abfällen der Menschen. So verloren sie vielleicht einen Teil ihrer natürlichen Scheu. Auch werden sich die frühen Jäger und Sammler sicherlich um verwaiste Wolfsjungen gekümmert haben. Möglicherweise wurden Wölfe ja als Totemtiere verehrt. Totemtiere standen immer unter dem besonderen Schutz der Geister. Die in der menschlichen Gemeinschaft aufgezogenen Welpen lernten den Menschen als Rudelführer zu akzeptieren und entdeckten für sich die Annehmlichkeiten des Zusammenlebens mit den Menschen. Sie erledigten daher die ihnen zugedachten Aufgaben in der Gemeinschaft. Dem Wolf kamen demnach drei seiner Eigenschaften zu Gute, die auch beim Erfolg der menschlichen Evolution eine wichtige Rolle spielten: sein ausgeprägtes Sozialgefüge, seine Kommunikationsfähigkeit und seine Gelehrigkeit. Möglicherweise auch deswegen verstehen sich Mensch und Hund/Wolf so gut.

Ob als Gebrauchshund, Hüttehund, Wachhund oder Jagdhund: Der Hund hilft dem Menschen bei der Bewältigung des Alltags

Hunde erfüllen im menschlichen Alltag nämlich eine Vielzahl von Aufgaben. So gibt es Hunde, die den Menschen bei seiner Arbeit unterstützen. Im Fachjargon heißen diese Hunde „Gebrauchshunde“. Polizeihunde aber auch Blindenhunde und Rettungshunde sind bekannte Exemplare der Gebrauchshunde. Bei den Aborigines wurden Hunde unter anderem dazu gehalten, dass sich Hund und Mensch gegenseitig in den kalten Wüstennächten aneinander wärmen. Eine besondere Zusammenarbeit zwischen Hund und Mensch bei der Jagd gibt es bei den Aborigines nicht. Allerdings spielte die Hilfe bei der Jagd sicherlich bei der Domestizierung der Tiere eine große Rolle. Der Wolf wurde sicherlich deshalb gezähmt, um dem Menschen beim Aufspüren, Aufjagen und Erlegen des Jagdwildes zu unterstützen. Die grundlegenden Eigenschaften dafür erbten die frühen Hunde von ihren Vorfahren den Wölfen. Erst sehr viel später wurden ganz spezielle Jagdhunderassen gezüchtet.

Im Laufe der Neolithischen Revolution bekamen die Hunde neue Aufgaben: Sie mussten als Hirtenhunde die Herden zusammenhalten und außerdem Haus und Hof bewachen. Noch heute gibt es spezielle Rassen, die zum Einsatz als Wachhund besonders geeignet sind. Der Einsatz von Hunden als Zugtiere, die z. B. bei der Heuernte vor kleinere Karren gespannt wurden, ist bis ins Mittelalter hinein verbürgt. In nördlichen Ländern werden Huskys als Schlittenhunde ausgebildet. Erst in den letzten Jahrzehnten wird der Hund als bester Freund des Menschen mehr und mehr in die Freizeitgestaltung mit einbezogen. So entwickelte sich z. B. der sogenannte Hundesport. Mittlerweile kommt es durch die Vermenschlichung der Hunde zu eklatanten Haltungsfehlern. Vielfach sind die Hunde jedoch der einzige soziale Bezug ihrer Halter und Frauchen bzw. Herrchen meinen es eigentlich nur gut mit den Tieren.

Mittlerweile fast vergessen bzw. in Europa verpönt, sind weitere Gründe für die Haltung von Hunden. In Nordasien ist der Hundepelz noch immer begehrt. Bis ins 20. Jahrhundert hinein wurde auch das Leder der Tiere vielfach genutzt. Der Hund war damit lange Zeit ein Lieferant für Kleidung. Vor der Einführung von Schafen nach Nordamerika war Hundehaar ein wichtiger Rohstoff für Wolle und damit für gewebte Textilien.
Nach wie vor gilt Hundefleisch in einigen Ländern wie Korea, Vietnam und China als Delikatesse. Doch in vielen Kulturen hat sich als Tabu herausgebildet, Hundefleisch zu verzehren.

Heute droht vielen Hunderassen die Überzüchtung, da sich die Zucht-Selektion zunehmend auf das Aussehen als auf die Eigenschaften konzentriert

Die Domestikation des Hundes spielte sich nicht in einigen wenigen Jahrhunderten ab. Die Entstehung der heutigen Vielfalt bei den Hunderassen war ein langer Zucht-Prozess. Durch gezielte Selektion musste die Wildheit des Wolfes gezähmt werden, die natürlichen Triebe der Tiere mussten unterbunden und ihre Sinne gebändigt werden. Ein Beispiel ist das Bellen des Hundes. Es wurde von den Menschen als Warnsignal geschätzt. Wölfe können nicht bellen sondern nur heulen. Solche besondere Fähigkeiten einzelner Tiere wurden durch die Zucht verstärkt und machen heute den Hund aus. Die Veränderungen im Aussehen waren zunächst nur schmückendes Beiwerk. Heute ist es leider viel zu oft das eigentliche Zuchtziel. Manche Hunderasse musste das schon mit Überzüchtung und schweren, negativen Folgen für die Gesundheit bezahlen.

 


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Aktualisiert ( Dienstag, 09. Oktober 2012 um 19:49 Uhr )
 

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