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Die Wohnsiedlungen der Berliner Moderne - UNESCO-Weltkulturerbe in Deutschland & Sehenswürdigkeit

Wohnsiedlungen der Berliner Moderne (Wordle)

Die Siedlungen der Berliner Moderne wurden im Sommer 2008 in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Es handelt sich hierbei um insgesamt sechs Siedlungen, die mittlerweile alle unter Denkmalschutz stehen. Sie stammen alle aus der Zeit der klassischen Moderne und waren Vorreiter des sozialen Wohnungsbaus. Sie hatten damit Signalwirkung für die Entwicklung der Architektur und des Städtebaus in der Folgezeit.

Zu den Wohnhaussiedlungen der Berliner Moderne zählt:

  • die Gartenstadt Falkenberg (Treptow)
  • die Siedlung Schillerpark (Wedding)
  • die Großsieglung Britz (Neukölln) – wird oftmals auch als Hufeisensiedlung bezeichnet
  • die Wohnstadt Carl Legien (Prenzlauer Berg)
  • die Weiße Stadt (Reinickendorf) und
  • die Großsiedlung Siemensstadt (Charlottenburg und Spandau).

Die Bauten sind eng verbunden mit den Namen: Bruno Taut, Ludwig Lesser, Franz Hoffmann, Max Taut, Hans Hoffmann, Martin Wagner, Leberecht Migge, Franz Hillinger, Bruno Ahrends, Wilhelm Büning, Otto Rudolf Salvisberg, Otto Bartning, Fred Forbat, Walter Gropius, Hugo Häring, Paul Rudolf Henning sowie Hans Scharoun.

Die sechs Siedlungen wurden in der Zeitspanne 1913 bis 1934 errichtet. Es handelt sich also um die Jahre zwischen dem Ersten Weltkrieg und dem Machtantritt der Nationalsozialisten. Die Weimarer Republik wurde gegründet und die sogenannten Goldenen Zwanziger Jahre brachen an, die dann jedoch in der Weltwirtschaftskrise endeten.

Wohnsiedlungen der Berliner Moderne
Wikipedia1
UNESCO-Welterbe Wohnsiedlungen der Berliner Moderne
Wikipedia2

Genau in jeder Zeit bauten die Architekten der klassischen Moderne. Ihnen gelang dabei eine Antwort auf die Wohnungsnot in der Kaiserzeit, die sowohl städtebaulich als auch architektonisch ein Ausrufezeichen nach dem anderen setzte. Der bezahlbare Wohnraum war zwar rationell geschnitten. Dennoch gab es eine moderne Ausstattung mit Küchen, Bädern und Balkone. Die Häuser hatten keinen Hinterhof und auch keine Seitenflügel. Dafür trumpften sie mit Licht, Luft und Pflanzen auf. All das sind heute Grundvoraussetzungen für ein behagliches Wohngefühl. Diese Konzepte waren damals aber revolutionär. Die Siedlungen der Berliner Moderne waren plötzlich nicht länger Wohnraum, der nur profitgierigen Vermietern Mieteinnahmen garantiert, sondern sie sollten ein wirklicher Lebensraum sein.

Sozialdemokratischer Gegenentwurf zu den damaligen Mietkasernen: Vision trifft Baukunst.

Die Baukunst war von höchster Qualität. Sowohl die moderne Formensprache als auch die funktionalen Grundrisse wurden später vielfach im 20. Jahrhundert adaptiert und auch immer wieder die städtebaulichen Figuren der Siedlungen international aufgegriffen.

Dieser Städtebau mit genau jenem Wohnungswesen konnte nur unter den einmaligen, bereits beschriebenen, politischen und gesellschaftlichen Bedingungen der damaligen Zeit entstehen. Er markiert einen historischen Wendepunkt. Denn er war der bewusste Gegenentwurf zu privatwirtschaftlichen Bauspekulationen, die nichts anderes als Mietskasernen hervorbrachte. Die Architekten wollten mit ihrem Gegenmodell eine neue Stadt in einer neuen Gesellschaft erschaffen. Dabei verbanden sie die ästhetischen Vorstellungen der künstlerischen Avantgarde mit der Architektur aber ebenso den sozialen Ideen der politischen Linken. Es verwundert daher nicht, dass sich als Träger dieser gebauten Utopie gewerkschaftliche, genossenschaftliche und städtische Baugesellschaften fanden.

Film über die Wohnsiedlungen der Berliner Moderne

 

Sachlichkeit & Funktionalität machen den Charakter des Neuen Bauens aus

Die modernen Wohnanlagen schufen einen neuen architektonischen Typus,  dessen Siedlungsstrukturen sich stark von den zeitgenössischen Strukturen abhoben. Das neue Bauen setzte konsequent auf Funktionalität, Reihung und Sachlichkeit.

Die Wohnsiedlungen der Berliner Moderne boten einen gesünderen und hohen Lebensstandard, den sich jedoch auch ärmere Bevölkerungsschichten leisten konnten. Die Reformsiedlungen hatten maßgeblichen Einfluss auf die spätere Entwicklung des sozialen Wohnungsbaus. Damit bestimmten sie auch die Architektur, den Städtebau und die Landschaftsgestaltung mit, so wie wir sie heute kennen.

Eine Übersicht mit weiteren UNESCO-Weltkulturerbe & Weltnaturerbe-Stätten in Deutschland finden Sie hier.

 


Quellen:

 

Credits

1 Reihenhäuser, Tuschkastensiedlung von Bruno Taut.
von Ujump (Own work) [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

2 Gebäude (Goebelstr. 50 ff) von Hugo Häring in der „Großsiedlung Siemensstadt“ in Berlin-Charlottenburg-Nord, Deutschland.
von Doris Antony, Berlin [GFDL oder CC-BY-SA-3.0-2.5-2.0-1.0], via Wikimedia Commons

Aktualisiert ( Donnerstag, 07. Juni 2012 um 22:33 Uhr )
 

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