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Die Klosterinsel Reichenau - UNESCO-Weltkulturerbe in Deutschland & Sehenswürdigkeit

Die Insel Reichenau im Bodensee beherbergt ein weltberühmtes Kloster

Die berühmte Klosterinsel Reichenau liegt im Bodensee. Sie gilt als ein herausragendes Zeugnis der religiösen und kulturellen Rolle, die der Benediktinerorden mit seinen Klöstern im Mittelalter spielte.

Auf dem Eiland sind drei romanische Kirchen aus dem 9. Bis 11. Jahrhundert erhalten geblieben. Sie veranschaulichen eindrucksvoll die Architektur im frühen Mittelalter in Mitteleuropa. Reichenau war auch ein künstlerisches Zentrum. Das beweisen die bedeutenden Wandmalereien, die mittlerweile sorgfältig restauriert werden konnten. Im Jahre 2000 erfolgte deshalb die Aufnahme der Klosterinsel Reichenau in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes.

Die Geschichte des Klosters lässt sich weit zurückverfolgen. Der Legende nach gründete der Wanderbischof Pirmin das Kloster im Jahr 724 auf der „reichen Au“. Von daher erklärt sich auch der Name. Die Abtei der Benediktiner entwickelt sich zwischen 800 und 1100 zu einem wichtigen Geistes- und Kulturzentrum im Heiligen Römischen Reich. Berühmtheit bis weit über die Reichsgrenzen hinaus erlangte die Klosterschule und Bibliothek. Sie ist untrennbar mit den Namen des Abtes Waldo (786 – 806) verbunden. Dieser war Bischof von Pavia und Regent des jungen Langobardenkönigs Pipin.

St. Peter und Paul auf der Insel Reichenau
Wikipedia1
Der Kräutergarten des Klosters
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Im 9. Jahrhundert ließ der Abt Heito I. die Abteikirche neu aufbauen. Er übernahm einige Grundideen des byzantinischen Kirchenbaus. Diesen lernte er bei seinen Reisen im Auftrag von Kaiser Karl dem Großen kennen. Einer der berühmtesten Bewohner der Klosterinsel Reichenau war Walahfrid Strabo (808 – 849) – hauptberuflich Lehrer und Erzieher an der Klosterschule aber auch Dichter, Botaniker und Diplomat. Er legte mit seiner „Visio Wettini“ das christliche Weltbild dar und indspirierte Dante zur „Divina commedia“ (Göttliche Komödie).  Der berühmte Klostergarten von Reichenau geht auch auf ihn zurück. Strabo gilt als der Verfasser des ersten deutschen Buches über den Gartenbau „Liber de cultura hortorum“ („Von der Pflege der Gärten“).

Die Klosterinsel Reichenau: Ein Zentrum der Macht aber auch der Kunst und Kultur

Politische Macht erlangte die Reichenau unter dem Abto Hatto III: (888 – 913). Er war Erzkanzler des Reiches und damit auch Vormund von Ludwig dem Kind, der der letzten deutschen König aus dem Geschlecht der Karolinger war. In den nachfolgenden Jahrhundert erblühten auch die Wissenschaften und die Musik auf der Klosterinsel. Der Mönch Hermann der Lahme verfasste eine Weltchronik und die marianischen Antiphonen "Alma redemtoris mater" und "Salve Regina". Diese Lieder werden noch heute gesungen.

Die drei Kirchen auf der Reichenau gelten als geistige Leuchtfeuer in der karolingischen und ottonischen Zeit. Das Marienmünster war die ehemalige Klosterkirche. Es ist in der heutigen Zeit eine katholische Pfarrkirche. Der älteste Teil dieses Kirchenbaus wurde 816 geweiht. Markante Wahrzeichen der dreischiffigen Basilika sind der gewaltige Dachstuhl sowie die reiche Schatzkammer. In St. Georg in Oberzell kann der Besucher an den monumentalen ottonischen Wandmalereien beinahe nicht satt sehen. Sie stammen aus dem 10. Jahrhundert. Die Kirche St. Peter und Paul steht in Niederzell und wurde 799 von Egino von Verona geweiht. Seine Anliegen, die zum Stiften und Bauen dieses Kirchendenkmals führten waren sehr profaner Natur. Der Bischof von Verona wollte sein Altenteil und wohlverdienten Lebensabend lieber am Bodensee als in Verona verbringen. Sehenswert an St. Peter und Paul sind die prächtige Orgel sowie die romanischen Apsismalereien.

Video über die Klosterinsel Reichenau

 

Heute steht Reichenau auch für den Obst- und Gemüseanbau. Die Reichenauer vergessen aber nicht ihre Traditionen & Geschichte.

Kunstgeschichtlich bedeutende Werke aus dem 9. bis 11. Jahrhundert sind in Reichenau erhalten geblieben. Dazu gehören die einzigartigen Handschriften, die in Bilderzyklen das Neue Tstament, das Leben Jesu und die Evangelien erzählen. Der erhalten gebliebene Bestand der sogenannten „Reichenauer Meisterschule“ umfasst 40 Codices.

Reichenau steht heute für den Anbau von Obst- und Gemüse, der durch das milde Klima der Insel begünstigt wird. 100 Familien leben von diesem Landwirtschaftszweig. Jahrhundertelang überwachte das Kloster auch den Fischfang auf Reichenau. Bis heute allerdings gelang es nur 20 Berufsfischern zu erleben und mit der Fischerei ihre Familie zu ernähren. Mittlerweile ist auch der Tourismus ein wichtiges Standbein der Insel. Der Bodensee lädt zum Baden und auf den einen oder anderen Segeltörn ein. Neben Salatköpfen, Gurken und Bootsanlegern besinnen sich die Insulaner auf ihre glorreiche Vergangenheit und leben die Traditionen. Auf der Insel gibt es drei zusätzliche Feiertage. An diesen Tagen tragen die Reichenauer die Reliquienschreine in einer feierlichen Prozession aus der Schatzkammer über die Insel. Dann wird der Geist der Vergangenheit besonders spürbar.

 

Eine Übersicht mit weiteren UNESCO-Weltkulturerbe & Weltnaturerbe-Stätten in Deutschland finden Sie hier.

 


Quellen:

 

Credits:

1 St. Peter und Paul, Niederzell, Reichenau, Germany.
Fotograf Peter Berger (selbst fotografiert). [GFDL], via Wikiedia Commons

2 Kräutergarten des Klosters Reichenau, Mittelzell.
von Ramessos (Eigenes Werk) [Public domain], via Wikimedia Commons

Aktualisiert ( Donnerstag, 07. Juni 2012 um 20:59 Uhr )
 

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