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Das Fagus-Werk in Alfeld von Walter Gropius - UNESCO-Weltkulturerbe in Deutschland & Sehenswürdigkeit

Das von Walter Gropius geplante Fagus Werk in Alfeld

Im niedersächsischen Alfeld in der Nähe von Hannover liegt das sogenannte Fagus-Werk. Hier hat die moderne Industriearchitektur ihren Ursprung. Als Walter Gropius den Auftrag für ein Gebäude der Fagus GmbH annahm, war er noch ein junger Architekt und dies sein erster großer Bau. Bis zum späteren Ruhm als Stararchitekt des Bauhauses sollten noch viele Jahre vergehen und dennoch wird das Fagus-Werk immer in einem Atemzug mit der Bauhaus-Architektur genannt. Vieles wird hier vorweggenommen.

Doch zunächst alles schön der Reihe nach:
Der Industrielle Carl Benscheidt beauftragte 1911 einen gewissen Walter Gropius und seinen Mitarbeiter Adolf Meyer. Sie sollten für seine neue Schuhleistenfabrik in Alfeld das Fabrikgebäude planen und errichten. Walter Gropius war damals ein junger Architekt von noch nicht einmal 30 Jahren. Dennoch hatte er bereits ein gutes Gespür für die moderne Architektur. Benscheidt erkannte das Talent und schenkte Gropius sein Vertrauen. Dieses wurde belohnt, denn im Rückblick stellte sich das Fagus-Werk in Alfeld als ein Manifest der Neuen Sachlichkeit heraus.

Fagus-Werk in Alfeld
Wikipedia1
Fagus-Werk in Alfeld (Rückseite)
Wikipedia2

Markenzeichen der Konstruktion aus Glas und Stahl sind die stützenlosen, vollständig verglasten Ecken. Sie verleihen dem dreistöckigen Gebäude eine beinahe schwerelose Eleganz. Diese Bauweise war für Fabriken der damaligen Zeit außergewöhnlich. Bereits mit seinem Erstlingswerk brachte Gropius seine revolutionären Ideen ein. Er legte damit die Grundsteine für eine völlig neue Stilrichtung. Letztlich ebnete er mit dem Fagus-Werk in Alfeld der modernen Architektur den Weg.

Bereits bei seinem Erstlingswerk nahm Gropius nahm viele Elemente der modernen Architektur vorweg

Nach der Fertigstellung der Pläne wurde der Industriekomplex in drei Bauabschnitten errichtet. Die Bauzeit zog sich von 1911 bis 1925. Eine letzte Erweiterung kam 1938 hinzu. Sie wurde von Peter Neufert durchgeführt. Bei der Planung der einzelnen Gebäude orientierte sich der Architekt ganz an den Slogan des modernen Designs: „Form follows function“. So passen sich die Gebäude der zu erfüllenden Funktion an. Das Lagerhaus beispielsweise ist ein solider Steinbau. Die Werkstatt dagegen soll eine optimale Arbeitsumgebung schaffen. So lassen große Glasfronten viel Licht hinein und schaffen angenehme Arbeitsbedingungen. Die markanten, stützfreien Ecken, die nur mit Glas verhängt sind, gelten als Beginn der modernen Skelettbauweise. Auch hier war Walter Gropius seiner Zeit weit voraus.

Die insgesamt zehn Komponenten der Fabrik in Alsfeld wurden in den letzten 100 Jahren teilweise renoviert und umgenutzt. Industrielle Innovationen und die Einführung neuer Technologien machten dies erforderlich. Dennoch ist das Fagus-Gelände seit 1946 bereits ein eingetragenes Baudenkmal. Man führte deshalb alle Umbauten nach den stilistischen Vorgaben von Gropius aus und nutzte auch nur die damit vorgegebenen Materialien. Deswegen wirkt der Komplex noch heute „wie aus einem Guss“.

Video über das Fagus-Werk in Alfeld

 

Das Fagus-Werk blieb seiner Tradition verpflichtet: Noch heute werden hier Schuhleisten hergestellt

Der Name der Fabrik kommt übrigens vom lateinischen Wort „Fagus“. Dieses heißt Buche bzw. Buchenholz. Bis zum Umstieg auf Kunststoff in den 1970er Jahren nutzte man Buchenholz, um daraus die Schuhleisten herzustellen. Noch heute, nachdem das Werk bereits seinen 100. Geburtstag gefeiert hat, läuft hier die Produktion von Schuhleisten wie eh und je.

Das Fagus-Werk wurde in seinem Jubiläumsjahr 2011 von der UNESCO in die Liste des Weltkultur- und Naturerbes aufgenommen.

 

Eine Übersicht mit weiteren UNESCO-Weltkulturerbe & Weltnaturerbe-Stätten in Deutschland finden Sie hier.

 


Quellen:

 

Credits

1 Das Fagus-Werk, Hauptgebäude (Frontale).
von Mike Reiss.Mike Reiss at de.wikipedia [CC-BY-SA-2.0-de], vom Wikimedia Commons

2 Das Fagus-Werk in Alfeld (Rückseite).
Mike Reiss [CC-by-sa 2.0/de], via Wikimedia Commons

Aktualisiert ( Donnerstag, 31. Mai 2012 um 21:35 Uhr )
 

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