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Höhlenlöwe: Die Kraft, Wildheit und Gefährlichkeit inspirierte viele Steinzeit-Künstler

Höhlenlöwe: Die Kraft, Wildheit und Gefährlichkeit inspirierte viele Steinzeit-Künstler (Wordle)

(Steinzeit-Lexikon/Tierlexikon). Einst durchstreifte die Großkatze Panthera leo spelaea Europa und Nordasien vor 300.000 bis 13.000 Jahren. Vielen ist das ausgestorbene Raubtier allerdings nicht unter seinem wissenschaftlichen Namen sondern nur als Höhlenlöwe bekann. Lange Zeit war sich die Wissenschaft nicht sicher, ob die Gattung tatsächlich eine Unterart des Löwen ist. Mittlerweile sind diese Zweifel aber ausgeräumt. Die Erstbeschreibung der Tierart erfolgte anhand eines Schädels, der aus der Zoolithenhöhle von Burggaillenreuth (Fränkische Alb) stammte.

Löwen gab es während der Kalt- und Warmzeiten in Europa. Anhand von Fossilienfunden weiß man, dass die ersten Löwen vor rund 900.000 bis 700.000 Jahren auf dem europäischen Kontinent auftauchten. Der sogenannte Mosbacher Löwe wurde als Panthera leo fossilis bestimmt. Hin und wieder kommt es vor, dass eben jener Mosbacher Löwe als Höhlenlöwe bezeichnet wird. Dies führt schnell zu Verwirrungen. Doch als Höhlenlöwe gilt ausschließlich Panthera leo spelaea.

Die Mosbacher Löwen erreichten eine Kopf-Rumpf-Länge von 2,40 Meter. Sie übertrafen damit heute in Afrika lebende Löwen um einen halben Meter. Aus dieser mächtigen Art entwickelte sich letztlich der Höhlenlöwe. Er kann erstmals vor 300.000 Jahren nachgewiesen werden.
Die Höhlenlöwen hatten ein Verbreitungsgebiet, dass sich über fast ganz Nord-Eurasien erstreckte. Einzelne Individuen erreichten über die Bering-Landbrücke, die während der Vereisung Nordamerika und Asien verband, sogar Alaska. Von Alaska aus zogen die Tiere weiter nach Süden und entwickelten sich dort letztlich zum Amerikanischen Löwen (Panthera leo atrox).

Höhlenlöwe starb zum Ende der letzten Eiszeit in Europa aus

Trotz seiner offensichtlichen Anpassungsfähigkeiten verschwand der Höhlenlöwe zum Ende der letzten Eiszeit vor ca. 12.000 Jahren. Er teilte damit das Schicksal so vieler Arten der eiszeitlichen Megafauna. Vielleicht gelang es einigen Höhlenlöwen auf der Balkanhalbinsel bis weit in die Nacheiszeit zu überleben. Es wird hier sogar von Höhlenlöwen bis in die Zeitenwende hinein berichtet. Allerdings ist nicht gesichert, ob diese Balkan-Löwen tatsächlich zur Unterart der Höhlenlöwen gehörten. Die jüngsten Funde, bei denen es sich gesichert um Höhlenlöwen handelt, stammen aus dem Gebiet des Lena-Flusses in Sibirien (Russland) und aus Sigmaringen (Deutschland). Diese Fossilien wurden auf ein Alter von ca. 12.500 Jahren datiert. Als die großen Herden aus den offenen Steppen verschwanden, ging auch die Ära der großen Löwen in Europa zu Ende.

Viele Fossilien wurden in Höhlen entdeckt. Man vermutet, dass verendete Tiere von Hyänen als Beute in die Höhlen geschleppt wurden. Dort waren die Kadaver sicher vor anderen Räubern. Bekannte Fundplätze in Deutschland sind: Bilstein-Höhle, Balver Höhle, Pericks-Höhlen, Keppler-Höhle und Zoolithenhöhle. Im bayerischen Siegsdorf wurde ein vollständiges Höhlenlöwen-Skelett außerhalb einer Höhle gefunden.

 

Screenshot: Höhlenlöwe in der Google Bildersuche

Wie die Google-Bildersuche vom 06.11.2012 beweist, werden Höhlenlöwen
in wissenschaftlichen Rekonstruktionen ganz unterschiedlich dargestellt.
Manchmal wird auch eine Mähne angedeutet obwohl diese nicht in Höhlenmalereien zu erkennen ist.

 

Im Schnitt 25 Prozent größer als heutige Löwen

Die Löwen waren beeindruckende Zeitgenossen. Ein Höhlenlöwen-Männchen konnte immerhin eine Schulterhöhe von 1,20 Meter sowie eine Kopf-Rumpf-Länge von 2,10 Meter erreichen. Damit waren die Tiere mindestens genauso groß wie ein absolutes Prachtexemplar eines heute lebenden Löwen. Man geht davon aus, dass Europäische Höhlenlöwen im Schnitt 25 Prozent größer waren als die Löwen wie wir sie heute kennen. Allerdings erreichte die Unterart weder die Ausmaße der Mosbacher Löwen noch die der Amerikanischen Löwen.

Steinzeit-Künstler haben die Tiere in Höhlenmalereien festgehalten. Da hier sehr detailgetreu gearbeitet wurde, lassen die Felsbilder durchaus Rückschlüsse auf das Fell und die Mähne zu. Besonders bekannt, da sehr eindrucksvoll, sind die Farbbilder in der Höhle von Chauvet in der Ardèche (Frankreich) sowie die Elfenbeinschnitzerei des Löwenmenschen aus der Vogelherdhöhle in der Schwäbischen Alb (Deutschland).
Die steinzeitlichen Darstellungen zeigen Höhlenlöwen immer ohne Mähne. Dies kann nur bedeuten, dass bei den Höhlenlöwen auch die Männchen mähnenlos waren. Hier unterscheiden sie sich optisch von der afrikanischen und indischen Verwandten. Diese beeindrucken durch ihre üppigen Mähnen. Dafür zeigen die Höhlenmalereien sehr oft die für Löwen typische Schwanzquaste. In den Zeichnungen werden die Tiere meist einfarbig dargestellt.

Steinzeit-Künstler hielten die Großkatzen in Höhlenmalereien und Elfenbeinfiguren fest

Die Kraft, Wildheit und Gefährlichkeit der Löwen dürften auf die damaligen Menschen eine mystische Anziehungskraft ausgeübt haben. Immerhin haben unsere Vorfahren angefangen von Homo erectus über Homo heidelbergensis und Neandertaler bis hin zum Homo sapiens Bekanntschaft mit den Raubtieren gemacht. Bestimmt wurden an den Lagerfeuern Geschichten über die Höhlenlöwen erzählt. Und es werden auch grausame darunter gewesen sein. Denn obwohl der Mensch nicht das Hauptbeutetier war, dürfte er ins Beuteschema gepasst haben.

Höhlenlöwen gab es in Europa sowohl während der Warmzeiten als auch während der Kaltzeiten. Selbst die maximale Vereisung vertrieb die Tiere nicht aus Mitteleuropa. Fossile Tatzenabdrücke neben den Hufabdrücken von Rentieren lassen vermuten, dass Höhlenlöwen sogar bis in die Zone des Subpolargebietes vorgedrungen sind. Ihre Nahrungsspektrum war relativ breit. Sie machten vor allem Jagd auf die damaligen Huftiere wie Wildpferde, Hirsche, Wildrinder wie den Auerochsen und Antilopen zu ihrem Beutespektrum. Wahrscheinlich verschmähten sie auch Mammuts, Wollnashörner und Bisons nicht – sofern sich eine Gelegenheit bot. Doch diese Tiere waren sehr wehrhaft. Allerdings waren Höhlenlöwen während der Eiszeit nicht die einzigen großen und gefährlichen Jäger. Sie mussten sich das Angebot mit Konkurrenten wie Höhlenhyänen, Braunbären und Wölfen aber auch mit dem Mensch teilen. Vermutlich wichen sie daher gerne auf Rentiere aus und verfolgten diese Beute bis weit in den hohen Norden.

Lieblingsspeise Rentiere

Wahrscheinlich lebten die Löwen im Familienverband. Eventuell verletzte Tiere wurden von den Artgenossen im Rudel an der Beute geduldet und so mit Futter versorgt. Dieses Sozialverhalten belegt der Fund von Hessenaue bei Darmstadt. Dort entdeckte man das Schienbein eines Höhlenlöwen, den eine schwere Entzündung des Knochenmarks plagte. Das Tier war definitiv für eine gewisse Zeit nicht in der Lage, Beute zu jagen. Doch die Verletzung verheilte und das Tier überlebte. In der Zwischenzeit muss es vom Rudel mit versorgt worden sein. Es gibt aber auch Belege, dass manche Höhlenlöwen eingefleischte Einzelgänger waren.

Der Name Höhlenlöwe ist ebenso verwirrend wie der Name Höhlenbär. Wahrscheinlich suchten die Tieere Höhlen zu Lebzeiten so gut wie gar nicht auf. Trotzdem fand man viele Skelette in Höhlen. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich kranke, alte und geschwächte Tiere dorthin zurückzogen, da die Höhlen einen gewissen Schutz boten. Viele dieser Höhlenlöwen verendeten dann dort. Manche Kadaver wurden aber auch offensichtlich von Höhlenhyänen dorthin verschleppt. Anders als die Höhlenhyäne und der Höhlenbär nutzten Höhlenlöwen die Höhlen weder zur Aufzucht von Jungtieren noch zum Verstecken von Beutetieren.

Höhlenlöwen lebten nicht in Höhlen sondern in Steppen- und Waldgebieten

Vermutlich durchstreiften die Höhlenlöwen sowohl die Steppe als auch die Busch- und Waldtundra. Sie kommen in Gebieten ohne Höhlen genauso vor wie in Gebieten mit Höhlen. Bei ihren Streifzügen drangen die Löwen auch weit ins Gebirge vor. Höhen von über 2500 Metern scheinen kein Problem gewesen sein. Die bislang höchstgelegensten Überreste wurden in der Conturineshöhle in Südtirol (Italien) auf 2800 Metern entdeckt.

Lange Zeit war die genaue Einordnung unter Wissenschaftlern umstritten. War der Höhlenlöwe nun dem Tiger oder dem Löwen zuzurechnen? Oder stellte er womöglich eine eigene Art da? Erst seit 2004 herrscht in diesem Punkt Klarheit. Da bestätigte ein DNA-Test, dass die Höhlenlöwen eine Unterart des Löwen (Panthera leo) sind – zumindest aber als klarer naher Verwandter anerkannt werden müssen. Damit wurde letztlich ein Disput geklärt, der seit der Erstbeschreibung im Jahre 1810 anhielt. Damals konnten die Fossilien nicht eindeutig als Löwe oder Tiger identifiziert werden.

Definitiv belegt: Es waren Löwen und keine Tiger

Letztlich bilden die nördlichen Löwen des Pleistozäns einen eigenen Rassekreis, der klar von den Afrikanischen und Südasiatischen Löwen abgegrenzt ist. Die sogenannte spelaea-Gruppe umfasst:

  • Mosbacher Löwe (Panthera leo fossilis)
  • Höhlenlöwe (Panthera leo spelaea)
  • Amerikanische Höhlenlöwe (Panthera leo atrox).

Dagegen gehören alle heute noch lebenden Löwenrassen der sogenannten leo-Gruppe an. Vermutlich trennten sich die Wege der beiden Rassekreise vor ca. 600.000 Jahren. Lange Zeit wurden die Funde aus Ostsibirien und Beringias als eigene Unterart (Panthera leo vereshchagini) klassifiziert. Allerdings belegen mittlerweile DNA-Analysen, dass es keine genetischen Unterschiede zum Eurasischen Höhlenlöwen gibt. Genetische Unterschiede konnten dagegen zwischen den Amerikanischen Löwen, die sich südlich der glazialen Eisschilde entwickelten, und den Beringia-Höhlenlöwen nachgewiesen werden.

 


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Quellen:

 

Aktualisiert ( Dienstag, 06. November 2012 um 21:43 Uhr )
 

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