Zufallskarte

Besiedlung ...
Image Detail
Valid XHTML 1.0 Strict CSS ist valide!

Birkenpech: Der erste Kunststoff und Universal-Kleber der Menschheitsgeschichte

Birkenpech: Der erste Kunststoff und Universal-Kleber der Menschheitsgeschichte (Wordle)

(Steinzeit-Lexikon). Birkenpech war der erste Universalkleber der Menschheit. Es handelt sich hierbei um ein schwarzes Destillat mit der Konsistenz von Teer, das aus der Rinde von Birken gewonnen wird. Weder Birkenteer noch Birkenpech kommen so natürlich vor. Sie entstehen erst durch einen künstlichen, chemischen Prozess. Das Destillat besitzt die Eigenschaften von Klebstoff und mittlerweile konnte nachgewiesen werden, dass es bereits seit der Vorzeit als Kleber und als Abdichtmaterial bei Kanus und Schiffen verwendet wurde.

In den 1960er Jahren fand man bei Ausgrabungen in der Nähe von Aschersleben (Sachsen-Anhalt/Deutschland) zwei Pechstücke, die auf die mittlere Altsteinzeit datiert wurden. Damit haben sie ein Alter von ca. 80.000 Jahren. Aus dem Aurignacien vor ca. 30.000 Jahren sind Stichel und Projektilspitzen bekannt, die mit Birkenpech zusammengeklebt wurden. Nicht nur der moderne Mensch nutzte nachweislich diesen Universalleim sondern auch der Neandertaler.

Der bislang älteste Nachweis von Resten von Birkenpech gelang bei einem Fundplatz in Campitelle in Italien. Hier wurden die Funde auf ein Alter von 220.000 Jahre geschätzt. Die ältesten Funde aus Deutschland stammen aus einem Fundplatz bei Inden-Altdorf, der im Zuge des Rheinischen Braunkohleabbaus entdeckt wurde. Die identifizierten organischen Reste haben ein geschätztes Alter von ca. 120.000 Jahren. Zunächst hielt man die Klumpen für Baumharz. Erst eine spätere Analyse brachte zum Vorschein, dass es sich dabei um den Klebstoff Birkenpech handelte. Interessant ist dieser Fund noch aus einem ganz anderen Grund. Auf den Klumpen haben sich die vermutlich ältesten menschlichen Fingerabdrücke der Welt/Hautabdrücke von der Hand erhalten.

Erster Thermokleber der Menschheit - nur die Heißklebepistole wurde dann doch etwas später erfunden

Birke

Ausgangsmaterial ist die Rinde der Birke. Die Birke ist eine sogenannte Pionierpflanze, die fast überall auf der Nordhalbkugel heimisch ist.

Auch wenn der Nachweis von Birkenpech sehr schwierig ist, muss dennoch davon ausgegangen werden, dass es der erste hergestellte Kunststoff in der Menschheitsgeschichte gewesen ist. Pflanzenfasern und Birkenpech ergaben durchaus feste Verbindungen.

Der Universalkleber wird mit Hilfe eines Verschwelungsprozesse hergestellt. Chemiker sprechen in diesem Zusammenhang von der trockenen Destillation bzw. der sogenannten Pyrolyse. Dabei wird Birkenrinde in einem luftdicht abgeschlossenen Behälter konstant auf eine Temperatur von 340 bis 400° C erhitzt. Die Birkenrinde wandelt sich dabei fast vollständig um – zunächst zu Birkenteer. Dieser muss dann zu Birkenpech eingekocht und verdickt werden.

Experimente der experimentellen Archäologie konnten nachweisen, dass bei einem Feuer innerhalb der Feuerstelle zufällig kleinere Mengen an brauchbarem Birkenpech entstehen können. Damit konnten auch Kulturen in der Steinzeit, die noch keine Keramiken kannten, durchaus Birkenpech herstellen.

Birkenpech klebt fast so gut wie moderner Zwei-Komponenten-Kleber. Ist aber im Unterschied dazu vollständig biologisch abbaubar.

In der Steinzeit hatte Birkenteer bzw. Birkenpech die Funktion, die in unserer Zeit der Alleskleber erfüllt. Er wurde genutzt, um die Steinspitzen in den Schäften von Werkzeugen und Waffen zu befestigen oder um Federn an Pfeilschäfte zu kleben. Über die Jahrtausende erhalten geblieben ist so gut wie nichts. Schwarze Spuren an Messern und Pfeilspitzen werden allerdings als solche Überreste gedeutet.
Das Pech wurde höchstwahrscheinlich durch Wärme erweicht und mit seinen Klebeeigenschaften genutzt. Es gibt Hinweise, dass selbst zerbrochene Keramik damit wieder repariert wurde. Birkenpech fand aber auch als Abdichtungsmaterial und Nagetierschutz für Behältnisse aus organischem Material (wie Holz oder Rinde) Verwendung.

Möglicherweise nutzten die Steinzeit-Menschen kleine Klumpen von Birkenteer auch als Kaugummi. Zumindest gibt es entsprechende Funde von Zahnabdrücken auf Birkenteerklumpen. Ob das Kauen von Birkenteer unter Zahnpflege oder als Genussmittel verbucht wurde, ist nicht bekannt. Einige Wissenschaftler führen an, dass es auch sein könnte, dass das Birkenpech auf diese Weise vor der endgültigen Verarbeitung weich gemacht worden ist. Aber durch eine vorsichtige Erwärmung wäre man sicherlich schneller ans Ziel gekommen.
Doch der Kunststoff hatte noch eine andere Eigenschaft, die die Menschen der Steinzeit sicherlich zu schätzen wussten. Es wirkt als Wund- und Heilbalsam bei allergischen Hautreaktionen bzw. Ekzemen.

 


Birkenpech gehört in die Kategorie: Fähigkeit/Werkzeug.

Artikel auf H[AGE], in denen der Begriff "Birkenpech" vorkommt:

 


Quellen:

 

Aktualisiert ( Dienstag, 09. Oktober 2012 um 19:49 Uhr )
 

© H[AGE]: Langenwetzendorf (2008 - 2011)