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Fußspuren von Laetoli: Die bislang ältesten Belege für die Fortbewegung des Menschen auf zwei Beinen

Fußspuren von Laetoli: Die bislang ältesten Belege für die Fortbewegung des Menschen auf zwei Beinen (Wordle)

(Steinzeit-Lexikon). Die Fußspuren von Laetoli wurden 1976 von Andrew Hill entdeckt. Dabei half im Kollege Zufall. Der Paläontologe von der Yale University befand sich bei einem Besuch in Laetoli in der Tuff 7 genannten Vertiefung. Als ein Kollege einen Klumpen Elefantendung nach ihm warf, duckte er sich weg und bemerkte seltsame Abdrücke. Wie sich später herausstellte handelte es sich um die fossilen Abdrücke von Regentropfen aber auch von Vögeln, Säugetieren und Wirbellosen. Diese Entdeckung wurde weiter untersucht und so fand man ein Jahr später noch andere Spuren. Diese wurden zunächst unter Vorbehalt als hominin klassifiziert. Im Juli 1978 stießen Forscher dann auf zwei parallel verlaufende Spuren. Sie stammten ohne Zweifel von aufrecht gehenden Individuen. Es konnte sich also nur um Abdrücke von frühen Vertretern der Gattung Homini handeln. Die Spur blieb über beinahe 30 Meter hinweg erhalten.

Die westliche Fußspur stammt von einem einzeln laufenden menschlichen Vorfahr und besteht aus 22 Abdrücken. Die östliche Spur besteht aus 12 Abdrücken. Sie wird als Fährte von zwei hintereinander gehen Individuen interpretiert.
Bei den Fußspuren von Laetoli handelt es sich um die bislang ältesten Belege für das Gehen auf zwei Beinen bei den frühen Vorfahren des Menschen. In späteren Jahren wurden noch weitere Fußabdrücke der Hominiden gesichert. Heute sind rund 70 Fußabdrücke bekannt. Experten glauben, dass Australopithecus afarensis diese Fußspuren hinterließ. Es wäre also dieselbe Art, von der das bekannteste frühmenschliche Skelett abstammt: Lucy.

Vor ca. 3,6 Millionen Jahren hinterließen Verwandte von Lucy in der von einem relativ sanften Regen angefeuchteten Vulkanasche ihre Spuren neben vielen anderen in der Gegend lebenden Bewohnern: kleinen Affen, Antilopen, Elefanten, Nashörnern, Pferde, Katzen, Perlhühnern und Käfern. Womöglich war der nur 20 km entfernte Vulkan Sadiman erst kürzlich ausgebrochen. Dank ihrer chemischen Zusammensetzung härtete die durchfeuchtete Asche in der Sonne ähnlich wie Zement aus. Durch weitere Eruptionen wurde diese Schicht mit den Spuren von anderen Ascheschichten abgedeckt und damit vor Witterungseinflüssen geschützt. So konnte sie die Jahrmillionen überdauern und zu einer wissenschaftlichen Sensation werden.

Die Fupabdrücke in der feuchten Vulkanasche überdauerten die Jahrmillionen

Wissenschaftliche Simulationen haben ergeben, dass Australopithecus afarensis bereits sehr früh einen energieeffiziente Gang entwickelte und mit c.a 3,6 Kilometer pro Stunde bzw. 1 Meter pro Sekunde dahinschritt. Damit liegen die frühen Hominiden am unteren Ende der heutigen Schrittgeschwindigkeit. Allerdings muss man auch bedenken, dass Australopithecus afarensis nur zwischen 1,30 bis 1,60 m groß wurde.

Nachdem die wissenschaftlichen Untersuchungen der Fußabdrücke von Laetoli 1979 abgeschlossen waren, bedeckten die Wissenschaftler die Spuren erneut, um sie vor Wind, Regen und Temperaturstürzen zu schützen. Erst 1995/96 legten die Forscher die Spuren erneut frei. Sie hatten Angst, dass Wurzeln von Pflanzen, die mittlerweile an der Stelle wuchsen, die wertvollen Funde zerstören könnten. Die Experten nutzten die Gelegenheit aber auch, um die Fußabdrücke erneut zu vermessen, zu fotografieren und zu dokumentieren. Anschließend erfolgte eine abermalige Versiegelung der Spuren unter mehreren Schichten aus Sand und Erde.
Erst vor kurzem erteilte die Regierung von Tansania die Erlaubnis, die Fußspuren noch einmal freizulegen und mit den neuesten wissenschaftlichen Methoden zu analysieren, denn es soll in der Nähe des Fundortes ein Museum errichtet werden. Die Regierung hofft damit zum einen die Fußspuren bewahren zu können, auf der anderen Seite wird aber auch auf Einnahmen aus dem Tourismus geschielt. Laetoli liegt in der Ngorongoro Conservation Area (NCA). Sie wird von ca. 450.000 Personen im Jahr besucht.

Neue Untersuchungen fördern weitere Details zu Tage

Bei ihren 3D-Aufnahmen entdeckten die Forscher eine vierte Spur von einem menschlichen Individuum. Bis dahin war die Wissenschaft davon ausgegangen, dass es sich um eine Kleinfamilie gehandelt hat und die Fußspuren von Laetoli von einem Mann, einer Frau und einem Kind stammen würden. Diese Annahme wird durch die neuen Untersuchungen hinfällig. Denn die 3D-Aufnahmen belegen, dass alle Fußspuren in etwa die gleiche Größe besaßen und ca. 19 cm lang sind. Einer der Australopithecinen hatte allerdings Probleme mit seinem rechten Fuß. Dieser war unnatürlich abgewinkelt. Dafür belastete der Urmensch seinen linken Fuß in besonderem Maße.

Im Gebiet von Laetoli, das Im Norden von Tansania mitten im Ostafrikanischen Graben und ca. 45 Kilometer von der berühmten Olduvai-Schlucht liegt, gibt es weitere Ausgrabungen. Bislang wurden mehr als 10.000 Fossilien gesammelt, damit gehört Laetoli mit zu den bedeutendsten Fundstellen für Fossilien aus dem Pliozän. Unter den Funden finden sich auch einige Knochen, die menschlichen Vorfahren zugeordnet werden. So ist hier auch der erste Fund des Paranthropus aethiopicus in Tansania belegt. Sein Alter wird auf 2,66 Millionen Jahre geschätzt.

 


Die Fußspuren von Laetoli gehören in die Kategorie: Fossil.

Beiträge auf H[AGE], in denen der Begriff "Fußspuren/Fußabdrücke von Laetoli" vorkommt:

 


Quellen:

 

Aktualisiert ( Mittwoch, 04. April 2012 um 08:35 Uhr )
 

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