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Die Wartburg in Eisenach - UNESCO-Weltkulturerbe in Deutschland & Sehenswürdigkeit

Die Wartburg in Eisenach am Rande des Thüringer Waldes (Wordle)

Die Wartburg bei Eisenach ist nicht nur eines der Wahrzeichen Thüringens sondern hat auch national und international eine große Bedeutung. Die Anlage wurde deswegen 1999 vom Welterbe-Komitee in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. In der Begründung heißt es, dass die Wartburg ein hervorragendes Denkmal der feudalen Epoche ist und in Mitteleuropa ihres gleichen sucht. Auch kulturell spielte sie eine wichtige Rolle.

Immerhin übersetzte hier Martin Luther das Neue Testament von der griechischen Urform ins Deutsche. Musikliebhaber assoziieren mit der Wartburg den sogenannten Sängerkrieg, der Richard Wagner zu der Oper „Tannhäuser“ inspirierte. Doch auf der Wächterburg, wie die Wartburg übersetzt heißt, lebte auch die Heilige Elisabeth. Johann Wolfgang von Goethe war ebenfalls mehrfach auf der Burganlage, die sich hoch über Eisenach erhebt.

Die im 19. Jahrhunderts abgehaltenen Feste der Burschenschaften auf der Wartburg begründeten den Ruf nach Einigkeit und Recht und Freiheit und legten letztlich die Grundpfeiler für den ersten deutschen Nationalstaat, der 1848/49 gegründet wurde. Die Wartburg war stets ein Symbol für die deutsche Integration und Einheit – nicht zuletzt während der deutschen Teilung. Ihre Lage am Rande des Thüringer Waldes und der innerdeutschen Grenze tat ihr Übriges dazu. Allein diese Stationen der bewegten Geschichte belegen eindrucksvoll den Welterbe-Status.

Die Wartburg bei Eisenach thront hoch über der Stadt
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Der Burghof
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Die Geschichte der mittelalterlichen Burgherren zeigt auch, wie sich das Ministerialengeschlecht der Ludowinger zum deutschen Königtum entwickeln konnte. Im ausgehenden 12. und dem beginnenden 13. Jahrhundert erblühte die höfische Kultur auf der Wartburg. Es kamen Dichter und Minnesänger von überall her. So liest sich die Liste, derer die den Weg an den Hof fanden, wie ein Who-is-Who der damaligen Zeit: Walther von der Vogelweide, Wolfram von Eschenbach, Albrecht von Halberstadt, Heinrich von Morungen und Herbort von Fritzlar.

Die nach ihrem Tode heiliggesprochene Elisabeth von Thüringen verbrachte hier von 1211 bis 1228 den größten Teil ihres kurzen Lebens. Sie lebte zunächst als Braut und später als Gemahlin von Ludwig IV auf der Festung.

Eine Attraktion auf der Wartburg ist heute noch die Schreibstube von Martin Luther, das sogenannte Kavaliersgefängnis bzw. Lutherstube. Von Mai 1521 bis März 1522 fand er als Junker Jörg getarnt nach seiner Verbannung und Ächtung auf der Wartburg Zuflucht. Innerhalb von elf Wochen übersetzte er das Neue Testament. Angeblich sieht man hier heute noch die Spuren, als Luther mit dem Tintenfass nach dem Teufel warf.

Es gibt kaum einen geschichtsträchtigeren Ort in Deutschland

Das heutige Bild der Wartburg wurde maßgeblich im 19. Jahrhundert ausgestaltet. Die Romantiker erkannten die Symbolträchtigkeit dieses Ortes und manifestierten ihre Sehnsucht nach der guten alten Zeit. Die Wartburg verdankt ihre Erhaltung zum einem dem Großherzog Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach und zum anderen dem Architekten Hugo von Ritgen. Diese beiden bargen die „deutscheste aller Burgen“ aus den Trümmern und unter dicken Putzschichten.

In dieser Zeit wurden auch verschwundene Teile der Anlage wie der Bergfried (= unbewohnter Wehrturm), die Dirnitz (= die beheizbare Stube) und das Gadem (= Gästehaus als Fachwerkbau an der Stelle des ehemalige Marstalls) auf den alten Fundamenten wieder aufgebaut. Es erfolgte eine aufwändige Restaurierung des romanischen Palas. Dieser entstand nach 1155 und war ein Saalbau mit 170 Säulen sowie meisterhaften Kapellen. Lange Zeit galt der Palas als schönster Profanbau nördlich der Alpen.

Die Werke des Romantiker Moritz von Schwind sind im Sängersaal, im Landgrafenzimmer sowie in der Elisabethgalerie erhalten. Hier wurde das Leben der heiligen Elisabeth in romantischen Bildern nacherzählt. Die Elisabethgalerie gilt als eine der besten Schöpfungen von Schwind überhaupt.

Film über die Wartburg

 

Ein fahrbahrer Untersatz trug den Namen der deutschesten aller Burgen

Die Restaurierung war eine Lebensaufgabe. Sie dauerte über 40 Jahre, wurde unterbrochen von Streiks, Geldmangel und politische Wirren. Doch nur so können heute Millionen von Besuchern das UNESCO-Weltkulturerbe in seiner ganzen Pracht bestaunen. Auf der Wartburg wurde jede historische Gestalt - egal ob Kreuzzügler, Spitalschwester, Reformator, Minnesänger oder Dichter - zum Sagenheld und die Taten zu Wundern.

Mittlerweile fast verschwunden ist ein weiteres Stück Geschichte aus Eisenach. Der Wartburg Motorwagen - ein nach der Festung benanntes Automobil (1898–ca. 1903) bzw. der Wartburg als PKW. Diese Modellreihe wurde in der DDR von 1956 bis 1991 im Automobilwerk Eisenach gebaut. Doch noch heute produziert die Adam Opel AG in Eisenach Autos.

Eine Übersicht mit weiteren UNESCO-Weltkulturerbe & Weltnaturerbe-Stätten in Deutschland finden Sie hier.

 


Quellen:

 

Credits:

1 Wartburg von der Brücke fotografiert.
von Lencer at de.wikipedia. Later version(s) were uploaded by Smial at de.wikipedia. (Eigenes Werk) [Attribution], via Wikimedia Commons

2 Burghof der Wartburg (heute).
von Fotograf: Ingo2802 [GDFL], via Wikimedia Commons

Aktualisiert ( Donnerstag, 07. Juni 2012 um 22:25 Uhr )
 

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