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Höhlenbär: Alles andere als ein Teddy- oder Kuschelbär

Höhlenbär: Alles andere als ein Teddy- oder Kuschelbär (Wordle)

(Steinzeit-Lexikon/Tierlexikon). Der ausgestorbene Höhlenbär (Ursus spelaeus) lebte vor 400.000 bis 28.000 Jahren. Er war perfekt an das Leben während der Kaltzeiten angepasst. Höhlenbären bevölkerten Europa von Nordspanien bis zum Ural. Die Tiere erreichten von der Kopf- bis zur Schwanzspitze eine Länge von 3,5 Metern. Die Schulterhöhe betrug die Größe eines ausgewachsenen Menschen - nämlich 1,70 m. Die Kolosse waren damit noch gewaltiger und furchteinflößender als der heutige Braunbär. Die größten Exemplare brachten ein Gewicht von über einer Tonne auf die Waage.
Vermutlich gab es beim Höhlenbären auch einen Geschlechtsdimorphismus, sodass die Weibchen etwas kleiner als die Männchen waren.

Der Höhlenbär besaß kräftige Kiefer, deren Muskeln am Scheitelkamm auf der Kopfoberseite ansetzten. Der Kopf war damit massig und wirkte im Vergleich zu heutigen Bären rundlicher. Als Allesfresser besaß der Höhlenbär auch großflächige Zähne. Vermutlich ernährte er sich aber größtenteils von Pflanzen wie Beeren, Gräsern und Früchten. Vielleicht verschmähten einzelne Exemplare auch Aas nicht, wenn sie darüber stolperten. Dies passierte wahrscheinlich des öfteren, denn Höhlenbären verfügten über feine Sinne. Die Wissenschaft geht davon aus, dass die Tiere ihre Nahrung über eine Entfernung von mehreren Kilometern wittern konnten. Und auch das Gehör und Sehvermögen der Bären war außerordentlich gut.
Doch ihre Leib- und Magenspeise war Fleisch definitiv nicht. Obwohl an ein raues Klima angepasst, waren die Tiere auf einen nichtvereisten Lebensraum angewiesen. Durch seine Ernährungsgewohnheiten konnte der Höhlenbär nur Gebiete besiedeln, in denen laubtragende Bäume vorkamen. In der Tundra und auch in Kaltsteppenbiotopen fanden die Tiere vermutlich nicht genügend Nahrung, um lange Zeit dort überleben zu können.

Ein drittel größer als heutige Braunbären und trotzdem Vegetarier

1771 wurden die ersten Höhlenbärenknochen in der Zoolithenhöhle bei Burggaillenreuth (Fränkische Schweiz) entdeckt. Der Entdecker Johann Friedrich Esper beschrieb seinen Fund 1774 in einer Publikation. Doch erst 20 Jahre später erfolgte die Einordnung in die Nomenklatur von Carl von Linné durch Johann Christian Rosenmüller. Er nutzte für die Einordnung einen vollständig erhaltenen Schädel aus der Zoolithenhöhle.
In den darauffolgenden Jahrzehnten wurden noch viele weitere Höhlenbär-Fossilien in den Höhlen der Fränkischen Alb aber auch der der Schwäbischen Alb entdeckt.

Doch eigentlich war der Höhlenbär gar kein Höhlenbewohner. In den Sommermonaten durchstreiften die Bären lichte Wälder und bewaldete Flusstäler.
Die Tiere nutzten die natürlichen, unterirdischen Höhlräume lediglich für ihre Winterruhe. Tiere, die allerdings an ihrem Schlafplatz aufgrund mangelnder Winterspeckreserven die kalte Jahreszeit nicht überstanden, blieben für immer in den Höhlen eingeschlossen. So sammelten sich im Laufe von Zehntausenden von Jahren jede Menge Knochen, Schädel und Zähne auf natürliche Art und Weise an.
In den Karsthöhlen versteinerten die Überreste im Laufe der Zeit dank des basischen Millieus der Umgebung besonders gut. Da es viele Höhlen gibt, in denen die Fossilien der Höhlenbären fast 90 Prozent des gesamten Fundmaterials ausmachen, erstaunt es niemand wirklich, dass eine Reihe von Höhlen den Namen Bärenhöhle oder Bärenloch bekommen hat.

Bedingt durch die Lebensweise versteinerten in Höhlen viele Überreste der Bären

In vielen Museen und Ausstellungen findet man zahlreiche aus Einzelknochen zusammengesetzte Skelette von Höhlenbären. Es ist dabei gut möglich, dass die Knochen einst zu unterschiedlichen Tieren gehörten. Um eine Vorstellung davon zu bekommen, wie viele Höhlenbär-Fossilien es gibt, sei ein Beispiel erwähnt. In der Drachenhöhle bei Mixnitz (Steiermark/Österreich) fand man die Überreste von geschätzten 3000 Höhlenbären, die ein Alter zwischen 30.000 bis 40.000 Jahren haben.
Ob überhaupt und wenn ja inwieweit die eiszeitlichen Jäger und Sammler den Höhlenbären nachstellten, ist weitgehend im Dunkel der Geschichte verborgen. Bislang gibt es nur einen direkten Beweis für die gezielte Jagd. In der Höhe Hohler Fels bei Schelklingen wurde eine Projektilspitze im Brustwirbel eines Höhlenbären entdeckt. Die Überreste dieses Tieres werden auf ein Alter von 29.000 BP geschätzt. Damit stimmt die Datierung mit der Siedlungsschicht des Gravettien überein.  Allerdings macht eine Projektilspitze noch keine intensive Bejagung.

In den südfranzösischen Höhlenmalereien taucht der Höhlenbär gleich mehrfach auf. Auch wenn die Wissenschaft heute nicht von einem steinzeitlichen Bärenkult ausgeht, waren beispielsweise in der Höhle von Chauvet Bärenschädel exponiert aufgestellt worden.

Die jüngsten, bislang gefundenen Überreste von Höhlenbären haben ein Alter von ca. 24.000 BP, was in etwa 27.800 Kalenderjahren entspricht. Offensichtlich starben die riesigen Bären aus, als sich das Klima weiter abkühlte. Vor 25.000 bis 20.000 Jahren erreichte die letzte Eiszeit ihren Höhepunkt. Da waren die Höhlenbären wahrscheinlich bereits wie viele andere Tiere der eiszeitlichen Megafauna bereits ausgestorben. Vermutlich änderte sich durch die Klimaabkühlung die Vegetation. Den Bären fehlte dadurch schlicht und ergreifend die Lebensgrundlage. Noch ist allerdings unklar, ob die Tiere im Süd- und Osteuropa länger überleben konnten.

Der Höhlenbär starb mit vielen anderen Vertretern der eiszeitlichen Megafauna aus

Auch beim Höhlenbär ist der eingewanderte moderne Mensch (Homo sapiens), vor allem der Cro-Magnon-Mensch, als Grund für das Aussterben im Gespräch. Einige Wissenschaftler vertreten auch hier die Overkill-Hypothese, wonach die Population durch übermäßige Bejagung unter Druck geriet und aufgrund des durch den damaligen Klimawandel verursachten Stresses ausstarben. Doch belastbare Belege für die Overkill-Hypothese gibt es bislang nicht. Wahrscheinlicher dagegen ist, dass die einzelnen Populationen sich zunehmend auf Inseln in der rauer werdenden Umwelt beschränkten. Damit fehlte der genetische Austausch. Die Tiere wurden durch Inzucht möglicherweise anfälliger für Krankheiten. Außerdem mussten die einzelgängerisch lebenden Bären mehr Zeit und Energie für die Partnersuche aufwenden. Da die Vegetationsperioden kürzer wurden, fehlte ihnen dann vielleicht auch einfach nur die Zeit, sich ausreichend Winterspeck anzufressen.

Vielfach wurden in Höhlen verendete Mütter mit ihren Jungtieren entdeckt. Ähnlich wie heute die Eisbären brachten die Weibchen in der Mitte des Winters ihren Nachwuchs zur Welt. Das hatte den Vorteil, dass die Jungtiere dann im Frühjahr mobil genug waren, um der Mutter folgen zu können. Für die Mütter barg dies allerdings das Risiko, dass die im Sommer angefressenen Fettreserven nicht ausreichen konnten. Denn sie mussten über die langen Wintermonate nicht nur sich selbst durchbringen, sondern auch die Embryonen versorgen und später für den Nachwuchs Milch produzieren. Ging aber alles gut, dann blieben die Jungtiere bis zu zwei Jahren bei der Mutter. Ein wütendes Weibchen verteidigte seine Jungtiere auch gegenüber dem Höhlenlöwen (Panthera leo spelaea) und der Höhlenhyäne (Crocuta crocuta spelaea). Diese beiden Räuber waren die einzigen, die einem Höhlenbär gefährlich werden konnten.

Mit einer wütenden Höhlenbär-Mutter legte sich niemand an

Dank der Untersuchung von mitochondrialer DNA eines vor 32.000 Jahren in der Chauvet-Höhle verendeten Höhlenbären konnte der Verwandtschaftsgrad zu den heute lebenden Bärenarten analysiert werden. Demnach ist der Höhlenbär eng mit dem Eisbär und Braunbär verwandt. Die drei Arten hatten einen gemeinsamen Vorfahren. Alle übrigen noch lebenden Bärenarten stammen von einem anderen Ast des Bären-Stammbaums ab. Der direkte Vorfahre des Höhlenbärs war der Denningerbär.
Die Höhlenbären hatten sich bis zum Spätpleistozän zu drei Unterarten entwickelt.

  • Ursus spelaeus (Westeuropa)
  • Ursus ingressus (Osteuropa)
  • Ursus deningeri kudarensis (Kauakasus)

Erst in den letzten Jahren gab es auch Höhlenbärenfunde in Nord- und Zentralasien. Ein in Nordsibirien gefundenes Exemplar war eng mit dem Kaukasischen Höhlenbären verwandt während die Höhlenbären aus dem Altai enge Verwandtschaftsverhältnisse mit den Westeuropäischen Höhlenbären aufwiesen.

 


Der Höhlenbär gehört in die Kategorie: Tiere.

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Quellen:

Aktualisiert ( Donnerstag, 01. November 2012 um 23:18 Uhr )
 

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